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  • ifo Schnelldienst 6/2015 68. Jahrgang 26. Mrz 2015

    33Daten und Prognosen

    Ertragsentwicklung im Verarbeitenden GewerbeDie ifo Ertragslageurteile als Indikator fr die

    Michael Ebnet

    Whrend amtliche Daten zur Umsatzentwicklung unterjhrig zur Verfgung stehen und vergleichs-

    weise zeitnah vorliegen, weisen die nur jhrlich erscheinenden Strukturstatistiken in der Regel

    einen erheblichen zeitlichen Verzug auf. So knnen beispielsweise die Ergebnisse der Kostenstruk-

    turerhebung im Verarbeitenden Gewerbe, welche wichtige Rckschlsse auf seine Ertragssituation

    und der ihm zugehrigen Branchen erlauben, vom Statistischen Bundesamt erst eineinhalb Jahre

    nach Ende eines Berichtsjahres bereitgestellt werden. hnlich verhlt es sich bei den Struktursta-

    tistiken im Baugewerbe, Handel und Dienstleistungsbereich. Grund ist, dass die meldepflichtigen

    Unternehmen erfahrungsgem auf Daten aus ihrem Jahresabschluss zurckgreifen, dieser jedoch

    selbst erst verzgert vorliegt. Hinzu kommen Terminverlngerungen und zeitaufwendige Rckfra-

    gen bei den Firmen. Aussagen ber die aktuelle Ertragssituation in einem Wirtschaftssektor bzw.

    einer Branche sind dadurch besonders schwierig zumal die Umstze zwar eine elementare, aber

    nicht die alleinige Determinante der Ertragsentwicklung sind. Im Folgenden wird berprft, ob die

    im Rahmen des ifo Konjunkturtests im Verarbeitenden Gewerbe erhobene Einschtzung der Unter-

    nehmen zu ihrer aktuellen Ertragslage die durch den zeitlichen Nachlauf der amtlichen Statistik

    aufklaffende Informationslcke zu schlieen vermag. Es stellt sich heraus, dass die ifo Ertragsla-

    geurteile im Fall des Verarbeitenden Gewerbes insgesamt sowie der Vielzahl seiner Branchen ein

    relativ zuverlssiger und prziser Indikator fr die Ertragsentwicklung sind.

    Die amtliche Kostenstruktur-erhebung als zentrale Grundlage fr die Ertragsbewertung

    Um fundierte Aussagen ber die durch-schnittliche betriebswirtschaftliche Ver-fassung der in einem bestimmten Wirt-schaftszweig ttigen Unternehmen treffen zu knnen, reicht es nicht aus, sich allein am Umsatzergebnis zu orientieren. Ben-tigt werden insbesondere auch Informa-tionen zu in Anspruch genommenen Vor-leistungen (Material-, Energieverbrauch, Handelswareneinsatz, Lohnarbeiten etc.), anfallenden Personalkosten, Abschrei-bungen sowie Fremdkapitalzinsen.1 Mit der Kostenstrukturerhebung im Verarbei-tenden Gewerbe, die auf einer reprsen-tativen Stichprobe mit Auskunftspflicht basiert, stellt das Statistische Bundesamt solche Angaben fr Unternehmen mit 20und mehr ttigen Personen auf Jah-resbasis zur Verfgung. Dadurch kann, als betriebswirtschaftliche Ertragskennzif-fer, ein sogenanntes Ergebnis vor Steu-ern2 ermittelt werden (vgl. Ebnet 2014, Formel rechts).

    1 In Branchen mit einem hohen Anteil inhaberge-fhrter Unternehmen nehmen zudem kalkulatori-sche Kosten (Unternehmerlohn, Eigenkapital-zinsen, Eigenmiete) starken Einfl uss auf das durch schnittliche betriebswirtschaftliche Ergebnis.

    2 Ausgewiesen wird das Ergebnis vor Steuern als Anteil am Bruttoproduktionswert (Gesamtleis-tung). Dieser setzt sich zusammen aus dem Ge-samtumsatz (ohne Umsatzsteuer), den Bestands-

    Die Berechnung einer auf der amtlichen Statistik gesttzten Ertragskennziffer ist allerdings nur bis zum jeweiligen Berichts-jahr der Kostenstrukturerhebung (derzeit 2012) mglich. Das Statistische Bundes-amt gibt als Zeitspanne vom Ende eines Berichtsjahres bis zur Verffentlichung der Ergebnisse (maximal) 18 Monate an. Amt-liche Kostenstrukturdaten fr das Be-richtsjahr 2013 liegen also (sptestens) im Juni 2015 vor. Investoren sowie Entschei-dungstrger in Finanzwirtschaft und Poli-tik sind jedoch (z.B. im Rahmen der Kre-

    vernderungen an unfertigen und fertigen Er zeugnissen sowie den selbsterstellten Anlagen. Da es sich bei den beiden letzteren in der Regel um vergleichsweise geringe Gren handelt, unterscheidet sich die hier verwendete Ertrags-kennziffer nur geringfgig von der im allgemeinen Sprachgebrauch gelufi geren Umsatzrendite, deren Bezugsgre nur der Gesamtumsatz ist.

    EvSi : Ergebnis vor Steuern als Anteil am Bruttoproduktionswert in %BPWi : BruttoproduktionswertMVi : MaterialverbrauchEVi : EnergieverbrauchHWi : Einsatz an HandelswareLAi : Kosten fr durch andere Unternehmen ausgefhrte Lohnarbeiten, fr Leiharbeitnehmer sowie fr sonstige industrielle oder handwerkliche Dienst- leistungenSKi : Sonstige Kosten (u.a. Mieten und Pachten, Kostensteuern)PKi : PersonalkostenASi : AbschreibungenFKZi : Fremdkapitalzinsen

    im Wirtschaftszweig i.

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    Vorleistungen

  • 34 Daten und Prognosen

    ifo Schnelldienst 6/2015 68. Jahrgang 26. Mrz 2015

    ditvergabe oder bei Subventionsentscheidungen) grundstz-lich auf zeitnahe Informationen zur Ertragssituation einzelner Wirtschaftszweige angewiesen. Fr sie spielen weniger die Entwicklungen der vergangenen Jahre, sondern meist sogar die zu erwartenden knftigen Ertrge eine Rolle.

    Die Beurteilung der Ertragslage im Rahmen des ifo Konjunkturtests

    Dazu beitragen, das beschriebene Informationsdefizit zu ver-kleinern, knnten die im Zuge des ifo Konjunkturtests ab-gegebenen Firmenmeldungen zu Ertragslage und -entwick-lung. So befragt das ifo Institut rund 3500 Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes3 nicht nur monatlich nach ihrer aktuellen Geschftslage und ihren Geschftserwartun-gen fr die nchsten sechs Monate, sondern u.a. zweimal jhrlich (zuletzt im Mai und September 2014) auch speziell nach ihrer derzeitigen Ertragssituation (gemessen am Be-triebsergebnis aus gewhnlicher Geschftsttigkeit) und wie sich diese gegenber Herbst des Vorjahres bzw. dem ersten Quartal des laufenden Jahres entwickelt hat.4 Von Interesse sind in dem hier verwendeten Kontext vor allem die Urteile der Unternehmen zu ihrer derzeitigen Ertragslage. Die Fra-gestellung hierzu verndert sich im Jahresverlauf nicht, was die Bildung von einfachen Jahresdurchschnitten ermglicht. Zudem folgt sie mit den Antwortmglichkeiten gut, befrie-digend, schlecht exakt dem gleichen Muster wie die mo-natliche Abfrage der aktuellen Geschftslage.

    Kohrenz von amtlicher Datenbasis und ifo-Erhebung

    Ob sich die aus dem ifo Konjunkturtest gewonnenen Ertrags-lageurteile als Indikator fr die Ertragsentwicklung im Verar-beitenden Gewerbe eignen, lsst sich mit Hilfe einer Korre-lationsanalyse herausfinden. Dabei wird der statistische Zu-sammenhang zwischen den auf Basis der amtlichen Kos-tenstrukturerhebung ermittelten Ergebniswerten und den entsprechenden ifo Ertragslageurteilen berechnet. Betrach-tungszeitraum fr diese Untersuchung ist die Zeitspanne 2002 bis 2012. Zwar wrden amtliche Kosten strukturdaten bereits ab dem Berichtsjahr 1995 zur Verfgung stehen, al-lerdings hat das ifo Institut die gesonderte Ertragsbeurteilung erst 2002 in den Fragenkatalog des Konjunk turtests aufge-nommen. Folglich ist ein Abgleich der Daten auch erst ab diesem Jahr mglich. Die Auswertung sttzt sich also auf (maximal) elf Beobachtungen, entsprechend vorsichtig sollte spter die Ergebnisinterpretation ausfallen.

    3 Im Bauhauptgewerbe, Gro- und Einzelhandel sowie Dienstleistungssek-tor wird keine entsprechende Abfrage der Ertragslage und -entwicklung durchgefhrt.

    4 Die entsprechenden Mikrodaten sind am LMU-ifo Economics & Business Data Center (EBDC) hinterlegt. Fr ausfhrliche Informationen und Richt-linien zu Zugang und Gebrauch vgl. Seiler (2012) sowie Wohlrabe und Becker (2008).

    Bevor die Korrelationsanalyse durchgefhrt werden kann, mssen die qualitativen Einschtzungen gut, befriedigend, schlecht der Unternehmen zu ihrer derzeitigen Ertragssitu-ation in eine quantitative Gre umgewandelt werden. Dies erfolgt, indem aus den prozentualen Anteilen der Gut- und Schlecht-Antworten der Saldo gebildet wird. Anschlieend werden, um die Vergleichbarkeit mit der nur jhrlich erschei-nenden amtlichen Kostenstrukturerhebung herzustellen, aus den im Mai und September erlangten Saldenwerten Jahres-durchschnitte errechnet.

    Schwierigkeiten bei der Korrelationsanalyse bereitet, dass die Kostenstrukturdaten des Statistischen Bundesamtes bis einschlielich des Berichtsjahres 2007 nur nach alter Wirt-schaftszweigklassifikation (WZ 2003) vorliegen. Erst ab dem Berichtsjahr 2008 stehen die Ergebnisse nach der neueren, aktuell gltigen Wirtschaftszweigsystematik (WZ 2008) zur Verfgung. Dagegen sind die Daten des ifo Konjunkturtests durchgehend nach WZ 2008 gegliedert. Die amtlichen Rei-hen weisen somit einen Strukturbruch auf, von dem die ver-schiedenen Branchen unterschiedlich stark betroffen sind (vgl. Statistisches Bundesamt 2008).5 Dies muss bei der In-terpretation der Korrelationen bercksichtigt werden. Um den Verzerrungen, die durch den beschriebenen Strukturbruch auftreten knnen, Rechnung zu tragen, werden die Korrela-tionen zwischen den durch die amtliche Statistik gesttzten Ergebniswerten und den ifo Ertragslageurteilen fr zwei ver-schiedenen Zeitrume berechnet (vgl. Tab. 1). Zum einen fr die gesamte in Frage kommende Beobachtungsspanne 2002 bis 2012 und damit im Fall der Ergebnisse vor Steu-ern klassifikationsbergreifend. Zum anderen fr den ver-krzten Betrachtungszeitraum 2008 bis 2012, in dem beide Datenreihen einheitlich der Systematik WZ 2008 folgen. Un-eingeschrnkte Vergleichbarkeit der Korrelationen ist damit nur in letzterem Fall gegeben. Allerdings drften die Ergeb-nisse der Korrelationsanalyse bei Branchen, die kaum von Verschiebungen durch die WZ-Umstellung betroffen waren, in ersterem Fall aufgrund der lngeren Zeitreihe stabiler sein.

    Die Korrelationsanalyse ergibt, dass der (statistische) Zu-sammenhang zwischen dem Ergebnis vor Steuern