FahrRad 1/2015

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ADFC-Fahrradzeitung für den Kreis Unna / Frühling 2015

Transcript of FahrRad 1/2015

  • FahrRad

    ADFC-Fahrradzeitung fr den Kreis Unna

    Frhling 201 5

    kv.adfc-unna.de

    Allgemeiner Deutscher

    Fahrrad-Club

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  • 3FahrRad Frhling 201 5

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    ADFC im Internet

    Informationen rund ums Radfahren im

    Kreis Unna knnen Sie auch aufden

    Internetseiten des Kreisverbandes

    kv.adfc-unna.de erhalten. Dazu ge-

    hren unter anderem ein Newsletter,

    eine Tourendatenbank und eine Liste

    von Fahrradkarten, die Sie fr ihre Tour

    brauchen knnten.

    Hierwie aufden verl inkten Internetsei-

    ten der einzelnen ADFC-Gruppen im

    Kreis finden Sie ebenfal ls die aktuel len

    Touren- und Veranstaltungstermine.

    Gleiches gilt fr aktuel le

    Meldungen rund um

    das Thema Radfah-

    ren in den Stdten

    und Gemeinden

    des Kreises.

    ADFC Kreis Unna

    WernerWlfing

    Vorsitzender, Tel. : 02303 / 1 2981

    Gaby Jhnk

    Vorsitzende, Tel. : 02303 / 63375

    ffnungszeiten der

    Kreisgeschftsstelle:

    Dienstag, 1 7:00 1 8:30 Uhr

    Umweltberatungszentrum,

    Rathausplatz 21 , 59423 Unna

    Tel. : 02303 / 1 03655

    [email protected]

    Letztes Jahr haben meine Frau und ich eine einw-

    chige Radrundreise durch Seeland unternommen.

    Start- und Zielort warKopenhagen. Wenn man in Ko-

    penhagen Urlaub macht, kann man spren, was es

    heit, wenn eine Grostadt

    einen Radverkehrsantei l von 37

    Prozent hat. Die Stadt ist jung

    und lebendig und doch ruhig und

    nicht so laut. Straen sind an vie-

    len Stel len Lebensraum statt

    Verkehrsraum. Dies scheinen

    nicht nur die Urlauber zu scht-

    zen. Nach starken Einwohner-

    verlusten in den 80er Jahren des

    letzten Jahrhunderts stieg nach dem Umdenken in der

    Verkehrspolitik die Einwohnerzahl wieder deutl ich an.

    Kopenhagen mchte noch besserwerden. Die 2011

    vom Stadtrat verabschiedete Fahrradstrategie heit:

    Good, Better, Best 2011 2025. Sie hat sich das Ziel

    gesetzt, im Jahr 2025 einen Radverkehrsantei l von 50

    Prozent zu haben. Die Strategie sieht vor, Komfort, Si-

    cherheit und Schnell igkeit zu erhhen. Dazu sollen

    Radwege aufdrei Fahrstreifen erweitert werden, um

    Nebeneinanderfahren mit zustzl ichem berholen zu

    ermglichen. Reisezeiten derRadfahrer sol len durch

    GrneWellen und zustzl iche Brcken ber stark be-

    fahrene Straen und Kanle verringert werden. Beson-

    ders in und um Bahnhaltestel len sollen die Parkmg-

    l ichkeiten erhht werden die Fahrradmitnahme in

    S-Bahnen ist kostenlos.

    Unnas Verwaltung hat in derWiederbewerbung der

    Stadt Unna um Mitgl iedschaft in derArbeitsgemein-

    schaft fugnger- und fahrradfreundlicherStdte

    (AGFS) eine Fahrradstrategie bis ins Jahr 2025 ver-

    sprochen. Die Steigerung des Radverkehrsantei ls von

    derzeit 1 1 auf22 Prozent ist erklrtes Ziel. Nheres zum

    Verlauf der Planungen finden Sie aufSeite 1 6. Durch

    Kopenhagen fahren schon heute 20.000 Lastenfahrr-

    der. Im Kreis Unna gibt es seit dem Frhjahr 201 5 ein

    Lastenrad mehr. Mehr ber die Lastenradinitiative ULF

    UNser Lastenfahrrad in diesem Heft aufSeite 9.

    Machen wir es wie die Kopenhagener!

    IhrWernerWlfing

    Copenhagenize Rad

    fahren wie in Kopenhagen

    Liebe FahrRadfreundinnen und -freunde!

    Ed i tori a l

  • 4FahrRad Frhling 201 5

    Editorial 3

    Inhalt 4

    Impressum 69

    FahrRad-Technik

    Pedelces und E-Bikes 5

    ULF - UNser Lastenfahrrad 9

    Lastenrdermit Rckenwind 1 0

    FahrRad-Politik

    Frderrichtl inie Nahmobil itt 1 2

    NachrufFahrradBus 1 3

    Mobil ittsbefragung im Kreis Unna 1 4

    AGFS und Zielnetz 2025 frUnna 1 6

    Streitfal l WaltroperStrae in Lnen 1 8

    Pro und Contra: Radfahren und Alkohol 20

    FahrRad-Tourismus

    Vom Brenner an die Adria 22

    Saale-Elbe-Tour 26

    Radfahren in Grobritannien 29

    Selm zwischen Schloss und See 32

    Tour zu Westfl ischen Salzwelten 33

    Touren & Termine (Mrz August 201 5) 36

    FahrRad-Events

    2. Stadtradeln Unna 49

    Stadtradeln Unna: Aufruf zurMarga-Spiegel-Tour 52

    Nachlese Marga-Spiegel-Tour 53

    Nachlese Bundesradsporttreffen in Werne 55

    1 0. Drahteselmarkt in in Lnen 58

    ADFC-Sternfahrt nach Kamen 60

    FahrRad-Spa

    Rudis Ritzelrtsel 61

    FahrRad-Medien

    Software BaseCamp /App GPS Test 62

    Von Bochum zum Baikalsee (Buchvorstel lung) 64

    FahrRad &ADFC

    Auswertung Leser/-innen-Umfrage zurFahrRad 66

    Vortei le frADFC-Mitgl ieder 68

    FahrRad-Jugend

    Wie lerne ich Einradfahren? 70

    Bauanleitung Tallbike 75

    FahrRad Frhling 201 5

    4

    I nhal t

  • 5FahrRad Frhling 201 5

    kologie, Gesundheit und Gemein-

    schaft sprechen fr das Rad als effi-

    zientes Fortbewegungsmittel. Pedelecs

    und E-Bikes sind stark im Trend. In

    Deutschland fahren mittlerweile mehr als

    1 ,6 Mil l ionen Rder mit elektrischen Zu-

    satzantrieb und der Trend nimmt weiter

    zu. Die Grnde fr eine Pedelecnutzung

    sind vielfltig. Es sind schon lange nicht

    mehr nur die durch Alter oder Gebrechen

    mobil ittseingeschrnkten Personen, die

    mit einem Elektrorad ihre Einbuen kom-

    pensieren wollen und so am sozialen Le-

    ben tei lnehmen knnen. Viele junge und

    leistungsstarke Menschen steigen aufs

    Pedelec um. Selbst lngere Wege zurAr-

    beit sind ohne Schwei zurckzulegen.

    Besonders in Regionen mit fahrradun-

    freundlicher Topographie oder mit unzu-

    reichendem ffentl ichen Nahverkehr er-

    setzen E-Bikes zunehmend den PKW.

    Unterschiede bei den Elektrordern

    Bei den Elektrordern unterscheidet

    man drei Typen. Das Pedelec (Pedal

    Electric Cycle) untersttzt den Fahrer mit

    maximal 250 Watt bis zu einer Geschwin-

    digkeit von 25 km/h. Wenn man bedenkt,

    dass ein Durchschnittsradler etwa 1 00

    Watt auf die Strae bringt, bedeutet dies

    eine mehr als Verdreifachung der Lei-

    stung. Die Pedelecs gelten rechtl ich als

    Fahrrad. Man darf auf Fahrradwegen fah-

    ren und muss keinen Helm tragen.

    Die sogenannten S-Pedelecs (S steht

    fr schnell) gelten nicht als Fahrrder. S-

    Pedelecs untersttzen den Fahrer bis zu

    einer Geschwindigkeit von 45 km/h. Man

    muss auf der Strae fahren, selbst dann,

    wenn Mofas auf dem Radweg zugelas-

    sen sind. Es ist eine Betriebserlaubnis

    und ein Versicherungskennzeichen not-

    wendig und es besteht eine Helmpfl icht.

    Der Fahrer muss minde-

    stens 1 6 Jahre alt sein und

    eine Fahrerlaubnis der

    Klasse AM besitzen.

    E-Bikes fahren selb-

    stndig auch ohne eine

    Pedalbewegung durch den

    Fahrer. Die Hchstge-

    schwindigkeit betrgt 20

    km/h. Wenn man schneller

    fahren mchte, ist dies

    durch Eigenantrieb mg-

    l ich. Eine Helmpfl icht be-

    steht zwar nicht, aber das

    E-Bike muss ein Versiche-

    rungskennzeichen tragen.

    Das Befahren von Radwe-

    gen ist innerorts mit dem

    Zusatz Mofa frei und au-

    erorts immer erlaubt.

    Pedelecs & E-B ikes

  • 6FahrRad Frhling 201 5

    Antriebsarten

    Angetrieben werden Pedelecs durch

    einen Elektromotor, der ber Sensoren

    gesteuert wird. Man unterscheidet drei

    grundschlich verschiedene Antriebskon-

    zepte. Der Frontmotor sitzt in der Vorder-

    radnabe. Nachrststze empfiehlt der

    ADFC nicht, da Gabeln und Rahmen zu-

    stzl iche Belastungen aushalten mssen,

    fr die sie nicht gebaut sind. Da der Front-

    antrieb das Fahrrad hinter sich her zieht,

    kann das Vorderrad auf sandigem oder

    feuchtem Untergrund oder in Kurven

    durchdrehen und rutschen.

    Beim Mittelmotor (Foto unten) ist der

    Antrieb in derMitte ber dem Tretlager an-

    gebracht und treibt das Hinterrad ber die

    Kette an. Das Fahrverhalten ist einem

    normalen Fahrrad sehr hnlich und man

    kann die blichen Komponenten (Naben-

    dynamo, Bremsen und Schaltungen) ver-

    bauen.

    Ist der Elektromotor anstel le der Hinter-

    radnabe eingebaut, spricht man vom

    Heckantrieb. Ist auch noch der schwere

    Akku hinten angebracht, ist das Rad oft

    hecklastig. Durch die ungleiche Ge-

    wichtsvertei lung ist es schwer zu tragen.

    Dies ist wichtig fr Leute, die ihr Rad in ei-

    nem Keller abstel len mssen oder die oft

    mit Bahn und Rad verreisen wollen. Muss

    man im Pannenfal l das Hinterrad aus-

    bauen, ist dies beim Heckmotor oft be-

    schwerl ich (sieheTipp: neue Schlauchva-

    riante)

    Unterschiedliche Sensoren

    Der Trittfrequenzsensor zhlt die Um-

    drehungen derTretkurbeln und errechnet

    hieraus die Trittfrequenz. Der Sensor

    kann jedoch nicht die Kraft messen, die

    an den Kurbeln angreifen. Daher kommt

    es vor, dass die Motoruntersttzung zu

    stark oder auch zu schwach ausfal len

    kann. Der Motor schaltet ab, wenn eine

    Trittfrequenz erreicht ist, die fr den

    schnellsten Gang eine Geschwindigkeit

    ber 25 km/h bedeuten wrde.

    Der Drehmomentsensor kann die wirk-

    l iche Antriebskraft ermitteln. Er ermg-

    l icht es, die untersttzende Kraft genauer

    zu regeln. Ein Nachtei l : Das Rad kann bei

    schlechter Steuerung pltzl ich losfahren,

    wenn man einen Fu aufs Pedal aufsetzt.

    Der Geschwindigkeitssensor wird nur

    in Verbindung mit einem vorher beschrie-

    benen Sensor eingesetzt. Er regelt die

    Drosselung der Untersttzung

    bei erreichter Hchstgeschwin-

    digkeit.

    Akkupflege

    Auch fr legales Doping zahlt

    man einen Preis: Der Fahrradak-

    ku mchte gut gepflegt werden.

    Glckl icherweise sind moderne

    Lithium-Ionen-Akkus nicht mehr

    ganz so anspruchsvoll wie frhe-

    re Akku-Typen. Der Memory-Ef-

    fekt und auch viele andere

    Schwierigkeiten, die es mit alten

    Pedelecs & E-B ikes

  • 7FahrRad Frhling 201 5

    Schlauchwechsel ohne Radausbau

    Besonders Hollandrad-Besitzer, aber auch

    Pedelec-Fahrer oder Rennfahrer knnen sich

    freuen. Eine neue Schlauchart der Firma GAADI

    ermglicht es, einen Schlauch zu tauschen, ohne

    das Rad ausbauen zu mssen. Er ist nicht kreis-

    frmig geschlossen, sondern hat zwei Enden.

    Diese lassen sich an den Streben vorbei in jeden

    Mantel legen. Das einzige Werkzeug, dass man

    neben einer Pumpe noch bentigt, ist eine Sche-

    re oder ein Messer zum Durchtrennen des alten

    Schlauches. Wie man am besten vorgeht, kann

    man auf den Technikseiten des Kreisverbandes

    in einem Videotutorial anschauen:

    http: //tinyurl.com/kpmrmao

    Akkus

    zu meistern gab, sind

    heute keine Thema mehr. Ein paar

    Kleinigkeiten gilt es al lerdings trotzdem

    zu beachten.

    Seine volle Leistung entwickelt der

    Akku erst nach einigen Ladezyklen. Neue

    Akkus sind dumm und ihnen muss erst

    beigebracht werden, was 1 00% ist. Des-

    halb sol lte er die ersten drei bis vier mal

    fast leergefahren werden. Anschlieend

    ldt man den Akku am besten sofort wie-

    der voll auf. Nach dieser ersten Einfahr-

    zeit wird das Leben einfacher. Der Akku

    kann im Prinzip nach jeder Fahrt wieder

    aufgeladen werden um beim nchsten

    Mal mit vol ler Kapazitt zur Verfgung zu

    stehen. Da es keinen Memory-Effekt

    mehr gibt, schadet es dem Akku nicht.

    Was dagegen kein Akku mag, ist eine Tie-

    fentladung. Schon aus diesem Grund ist

    es besser, immer mit gut geladenen Ak-

    kus loszufahren.

    Generel l ist fr Lithium-Ionen-Akkus

    ein stndiger Ladezustand zwischen 30

    und 70 Prozent ideal, denn auch die hu-

    fige und lange Vollaufladung schadet

    dem Akku. Die kurze Aufladung bei einer

    kurzen Mittagspause im Caf schadet

    dem Akku also nicht, sondern tut ihm im

    Gegenteil sogar gut. Da die Ladedauer

    fr die letzten 20% lnger dauert, hat man

    nach einer kurzen Zwischenladung oft

    erst die 70% erreicht, bei denen sich der

    Akku am wohlsten fhlt. Um die vom Her-

    stel ler versprochenen Ladezyklen

    muss man sich dabei keine Sor-

    gen machen, da diese sich auf

    volle Aufladungen beziehen.

    Fr eine lngeren Lagerung

    sollte der Akku idealerweise eine

    Ladekapazitt von 40-60% aufwei-

    sen. Ebenfal ls wichtig bei der Lagerung:

    Der Akku hat es gerne khl. Am besten

    entnimmt man bei lngerer Nichtbenut-

    zung den Akku der Radhalterung und la-

    gert ihn bei einerTemperatur zwischen 0

    und 1 5 Celsius.

    Wer mit seinem Elektrorad auf Fernrei-

    sen gehen wil l , muss wissen, dass ein

    Transport von Pedelecs und E-Bikes im

    Flugzeug nicht mglich ist. Da Lithium

    sehr reaktionsfreudig ist, sind Elektro-

    radakkus Gefahrgter.

    Kaufberatung

    Der Markt fr Pedelecs und E-Bikes ist

    in den letzten Jahren sehr stark gewach-

    sen und das Angebot ist riesig.

    Von sogenannten Schnppchenkufen

    im Discounter raten wir ab, da hier eine

    fundierte Beratung wie im Fachhandel

    nicht geleistet werden kann. Machen Sie

    ausgiebige Probefahrten mit unter-

    schiedl ichen Antriebssystemen. Achten

    Sie wie bei normalen Fahrrdern auch auf

    die richtige Gre und die richtige Sitzpo-

    sition. Rechnen Sie mit hheren Kosten

    Pedelecs & E-B ikes

  • 8FahrRad Frhling 201 5

    fr die Wartung eines Pedelec. Der

    Bremsverschlei ist in der Regel hher

    als bei einem normalen Rad, da das

    Durchschnittsgewicht aktuel ler Elektro-

    fahrrder heute bei 25 kg liegt. Fragen sie

    nach hochwertigen Bremssystemen. Pe-

    delecs mssen ein CE-Zeichen tragen.

    Ein GS-Siegel (geprfte Sicherheit) weist

    aufeine hohe Produktsicherheit hin.

    Eine speziel le Kaufberatung kann an

    diese Stel le nicht geleistet werden. Wir

    verweisen auf einen aktuel len Test der

    Stiftung Warentest vom August 201 4, der

    in unserer Kreisgeschftsstel le im Um-

    weltberatungszentrum Unna eingesehen

    werden kann.

    Auswirkungen aufdie Infrastruktur

    Das hhere Geschwindigkeitsniveau

    und Gewicht der Pedelecs fhrt zu lnge-

    ren Bremswegen und verlangt zustzl i-

    che Sicherheitsreserven bei der Dimen-

    sionierung und Gestaltung von Rad-

    verkehrsanlagen. Wege fr Pedelecs

    sollten fr eine Fahrgeschwindigkeit von

    30 km/h ausgelegt werden und Kurvenra-

    dien von mindestens 20 m (bei Asphalt)

    haben. Der Anhalteweg von 25 m erfor-

    dert dann eine Sichtweite von 50 m. Au-

    erorts mssen die geltenden Breitenan-

    forderungen von 3 m (mindestens 2,5 m)

    fr selbstndig gefhrte Radwege und

    2,5 m fr Straen begleitende Zweirich-

    tungsradwege erfl lt werden.

    Einzelheiten zur Infrastruktur sind in den Empfehlungen fr

    Radverkehrsanlagen (ERA 201 0) und beim ADFC NRW

    (PDF-Datei) verfgbar: http: //tinyurl.com/kgap2mn

    Die innerrtl ichen Bordsteinradwege

    sind bereits fr unmotorisierte Fahrrder

    problematisch, weil sie selten die heute

    (beim Neubau) erforderl ichen Mindest-

    breiten haben. Wegen der Strungen an

    Kreuzungen, Einmndungen, Parkplt-

    zen, Grundstckszufahrten und durch

    Fugnger sind sie in al lerRegel auch fr

    Pedelecs nicht geeignet.

    Wassergebundene Wegeoberflchen

    wie Dolomitsand sollten wegen der

    Rutschgefahr, besonders fr Pedelecs

    mit Vorderradnabenmotor, ebenso wie

    Natursteinpflaster (z.B. Blaubasalt) oder

    Holz (bei Brcken) vermieden werden.

    Maschinel l eingebauter Asphalt mit griffi-

    ger Oberflche ist die ideale Fahrbahno-

    berflche fr Pedelecs und hat zudem die

    geringsten Unterhaltungskosten.

    PeterHeinrichmaier, WernerWlfing,

    Jrgen Heidenreich

    Pedelecs & E-B ikes

  • 9FahrRad Frhling 201 5

    U

    LF, das Lastenfahrrad des ADFC

    Kreisverbandes Unna, ist Gemein-

    gut. Jeder Brger im Kreis Unna kann

    es ausleihen und nutzen und zwar

    kostenlos.

    Im Kreis Unna gibt es derzeit keinen

    Fahrradhndler, der Lastenrder fr Pro-

    befahrten bereithlt. Potentiel le Interes-

    senten knnen somit nur unter einem ho-

    hen Aufwand erfahren, ob fr sie ein

    Lastenrad als ein mglicherAutoersatz in

    Frage kommt. Da in Unna und Umgebung

    kaum Lastenfahrrder unterwegs sind, ist

    auch die Nachfrage recht gering, so dass

    Radhndler keine Veranlassung haben,

    sich Ausstel lungs-

    stcke in ihre Ver-

    kaufsrume zu

    stel len.

    Um diesen Teufelskreis zu durchbre-

    chen, hat derADFC Unna das Lastenrad

    Cargo L der Firma Bakfiets angeschafft.

    Der Name Bakfiets leitet sich dabei von

    der niederlndischen Bezeichnung fr Ki-

    ste (Bak) ab. Ein Bakfiets ist also ein Ki-

    stenfahrrad. Es ist ein einspuriges Rad

    und hat trotz 2,60 m Lnge sehr gute

    Fahreigenschaften. Auch Ungebte kom-

    men mit diesem Rad schnell zurecht. Die

    Transportkiste ist mit 63 x 1 00 cm sehr

    gerumig und kann 1 00 kg Zuladung auf-

    nehmen. Ein tiefer Einstieg und eine

    leicht fr al le Nutzer einstel lbare Sitzposi-

    tion ermglicht die Nutzung durch mg-

    l ichst viele Interessierte.

    Ein besonderer Clou ist die Nuvinci-

    Schaltung. Die Idee geht bis auf das Re-

    naissance-Genie Leonardo da Vinci zu-

    rck. Die Schaltung ermglicht den Rad-

    fahrern stets die exakt passende

    bersetzung, da sie sich stufenlos regu-

    l ieren lsst.

    Ausstattung von ULF

    Zusammen mit ULF knnen die Nutzer

    auch ein Regenzelt und eine Kindersitz-

    bank ausleihen. Das Kind wird mit einem

    Gurt gesichert. Desweiteren ist eine Hal-

    terung fr einen Maxi-Cosi-Sitz ausleih-

    bar. ULF ist daher besonders gut als ein

    Kindertransportrad nutzbar.

    Ausleihbedingungen und Standort

    Die Ausleihe ist umsonst. Wir freuen

    uns jedoch ber jeden Erfahrungsbericht

    und jede Spende. ZurAusleihe muss eine

    Kopie des Personalausweises vorl iegen.

    ULF wechselt regelmig seinen Stand-

    ort. Den aktuel len Standort und die Ver-

    fgbarkeit erfhrt man aufden Seiten des

    ADFC Kreisverbandes kv.adfc-unna.de.

    Anfragen sind auch unter der E-Mail

    [email protected]

    Testfahrten mglich

    ULF geht ab dem Frhjahr 201 5 auf

    groe Tour durch den Kreis Unna. Bei

    verschiedenen Mrkten und Festen im

    Kreis knnen Interessierte ULF UNser

    Lastenrad probefahren (siehe unten).

    Untersttzer gesucht

    Der ADFC Unna sucht fr das Projekt

    Untersttzer. Zum einen bentigen wir

    Ausleihstationen. ULF soll an vielen un-

    Lasten fahrrad

  • 1 0

    FahrRad Frhling 201 5

    U

    LF hat viele Brder. Kasimir aus

    Kln warUNserVorbild. Daniel fhrt

    durch Mnchen und Rudolf zieht seine

    Kreise erfolgreich im Stadtgebiet von

    Dortmund. Weitere Projekte schieen

    derzeit wie Pilze aus dem Boden.

    Lastenfahrrder haben ein groes bis-

    her noch ungenutztes Potential . 51 Pro-

    zent al ler motorisierten Transporte in eu-

    ropischen Stdten knnten auf

    Lastenrder verlagert werden. Dies ergab

    eine aktuel le Studie des EU-gefrderten

    Cyclelogistics-Projektes. Insbesondere

    bei Transporten bis 250 Kilogramm ist

    das Lastenrad oft schneller, gnstiger

    und praktischer als das Auto.

    Dass dies nicht nur eine Theorie ist,

    sieht man tagtgl ich zum Beispiel in Ko-

    penhagen. Hier tei len sich etwa 20.000

    Lastenrder und Cargo Bikes die Radwe-

    ge mit normalen Fahrrdern. Sehr oft

    sieht man das Lastenrad als Famil ienkut-

    sche. Neben Fahrradtaxis haben viele

    Kleinhndler (Kaffee oder Sushi) ihre Ge-

    schftsidee erfolgreich dank Lastenrad

    umgesetzt. Die Post wird fast ausschlie-

    l ich auf Lastenrdern ausgetragen. Aber

    auch andere Dienstleister wie Straen-

    reinigung oderPflegedienste setzen aufs

    Lastenrad. Wer einen Eindruck hiervon

    erhalten mchte, den verweisen wir auf

    ein Video auf unseren Webseiten

    kv.adfc-unna.de.

    25.04.201 5: Lnen, 1 0. Drahteselmarkt

    09.05.201 5: Unna, 26. Drahteselmarkt

    1 7.05.201 5: Lnen-Brambauer, Brami-Frhl ingsfest

    1 4.06.201 5: Selm, Stadtfest mit Fahrrad-Aktionsmarkt

    28.06.201 5: Kamen, ADFC-Sternfahrt zum Caf Famil ienbande

    06.09.201 5: Selm, Fahrrad-Aktionsmarkt

    terschiedl ichen Stel len im Kreis sichtbar

    und ausleihbar sein. Wir suchen aber

    auch TestfahrerInnen, die bereit sind,

    einen Artikel ber ihre Erfahrungen zu

    schreiben. Gerne verffentl ichen wir die-

    se Erfahrungen in der kommenden Fahr-

    Rad-Ausgabe.

    Auch Spenden sind gerne gesehen, da

    wir laufende Unkosten fr Wartung und

    Versicherung haben. Wer spenden

    mchte, dem empfehlen wir das Konto

    bei derSparkasse UnnaKamen,

    IBAN: DE37 4435 0060 0000 061 5 23.

    Geben Sie bitte das Stichwort ULF an.

    Spendenquittungen werden auf Nachfra-

    ge ausgestel lt.

    Lasten fahrrad

  • 11

    FahrRad Frhling 201 5

    Kopen-

    hagen ist

    die Wiege der

    Lastenfahrrder. In

    Christiania, die vom Staat Dnemark ge-

    duldete autonome Gemeinde in Kopen-

    hagen, werden schon seit mehr als 30

    Jahren Lastenfahrrder produziert. Aber

    auch in anderen Metropolen wie Amster-

    dam gehrt das Lastenrad zu den alltgl i-

    chen Verkehrsmitteln.

    Auch in Deutschland erkennen immer

    mehr Unternehmen die Potentiale des

    Lastenrades. Die Deutsche Post nutzt

    seit 201 3 sogenannte E-Trikes, um die

    letzte Meile beim Versand von Stckgut

    kostengnstig und umweltfreundlich zu-

    rckzulegen. Mittlerweile sind es schon

    1 500 in ganz Deutschland. In Schwerte

    fhrt seit 201 4 die Firma UPS ein Cargo

    Bike fr die Zustel lung in der Innenstadt,

    da diese verkehrsberuhigt ist und die

    Kunden mit motorisierten Fahrzeugen

    schlecht erreichbar sind. Auch im Kreis

    Unna sind schon etl iche Fahrrder anzu-

    treffen, die als Kaffee- und Getrnkebars

    fungieren oder Kleinunternehmern als

    Transportfahrzeuge dienen. Auch ein

    Gril lstand-Lastenrad und ein Leierkasten-

    Rad wurden schon gesichtet.

    Die Modellvielfalt bei den Lastenrdern

    ist riesig. DerADFC hat sich nach mehre-

    ren Testfahrten fr ein zweirdriges La-

    stenrad entschieden, da sich dieses fr

    den Anfnger sehr leicht fahren l ie. Aber

    auch bei dreirdrigen Lastenfahrrdern

    gewhnt man sich sehr schnell an das

    neue Fahrverhalten.

    WernerWlfing

    ZumThemaLastenfahrradsieheauchFahrRad1/2012:

    S.6ff.,S.38ff.(Archiv:www.adfc-fahrrad.de)

    Lasten fahrrad

  • 1 2

    FahrRad Frhling 201 5

    Frderrichtl ienie Nahmobil itt bei der

    AGFS: http: //tinyurl.com/nk28sbq

    D

    ie Landesregierung NRW bean-

    sprucht den Titel Fahrradfreund-

    l ichstes Bundesland. Zur Festigung die-

    ser Position hat das Ministerium fr

    Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und

    Verkehr Frderrichtl inien zur Frderung

    der Nahmobil itt in den Stdten, Kreisen

    und Gemeinden des Landes NRW erlas-

    sen. Sie sind seit dem 1 .1 2.201 4 in Kraft.

    Danach gewhrt das Land Zuwendungen

    fr Investitionen, Planungen, Service,

    Kommunikation und Informationen, die

    der Verbesserung der Nahmobil itt die-

    nen.

    Gefrdert werden Vorhaben, die ge-

    eignet sind, sicheren Rad- und Fuver-

    kehr zu gewhrleisten und motorisierten

    Individualverkehr auf Rad- und Fuver-

    kehr zu verlagern. Das sind der Bau von

    Radwegen, die Markierung von Radstrei-

    fen und Schutzstreifen, die Aufstel lung

    von Schildern, weiterhin Fahrradstatio-

    nen, sofern sie umfangreiche Dienstlei-

    stungen anbieten, Fahrradabstel lanlagen

    und Ladestationen fr Elektrorder. Zu

    den frderfhigen Bauvorhaben gehren

    auch Fuverkehrsanlagen, zum Bei-

    spiel Gehwege und Querungseinrichtun-

    gen. In Gemeinden, die der AGFS ange-

    hren, knnen nicht investive

    Manahmen wie ffentl ichkeitsarbeit zur

    Frderung der Nahmobil itt gefrdert

    werden. Diese Arbeit kann auch von Ver-

    einen erbracht werden. Der ADFC ist

    zwar nicht genannt, aber viel leicht ge-

    meint. In 3 werden unter Zuwendungs-

    empfngern neben den Gemeinden auch

    Vereine, die satzungsgem die Frde-

    rung derNahmobil itt verfolgen genannt.

    Im nchsten Abschnitt sind die Pla-

    nungsunterlagen aufgezhlt, die einge-

    reicht werden mssen. Fr den, der vor

    derVielzahl zurckschreckt, gibt es einen

    Hoffnungsschimmer, die Bewil l igungs-

    behrde kann die Anforderungen in Ein-

    zelfal l reduzieren.

    Die Hhe der Frderung (5) darf 80%

    nicht berschreiten. DerMindestantei l fr

    die Gemeinde betrgt 1 0%. Es ist festge-

    legt, dass Spenden nicht auf die Hhe der

    Zuwendungen angerechnet werden. Fr

    freiwil l ige Leistungen in Form von brger-

    l ichem Engagement gi lt das gleiche.

    Heit das, dass die Stadt ihren Eigenan-

    tei l durch Spenden und freiwil l ige Lei-

    stungen aufbringen kann?

    Die Antrge auf Frderung sind bei der

    Bezirksregierung einzureichen und zwar

    bis sptestens 1 . Juni des Jahres, das

    dem Manahmenbeginn vorausgeht. Die

    Menge der erforderl ichen Unterlagen

    (2-fach) ist betrchtl ich. Ermutigend ist

    der Hinweis, dass fr eine einfache Ab-

    wicklung Musterformulare im Internet be-

    reitgestel lt werden. In groerAusfhrl ich-

    keit wird abschlieend festgelegt, wie die

    Unterlagen in den Mhlen der Bezirksre-

    gierung, des Ministeriums frVerkehr und

    im Regionalrat gemahlen werden. Die

    Frderrichtl inie Nahmobil itt (FRi-Nah)

    gi lt bis 31 .1 2. 201 9.

    Ob die Kommunen oder der ADFC im

    Kreis Unna es bis dahin schaffen, ein

    Stck vom Kuchen abzubekommen?

    MichaelRichter

    NRW

  • 1 3

    FahrRad Frhling 201 5

    M

    ich als berzeugtem Anhnger und

    Befrworter des FahrradBusses

    hat der Todessto, den die PolitikerInnen

    des Kreistages im Dezember letzten Jah-

    res dem einstigen Vorzeigeobjekt Fahr-

    radBus versetzten, sehr geschmerzt,

    obwohl das Ereignis den Interessierten

    nicht mehr berraschen konnte. Seit An-

    beginn hat die Politik den Bus immer wie-

    der zum Spielbal l ihrer Begehrl ichkeit ge-

    macht. Das Projekt hat durch die von

    dieser Seite bewirkte ewige Herumkas-

    perei nie die Zeit bekommen, die es be-

    ntigt htte, um sich als feststehende

    Gre etablieren zu knnen. Bei stndi-

    ger nderung der Linienfhrung und Ab-

    fahrtzeiten, Ausdnnung des Angebots

    sowie Krzung des Budgets darf es lo-

    gisch denkende Menschen nicht verwun-

    dern, dass derNutzungsgrad des Busses

    von Jahr zu Jahr gesunken ist. 201 0 hatte

    der FahrradBus die landesweit beste

    Nutzung in vergleichbaren Projekten! Gut

    2500 Fahrgste wurden transportiert, bei

    Mitnahme von fast 1 000 Fahrrdern. Das

    war eine Auslastung von ca. 40 Prozent.

    Aber derPolitik fehlte wieder einmal der

    lange Atem, der erzielte Erfolg reichte ihr

    nicht. Schlielich luft die Legislatur nur

    fnf Jahre, was interessieren

    dann positive Ergebnisse spte-

    rer Jahre? So nahm dann das

    Verhngnis seinen Lauf. Es ver-

    wundert nur, dass die Projekte,

    mit denen der FahrradBus sei-

    nerzeit vergl ichen wurde, sich

    noch immer des Lebens freuen

    und sogar als Vorbilder fr ge-

    lungene Kooperation im Bereich

    Nahmobil itt angesehen wer-

    den. Ein Schelm, wer Bses da-

    bei denkt. Aber letztendl ich fiel den Da-

    men und Herren des Kreistages noch auf,

    dass die zwei gekauften Fahrradanhn-

    ger durch private Firmen unter Nutzung

    der Marke FahrradBus vermarktet wer-

    den knnten. Unter den bisher im Raum

    stehenden Mietkonditionen und -kosten

    ist auch das wieder eine Totgeburt.

    Fest steht, der FahrradBus ist zu Tode

    therapiert und gespart worden. Dafr hat

    man letztes Jahr noch ein recht teures ex-

    ternes Gutachten gebraucht, dessen Ko-

    sten oh Wunder natrl ich aus dem oh-

    nehin gekrzten Budget des Busses

    gezahlt werden mussten. Zur Belohnung

    dafr durfte der dann nur noch einen (!)

    Umlauf fahren.

    Eine Frage bewegt mich allerdings:

    Wie wil l der Kreis dieses Desaster der

    Kommission, die 201 6 die Verlngerung

    der Mitgl iedschaft in der AGFS (Arbeits-

    gemeinschaft fahrrad- und fugnger-

    freundlicher Kommunen) prfen muss,

    vermitteln? Die Mitgl iedschaft ist mehr als

    eine Frage des Prestiges und die Gewh-

    rung der Verlngerung kein lockerer Spa-

    ziergang. Erst krzl ich wurde die Stadt

    Marl ausgeschlossen.

    WilfriedPrenger

    ZumThemaFahrradbussieheauchFahrRad

    1/2012:S.18(Archiv:www.adfc-fahrrad.de)

    Kreis Unna

  • 1 4

    FahrRad Frhling 201 5

    M

    enschen mssen sich bewegen,

    um am gesellschaftl ichen Leben

    tei lnehmen zu knnen. Ob der tgl iche

    Weg zum Arbeitsplatz, der Besuch von

    einem Bekannten oder Verwandten, ob

    das wchentl iche Training im Fuballver-

    ein, Mobil itt ist ein Bedrfnis, welches

    von allen Menschen gleichermaen ge-

    tei lt wird und mageblich die persnliche

    Lebensqualitt beeinflusst. Der demo-

    grafische Wandel, der unter anderem zu

    einer Alterung und Schrumpfung der Ge-

    sel lschaft fhrt, stel lt den Kreis Unna und

    die kreisangehrigen Kommunen in die-

    sem Zusammenhang vor die Herausfor-

    derung Mobil itt fr al le Menschen auch

    zuknftig flchendeckend und nachhaltig

    bereitzustel len.

    Im Zeitraum von 201 2 bis 201 3 hat der

    Kreis Unna daraufhin als Teilnehmer der

    ZukunftsWerkStadt, ausgeschrieben

    vom Bundesministerium fr Bildung und

    Forschung (BMBF), mit einer Frderung

    von 250.000 Euro und unter dem Titel

    LebensWerte auf diese Herausforde-

    rung reagiert und die Nachhaltigkeitsstra-

    tegie fr den Kreis Unna entwickelt. Aus-

    gehend von den Themenfeldern Bildung,

    Wirtschaft, Beschftigung, Klima und

    Mobil itt wurden dabei 1 3 handlungslei-

    tende strategische Ziele und insgesamt

    47 konkretisierende Teilziele unter Be-

    rcksichtigung ihrer Anschlussfhigkeit

    an bereits existierende Initiativen und

    Pfl ichtaufgaben im Kreis und die vertikale

    Integration zu bestehenden Nachhaltig-

    keitsstrategien auf anderen administrati-

    ven Ebenen formuliert. Ziele im Themen-

    feld Mobil itt sind zum einen die Strkung

    der umweltschonenden Verkehrsmittel

    (Bus, Bahn, Rad und Fuverkehr = Um-

    weltverbund) und zum anderen die be-

    wusstere und umweltvertrgl ichere Nut-

    zung und Gestaltung des motorisierten

    Individualverkehrs im Kreis Unna. Um die

    entsprechenden Zielen zu erreichen,

    strebt die Nachhaltigkeitsstrategie dabei

    einen Anteil des Umweltverbundes von

    mindestens 55% (25% Radverkehr, 20%

    Fuverkehr und 1 0% ffentl icher Perso-

    nennahverkehr) bis 2020 an. Dass dies

    eine groe Herausforderung ist, zeigt die

    Modal Split Untersuchung vom Herbst

    201 3, die fr den Kreis einen Anteil des

    Umweltverbundes von rund 35% (Bus =

    5,3%, Bahn-Nahverkehr = 3,8%, Bahn-

    Fernverkehr = 0,8%, Fuverkehr =

    1 2,8%, Radverkehr = 1 2,3%) attestiert.

    Seit dem 1 . September 201 4 luft nun

    die 2. Frderphase des Vorhabens, in der

    Kreis Unna

  • 1 5

    FahrRad Frhling 201 5

    die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele

    vor Ort im Mittelpunkt steht. Whrend be-

    stimmte Nachhaltigkeitsziele vorrangig

    von Verwaltung, Politik und Planung ge-

    steuert werden knnen, ist die zuknftige

    Ausgestaltung der Mobil itt im Kreis

    Unna mageblich auf das Mitwirken der

    Brgerinnen und Brgern angewiesen.

    Deshalb haben sich der Kreis und die

    wissenschaftl iche Begleitung (ILS und

    LAG21 ) dazu entschlossen exemplarisch

    an dem Thema Mobil itt mit den Brge-

    rinnen und Brgern zu arbeiten.

    Whrend mehrerer Veranstaltungen

    soll gemeinsam diskutiert und berlegt

    werden, wie die Manahmen konkret

    aussehen knnen und inwiefern die Br-

    gerinnen und Brger selbst bei der Um-

    setzung der aufgestel lten Nachhaltig-

    keitsziele aktiv und selbststndig

    mitwirken knnen. So werden im Frhjahr

    201 5 neben einer Online-Umfrage Mobi-

    l itt, Befragungen in voraussichtl ich drei

    kreisangehrigen Kommunen und eine

    Fachtagung durchgefhrt. Insbesondere

    die Fachtagung Mobil itt sol l dabei

    Plattform fr einen kreativen Dialog zwi-

    schen Fachexperten und Brgerinnen

    und Brgern sein und die Frage nach ei-

    ner zukunftsfhigen, nachhaltigen und fi-

    nanzierbaren Mobil ittsstrategie mit den

    Homepage: http: //www.kreis-unna.de/lebenswerte

    Facebook: https: //www.facebook.com/LebenswerteKreisUnna

    Online-Befragung: http: //goo.gl/forms/jkmmJN0gU3

    Institut fr Landes- und Stadtent-

    wicklungsforschung gGmbH

    Brderweg 22-24, 441 35 Dortmund

    Kontakt: Sebastian Eichhorn

    Tel. 0231 - 9051 279;

    [email protected]

    Schwerpunkten Nahmobil itt, Tarifsy-

    stem, flexible Befrderungssysteme und

    Mobil ittsmanagement fr Nutzergrup-

    pen zum Thema haben.

    Termin fr die Fachtagung Mobil itt ist

    Mittwoch, der 27. Mai 201 5. Weitere In-

    formationen erhalten Sie unter den un-

    tenstehenden Internetadressen. Da die

    Ergebnisse der Online-Befragungen

    ebenfal ls bei der Fachtagung vorgestel lt

    werden sollen, bitten wir Sie zudem an

    der Online-Befragung Mobil itt tei lzu-

    nehmen. Die Befragung ist anonym und

    dauert ca. 1 01 5 Minuten.

    Sebastian Eichhorn

    Landesarbeitsgemeinschaft

    Agenda 21 NRWe.V.

    Deutsche Str. 1 0, 44339 Dortmund

    Kontakt: Melanie Schulte

    Tel. 0231 - 93 69 60 - 1 7;

    [email protected] .de

    Kreis Unna

    Kontakt: Ludwig Holzbeck

    Tel. 02303 - 27 1 0 69;

    [email protected]

    Kreis Unna

  • 1 6

    FahrRad Frhling 201 5

    Von links: Michael Heinze (Ministerium Bauen etc.

    NRW), Patricia Reich, Renate Nick, Michael Ott (alle

    Stadt Unna), Christine Fuchs (AGFS)

    U

    nna bleibt in der Arbeitsgemein-

    schaft fugnger- und fahrrad-

    freundlicher Stdte, Gemeinden und

    Kreise in Nordrhein-Westfalen e.V.

    (AGFS). Im Rahmen ihrer jhrl ichen Mit-

    gl iederversammlung wurde in der Lan-

    deshauptstadt Dsseldorf neben Unna

    weiteren 33 Mitgl iedern Urkunden zur

    Verlngerung ihrer Mitgl iedschaft verl ie-

    hen. Der Stadt Marl wurde keine Verln-

    gerung gewhrt. Al le sieben Jahre ms-

    sen sich die Mitgl ieder des kommunalen

    Netzwerks erneut bewerben und unter

    Beweis stel len, dass sie aktiv und konti-

    nuierl ich daran arbeiten, zukunftsfhige,

    belebte und wohnliche Stdte zu gestal-

    ten. NurKommunen, die den Kriterien der

    AGFS weiterhin gerecht werden, erhalten

    die begehrte Verlngerungsurkunde und

    profitieren weiter von den Vortei len einer

    Mitgl iedschaft.

    Auch fr Unna stand die Mitgl iedschaft

    auf der Kippe. Der Verlngerungsantrag

    der Stadt Unna wurde vom zustndigen

    Ministerium sehr kritisch hinterfragt und

    erst die in den nachgeschobenen Antwor-

    ten konkret formulierten Ziele bezglich

    der zuknftigen Nahmobil itt fhrten

    letztl ich zum Verbleib.

    Die Stadt Unna mchte den auch fr sie

    nicht zufriedenstel lenden Modal-Split An-

    tei l von derzeit 1 1 % in der kommenden

    Dekade verdoppeln. Hierzu soll ein Ziel-

    netz 2025 mit Haupt- und Nebenrouten

    definiert und umgesetzt werden. Derzeit

    erhebt eine Arbeitsgruppe, die aus Mit-

    gl iedern des Beirates FahrRad und der

    Verwaltung besteht, Routenverlufe und

    Mngelpunkte und definiert die Qualitts-

    merkmale der Haupt- und Nebennetzrou-

    ten. In diesem Zusammenhang soll auch

    die Benutzungspfl icht vorhandener Rad-

    wege und die Signalisierung der Kreu-

    zungen untersucht und gegebenenfal ls

    gendert werden.

    Im ffentl ichen Raum und besonders

    an weiterfhrenden Schulen sollen Rad-

    parkanlagen in ausreichenden Mae und

    Qualitt geschaffen werden. Zur Steige-

    rung der ffentl ichkeitsarbeit sieht die

    Stadt im Stadtradeln Entwicklungspo-

    tential . Die Anbindung an den geplanten

    Radschnellweg (RS1 ) sol l in die kommu-

    nalen Planungen einfl ieen und die Neu-

    gestaltung der Fugngerzone soll den

    Belangen der Senioren und Menschen

    mit Behinderungen gerecht werden.

    DerADFC Unna hatte sich trotz groer

    Kritik in einer Stel lungnahme fr den Ver-

    bleib Unnas in derAGFS eingesetzt. Nun

    begrt er die von der Verwaltung ge-

    setzten Ziele fr die kommenden Jahre

    und erklrt die Bereitschaft zur konstruk-

    tiven Mitarbeit.

    WernerWlfing

    Unna

  • 1 7

    FahrRad Frhling 201 5

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  • 1 8

    FahrRad Frhling 201 5

    E

    s war schon erstaunl ich, welchen

    Pressewirbel die neue Radver-

    kehrsfhrung auf derWaltroper Strae in

    Lnen-Brambauer hervorrief. Das Spek-

    trum der Meinungen reichte von sehr ge-

    fhrl ich bis fast perfekt, wobei manch

    Kommentar vermuten lsst, dass Begriffe

    und Rechtslage kaum bekannt sind. Doch

    wie ist die Situation und wo liegen die

    Probleme?

    Die Waltroper Strae ist eine Hauptver-

    kehrsachse durch den Ortstei l . Sie ist im

    Sdabschnitt zwischen Knigsheide und

    Ottostrae auch die Haupteinkaufsstrae

    (Tempo 30). Der Verkehr ist werktags ent-

    sprechend dicht. Die Fahrbahn wird auf

    beiden Seiten von Parkbuchten begleitet.

    Zwischen den Buchten l iegen Grninseln,

    Radstnder, Bushaltestel len und ande-

    res. An 7 Stel len l iegen in der Fahrbahn

    erhhte Inseln, die einseitig ein leichtes

    Verschwenken der Fahrbahn bedingen.

    Auf den Gehwegen gilt Radfahrer frei.

    Gem StVO drfen Radfahrer hier nicht

    schneller als Schrittgeschwindigkeit

    fahren, wobei diese nicht genau definiert

    ist. Die meisten Gerichte sehen sie bei

    7 km/h. Es darf auf der gesamten Breite

    des Gehweges Rad gefahren werden.

    Ein Radweg, auch wenn die Pflasterung

    es suggeriert, ist hier nicht vorhanden!

    Wichtig ist, dass Fugnger Vorrang ha-

    ben und nicht behindert oder gefhrdet

    werden drfen. Diese Ausschilderung be-

    stand schon vor Neugestaltung der Wal-

    troperStrae.

    Die wesentl iche nderung durch die

    Neugestaltung ist, dass auf der Fahrbahn

    die beidseitigen Flachborde durch

    Schutzstreifen ersetzt wurden (unter-

    brochene Markierungsl inie, Fahrradpikto-

    gramme). Zickzack-Kurven an den In-

    seln, Fahrbahnschden sowie das

    Unwissen von Autofahrern, dass Radler

    hier fahren durften, fhrten dazu, dass die

    Flachborde kaum zum Radfahren benutzt

    wurden. Flachborde, in Lnen noch an

    derMoltke- und Alsenstrae existent, wie

    auch Schutzstreifen sind rechtl ich keine

    Radwege. Sie drfen von Autos befahren

    werden, aber nur bei Bedarf, zum Bei-

    spiel um Gegenverkehr auszuweichen,

    und nur wenn Radfahrer da-

    durch nicht gefhrdet werden!

    Kann ein Seitenabstand von

    mindestens 1 ,5 m nicht gewahrt

    bleiben, ist ein berholen des

    Radlers verboten. Parken ist auf

    dem Schutzstreifen ebenfal ls

    verboten, Halten dagegen er-

    laubt. Die Breite der Schutzstrei-

    fen und der Fahrbahn der Wal-

    troper Strae liegen am unteren

    Ende des gesetzl ich Mglichen:

    ZumThemaSchutzstreifensieheauchFahrRad

    1/2012:S.44/45(Archiv:www.adfc-fahrrad.de)

    Hier kann es sehr eng werden.

    Rechtswidriges Parken zwingt

    zum Ausweichen nach links.

    Lnen

  • 1 9

    FahrRad Frhling 201 5

    ... seit 1992 am Markt

    Kritisch kann das Schneiden der Schutz-

    streifen an den Verschwenkungen sein.

    1 ,25 m bzw. 7 m. Umstritten ist, ob sich

    eine Benutzungspfl icht frRadfahrer aus

    dem Rechtsfahrgebot ergibt. So geste-

    hen Gerichte Radfahrern einen Seitenab-

    stand von bis zu 80 cm vom Fahrbahn-

    rand zu und schreiben bei parkenden

    Fahrzeugen einen Abstand von minde-

    stens 1 m vor. Das ist auf der Waltroper

    Strae durchgehend nicht der Fall . Vor

    al lem sich zur Strae hin ffnende Au-

    totren knnen so zum Problem werden.

    Besondere Aufmerksamkeit ist ebenfal ls

    an den Verschwenkungen gefordert, da

    diese von Autofahrern meist geschnitten

    werden. Busse und LKWs mssen dies

    aufgrund derPlatzverhltsse sogar tun.

    Dennoch, die Situation hat sich fr al le

    Verkehrstei lnehmer verbessert. Autofah-

    rende nehmen Radfahrende besserwahr,

    vor al lem an Einmndungen. Hier passie-

    ren nachweisl ich die meisten schweren

    Unfl le, wenn hinter parkenden Autos

    pltzl ich auftauchende Radler beim Ab-

    biegen bersehen werden. Dies sollte die

    sicher ab und zu ntige Geduld beim

    berholen von Radlern aufwiegen. Fu-

    gnger knnen entspannter den Gehweg

    benutzen, da mehr Radler die Strae be-

    nutzen und Teil des fl ieenden Verkehrs

    sind.

    Baulich wird nur eine Verschmlerung

    der Gehwege zu Gunsten der Fahrbahn

    und die Anlage von Radfahrstreifen

    ein weiterer Fortschritt sein. Eine

    solche Baumanahme ist derzeit

    unrealistisch und wegen der ntigen

    Baumfllungen auch nicht vermittel-

    bar.

    Schutzstreifen, zum Teil nur auf

    einer Seite, gibt es in Lnen auer

    an derWaltroperStrae auch an der

    Dortmunder und Niederadener Stra-

    e sowie an der Wehrenbold- und

    Bahnstrae. Es werden nicht die

    letzten sein.

    AndreasAbels

    Lnen

  • 20

    FahrRad Frhling 201 5

    A

    lkohol ist eine Droge, die gesell-

    schaftl ich sehr verharmlost wird. Ak-

    tuel le Untersuchungen zeigen, dass man

    schon ab 0,3 Promil le die Entfernung und

    das Tempo eines Autos nicht mehr gut

    einschtzen kann. Bei 0,5 Promil le ver-

    schlechtert sich die Sehleistung und ab

    0,8 Promil le sinkt die Reaktionsfhigkeit

    stark ab. Ab 1 ,1 Promil le nehmen die al-

    koholbedingten Ausfal lerscheinungen

    stark zu. Diese Wirkungen sind diesel-

    ben, ob man nun im Auto sitzt oder auf

    dem Sattel.

    Die Unfal lzahlen sprechen eine deutl i-

    che Sprache. Der Anteil der verunglck-

    ten Radfahrer, die unter Alkoholeinfluss

    standen, ist mit 4,4% fast doppelt so gro

    wie bei den Autofahrern. Wenn es geln-

    ge, den Anteil auf das Niveau der Auto-

    fahrer zu senken, wrden jedes Jahr

    1 .700 Radfahrer weniger verletzt oder

    sogar gettet.

    Richtig ist, dass die gefahrenen Ge-

    schwindigkeiten beim Radfahren gerin-

    ger sind. Bei gleichgroen Reaktionszei-

    ten bedeutet dies einen greren

    Reaktionsraum fr Radfahrer. Hieraus

    kann man meiner Meinung nach aber

    nicht ableiten, dass vom Radverkehr eine

    geringere Gefhrdung ausgeht. Es geht

    ja nicht nur um die Eigengefhrdung der

    Radfahrer auf eigenen vom Autoverkehr

    getrennten Radwegen. Rad- und Auto-

    verkehr nutzen nicht nur bei Querungen

    ber weite Strecken dieselbe Verkehrs-

    flche. Auch bei Straen begleitenden

    Schutzstreifen kommen sich die unter-

    schiedl ichen Verkehrstei lnehmer beim

    berholen sehr nah.

    In anderen Lndern gibt es zu Recht

    seit langem tiefere Promil legrenzen als in

    Deutschland. In I tal ien, Frankreich, Kroa-

    tien, der Schweiz und den Niederlanden

    sind maximal 0,5 Promil le am Lenker er-

    laubt. Die Bugelder vari ieren zwischen

    65 Euro (Kroatien) und 500 Euro (I tal ien).

    Recht tolerant zeigt sich sterreich.

    Unser Nachbarland akzeptiert bis zu 0,8

    Promil le, aber auch dies ist nur die Hlfte

    von den in Deutschland erlaubten Wer-

    ten. Wer hier mit einem hheren Alkohol-

    wert auf dem Fahrrad erwischt wird, muss

    mit einerGeldstrafe ab 800 Euro rechnen.

    In Tschechien l iegt die Grenze sogar bei

    0,0 Promil le. Warum sollte dies nicht auch

    in Deutschland gelten? Alkoholfreie Biere

    schmecken richtig lecker, gleichen Was-

    ser- und Mineralstoffverluste schnell aus

    und haben wenigerKalorien.

    Radfahren ist an sich Balsam fr Seele

    und Krper und macht auch ohneAlkohol

    Spa. Gerade die gleichmige zyklische

    Bewegung setzt Endorphine frei und baut

    Stressoren ab. Fahren Sie, so viel Sie

    knnen, und tun Sie Ihrem Krper etwas

    Gutes. Dann wird es Ihnen nicht schwer-

    fal len, die Einfhrung eines niedrigen

    Promil legrenzwertes fr Radfahrer zu ak-

    zeptieren.

    F

    r Autofahrer gi lt seit 2001 die 0,5-Promil le-

    Grenze im Straenverkehr als Gefahren-

    grenzwert, ab dem ein Bugeld ab 500 Euro ge-

    zahlt werden muss. Einen solchen Gefahren-

    grenzwert gibt es fr Radfahrer nicht. Ab 1 ,1

    Promil le sind Autofahrer, so die Rechtsprechung,

    sogar absolut fahruntaugl ich. Die Folge ist Fh-

    Streit um gleiche Promillegrenzen fr Radfahrer und Autofahrer

    Radfahren

    Pro

    Kontroverse

  • 21

    FahrRad Frhling 201 5

    F

    ahrrad fahren macht besoffen dop-

    pelt so viel Spa. Kann man so se-

    hen, ganz so einfach ist die Sache dann

    aber doch nicht: Man sollte schon Herr

    seiner Sinne sein, wenn man aufs Rad

    steigt. Deshalb aber gleich die Promil le-

    grenze auf das Niveau der Grenze frAu-

    tofahrer zu senken, hiee das Kind mit

    dem Bade auszuschtten. Schlielich ist

    man mit dem Rad bedeutend langsamer.

    Das Gefhrdungspotential ist viel gerin-

    ger als beim Auto und in der Regel wird

    man vor al lem sich selbst gefhrden.

    Einer der grten Vortei le des Radfah-

    rens ist die Einfachheit. Das Rad ist

    schnell zur Hand, kann beral l geparkt

    werden und wenn man abends mal etwas

    trinken wil l , muss man sich keine Gedan-

    ken machen, wie man wieder nach Hause

    kommt. So lange man es nicht bertreibt,

    wird man nach ein paar Bierchen oder

    zwei Glas noch immer sicher fahren kn-

    nen. Auch mit einem Alkoholpegel, bei

    dem Autofahren nicht nur verboten, son-

    dern auch aus Vernunftgrnden schon zu

    gefhrl ich wre. Diese Einfachheit sol lte

    man nicht gesetzl ich beschrnken.

    Zugegeben: Die zur Zeit gltigen 1 ,6

    Promil le als Grenze der Fahrtchtigkeit

    von Radfahrern sind ein enorm hoher

    Wert. Wer diesen Wert erreicht, hat schon

    gehrig gebechert und sollte das Rad

    viel leicht wirkl ich l ieber schieben. Aber

    1 ,6 Promil le ist auch nur der Oberwert,

    bei dem auf jeden Fall von absoluter

    Fahruntchtigkeit auszugehen ist. Laut

    31 6 Strafgesetzbuch (StGB) wird be-

    straft, wer infolge des Genusses alkoholi-

    scher Getrnke oder anderer berau-

    schender Mittel nicht in der Lage ist, ein

    Fahrzeug sicher im Verkehr zu fhren.

    Das kann auch schon der Fall sein, wenn

    man mit weniger Alkohol im Blut Schlan-

    genlinien fhrt. Wer auffl l ig wird oder

    einen Unfal l verursacht, fr den knnen

    auch jetzt schon die geringeren Grenzen

    fr Autofahrer heran-

    gezogen werden.

    Fakt ist aber auch,

    dass Radfahren

    deutl ich weniger An-

    forderungen stel lt

    als das Fhren ei-

    nes Kraftfahrzeugs.

    Der Gesetzgeber

    besttigt dies indi-

    rekt indem er

    schon Kindern

    Radfahren erlaubt

    und keinen Fhrer-

    schein verlangt. Aus diesem Grund wr-

    de eine strengere Alkoholregelung fr

    Radfahrer auf geringe Akzeptanz treffen.

    Ein nicht unwichtiges Argument fr ein

    Vergehen, das sich kaum kontrol l ieren

    lsst. Aus diesem Grunde ist es richtig,

    das Augenmerk mehr auf die Fhigkeit

    zum sicheren Fhren eines Fahrzeugs zu

    legen als auf eine absolute Promil legren-

    ze. Ein verantwortungsbewusstes Han-

    deln des Einzelnen lsst sich mit pol izei l i-

    chen Kontrol len in diesem Fall schlecht

    erzwingen. Daher ist das Appell ieren an

    die Vernunft sinnvoller als die Senkung

    derPromil legrenze.

    rerscheinentzug. Bei Radfahrern l iegt der Wert

    hher, sie gelten erst ab 1 ,6 Promil le als fahrun-

    tchtig. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat

    (DVR) wil l nun durchsetzen, dass Radfahren un-

    terAlkoholeinfluss knftig als Ordnungswidrigkeit

    geahndet und ein Gefahrengrenzwert fr Bu-

    geldstrafen wie bei Autofahrern eingefhrt wird.

    Contra

    & Alkohol

    Streit um gleiche Promillegrenzen fr Radfahrer und Autofahrer

    Kontroverse

  • 22

    FahrRad Frhling 201 5

    D

    o

    w

    n

    h

    i

    l

    l

    Meine Dam`nherrn, die Deutsche

    Bahn heit Sien Bord des IC

    Einhundertneunzn herz`ch wil lkomn.

    Das Genuschel bei der Deutschen Bahn

    ist immer wieder ein Quell der Heiterkeit.

    Wir sitzen im Zug auf dem Weg nach

    Innsbruck. Unsere diesjhrige Radreise

    fhrt uns nach Ital ien. Und weil ich immer

    gerne schon mal in den Alpen Rad fahren

    wollte, Heike aber nicht gerne Berge

    fhrt, lautet der Plan, uns vom Brenner-

    pass bis Venedig hinunterrol len zu las-

    sen. Ich habe es Heike bisher verschwie-

    gen, aber sie ahnt natrl ich schon, dass

    es auch ab und an mal bergan gehen

    wird. Doch zuerst mal mssen wir Bahn

    fahren, und so sitzen wir nun im IC, der

    uns in knapp zehn Stunden nach Inns-

    bruck bringen soll .

    Nach einer bernachtung dort geht es

    am nchsten Morgen mit der Bahn auf

    den Brenner. Von hier fahren wir ber

    eine neu asphaltierte ehemalige Eisen-

    bahnstrecke sanft zu Tal. Bis hinter

    Sterzing, dann kommen sie endlich, die

    Berge. Kurze, knackige Anstiege wech-

    seln sich mit rasanten Abfahrten ab. Hei-

    ke hat es ja schon geahnt.

    Vom Brenner an die Adria

    Radrei se

  • 23

    FahrRad Frhling 201 5

    den ganzen Tag auf dem Deich entlang.

    Als wir in Trento ankommen, zeigt das

    Thermometer 27. Die I tal iener tragen die

    Jacke mittlerweile offen.

    Die nchste Etappe bis Rovereto hat

    auch ihre reizvollen Abschnitte, aber im

    Prinzip geht es heute genauso weiter wie

    gestern. Deshalb beschlieen wir spon-

    tan, am Gardasee entlang zu fahren. Ist

    die Strecke bis zum Pass schon spekta-

    kulr, wird sie noch getoppt durch die Ab-

    fahrt nach Torbole. Den Blick zum Garda-

    see muss man vorher genieen.

    Whrend der Abfahrt bleibt dafr keine

    Zeit. Zu schnell geht die Schussfahrt den

    Berg hinunter und bringt die Bremsen

    zum Glhen. In Torbole packen wir dann

    zum ersten Mal unser Zelt aus. Schlie-

    l ich wollen wir das ganze Geraffel ja nicht

    nur spazieren fahren.

    Nach einer verregneten Nacht in Vahrn

    bei Brixen berlegen wir, am nchsten

    Morgen einen Tag Pause einzulegen,

    doch beim Frhstck schaut die Sonne

    kurz durchs Fenster und lockt uns wieder

    raus. Doch leider ist sie ein untreuer Ge-

    sel le. Kaum sind wir auf unseren Rdern,

    versteckt sie sich hinter dicken Regen-

    wolken und lsst sich den Rest des Tages

    nicht mehr bl icken. Unsere sti l lgelegte

    Eisenbahnstrecke klebt stel lenweise in

    einer engen Klamm direkt ber der Eisack

    am Fels. Die landschaftl ich spektakulre

    Strecke knnten wir noch stundenlang

    weiter fahren, wenn nur der Regen nicht

    wre. So aber sind wir froh, in Bozen ein

    Hotelzimmer mit warmer Dusche zu fin-

    den, wo wir uns trocken legen knnen.

    Der Regen lsst uns am nchsten Mor-

    gen unsere Zimmerbuchung noch einmal

    verlngern. Als es gegen Mittag schner

    wird, sind die Straen pltzl ich wieder

    voll . Die schwarzen Straenverkufer

    haben das Sortiment bl itzschnell von

    Regenschirmen auf Sonnenbri l len umge-

    stel lt, und whrend im Radio davon be-

    richtet wird, dass der pltzl iche Winter-

    einbruch Probleme bereitet, sitzen wir im

    Straencaf und schauen auf schneebe-

    deckte Berge. Beinahe htten wir den

    Brenner im Schnee hinunter rutschen

    mssen.

    Am nchsten Tag hat der pltzl iche

    Wintereinbruch Bozen noch immer voll im

    Griff. Die Bozener haben dicke Pull is,

    Jacken und Schals herausgeholt. Wir

    werten das als gutes Zeichen, als wir bei

    angenehmen 20 im T-Shirt weiterradeln.

    Ab hier fahren wir an der Etsch entlang.

    Der Fluss ist ruhiger als die Eisack und

    das Tal ist deutl ich breiter; die Berge wer-

    den zur Kulisse. Abgesehen von einem

    Zwischenstopp in Neumarkt fahren wir

    Radrei se

  • 24

    FahrRad Frhling 201 5

    DerWeg nach Malcesine am nchsten

    Tag gestaltet sich stressfreier als be-

    frchtet. DerAutoverkehr auf der Ksten-

    strae hlt sich in Grenzen und auch in

    den Tunnels ist es kein Problem. In Mal-

    cesine beschlieen wir, das Wetter zu

    nutzen und nicht weiterzufahren. Der Ort

    kommt mir ein wenig wie die Disneyland-

    version von Ital ien vor. Alles ist kitschig

    schn, aus jedem Lautsprecher ertnen

    Italo-Schlager und jeder hat eine Kamera

    vor dem Bauch. Bis jetzt hatten wir ei-

    gentl ich erst einen Tag Ital ien in Trient.

    Hier kann man schon wieder problemlos

    jeden Ital iener aufDeutsch ansprechen.

    Ein kleiner Einschub zum Thema Pl-

    nemachen und warum es zwar schn,

    aber sinnlos ist: Die Vorbereitung einer

    Radreise ist fr mich das Grte. Das

    verlngert den Urlaub glatt um ein halbes

    Jahr. VorOrt ist die Planung dann aber oft

    schnell wieder umgeworfen, und so ist

    auch dieses Mal der Plan, bis Venedig

    durchzufahren und dort noch ein paar

    Tage an der Adria zu verbringen, nach

    kurzer Zeit obsolet.

    1 . nderung: Wir fahren nicht zgig, son-

    dern biegen zum Gardasee ab.

    2. unfreiwil l ige nderung: In Malcesine

    wollten wir eigentl ich lnger bleiben. Lei-

    der ist das Zimmer nur fr zwei Tage zu

    haben.

    3. nderung: Wenn wir weiter so bum-

    meln, wird es fr die Adria knapp. Venedig

    wird wohl sowieso schon ausfal len.

    Auch die nchste Etappe bis Bardolino

    ist kurz. Der Ort ist keine Sensation, aber

    sehr nett. Touristenrummel ohne Disney-

    landkulisse. Hier finden wir einen Cam-

    pingplatz mit Mobilheimen direkt am See.

    Mindestmietdauer ist al lerdings drei Tage.

    Etwas lnger als wir bleiben wollten, aber

    22 Wassertemperatur ist ein Argument.

    Nach drei sonnigen Tagen sen Nichts-

    tuns mssen wir trotzdem wieder los,

    wenn wir noch zur Adria wollen. ber die

    letzten Auslufer der Berge fahren wir zu-

    rck zurEtsch und nach Verona.

    Der Campingplatz am Castel San Pie-

    tro in Verona ist einer derPltze, wofr es

    sich dann doch lohnt, das Zelt mitzuneh-

    men. Hoch ber der Stadt l iegt er in alten

    Festungsmauern mitten in einem kleinen

    botanischen Garten. Einen kleinen Laden

    gibt es auch, der al lerdings vor al lem

    Brtchen und Alkohol verkauft, aber kei-

    nen Mckenschutz. Das ist dumm, weil

    ohne diesen das berleben hier oben

    schwierig wird. Als wir uns unten in der

    Stadt mit der chemischen Keule einge-

    deckt haben, ist es eigentl ich schon zu

    spt. Wir sehen bereits aus, als htten wir

    Masern.

    Leider wird mittlerweile die Zeit etwas

    knapp. Wir schummeln deshalb etwas

    und berspringen eine Etappe, indem wir

    nach Padua mit dem Zug fahren. In Pa-

    dua schaffen wir es, das schlechteste Ho-

    tel des Urlaubs zu buchen. Wir sind ver-

    schwitzt von der Zugfahrt, fhlen uns

    dreckig, und auf dem Bahnhofsplatz vor

    der Touristeninformation gibt es nirgends

    ein schattiges Pltzchen, wo man in Ruhe

    beraten und berlegen kann. Ich werte es

    mal als Kurzschlusshandlung, dass ich

    einfach das erste preiswerte Hotel in der

    Nhe buche. Nun wohnen wir laut Touri-

    steninformation einfach, aber sauber,

    wobei sauber ein sehr dehnbarer, merk-

    wrdig riechenderBegriff ist und einfach

    fr al les ist Bruch steht. Der Geruch im

    Hotel ist uns anfangs gar nicht richtig auf-

    gefal len, aber kaum auszuhalten, als wir

    abends aus Padua zurckkehren. Dafr

    ist es sehr zentral, was der Verkehrslrm

    vor dem Fenster beweist. Wir sehnen uns

    Radrei se

  • 25

    FahrRad Frhling 201 5

    nach dem Komfort unseres Trienter

    Ostel los und fragen uns, warum wir nicht

    hier auf die Idee gekommen sind, nach

    solchem zu suchen.

    Irgendwie htte es mich enttuscht,

    wenn das Frhstck in unserem Hotel

    irgendetwas wettgemacht htte. Aber die

    Sorge war unberechtigt. Die ziehen das

    hier durch, um ihren Rufals schlechtestes

    Hotel al ler Zeiten nicht zu gefhrden.

    Akustisch wird das Ganze untermalt

    durch das ital ienische Werbefernsehen,

    dessen Lautstrke zwecks bertnung

    der Klimaanlage extra hoch

    gestel lt ist. Wir geben den

    Versuch auf, hier satt zu wer-

    den, lassen jede Menge ange-

    bissene Lebensmittel im

    Tischabfal leimer zurck und

    setzen unsere ganze Hoff-

    nung auf den Spar-Laden am

    Bahnhof.

    So frh wie heute waren wir

    noch nie unterwegs, aber ei-

    gentl ich war der Aufbruch

    auch eher eine Flucht. Es

    dauert noch ein paar Stunden,

    bis der pelzige Ekelge-

    schmack im Mund langsam

    nachlsst. Den luxurisen

    Campingplatz in Sottomarina

    bei Chioggia tei len wir uns nur

    noch mit wenigen Leuten und

    die Adria ist sofort nebenan.

    So schn kann Zelten sein.

    Chioggia ist die kleine Schwester von

    Venedig. Hier gibt es genauso stinkende

    Kanle, brckelnde venezianische Fas-

    saden, eine Vaporetto-Haltestel le und

    einen spitzen Turm. Nur eben von allem

    weniger. Bei aufgehendem Mond in dun-

    kelblauer, lauwarmer Nacht sitzen wir im

    Hafen beim Essen und alles ist kitschig

    schn. An unserem letzten Abend zeigt

    sich I tal ien noch einmal von seiner besten

    Seite und macht es uns extra schwer, am

    nchsten Tag die Heimreise anzutreten.

    Immerhin ist Bahnfahren in I tal ien an-

    genehm. Auch der lteste Schienentrieb-

    wagen ist kl imatisiert, hat bequeme Sitze

    und das Zugpersonal ist wunderbar re-

    laxt. Ei le beim Ein- und Aussteigen mit

    den Rdern knnen sie berhaupt nicht

    haben, dafr geniet man eine l iebevolle

    Einzelbetreuung.

    Ab Bologna fahren wir im Nachtzug.

    Viel geschlafen haben wir bei dem Ge-

    ruckel al lerdings nicht, als wirmorgens in

    Mnchen ankommen, und so sehen wir

    nicht viel besser aus als die Reste vom

    Oktoberfest, die in Mnchen durch den

    Bahnhof geistern. Mehr erlebt haben wir

    aber al lemal.

    PeterHeinrichsmaier

    In der letzten FahrRad hie es im Artikel La France vlo, dass im Schnellzug

    TGV die Fahrradmitnahme nur sehr eingeschrnkt mglich ist. Laut SNCF ist

    es in vielen TGV nun doch gut mglich (interessant besonders ab Straburg).

    Radrei se

  • 26

    FahrRad Frhling 201 5

    D

    er Saaleradweg kann in diesem Ab-

    schnitt nicht nur mit reizvol len Land-

    schaften, Burgen und Schlssern punk-

    ten, sondern besticht durch seine Qualitt

    hinsichtl ich Streckenfhrung und Be-

    schaffenheit. Nach den zum Teil verhee-

    renden berschwemmungen vom Mai

    201 3 wurde viel investiert und die Strecke

    verfhrt den Radler nunmehr zu wohli-

    gem Dahingleiten. Sie ist in diesem Be-

    reich fast durchgngig asphaltiert und

    zahlreiche gastronomische Angebote la-

    den zum Verweilen ein. Der vorzgliche

    Mohnkuchen der Region, Kle, der

    Saale-Unstrut-Wein und

    spter Eierschecke, lo-

    kale Biere und Traminer

    von den Weinbergen der

    Elbe: dies sind die Ver-

    lockungen, denen man

    besonders am Ende ei-

    ner Etappe erl iegen

    kann.

    Zwischen Dessau und

    Wittenberg, Meissen und

    Dresden zeigt sich der

    Radweg entlang der Elbe

    von seiner schnsten

    Seite. Auenwlder und

    Weinberge prgen die

    Landschaft und hinter-

    lassen trotz einiger holp-

    riger Teilstcke einen bleibenden Ein-

    druck. Unvergessl ich wird mir die Einfahrt

    nach Dresden bleiben, wo die Radler

    rechtselbisch ber eine Hngebrcke in

    schwungvollem Bogen zum Stadtzen-

    trum gefhrt werden mit dem unver-

    gleichl ichen Panorama von Frauenkir-

    che, Brhlscher Terrasse, Schlosskirche

    und Semperoper zur Rechten. An Saale

    und Elbe sind zum Teil blhende Land-

    schaften entstanden.

    Dennoch bleibt mir die hohe Bewertung

    des Elbe-Radweg unverstndl ich.

    Schlecht beschilderte Umleitungen,

    Kopfsteinpflaster und fehlende Infra-

    struktur zwischen Wittenberg und Riesa

    trbten unseren insgesamt positiven Ein-

    druck. Kein Wunder, dass sich Dutzende

    von Radfahrern fast zeitgleich jenseits

    der Elbfhre von Pretzsch trafen, um sich

    an einem Imbisswagen zu strken. Unter

    den Gsten viele bekannte Gesichter.

    EntlangSaaleundElbe

    Jena Naumburg (50 km)

    Naumburg Halle (75 km)

    Halle Bernburg (65 km)

    Bernburg Dessau (65 km)

    Dessau Wittenberg (50 km)

    Wittenberg Torgau (75 km)

    Torgau Riesa (60 km)

    Riesa Dresden (60 km)

    500 kmzumGenieen

  • 27

    FahrRad Frhling 201 5

    rer Nhe des Marktplatzes

    befinden sich zahlreiche hi-

    storische Gebude, Restau-

    rants, Museen und Kneipen

    mit vor Ort gebrautem Bier,

    dem Hallsch. Im Hndelhaus

    werden wir Ohrenzeugen ei-

    nes launigen Jazz-Open-

    Air-Konzerts. In der grten

    Stadt Sachsen-Anhalts

    lsst es sich durchaus auch

    lnger verweilen oder fr

    zwei Tage einen Abstecher

    nach Leipzig einplanen.

    Bis Bernburg folgen wir der Saale, fah-

    ren dann tei lweise dem R1 folgend in

    Richtung Aken an die Elbe. In Dessau

    wird nicht nur bernachtet, sondern am

    folgenden Morgen das Unesco Weltkul-

    turerbe Meisterhuser (Ebertal lee 65-

    1 7) besichtigt.

    Wittenberg empfngt uns die Schloss-

    kirche, die durch Luthers 95 Thesen Be-

    rhmtheit erlangt hat, leicht verhl lt, um

    bis 201 7 zur 500-Jahr-Feier in neuem

    Glanz zu erstrahlen. Der Marktplatz mit

    dem ltesten Gebude, der Stadtkirche

    Das machte dann wieder Freude.

    Unsere Reisegruppe startet in Jena,

    der jungen aufblhenden Universitts-

    stadt in Thringen. Ein kurzer Stadtrund-

    gang ber den Markt zum einzigen ver-

    bl iebenen Stadttor (Johannistor) und dem

    Jentower, im Volksmund Keksrol le und

    Schandfleck zu DDR-Zeiten. Jetzt auf-

    gehbscht bietet dieser von seinem 29.

    Stock einen herrl ichen Blick ber Jena

    und das Saaletal, das Paradies mit DB-

    Bahnhof und Stadion, die Kernberge, St.

    Michael und den Jenzig (385 m) und auf

    das `Empire Spth Building, das Zeiss-

    Hochhaus. Wieder am Boden sollte ein

    Besuch in Schil lers Gartenhaus, im Opti-

    schen Museum und im Stadtmuseum am

    Markt nicht fehlen.

    Aber die Rder wollen bewegt werden.

    Auf dem nagelneuen Radweg geht es

    Richtung Naumburg. Nach knapp 1 5 km

    erblicken wir zu unserer Linken die drei

    Dornburger Schlsser. Wer die 1 5% Stei-

    gung und den kilometerlangen Anstieg

    meistert, geniet einen wunderbaren

    Blick ber die Windungen der Saale oder

    besucht das Rokokoschloss. Im Tal pas-

    sieren wir einige Weinberge der Region

    (Saale-Unstrut). Verkostungen sind ge-

    gen geringes Entgelt mglich, wir heben

    uns das fr den Abend in Naumburg auf.

    Der Dom mit der Uta ist einen Besuch

    wert, aber in Anbetracht der Krze der

    Zeit sind wir nicht bereit, Eintritt zu bezah-

    len. Viel leicht das nchste Mal.

    ber Weienfels und Merseburg, eine

    Stadt wie ausgestorben, geht es nach

    Halle. Die Fnf-Trme-Stadt prsentiert

    sich von ihrer besten Seite und bietet eine

    Menge Abwechslung, wenngleich etl iche

    Kilometer zurckzulegen sind, bevor das

    historische Zentrum mit Marktkirche und

    turmlosen Dom erreicht ist. In unmittelba-

    Radrei se

  • 28

    FahrRad Frhling 201 5

    St. Marien, prsentiert sich bei strahlen-

    dem Sonnenschein von seiner schnsten

    Seite. Restaurants und Cafs laden zum

    Verweilen ein. Und im rtl ichen Brauhaus

    kann der erschpfte Radler bei hochsom-

    merl ichen Temperaturen kalte Gurken-

    suppe und ein erfrischendes Hausge-

    brautes genieen. Wenn die Zeit es

    zulsst, sol lte ein Blick auf das Luther-

    Melanchthon-Gymnasium (Schil lerstrae

    21 ) nicht fehlen, das in den Jahren 1 993

    bis 1 999 nach Plnen von Friedensreich

    Hundertwasser umgestaltet wurde und

    aufden Betrachter sehr einladend wirkt.

    Torgau, zu Beginn des 1 6. Jahrhun-

    derts fr einige Jahrzehnte Haupt- und

    Residenzstadt Sachsens, wirkt dahermit

    seinem beeindruckenden Rathaus und

    dem Marktplatz viel grer als es heute

    tatschlich ist. Die vom Besitzer des Ho-

    tels `Goldener Anker fr Radtouristen

    kostenlos angebotene einstndige Stadt-

    fhrung gibt Aufschluss ber die Ge-

    schichte und ehemalige Bedeutung Torg-

    aus. Der Begrungstrunk erfrischt den

    erschpften Radler, be-

    vor es zu Fu durch die

    kleine Stadt geht. Das

    Hotel verfgt ber einen

    historischen Ballsaal, in

    dem es sich vorzglich

    frhstcken lsst. Fr den

    groen Hunger sind Re-

    staurants in den Gassen

    und Straen abseits des

    Marktplatzes empfeh-

    lenswert.

    Wir folgen dem Elbe-

    Radweg, der sich in die-

    sem Abschnitt relativ un-

    spektakulr prsentiert,

    passieren mit Riesa eine

    Stadt, die man nicht un-

    bedingt gesehen haben muss, und n-

    hern uns Meien. Naturkopfsteinpflaster,

    Umleitungen und Versorgungsengpsse

    liegen hinter uns, als sich das Elbtal ver-

    engt, Weinberge uns zunehmend beglei-

    ten und Strauenwirtschaften einladen.

    In Meissen lohnt es sich, Dom und Alt-

    stadt anzuschauen und einen kstl ichen

    Traminer von den Hngen des Elbtales zu

    probieren.

    Nach knapp zehn Tagen erreichen wir

    Dresden, dessen Silhouette uns schon

    einige Kilometer vor derAugustusbrcke

    mit Schloss, Frauenkirche, Brhlscher

    Terrasse und Semperoper bei strahlen-

    dem Sonnenschein begrt.

    Als sportl iche Tour ist die Strecke in sie-

    ben Tagen, fr Genieer in zehn Tagen

    machbar. Es besteht auch die Mglich-

    keit, von Bernburg direkt bis Wittenberg

    zu radeln (rund 90 km). Leider gibt es von

    Dresden nach Jena keine direkte Bahn-

    verbindung, so dass zwei Umstiege ein-

    zuplanen sind. Die Fahrradmitnahme ist

    in Thringen kostenlos.

    Theo Freihold

    Radrei se

  • 29

    FahrRad Frhling 201 5

    Ankunft der Gruppe in Workington (GB)

    I

    n den letzten Ausgaben berichtete

    FahrRad ber das Radfahren in unse-

    ren europischen Nachbarlndern. Wie

    steht es um die Fahrradsituation dort?

    Was berichten die Radfahrer, die dort ge-

    fahren sind? Heute gibt es Eindrcke ei-

    nerTour quer durch Nord-England.

    Im Jahr 201 4 bestand die Stdtepart-

    nerschaft zwischen Selm und Workington

    im Nordosten Englands seit 20 Jahren.

    Aus diesem Anlass setzten sich 22 Sel-

    mer aufs Rad und besuchten die Partner-

    stadt. Der Termin stand schnell fest: An-

    fang Mai war die Amtseinfhrung des

    neuen Brgermeisters, an der die Selmer

    Gruppe teilnehmen wollte. Als Route wur-

    de der Weg ber Emmerich (D), Amster-

    dam (NL), Hafen I jmuiden (NL), Newcast-

    le (GB) und Carl isle (GB) nach

    Workington gewhlt. In Holland erlebte

    die Gruppe die bekannten paradiesi-

    schen Verhltnisse fr Radler: breite

    Radwege, ber- oder Unterfhrungsbau-

    werke an groen Kreuzungen oder die

    vorbildl iche Weg-Ausschilderung. Trotz-

    dem waren die vielen E-Motorrol ler, die

    von hinten unhrbar mit hherer Ge-

    schwindigkeit die Gruppe auf den Rad-

    wegen berholten, ein rgernis. Von

    I jmuiden nach Newcastle ging es per

    Fhre. Also pnktl ich am Anleger sein

    und den Personalausweis nicht verges-

    sen! Auerdem musste fr jedes Fahrrad

    ein Zolldokument ausgefl lt werden, da-

    mit das Rad auch wieder mit nach Hause

    genommen genommen werden kann. Auf

    der Fhre sind auf den Autodecks ausrei-

    chend Fahrradabstel lpltze vorhanden.

    Es gibt auch gengend Gurte, um die

    Fahrrder sicher festzumachen. Eine Be-

    sonderheit: whrend der berfahrt wer-

    den die Autodecks geschlossen, so dass

    man rechtzeitig sein Gepckmit zur Kabi-

    ne nehmen muss. Die berfahrt in der

    Radrei se

  • 30

    FahrRad Frhling 201 5

    Viel zu schmale Radstreifen (im Bild links)

    Schmale Landstraen ohne Radweg oder Radstreifen

    Viel zu schmale Abbiegestreifen (Bildmitte)

    4-Bett-Kabine einschl ielich Fahrrad,

    Frhstck und Abendbuffet kostete rund

    1 00 Euro; hier gi lt das Windhundprinzip:

    eine frhe Buchung sichert einen gnsti-

    gen Preis. Und die 4-Bett-Kabine fr 4

    ausgewachsene Radfahrer mit Gepck

    ist ziemlich eng und erfordert bei der Mor-

    gentoi lette einen abgestimmten Plan!

    In England angekommen, musste die

    Gruppe erstmal umdenken; bekanntl ich

    herrscht Linksverkehr. Also den Spiegel

    auf die rechte Lenkerseite umstecken

    und eine Sonderaufgabe fr den hinten

    Fahrenden: immer wieder die Gruppe er-

    mahnen, l inks zu fahren. Hinter Newcast-

    le fuhren wir auf der Sea to Sea (c2c)

    Route. Diese fhrt von der Ost-Kste bis

    an die Westkste und ist auch gut ausge-

    schildert. Die ersten Kilometer verlaufen

    auf einer sti l lgelegten Bahnstrecke, die

    mit ca. 3% ansteigt. Danach wurde es auf

    ruhigen Nebenstraen mit nur vereinzel-

    tem Autoverkehr deutl ich stei ler (max.

    1 7%). Derweitere Weg fhrte wegen des

    sehr anspruchsvollen Hhenprofi ls der

    c2c-Route ber flachere Strecken auch

    entlang von Hauptstraen. Hier fhlt man

    sich als Radfahrer in die Steinzeit zurck-

    versetzt: es gibt keine Radwege oder Sei-

    tenstreifen und auch keine Fahrradweg-

    weisung. Aber typisch Britisch die

    Autofahrer nehmen deutl ich mehr Rck-

    sicht auf Radfahrer als in Deutschland,

    und blieben hinter der Gruppe, bis sich

    eine berholmglichkeit ergab.

    Auch in den Stdten fehlte es an jegl i-

    cher Fahrrad-Infrastruktur. In Newcastle

    (280.000 Einwohner) oder Carl isle

    (70.000 Einwohner) gibt es so gut wie kei-

    ne Radwege und auch keine Rad-Weg-

    weisung. Vereinzelt trifft man auf viel zu

    schmale (nur ca. 50 cm breite) Fahrrad-

    streifen oder Abbiegespuren, die ein si-

    Radrei se

  • 31

    FahrRad Frhling 201 5

    Fahrradabteil im Nahverkehr fr maximal

    zwei Rder

    Detail l ierte Informationen zur Fahrrad-

    mitnahme in englischen Zgen unter :

    www.vertraeglich-reisen.de

    cheres Fahren in der Stadt unmglich

    machen. Auch hier ist die Aufmerksam-

    keit des Radfahrers gefordert. ber das

    Wetter im Mai in England muss man nicht

    reden: es regnet fast immer gerade im

    Norden. Also wetterfeste Kleidung mit-

    nehmen!

    In Workington angekommen (natrl ich

    im strmenden Regen) nahmen wir an

    der bereits genannten Feierl ichkeit tei l

    und machten am freien Tag eine Radtour

    entlang der Kste. Die Rckfahrt erfolgte

    mit der Bahn; die Fahrrder wurden mit

    einem Transporter zum Hafen nach New-

    castle gebracht. Auch bei den Englischen

    Bahnunternehmen gibt es fr die Radfah-

    rer noch viel zu tun. ber 20 Eisenbahn-

    gesellschaften tei len sich in England den

    Markt; jede mit unterschiedl ichen Befr-

    derungsbestimmungen. Genauso vielfl-

    tig sind die Regelungen zur Fahrradmit-

    nahme. Ob ein Fahrradtransport mglich

    ist, sol lte man unbedingt vorher nachfra-

    gen. Im Zug von Workington nach New-

    castle der Northern Rail gibt es nur 2

    Fahrradabstel lpltze im gesamten Zug,

    und die mssen vorher auch noch reser-

    viert werden. Dies ist bei fast al len engli-

    schen Bahngesellschaften der Fall .

    Zge derGesellschaften CrossCountry

    oder East Coast knnen bis zu 5 Fahrr-

    der transportieren; die Pltze sind reser-

    vierungspfl ichtig. Tandems, Dreirder

    oderAnhnger werden in der Regel nicht

    befrdert. Klappfahrrder knnen im ge-

    falteten Zustand wie in Deutschland als

    normales Gepckstck kostenlos mitge-

    nommen werden. Die Euro-Star-Zge

    durch den Kanaltunnel transportieren

    Fahrrder; diese mssen allerdings vor

    der Abfahrt (rund 45 min) aufgegeben

    werden und es ist nicht sicher, ob das Rad

    mit dem gleichen Zug fhrt wie der Fahr-

    gast! Da heit es aufpassen! Kosten pro

    Fahrrad etwa 30 Euro.

    Kartenmaterial fr die Planung einer

    Radreise durch England ist in Deutsch-

    land nur schwer zu bekommen. Das In-

    ternet hi lft hier weiter. Al lerdings mit fol-

    gender Einschrnkung: die Auswahl ist

    nicht so gro und auch die Kartenma-

    stbe sind nicht so benutzerfreundlich,

    wie wir es gewohnt sind. Es lohnt sich,

    vorher die Route auf das Navi zu laden,

    dann ist man aufder sicheren Seite. Trotz

    al ler Beschwerl ichkeiten: Es erwarten

    den Radfahrer eindrucksvolle Land-

    schaften, interessante Stdte, sehr

    freundliche Einwohner und auch die eng-

    l ische Kche ist deutl ich besser als ihr

    Ruf. Und das Fahren auf der verkehrten

    Straenseite ist gar nicht so schwer!

    Also, ab aufdie Insel!

    Christian Jnsch

    Radrei se

  • 32

    FahrRad Frhling 201 5

    W

    as lange whrt wird endlich gut:

    jetzt ist der Rad-Rundweg Selm

    zwischen Schloss und See vom Kreis

    Unna als A5 ausgeschildert. Seit 3 Jahren

    haben die Selmer Radfahrer darauf ge-

    wartet. Der neue Rundkurs wurde von ei-

    ner Arbeitsgruppe des sogenannten

    Langen Tisches in Selm entwickelt. Er

    verluft hauptschlich abseits des Stra-

    enverkehrs auf ruhigen Nebenstrecken

    und enthlt kaum Steigungen. Die Lnge

    der gesamten Tour betrgt 35 km; sie

    kann aber fr Famil ien mit Kindern oder

    nicht trainierte Fahrer auch verkrzt ge-

    fahren werden. Auf dem Weg durch die

    drei Selmer Stadttei le werden natrl ich

    die Sehenswrdigkeiten angefahren:

    Amtshaus und St. Stephanus-Kirche in

    Bork, Schloss und Stiftskirche in Cappen-

    berg und derTernscherSee in Selm. Eine

    detai l l ierte Tourenbeschreibung und die

    Geo-Daten sind unter Tourenvorschl-

    ge auf der Selmer ADFC-Homepage ab-

    gelegt; ein Flyer mit Karte zu dieser Tour

    ist in den Selmer Fahrradgeschften er-

    hltl ich. Leider musste die ursprnglich

    geplante Route verkrzt werden: zwi-

    schen Selm und Sdkirchen verhinderten

    Landwirte das Aufstel len neuer Schilder-

    pfosten auf ihren Grundstcken. Somit ist

    die nordstl iche Schleife desWeges ber

    Sdkirchen nicht als Rundweg A5 ausge-

    schildert. Trotzdem kann der Weg wie im

    Internet oder im Tourenflyer beschrieben

    befahren werden. Zeitgleich zurAusschil-

    derung wurden entlang der Strecke und

    32

    Selm

  • 33

    FahrRad Frhling 201 5

    D

    ie Bewohner der Hellwegregion

    zwischen Unna-Knigsborn und

    Salzkotten nutzen salzhaltiges Grund-

    wasser schon seit mehr als 2000 Jahren

    zur Gewinnung von Salz. Im Mittelalter

    blhte der Handel mit dem weien Gold

    und entlang des Hellweges entstanden

    wohlhabende Hansestdte und reiche

    Adelsgeschlechter. Im 1 9. Jahrhundert

    fhrte die Entdeckung, dass die salzhalti-

    ge Luft an Gradierwerken sich heilsam

    auf etl iche Atemwegserkrankungen aus-

    wirkt, zu Grndungen zahlreicher Heilb-

    der wie Bad Knigsborn, Bad Sassen-

    dorf, Bad Waldl iesborn und Bad

    Westerkotten.

    Um diesen Aspekt der Geschichte un-

    sererRegion erfahrbar zu machen, wurde

    201 4 die 77 Kilometer langeWestfl ische

    Salzroute eingerichtet (Karte S. 34). Sie

    verluft von Unna-Knigsborn ber die

    Hellwegroute bis Salzkotten. Das Zen-

    trum derSalzroute bildet Bad Sassendorf.

    Hier wurde auf dem HofHaulle das Muse-

    um Westfl ische Salzwelten geschaf-

    fen. Auf 900 qm Ausstel lungsflche kann

    man hier die Geschichte von Sole und

    Salz erleben. Die letzte Siedehtte von

    Bad Sassendorf ist hier zu sehen. Hand-

    werk und Leben der Salzknechte werden

    nachvollziehbar, in einer Hhlenwelt wer-

    den Kristal le und Chemie des Salzes ver-

    auch derQuerverbindungen neue Pfhle

    fr die NRW-Radwegbeschilderung auf-

    gestel lt und mit neuen Richtungsschil-

    dern und Kilometerangaben bestckt.

    Somit ist die Orientierung bei Fahrten in

    die Selmer Nachbarstdte Lnen, Nord-

    kirchen, Ldinghausen oder Olfen deut-

    l ich einfacher und bersichtl icher gewor-

    den. Auerdem wurde mitten durch Selm

    ein weiterer Radweg angelegt. Er zieht

    sich als Querspange von Bork bis zum

    Ternscher See und verluft tei lweise sehr

    idyl l isch unmittelbar am Selmer Bach ent-

    lang. Hier fehlen noch Feinarbeiten an

    der Radwegoberflche und die Beschil-

    derung muss auch noch berarbeitet

    werden. Auf diesem Weg liegt auch die

    gerade im Bau befindl iche Kreuzung Ent-

    lastungsstrae Buddenberg / Luisenstra-

    e. Durch den Einsatz des ADFC wird

    diese nun deutl ich fahrradfreundlicher:

    die Rampe in Richtung Selm ist erheblich

    flacher gebaut worden als ursprnglich

    geplant und zwei scharfe Kurven unmit-

    telbar vor der Kreuzung wurden groz-

    giger gestaltet. Insgesamt alles Manah-

    men, die das Radfahren in Selm fr die

    Selmer Brger aber auch fr auswrtige

    Besucher noch attraktiver machen. Und

    auch ein gutes Beispiel fr die gute Zu-

    sammenarbeit zwischen Kreis Unna,

    Stadt Selm und dem ADFC.

    Christian Jnsch

    Selm / Tourvorschau

  • 34

    FahrRad Frhling 201 5

    Haus Lohe (Gemlde)

    anschaulicht. Auch die

    Wirkungen des Salzes

    auf den menschlichen

    Krper und die Mglich-

    keiten in der Reha-Me-

    dizin werden den Besu-

    chern nahegebracht.

    Der ADFC Unna bie-

    tet al len Interessierten

    eine Radtour auf einem

    Teil der Salzroute an.

    Wir starten am 1 6. Au-

    gust 201 5 um 9:00 Uhr

    vor der ADFC-Kreisge-

    schftstel le im Umweltberatungszentrum

    Unna. In Knigsborn fahren wir an der

    Windpumpe Friedrichsborn (Zeichnung

    oben) vorbei, die ehemals die Sole auf

    das benachbarte Gradierwerk Friedrich-

    bau pumpte. Das Gradierwerk im Kurpark

    von Werl und das Osthofentor in Soest

    sind weitere Ziele, bevorwir das Museum

    in Bad Sassendorf erreichen. Der Eintritt

    fr Erwachsene kostet 6 Euro, ermigt 4

    Euro. Die Teilnahme an der Radtour ist

    kostenlos. Auch Nichtmitgl ieder sind sehr

    wil lkommen.

    Die Tour ist 87 Kilometer lang. Wem

    dies zu viel ist, kann die Rckfahrt ab Bad

    Sassendorf oder Soest mit der Bahn be-

    werkstel l igen. Auf der Rckfahrt besichti-

    gen wir noch das Gra-

    dierwerk in Bad Sas-

    sendorf und streifen

    das Haus Lohe in Werl-

    Westnnen, das ehe-

    mals der Sitz der Erb-

    slzerfamil ie von Pa-

    pen war.

    Der Tourverlauf lehnt

    sich in weiten Teilen der

    Westfl ischen Salzrou-

    te an. Wer die Tour in

    Eigenregie fahren

    mchte, erhlt die

    GPX-Daten auf der ADFC-Homepage

    www.adfc-unna.de unter dem Men-

    punkt Touren. Hier findet der Leser auch

    weitere Beschreibungen zu Sehenswr-

    digkeiten aufderTour.

    WernerWlfing

    Tourvorschau

  • 36

    FahrRad Frhling 201 5

    Mrz

    Donnerstag, 1 9.03.201 5, ab 1 9:00 Uhr

    Jahreshauptversammlung des

    ADFC Kreis Unna e.V.

    Burg Botzlar, Botzlarstrae, Selm

    Juni

    Sonntag, 28.06.201 5, 1 2:00 1 6:00 Uhr

    Sternfahrt des ADFC Kreisverbandes

    Treffpunkt: Caf Famil ienbande, Bahnhofstr. , Kamen

    ADFC Kreisverband Unna

    ADFC Frndenberg/Menden

    Reimund Knoblauch (Sprecher Frndenberg),

    Tel. : 02373 / 701 74, www.adfc-froendenberg.de

    Mrz

    Sonntag, 08.03.201 5, 1 0:00 Uhr

    Neheim berWaltringen

    Tourleiter: Wolfgang Kuschel; 45 km

    Sonntag, 22.03.201 5, 1 0:00 Uhr

    Ergste, Schwarzwaldstuben

    Tourleiterin: Rita Zander; 50 km

    April

    Sonntag, 1 2.04.201 5, 1 0:00 Uhr

    Iserlohn-Barendorf, Hemer

    Tourleiter: Wolfgang Kuschel; 50 km

    Samstag, 25.04.201 5, 1 0:00 Uhr

    Drahteselmarkt Lnen , Lippeaue & LanstroperEi

    Tourleiterin: Mechthi ld Axmann; 70 km

    Mai

    Freitag, 01 .05. Montag, 04.05.201 5

    Diemel &Weser

    Tourleiter: Schwengler; Bahnkombitour; ~200 km

    Samstag, 09.05.201 5, 1 0:00 Uhr

    Drahteselmarkt Unna

    Tourleiterin: Mechthi ld Axmann; 30 km

    Donnerstag, 1 4.05.201 5, 1 0:00 Uhr

    BrauhofWilshaus

    Tourleiter: Wolfgang Kuschel; 75 km

    Treffpunkt (wenn nicht anders angegeben):

    Rathaus 2 Frndenberg

    Touren & Termine

  • 37

    FahrRad Frhling 201 5

    Sprecherinnen: Christiane Riehl, Tel. : 02301 / 943735, Anja Hollmeier, Tel. : 02301 / 9468700

    www.adfc-holzwickede.de

    ADFC Holzwickede

    Treffpunkt (wenn nicht anders angegeben):

    Marktplatz Holzwickede

    Radlerstammtisch

    Jeden 1 . Mittwoch im Monat, 1 8:00 20:00 Uhr,

    Ratskeller, Al lee 5

    Feierabendtouren

    Jeden 2. 4./5.Mittwoch im Monat (erste Tour 25.03.)

    1 8:00 20:00 Uhr, 20 30 km rund um Holzwickede

    Juni

    Donnerstag, 04.06. Sonntag, 07.06.201 5

    Panorama-Radweg Ruhrtalradweg

    Balkantrasse

    Tourleiter: Wolfgang Kuschel; ~320 km

    Sonntag, 21 .06.201 5

    Sternfahrt nach Dortmund, Friedensplatz

    Tourleiterin: Mechthi ld Axmann; 70 km

    Sonntag, 28.06.201 5

    Sternfahrt nach Kamen

    Tourleiter: Reimund Knoblauch

    Juli

    Sonntag, 1 2.07.201 5

    Fahrt ins Blaue

    Tourleitung: N. N.

    Sonntag, 1 9.07.201 5

    Sattel-Fest Hamm Soest

    Tourleiter: Wolfgang Kuschel; 70 km

    Sonntag, 26.07.201 5

    Kolberghaus Neuenrade

    Tourleiter: Wolfgang Fleitmann; 80 km (hgelig!)

    Seniorentouren

    Dienstags ab 03.03. al le zwei Wochen, Start am Rat-

    haus I I , Frndenberg, um 1 0:00 Uhr (nur am 03.03.

    Start um 11 :00 Uhr!); Tourziele werden ca. 1 Woche

    berE-Mail-Vertei ler und Presse bekanntgegeben,

    Tourleitung:

    Mechthi ld Axmann

    (Tel. : 02304 / 80461 ,[email protected]),

    Rita Zander

    (Tel. : 02373 / 1 4426, [email protected])

    Radlertreff

    Erster und dritterMontag im Monat,

    1 9:00 21 :00 Uhr, Gasthaus Zum Knecht,

    Graf-Adolf-Str. 35b, Frndenberg

    April

    Sonntag, 1 8.04.201 5, 1 0:00 Uhr

    Ab ins Museum

    Lasst euch berraschen. Wir suchen was interessan-

    tes aus! (evt. Kostenpauschale ~1 0 ); ~60 km;

    Tourenleiterinnen: Christiane Riehl, Anja Hollmeier

    Mai

    Samstag, 1 7.05.201 5, 09:45 ~1 6:00 Uhr

    Hindutempel Hamm

    Tourenleiterin und Anmeldung (bis 1 0.05.): Anja Holl-

    meier (Tel. : 02301 / 9468700); Kostenumlage fr

    Fhrung durch Tempel; ~60 km

    Juni

    Sonntag, 1 4.06.201 5, 1 0:00 ~1 6:00 Uhr

    Tour nach Soest

    Rckfahrt mit dem Zug (Kostenumlage); Tourleiterin-

    nen: Christiane Riehl, Anja Hollmeier; ~60 km

    Samstag, 21 .06.201 5

    Sternfahrt nach und durch Dortmund

    Holzwickede Friedensplatz Fredenbaumpark

    (Fahrradfest)

    Tourenleiterin: Anja Hollmeier; ~60 km

    Juli

    Sonntag, 26.07.201 5, 09:00 Uhr

    Mnsterland-Runde

    Tourleiterinnen und Anmeldung (bis 20.07.): Christia-

    ne Riehl (Tel. : 02301 / 943753), Anja Hollmeier (Tel. :

    02301 / 9468700); mit Fahrradanhnger, max. 1 5

    TeilnehmerInnen; ~60 km

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