Feb-Mrz 2013

download Feb-Mrz 2013

of 30

  • date post

    16-Mar-2016
  • Category

    Documents

  • view

    220
  • download

    1

Embed Size (px)

description

Feb-Mrz 2013

Transcript of Feb-Mrz 2013

  • LUTHERISCHES GEMEINDEBLATT FR NORDHORN Die Brcke

    FEBRUAR / MRZ 2013

    THEMA: TOLERANZ

  • TITELTHEMA

    04 KARIKATUR

    06 NACHGEFRAGT

    07 TOLERANZ UND RELIGION

    08 TOLERANZ EINBEN IM VER-TRAUEN AUF DIE ZUSAGE

    GOTTES

    10 DEN ANDEREN SO LASSEN, WIE ER IST Interview mit einer Streitschlich-

    terin und einer Ausbilderin

    12 WAS HAT DIE REFORMATION MIT TOLERANZ ZU TUN?

    GEMEINDEN

    18 Auf dem Weg zum Pastor?

    19 Vorfreude auf einen besonderen Tag

    20 Jugendpolitik und Jugendkultur

    20 Stephan Klein neuer Leiter des Posaunenchores

    21 Klausheide hinterlsst Eindruck bei Bischof Meister

    21 Statistik

    21 Seniorenfreizeit Bad Laer

    22 Familiengottesdienst in der Martin-Luther-Kirche

    KINDERGRTEN

    23 Waffeln Backen im Martin- Luther-Kindergarten

    23 Pdagogisches Puppentheater

    23 Anmeldetage zur Neuaufnahme

    JUGEND

    13 Konfi rmanden online auf den Spuren von Jesus Christus

    13 Neue Mdchengruppe im CVJM

    14 Konfi rmandenfreizeit

    15 Geplante Freizeiten

    RUBRIKEN

    03 EDITORIAL

    16 GOTTESDIENSTE

    22 OSTERGOTTESDIENSTE

    24 VERANSTALTUNGEN

    28 GEBURTSTAGE

    29 AUS DEN GEMEINDEN

    30 ANSPRECHPARTNER

    31 RCKBLICK

    32 ANDACHT

  • 3 EDITORIAL

    LIEBE LESERIN, LIEBER LESER,

    Toleranz und Vielfalt lautet das Jahresthema fr 2013, das von der EKD (Evangelische Kirche in Deutschland) vorgeschlagen wurde. Deshalb widmet sich auch diese Brcke-Ausgabe dem Thema und geht dabei auf verschiedene Aspekte ein: Superin-tendent Dr. Bernd Brauer beleuchtet dabei in seinem Beitrag schwerpunktmig die Situation in unserem Kirchenkreis Emsland-Bentheim, der ja von einer vielfltigen konfessionellen Landschaft geprgt ist.

    In einem Interview, das Simon de Vries gefhrt hat, berichten Svenja Bhme und Marianne Spethmann ber die interessante und wichtige Arbeit von Streit-schlichtern am Gymnasium Nordhorn.

    Und der Unterzeichner zeigt auf, dass Toleranz in der Religion nicht erst ein Thema heutiger Tage ist, son-dern dass bereits vor Jahrhunderten teilweise recht unbefangen damit umgegangen wurde.

    Natrlich fi nden Sie in dieser Ausgabe auch Wis-senswertes aus unseren Gemeinden, wichtige Ver-anstaltungshinweise usw. Ein Ereignis darf ich Ihnen besonders ans Herz legen: Das ist die Einfhrung von Simon de Vries als Pastor der Christus- und Kreuzkir-

    chengemeinde am 10. Februar. Zwar versieht er die-sen Dienst bereits seit geraumer Zeit, hat jetzt aber seine Probezeit beendet und wird deshalb offi ziell installiert. Schn, dass er sich entschlossen hat, in Nordhorn zu bleiben (denn er htte sich jetzt auch anderswo bewerben knnen).

    brigens knnen wir mit dieser Brcke ein kleines Jubilum feiern: Es ist die dreiigste gemeinsame Ausgabe unserer Gemeinden. Ich glaube, wir haben

    uns damit auf einen guten Weg begeben und wn-sche Ihnen eine anregende Lektre.

    Ihr Gnter Vogel

    EDITORIAL

    TOLERANZ IN DER RELIGION IST NICHT ERST EIN WICHTIGES THEMA IN UNSEREN TAGEN.

  • 6NACHGEFRAGT

    ANNA ANDREEVA: Ich bin gar nicht mehr tolerant, wenn es um Rassismus geht. Also eine Inakzeptanz anderer Kulturen und Lnder.

    NIKLAS REISER: Toleranz endet, wenn Konfi rmanden auf einer Freizeit nach der dritten Ermahnung immer noch nicht tun, was man ihnen sagt!

    LUCA POKSTEFL: Es darf keine Toleranz gegenber intoleran-tem Gedankengut geben, da die Toleranz sonst zur Gleichgltigkeit wird.

    LOUISA KERSTEN: Toleranz endet, wenn jemand verletzt wird durch Worte oder Taten. Zum Beispiel toleriere ich kein Mobbing.

    STEPHANIE HABBE: Ich kann es nicht tolerieren, wenn Menschen auf-grund ihres Aussehens, ihrer sexuellen Neigung, sozialen Schicht, Religion oder Hautfarbe verurteilt werden.

    TILL CONERS:

    Meine Toleranz endet da, wo Gewalt beginnt.

    WO IST DEINE TOLERANZ AM ENDE?

    NACHGEFRAGT

    WIR HABEN AUF FACEBOOK GEFRAGT:

  • 7 THEMA

    TOLERANZ UND RELIGIONGNTER VOGEL AUF SPURENSUCHE DURCH DIE GESCHICHTE

    Den Medien knnen wir entneh-men, dass es zur Zeit in Nordirland zu Protesten und sogar heftigen Aus-schreitungen zwischen Protestanten und Katholiken kommt. Der Grund: Aufgrund einer Belfaster Stadtrats-entscheidung soll die britische Flag-ge nur noch an ausgewhlten Tagen auf dem dortigen Rathaus wehen. Bislang ist sie tglich gehisst worden. Sie steht fr die Zugehrigkeit Nordir-lands zu Grobritannien. Die Katholi-ken Nordirlands hingegen wollen die Loslsung von Grobritannien und die Vereinigung mit der Republik Ir-land. Handelt es sich hier um einen Konfessionsstreit von Katholiken ge-gen Protestanten oder um eine poli-tische Auseinandersetzung - also um eine reine Machtfrage?Die Geschichte ist voll von solchen Beispielen. Nehmen wir nur den Dreiigjhrigen Krieg (1618-1648), der oft als Religionskrieg schlechthin betrachtet wird. Natrlich spielten die konfessionellen berzeugungen und die daraus resultierenden Bnd-nisse eine Rolle, aber machtpoliti-sche und geostrategische Interessen hatten dabei sicherlich auch eine entscheidende Bedeutung. Als Knig Gustav II. Adolf von Schweden seinen evangelischen Glaubensgenossen auf deutschem Boden zu Hilfe kam, war damit nicht zuletzt eine willkom-mene Ausdehnung des schwedi-schen Machtbereichs im Ostseeraum verbunden, die spter kriegerische Auseinandersetzungen zwischen dem protestantischen Brandenburg-Preuen und dem protestantischen Schweden zur Folge hatte. Da spielte die Religion dann keine Rolle mehr!

    Ich glaube, dass Religion allzu oft herhalten musste als Alibi fr ganz handfeste Machtinteressen. Denn andererseits wurde keineswegs im-mer so fanatisch oder uneigenntzig an der eigenen Religion festgehal-ten. Wenn beispielsweise eine Prin-zessin aus evangelischem Hause in eine katholische (oder orthodoxe) Herrscherfamilie einheiratete oder umgekehrt, dann wurde in der Regel selbstverstndlich die entsprechende Religion angenommen. Und als der schsische Kurfrst August der Star-ke - immerhin Herrscher des luthe-rischen Stammlandes - die polnische Knigswrde anstrebte, hatte er kei-nerlei Skrupel, 1697 zum Katholizis-

    mus berzutreten. Allerdings war das ganz gewiss kein Ausdruck religiser Toleranz, sondern vielmehr Streben nach Macht und Ansehen um jeden Preis - Religionswechsel inbegriffen!Dass sich religise Toleranz ber-aus positiv auswirken kann, zeigt das Beispiel Preuens, das nicht nur Salzburger Protestanten und fran-zsische Hugenotten aufnahm, die entscheidend zum wirtschaftlichen Aufschwung des Landes beitrugen, sondern sich auch Muslimen ffnen wollte. So sagte Friedrich der Groe 1740: Alle Religionen sind gleich gut, wenn nur die Leute, die sich zu ihnen bekennen, ehrliche Leute sind. Und wenn Trken und Heiden kmen,

    und wollten hier im Land wohnen, dann wrden wir ihnen Moscheen und Kirchen bauen. 1775 berlegte er sogar, in Westpreuen muslimi-sche Familien anzusiedeln, um dort Land urbar zu machen. Ich will ih-nen auch Moscheen bauen und ih-nen allen Schutz angedeihen lassen, und sie berhaupt wie Meine bri-gen Untertanen behandeln, fhrte er aus und schrieb in einem Brief an Voltaire: Wir werden dann religise Abwaschungen haben, und werden singen hren Jllih, Allah, ohne uns darber zu rgern.brigens lie schon sein Vater, Fried-rich-Wilhelm I., 1732 in Potsdam ei-nen Gebetssaal fr seine trkischen

    Gardesoldaten errichten. Es war die erste Moschee auf deutschem Boden.Diese Beispiele zeigen, dass religise Toleranz - jedenfalls in Preuen (aber nicht nur dort) - aus ganz pragmati-schen Grnden gebt wurde. Aber das muss auch nicht schlecht sein, denn sie erfolgte nicht auf Kosten ei-gener Glaubensberzeugungen. Und das halte ich fr wichtig: Unter-schiede auszuhalten und anzuer-kennen, dass es sie gibt; sie infolge dessen anderen auch zuzugestehen, ohne den eigenen Glauben zu ver-leugnen. Das kann zum friedlichen Miteinander und zu einem fruchtba-ren Dialog fhren.

    RELIGION MUSSTE ALLZU OFT HERHALTEN ALS ALIBI FR GANZ HANDFESTE MACHTINTERESSEN.

  • TOLERANZ EINBEN IM VERTRAUEN AUF DIE ZUSAGE GOTTESAUF DEM WEG ZUM REFORMATIONS-JUBILUM IM JAHR 2017 STEHT JEDES JAHR UNTER EINEM BE-STIMMTEN MOTTO. IN DEN LETZTEN BEIDEN JAHREN HABEN WIR AUCH IN UNSEREN GEMEINDEN ZU-NCHST DAS JAHR DER TAUFE UND DANN DAS JAHR DER KIRCHENMUSIK GEFEIERT. IN DIESEM JAHR GEHT ES UM TOLERANZ UND VIELFALT. DR. BERND BRAUER ZIEHT LINIEN VON DIESEM THEMA ZU AKTUELLEN HERAUSFORDERUNGEN UNSERER GESELLSCHAFT, UNSERER KIRCHE UND UNSERES KIRCHENKREISES.

    Das Jahresthema der Reformationsdekade fr 2013 lautet Toleranz und Vielfalt. Das ruft bei lutherischen Christen im Emsland und in der Grafschaft Bentheim Erinnerungen wach: Viele sind selber als Flchtlinge, Sptaussiedler oder aus berufl ichen Grnden in diese stark von anderen Kon-fessionen geprgten Landschaften gekommen. Sie haben erlebt, wie es ist, als fremd und Angehriger einer konfessi-onellen Minderheit wahr- und nicht immer gleich ernst ge-nommen zu werden. Dass heute bei vielen Aktionen luthe-rische Pastoren zusammen mit ihren rmisch-katholischen und reformierten Kollegen gemeinsam fast geschwisterlich auftreten und Feiern gestalten, war lange Zeit nicht selbst-verstndlich.Toleranz hie zunchst im Wortsinn des lateinischen Ur-sprungs (tolerare = ertragen/erdulden) hinzunehmen, was nicht mehr zu ndern ist. Verlust der Heimat sowie fremde Menschen und ihr Gedankengut. Aber Toleranz ist mehr als schulterzuckendes Hinnehmen, sondern schliet die echte Chance auf Teilhabe durch ffnung ein. Chance auf Teilha-

    be bedarf aber der Ergnzung durch Teilgabe. Die vielen Hinzugekommenen haben die Grafschaft und das Emsland mit zu dem gestaltet, was sie heute sind: Eine fr den Nor-den Deutschlands wirtschaftlich sehr erfolgreiche Region. Toleranz ist eine aktive Haltung fr alle Beteiligten, die ein gemeinsames Ziel vor Augen haben un