Gebser Rundbrief

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Transcript of Gebser Rundbrief

  • Bild:Chado-Wassergefssvon Ueda NaokataH 17 cm, 17,9 cmBesitz von Tilda Hrry

    Gebser Rundbrief

    Juni 200 2

    Info

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  • Editorial

    Das erste Zeichen des altchinesischen Weisheits- und Orakelbuches I Ging heisst:Kin, das Schpferische, der Himmel. Der Text zu diesem Zeichen stand in einenkleinen silbernen Rahmen gefasst immer auf Jean Gebsers Schreibtisch. Daneben lagein altchinesischer, kunstvoll geschnittener Steinstempel mit dem Zeichen fr: Inder Stille schauen, was, wie mir ein Chinese, der mir diesen Stempel gedeutet hat,mitteilte, wohl mit Meditation zu bersetzen ist. Gebser hat das I Ging ZeichenDas Schpferische fr die Niederschrift von Ursprung und Gegenwart als Orakelgeworfen. Er, der ja mit magischen Bruchen eher vorsichtig umgegangen ist, hat dasI Ging manchmal auch als Resonanzkrper eingesetzt und das I Ging befragt. Imzweiten Band von Ursprung und Gegenwart geht Gebser selbst auf dieses ZeichenKin ein und, ohne auf seinen persnlichen Bezug zu diesem Zeichen aufmerksam zumachen, schreibt er, Richard Wilhelm, den bersetzer des I Ging, zitierend: Wemdieses Zeichen bei der Befragung des I Ging zufllt, dem wird Gelingen aus den Ur-tiefen des Weltgeschehens zuteil werden. (Bd. 3, S. 427) Auf alle Flle war es Gebserwichtig genug, beim Arbeiten stndig daran erinnert zu werden, dass das Schp-ferische die Quelle seiner Arbeit ist und bleiben soll.Das Schpferische und das Dichterische sind fr Gebser sehr nah beieinander. Imdritten Kapitel des zweiten Bandes von Ursprung und Gegenwart nennt Gebser das

    Schpferische ein Urphnomen und bringt es inVerbindung mit dem Geschehen der Bewusst-seinsmutationen und auch in Verbindung mitdem Dichterischen. Dichtung ist schpferischeSprache. Die Umkehrung des Satzes gilt auch hiernicht. Eine Sprache, eine Ausdrucksform fr daseigene Schpferische zu finden, kann vielmehr dieMglichkeit und Aufgabe jedes Menschen sein.Bei jedem Menschen ist die eigene Sprache desSchpferischen einzigartig und unverwechselbar.Wichtig ist es nur, sie zu finden!Dieser Rundbrief ist im Hinblick auf die dies-jhrige Tagung in Bremen, in der es um die schp-ferische Dimension (nach Gebsers Ausdrucks-weise eher eine Amension, d. h. Unmessbarkeit)der Sprache geht, dem Schpferischen in vielfl-tiger Weise gewidmet: Die eingestreuten Gedichtevon zum grossen Teil heute und jetzt schreibendenDichterinnen und Dichtern sollen Zeugen seinfr die lebendige Gegenwart des Schpferischen,

    Chado und Chadokeramikverkrpern:

    1. fukinsei: Asymmetrie2. kanso: Unkompliziertheit3. koko: Wrde4. shizen: Natrlichkeit5. yugen: Unergrndlichkeit6. datsuzoku: Unbefangenheit7. seizaku: Stille

    (Nach Hisamatsu Shinichi)

    Unten und aufnachfolgenden Seiten:Chado-Teeschalen vonUeda Naokata

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  • der Text von Peter Gottwald ber die Frage nach Gut und Bse kann ein Denkanstosssein, um zu erkennen, dass das Schpferische gerade auch in unserer ethischen Hal-tung im Alltag gefragt ist: Wer nicht mehr den dualistischen Angeboten, die Welteinzuteilen und zu ordnen, folgen kann, muss sich auf das Schpferische verlassenknnen, das von Moment zu Moment erkennen lsst, was die notwendige,die Not wendende Haltung ist. Der Hinweis auf die mundlosen Figuren aus Glozelschliesslich ist ein Hinweis auf die magischen Wurzeln der Sprache. Die Figurensprechen in ihrer Sprachlosigkeit stumm fr sich selbst und rhren an das, was im-mer in uns auf den Klang der Welt horcht, ohne alles bereits kommentieren, ana-lysieren und beurteilend einordnen zu mssen.Das Wahren des Schpferischen bedeutet, es auszudrcken, es zu konkretisieren, eszu leben. Und das hat im weitesten Sinne immer mit Sprache zu tun. Sprache undintegrales Bewusstsein. Vom Sprachspiel zur Aussage ist der Titel der XXVIII. Ta-gung der Gebser Gesellschaft. Was dabei zur Sprache kommt, wird in dem Massespannend sein, als es gelingt, mit dem Schpferischen im Kontakt zu sein und inKontakt zu kommen. Wir alle sind dabei gefragt.

    Rudolf Hmmerli

    eines tageswerde ich meine schwneloslassen

    sie sollen die flussbettenabsuchennach ihren heiligen

    und die trophen denenbringendie dort leben

    ich habe zubleibenohne landschaft

    Eveline Blum

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  • Jean Gebser: Vom Wesen des Schpferischen

    Im Schpferischen ist der Ursprung Gegenwart. Das Schpferische ist an Raum undZeit nicht gebunden, und seine echteste Auswirkung findet es in der Mutation, dieals solche nicht kontinuierlich in der Zeit verluft, sondern spontan, akausal, sprung-haft ist. Es ist ein sichtbar werdender Impuls des Ursprungs, der seinerseits zeitlos,besser: vor oder ber aller Zeit und Zeitlosigkeit ist. Und es ist etwas, das uns ge-schieht, das sich in und an uns vollzieht. Dieser Umstand macht es fr jeden Rationa-listen verdchtig. Es zeigt die Grenzen des Verstandes auf und stellt jedeAnthropozentrik in Frage. Es scheint ein irrationaler Vorgang, ist aber ein arationaler.Die bloss psychologische Deutung reicht nicht aus, ihn zu umschreiben. Die nahelie-gende theologische Interpretation ist Sache der Theologen, an deren Streit sich vorallem Aussenstehende nicht beteiligen sollen. Damit scheidet die demiurgische Frageaus unserer Betrachtung aus. Wir sprechen vom Ursprung und seiner Manifestation,dem Schpferischen, das, insofern es sich im Menschen vollzieht, sich bewusstseins-gestaltend auswirkt. Durch das Schpferische wird der vorbewusste Ursprung bewussteGegenwart. Es ist der direkteste, aber auch seltenste Vorgang der Gnzlichung, dieeinmal, und sei es auch nur fr Bruchteile von Sekunden, realisiert, unverlierbar bleibt.

    Jede Aussage ber das Schpferische ist Zweifeln ausgesetzt. Da es eine Kraft ist,ist es systematisch nicht fassbar, sondern hchstens systatisch wahrnehmbar. Da eszudem eine Kraft ist, die sich in ihrer ganzen Trchtigkeit nur hchst selten mani-festiert, ist das empirische Vergleichsmaterial ungemein beschrnkt. Hinzu kommt,dass es sich meist nur bruchstckhaft und dann vornehmlich psychisch manifestiert,so dass die meisten Aussagen darber nur reduzierte Gltigkeit haben. In jedem Falleist das Schpferische mehr als nur ein kreatives, imaginatives, intuitives, produktivesoder reproduzierendes Element. Es gelangt dort zu sichtbarer Wirksamkeit, wo dieStrke der inneren Konstellation und der Grad an Intensitt seiner Kraft gewachsensind, dort also, wo sein Anspruch Antwort zu finden vermag. Es vollzieht sich imeinzelnen in dem Masse wie an ganzen Generationen, sofern sie bereit sind.

    Seit der Renaissance, seit das Raumbewusstsein geleistet war, ist das Bewusstseindes abendlndischen Menschen durch die geleistete Konsolidierung zu einer neuenschpferischen Leistung disponiert. In der sich seitdem vorbereitenden und sich heu-

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  • te mehr und mehr vollziehenden Mutation wird das bewusstseinsumgestaltende Schp-ferische sichtbar. Das vom Ursprung her Vorgegebene kommt zur Wirksamkeit: derUrsprung leuchtet in der Gegenwart auf, sie verwirrend, umgestaltend und lsend.

    Aussagen ber das Schpferische sind ungemein selten. Es ist mglich, dass derDaimon des Sokrates und der Eros Platons zumindest Teilaussagen darber dar-stellen. Der Daimon, jene Kraft, die in der Mutation der letzten vorchristlichen Jahr-hunderte das Mythische zerriss und damit den Weg ins Mentale freimachte, in jenesMentale, das auch in der gerichteten Energie des platonischen Eros Ausdruck fand.

    Jean Gebser, Gesamtausgabe Bd. III, S.425f.

    Ankunft ist Zukunft,die Sprache weiss es,sie geht voraus, nachsichtigvorsichtig flstert sie sichvorbei an den Zielen, dieerreicht zu sein scheinen,sie redet den Erscheinungengut zu, noch nicht ganzauszuruhen, die Wege sindin Bewegung, der Ursprungkennt seine Gegenwart.

    Barbara Hampel

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  • Einige Gedanken ber das Bse aus gegebenem Anlass

    Wir machen uns Bilder der Tatsachen...Ludwig Wittgenstein

    1. Voraussetzungen und Ziel der UntersuchungIhr Gegenstand ist das Handeln der Menschen allgemein, nicht nur dasjenige, dasgemeinhin als bse, schlecht oder sonst negativ bewertet wird. Dabei gehe ichweder von einem theologischen, noch von einem religisen Standpunkt aus. Ich be-trachte meinen Versuch als einen philosophischen in der Tradition der philosophischenAnthropologie.1.1 Ausgehend von Gebsers These einer Bewusstseinsmutation von einer mythischen

    zu einer mentalen, spter, d.h. vor allem im 19. Jahrhundert allein rationalenBewusstseinsstruktur, einer These, die ein immer strkeres Gewicht erlangt hat,ergibt sich unter anderem auch die Notwendigkeit, normales oder gelingendes,abnormes oder misslingendes Leben im mythischen, sodann im mentalen Be-wusstsein nher zu bestimmen. Dann werden Geschichten des bergangs zusammeln und zu prfen sein (Sisyphos, Tantalus, die Paradiesgeschichte, derMythos von Daedalos und Ikaros, u.a.). In welchem Geist wurden sie erzhlt,beschrieben? Wertete der Erzhler den Wandel positiv oder negativ? Erst dannkann die Geschichte der Rede von einem Bsen in Angriff genommen werdenals ein Versuch, das strende, zerstrerische, schdigende Handeln der Menschenaus der Sicht des hochentwickelten mentalen Bewusstseins unserer Gegenwart zuerklren und zu verstehen.

    1.2 Dieser historische Zugang (der zugleich ein psychohistorischer er erzhlt dieGeschichte von der Entdeckung der Seele und prhistorischer ist, weil er sichnicht auf Quellen sttzen kann) scheint mir notwendig, um die Einengungen,die im Laufe der Entwicklungsgeschichte der Wissenschaften von biologischer,psychologischer und psychoanalytischer Seite her geschehen, zu vermeiden ( FreudsTriebtheorie, Lorenz Das sogenannte Bse, die Frustrations-Aggressions-hypothese und andere Aggressionstheorien, die in spezifischen historischen Zu-sammenhngen als spezifische Sinngebungen entstanden sind).

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  • 1.3 Unter den Deutungen negativ bewerteten menschlichen Handelns, des Un-ruhe-, Abwehr- oder auch zerstrerischen Geschehens (damit ist auch die Selbst-zerstrung gemeint) ist die jdisch-christliche fr uns von besonderem Interesse.Das AT weist noch Spuren des bergangs vom Mythos zum Mentalen auf, unddas NT markiert in der Gestalt des Jesus von Nazareth bereits einen weiterenbergang zwischen zwei grundverschiedenen Bewusstseinsstrukturen, nmlichnun vom mentalen zu einem integralen Bewusstsein, worauf Gebser nachdrck-lich hinwies.

    2. Leben und Verfehlung im MythosIm Einklang der Beziehungen zwischen Gttern, Menschen und zahllosen anderenbeseelten Wesen (Tiere und Pflanzen ist unser Ausdruck dafr), wie sie in Geschich-ten erzhlt und in Mysterienspielen agiert werden, leben die Menschen in Harmonie,im Kreis der Tages- und des Jahreslaufes, in dem und aus dem sich ihre Ttigkeitenergeben, die noch nicht als (zielgerichtete) Handlungen aufgefasst werden. Die Her-kunft der Gtterbilder ist als Resultat einer Schau nach innen, eines Trumens undvisionren Geschehens zu verstehen (Gebser), das mit dem Erleben der Naturvorgnge(Tag und Nacht, Jahreszeiten, Gewitter, Sturm, Regen und Trockenheit) in eine in-nige Beziehung sich setzt. So kann einerseits ein Gott um den anderen entstehen,um ein Wort von Hlderlin abzuwandeln, andererseits folgen daraus spezifische Hand-lungen wie Opferrituale, welche diese neue Beziehung bekrftigen.

    Von Mal zu Mal (nicht von Zeit zu Zeit, da der Zeitbegriff in unserem Sinne, d.h.als ein gerichteter, noch nicht vorhanden ist) wird ein Mensch aus dieser Mitte ge-rissen, strt und zerstrt andere und schliesslich auch sich selbst; er wird notfalls ausder Gemeinschaft ausgeschlossen und verkommt draussen. Gedeutet wird diesesGeschehen oft als Besessenheit durch eine der zahllosen Geister-Seelen, spter alsStrafe der Gtter. Anthropologisch-ethnologisch gesehen finden wir dieses Musterim Amok. Von einem Bsen ist hier jedenfalls nicht die Rede, und selbst dieZwietracht ist gttlichen Ursprungs.

    3. Leben im bergangBei einzelnen Menschen regte sich offenbar, durchaus zeitlich einzuordnen etwa um1000 vor unserer Zeitrechnung, im Abendland eine neue Mglichkeit, in der Welt zusein; eine neue Bewusstseinsstruktur trat in Erscheinung, ohne dass es eine Erklrungfr dieses Auftreten gibt (Gebser). Diese Menschen erlebten wohl ein erstes Ins FreieTreten, eine ganz neue Sicht der Welt und ihrer selbst, die sich in die Form kleidenmochte Ich bin.... Dieses Erleben, besser diese Widerfahrnis ging sicherlich mitden strksten Gefhlen des Schauderns, der Erhobenheit, des Glcks, aber auchgrosser Angst einher. All dies teilte sich den anderen Menschen mit, die mit Staunenund Entsetzen diesem entsetzlichen Geschehen, das einen der ihren betraf, beiwohn-ten. Denn dieser eine begann nun das zu entfalten, was sehr viel spter sein Wille

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  • genannt wurde, und die Handlungen, welche diesem Willen dienten, waren oft un-angenehm und schmerzlich fr andere Menschen.

    Solche Menschen erregten also vermutlich den Argwohn und die Furcht der vie-len, denen dies als eine Anmassung, als ein Sich-Vergttlichen erschienen sein mag;von der Angst vor (und damit der Abwehr) dieser neuen Mglichkeit handeln des-halb viele Geschichten des bergangs wie die von Tantalos und Sisyphos, die aus-drcklich als ungewhnliche Menschen, als begabte, bezeichnet werden, mit densogar die Gtter Umgang suchen.

    Nun gibt es aber zahllose Versuche, dieses Geschehen sich fassbar zu machen, zudeuten, zu erklren. Die griechische Philosophie, Parmenides und Plato zumal, ent-faltet die Lehre von einer Welt der Ideen und darin einer hchsten Idee, mit denendie Menschen je und je in Kontakt treten knnen (das Hhlengleichnis ist auch, alsDeutung, ein nach aussen-Verlagern des nach meiner Auffassung tiefinnerenGeschehens). Die jdische Deutung und damit Bewltigung dieser Widerfahrnisist in diesem Zusammenhang besonders faszinierend. Dieses neue Ich bin, vonEinzelnen erfahren als unabweisbare Wirklichkeit, wurde nach meiner Auffassung alsso gewaltig und bermchtig erlebt, dass es nicht als dem Menschen, sich selbst,zugehrig angesehen werden konnte, dass es in einer Art unbewussten AbwehrEinem Gott berbunden, bertragen werden musste da es sich ja offensichtlichals strker denn alle Gtter und Gttinnen erwiesen hatte und keinesfalls dem Geistdes Menschen entsprungen sein konnte/durfte. Fr diese Deutung oder neue Welt-sicht steht Abraham, der Mondwanderer (Th. Mann) und Gottsucher (besser aber:Gotterfinder, wre dieses Wort nicht zu sehr durch technische Assoziationen bela-stet) als Gestalt, wenn auch nicht als historische Person. Personen treten in diesemZusammenhang erst viel spter in Erscheinung: Hier die Propheten, wie dort dieGesetzgeber, die frhen griechischen Philosophen im Abendland, andere Gestaltenin Indien und China, wo sich offenbar dasselbe Geschehen zu einem frheren Zeit-punkt vollzieht. Offensichtlich sind die Menschen dieser (damaligen) bergangszeitnicht bereit oder in der Lage, dieses neue Bewusstsein wirklich und ganz und gar aufsich zu nehmen im Sinne einer schpferischen Mglichkeit, aber auch Brde oderLast, jedenfalls in einem Sinne, den wir heute mit Verantwortung nur noch unzu-reichend bezeichnen.

    So zeigte sich den Juden also nun Ein Gott, dessen Name bezeichnender- jageradezu verrterischer Weise lautet: Ich Bin Der Ich Bin und nur die Gewissheit

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  • des Auserwhltseins, die doch immer wieder bekrftigt werden muss, bleibt als einAbglanz des ursprnglichen Erlebens lebendig; allerdings, es muss die Vorhaut geop-fert werden, um sich selbst und den da draussen immer wieder an den Pakt zuerinnern.

    Nicht nur in der jdisch-christlichen Tradition ist in diesem Zusammenhang voneinem Bsen die Rede; aber erst nachdem das Gute erdacht, ersonnen worden ist(besser wre: hervorgebracht worden ist in unendlichen Wehen einer geistigen Ge-burt, die sich ber eine lange Zeit hinzog), entsteht auch die Notwendigkeit, voneinem Bsen zu sprechen, von dem es sich abzusetzen galt, dem man nicht anheim-fallen durfte.

    Im Verlaufe dieses nur sehr grob skizzierten Prozesses finden wir also zunchst einAuseinandertreten des Ich Bin, welches in den Himmel projiziert wird, und des Ichwill, das geradezu verteufelt wird bis es schliesslich in unendlichen Wehen zumGemeingut aller Menschen wurde.

    Der Wille, so knnte man zunchst sagen, ist uns heute Erlebnis einer neuenMglichkeit und Vorsatz zum Handeln zugleich. Mit ihm entsteht nicht nur die Mg-lichkeit zu sagen Ich will und dann entsprechend zu handeln, sondern auch dieMglichkeit, gegenber einem anderen Willen nein zu sagen, und zwar als Aus-druck der eigenen Freiheit, wie Gandhi dies vorlebte, dem wir diese Realisierung vonFreiheit Ich Will Nicht verdanken (vgl. dazu Russell,1951). Dieses Nein wird vomanderen nur allzu leicht als bse bezeichnet und mit Gewalt gebrochen; das schreck-lichste Nein ist dann jenes zum Willen Gottes, welches von einem Geschpfnicht ohne schreckliche Folgen gesagt werden kann so heisst es ja in dieser Traditi-on, die heute als Fundamentalismus erschreckend in Erscheinung tritt an vielenStellen auf der Welt.

    Diese Geschichte zu wahren und eine neue Form des Miteinander zu gewinnen(ein Integrat soll das Patriarchat ablsen) ist nach Gebser unsere neue Aufgabe. InUrsprung und Gegenwart schrieb er: Wann wohl wird man bemerken, wie befri-stet solche Entsprechungen, wie begrenzt solche Gegenstzlichungen wie beispiels-weise Gott: Satan, sind, und es unterlassen, den Ausdruck des Ganzen in psychisch-mythische Gefge oder mentale Systeme als Pol oder als Grsse einzusetzen? (III/684)

    4.Diese Art und Weise der Wahrnehmung frher Geschichten, Mythen und Deutun-gen ist m.E. nun schon Ausdruck der Bewusstseins-Mutation zu einem integralenBewusstsein im Sinne Gebsers, welche es ihren Trgern ermglicht, diese Geschich-ten als jeweilige Lebensformen und Sinngebungen wahrzunehmen und zugleich dieVerantwortung auf sich zu nehmen, welche mit neuen Geschichten und Sinngebun-gen unweigerlich auf sie zukommt.

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  • So kann die Geschichte des mentalen Bewusstseins auch beschrieben werden alsdie langsame und mhevolle Einbung in das Erkennen dessen, was gut und bseist denn das war keine Lge der Schlange (Abwehrgeschichte vom Paradies), son-dern ein Hinweis auf eine ganz neue Mglichkeit des Menschen: Und nun wissen wirzwar ganz genau, was gut und bse ist, mssen aber wider Erwarten eine neue Lek-tion lernen: Das Wahrnehmen und Wahrgeben. Es bersteigt die Suche nach derWahrheit und mndet in die neue bung des Wahrens ein (Gebser).

    5. Das Geheimnis des Restes erweist sich aus dieser Sicht als die immer noch prsente und vermutlich immerwieder gegenwrtige Herausforderung, sich mit dem immer prsenten Ursprung,mit dem Unendlichen, das unter den zehn Zephirot des kabbalistischen Lebens-baums En Sof genannt wird, in eine neue Beziehung zu setzen und die neuenMglichkeiten des Bewusstseins, des Miteinander, zu erkunden. Dazu gehrt auchdie schwierige bung, mit alten, offenkundig schdlichen, wenn auch immer wiederden Einzelnen verlockenden, Mustern unseres Lebens untereinander (dem Tten,Foltern, Verletzen auf jegliche Art und Weise) auf neue Weise umzugehen, eben wah-rend, d.h. weder gewhren lassend noch verurteilend, sondern wahrnehmend ineinem neuen umfassenden Sinne, der sehr wohl das Nein zu einer Handlung kennt,welches vor dem Hintergrund des Ja zu jedem Menschen mglich und sinnvoll ist.Dieses Wahren aber ist eine konkrete Handlung, und nur konkret und in den einzel-nen Schritten des historischen Projekts, besser eines Lebens in der Gegenwart, kannes sich vollziehen, wenn auch nicht an ein Ende kommen. Es wird immer ein Restbleiben, dessen Bedeutung es ebenfalls zu wahren gilt, da er selbst ein Symbol desSchpferischen ist (vgl. Kastner und Gottwald, 1993).

    Peter Gottwald

    Literatur:Gottwald, P.: In der Vorschule einer Freien Psychologie. Forschungsbericht eines Hochschullehrers undZensch-lers. Holzberg, Oldenburg, 2. Aufl. 1993Kastner, P. und P. Gottwald: Psychosoziales Handeln im Wandel. Anstze zu einer neuen Handlungs-theorie. In: Verhaltenstherapie und Psychosoziale Praxis, Heft 4, Jahrgang 1993, S. 463-494.

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  • Die magische Mundlosigkeit ein Beispiel aus Glozel (F)

    Was aber in diesen Malereien [prhistorische Hhlenzeichnungen aus Australien,irische Miniatur aus einem Psalter usw.] vielleicht am strksten berhrt, das ist dieMundlosigkeit der Dargestellten... Was diese Mundlosigkeit bedeutet, wird ersicht-lich, wenn man realisiert, in welchem Mass diese Darstellungen Ausdruck, ja Kenn-zeichen der magischen (...) Bewusstseinsstruktur sind... Unserem Deutungsversuchfr das Fehlen des Mundes liegt die Tatsache zugrunde, dass dieses Fehlen, besondersin den ganz frhen, mehr schematischen Darstellungen, ein Hinweis darauf ist, inwelchem Masse noch nicht das Gesprochene Bedeutung hat, sondern (...) das Gehr-te... (Gebser, GA II, 101 ff.)

    Whrend einem unserer Ferienaufenthalte in Frankreich, im Departement Allier(Zentralmassiv) erkunden wir die Gegend zwischen Vichy und Clrmond-Ferrand.Das frhere Vulkangebiet ist von grosser landschaftlicher Besonderheit und bietetauch kulturelle Hhepunkte. Besonders beeindruckt sind wir von der romanischenKirche Chtel-Montagne. Bau und geographische Lage sind einzigartig. Auf derRckfahrt nach Vichy, dem Flsschen Sichon entlang, begegnen wir einem unschein-baren Wegweiser: Muse de Glozel. Noch nie gehrt. Neugierig zweigen wir ab, undnach einigen hundert Metern landen wir auf dem Vorplatz eines (ehemaligen) Bauern-gehftes, das kein halbes Dutzend Gebude zhlt. Im Museum, einer notdrftig her-gerichteten alten Bauernstube, befinden sich an die 3000 Fundstcke von ausser-ordentlicher Schnheit. Unter den Exponaten hat es u. a. Gesichtsurnen, Knochen-und Geweihstcke mit vollendeten Ritzzeichnungen (Tiermotive, vergleichbar mitMotiven aus der prhistorischen Hhlenmalerei), menschliche Figuren mit deutlich

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  • hermaphroditischen Merkmalen, Phallus- und Vulva-Symbole, knstlerisch verzierteSchmuck- und Gebrauchsgegenstnde, Werkzeuge, rechteckige Tontafeln mit einge-brannten graphischen Zeichen (Schrift?, Symbole?, Dekoration?).

    Die Fundstelle, heute Champ des morts genannt, befindet sich ca. einen halbenKilometer unterhalb des Weilers in der Nhe des Flsschens. 1924 hat sie der dortmit seinen Khen pflgende Bauer Emile Fradin entdeckt und, zusammen mit demArzt und Archologen Antonin Morlet aus Vichy, ans Licht gehoben. Der sensatio-nelle Fund stiess jedoch bei wissenschaftlichen Archologen und nationalen Museenauf grosse Skepsis, nicht zuletzt wegen des ausserordentlichen Reichtums und denAltersschtzungen, die in diesem Zusammenhang auftauchten. Naturwissenschaftli-che Datierungsmethoden (Thermoluminiszenz, C-14) ergaben bei einer Probe-untersuchung 1974 hchst widersprchliche Ergebnisse: von 17/19000 v. Chr., mitSchwerpunkt in der Zeit der Kelten, bis ins 18. Jahrhundert n. Chr. reichte die Spann-weite.

    In den Jahren nach der Entdeckung entzndete sichdie Auseinandersetzung vor allem an der Interpretationder graphischen Zeichen der Tontafeln. Eine Festlegungals Schrift drohte die gerade erst etablierte Theorie der Ent-stehungsgeschichte der Schrift im Osten in Frage zu stel-len. Ein heftiger Gelehrtenstreit ber die Echtheit derFundstcke entbrannte. Gutachten und Gegengutachtenwurden erstellt, Prozesse wurden gefhrt. Bis heute sindsich die Altertumswissenschaftler nicht einig, was dieserFund letztlich bedeutet. Allerdings gibt es heute eine statt-liche Reihe von Publikationen zu diesem Geheimnis vonGlozel, auch wenn die meisten aus der Feder nicht-franzsischer Forscher stammen. Erwhnt sei hier der sehrschn illustrierte Band: Glozel. Les Graveurs du silence,Edition BGC Toscane, 1994.

    Nun, vielleicht ist es sinnvoller, sich aus den wider-sprchlichen Datierungsdiskussionen herauszuhalten. Zuden aufflligsten Fundgegenstnden von Glozel gehrendie Gesichtsurnen aus Ton von unterschiedlicher Grsse,ebenso zahlreiche Fragmente davon. Zwei davon sind in

    diesem Text abgebildet. Sie zeigen ein Gesicht mit grossen, eulenhaften, fast hypno-tisierenden Augen ohne Mund. Bei einzelnen Urnen sind graphische Zeichen an derStelle des Mundes eingeritzt. Als wir diese Gesichter zum ersten Mal sahen, brachtenwir sie unwillkrlich in Verbindung mit dem oben zitierten Gebser-Text, wo er einenwichtigen Aspekt der magischen Bewusstseinsstruktur charakterisiert: die Mund-losigkeit.

    Christian Brtschi, Eva Johner Brtschi

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  • Hinter den Himmeln,die wir erstrebten,warten schon andere,die wir nie lebten.

    Sehet die Rose:Wolke aus Abendschein:wieviel Versprechenihr vergehendes Sein.

    Hinter den Himmeln,hinter dem Herzen schon:Rosen und deren Widerschein:Leben und Tod: ein Ton.

    Jean Gebser

    Detlef Ingo Lauf zum Gedenken

    Detlef Ingo Lauf, der Hauptinitiant, Grnder- und Ehrenprsident der InternationalenJean Gebser Gesellschaft (IJGG), ist am 10. Dezember des vergangenen Jahres imAlter von 65 Jahren in Schaffhausen gestorben. Sein Lebenswerk erfllt, ist er inden ewigen Osten gegangen, schrieb seine Familie in der Todesanzeige und stelltediese unter das Motto des chinesischen Mnchs Ping-tin: Das Licht des Geistes,unverdunkelt, war stets der allerbeste Rat.

    Mit dem ewigen Osten und dem Licht des Geistes werden Persnlichkeit undLeben des Dahingegangenen kurz und trefflich charakterisiert. Detlef Ingo Lauf lehrtenach Abschluss seines Doktorats und weiterfhrendem Studium in Deutschland alsProfessor fr vergleichende Kultur- und Religionswissenschaften, insbesondere frTibetologie, alternierend in den USA und in der Schweiz. Seine publizierten Bcherund Aufstze, seine Vortragsttigkeit, seine Reisen und seine Bibliothek von unschtz-barem Sammlerwert zeugen von einer Persnlichkeit, die die Pflege des weltumspan-nenden Weisheitsgutes der Menschheit zu ihrem eigensten Anliegen gemacht hat.

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  • Dabei begegnete er auch dem Kulturphilosophen Jean Gebser nicht persnlichzwar, aber in dessen schriftstellerischem Werk, das der Novalis Verlag Schaffhausenneu herausbrachte und das die Freundschaft des Forschers mit dem Buchverlegerbegrndete. Detlef Lauf wollte dieses Werk und dessen Schpfer der drohenden Ver-gessenheit entreissen und begrndete zusammen mit anderen Gebser-Freunden dieInternationale Jean Gebser Gesellschaft und die Tradition jhrlicher Gebser-Sym-posien.

    Der Fhrung der Gesellschaft und der Organisation der Tagungen widmete DetlefLauf whrend vieler Jahre ehrenamtlich einen Gutteil seiner Arbeitskraft und seinerZeit. Immer wieder gelang es ihm, Referenten und Tagungsteilnehmer verschiedenergeistiger Herkunft zu inspirierendem Denken und Sprechen ber bewegende Zeit-fragen zu vereinen.

    Eine sich verschlimmernde Augenkrankheit zwang ihn in den letzten Lebensjahrenzur Reduktion seiner usseren Aktivitt und zur Weitergabe des Gesellschafts-prsidiums. Sein Geist blieb bis zuletzt ungetrbt, sein Interesse fr Wesensfragenhellwach und sein Drang nach Kenntnisvertiefung unstillbar eine neue Nepalreisewar bereits in Vorbereitung, als er sich von dieser Welt verabschieden musste. Mitihm ist in aller Stille ein bedeutender Zeitgenosse, Kulturforscher und Denker vonuns gegangen, der in menschlicher Bescheidenheit bestrebt war, mehr zu sein als zuscheinen.

    Wir bleiben Detlef Lauf in tiefer Dankbarkeit verbunden und schliessen in diesenDank auch seine Gattin ein, ohne deren selbstlose Sekretariatsdienste die fruchtbareGesellschaftsarbeit des Verstorbenen nicht mglich gewesen wre. Die IJGG weisssich im Andenken an ihren Grnder- und Ehrenprsidenten verpflichtet, dessen Im-pulse zugunsten von Werk und Wirkung Jean Gebsers nach besten Krften fortzu-setzen.

    Max U. Rapold

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  • Jean Gebser brachte seine Wahrneh-mung eines neuen, eines IntegralenBewusstseins in der Gegenwart, auf sei-ne eigene unnachahmliche Weise zurSprache und damit auch zur Welt.Wir fragen uns, wie uns selber dieWahrnehmung dieses Neuen gelingt,und wie wir dazu beitragen knnen, dieKeime dieses Neuen zu untersttzen ineiner Welt, die viel Anlass zu Furchtund Sorge zu geben scheint.

    SPRACHEUNDINTEGRALESBEWUSSTSEIN Vom Sprachspiel zur Aussage

    Ausgewhlt haben wir Vortrge, die einer-seits Interpretationen der GebserschenAussagen liefern, wobei insbesondere sei-ne Lyrik, die ja ebenfalls einzigartig ist,zu Gehr und zur Anschauung kommensoll.

    Andererseits sollen neuere Formen derWahrgebung in spielender Form erprobtwerden, und schliesslich werden auchZeitgenossen Gebsers mit ihren seinemGeist verwandten Texten vorgestellt(z. B. Hermann Hesse).

    Des weiteren werden wir uns u. a. mitAlfred Korzybski und Ken Wilber ausein-andersetzen knnen. All dies geschiehtin der Gewissheit, dass der zunehmendbesser gelingenden Wahrnehmung Geb-sers, aber auch unserer eigenen Zeit undihrer Zeugen, Wege der Wahrnehmunggangbar werden, wo bisher vor allemHindernisse sichtbar waren.

    In verschiedenen Arbeitsgruppen werdenwir Gelegenheit haben, ausgewhlte The-men und bungen zu vertiefen.

    Seiten 16 18: Aus dem Programm

    XXVIII. Jean Gebser Tagung Bremen 4. bis 6. Oktober 2002

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  • Universitt, Glashalle

    Moorlandschaft

    Universum

    Dies alles geschieht an einem besonde-ren Ort in Rumen der Universitt Bre-men, die ihre Geschichte als Reform-hochschule in einer Zeit zu wahren hat,da ihr am selben Ort eine private Uni-versitt gegenbergestellt wird mit Zie-len, die mit den alten Zielen kaum zuvereinbaren scheinen.

    Zudem bietet die Lage des Tagungsorteszwischen einer Gross- und Handels-, jaHansestadt und dem lndlichen Umfeldmit Worpswede als einem weltbekanntenOrt knstlerischer Kreativitt und gesell-schaftlicher Utopien die Gelegenheit,beider Ambiente zu erkunden und zuwahren. Beim Besuch des Universumgenannten Wissenschafts-Museums nahedem Tagungsort und des benachbartenTeufelsmoors mag schliesslich intensi-viertes mentales Bewusstsein und mythi-sches Erbe zur Wahrnehmung kommen.

    Trotz der Dichte des Programms soll Zeit fr Begegnungen und fr einen Aus-tausch sein, von dem wir wissen, wie be-deutsam er fr Gebser stets war.

    Bremen, Marktplatz

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  • Dr. Rudolf Hmmerli, BernGebsers Entwurfeiner integralen Sprache

    Der Vortrag soll die Frage beantworten,ob und wie Gebser die integrale Bewusst-seinsmglichkeit, welche die mental-rationale Bewusstseinsstruktur durch-bricht, auch sprachlich zum Ausdruckgebracht hat. Daraus ergeben sich Hin-weise auf das, was man als Gebsers Ent-wurf einer integralen Sprache auffassenkann. Gebser hatte die Schwierigkeit, dieneue Bewusstseinsmglichkeit in der al-ten Sprache ausdrcken zu mssen: DasHandikap unserer Fragestellung bestehtdarin, dass wir heute, mangels sprachli-cher Ausdrucksmglichkeiten, versuchenmssen, Konstellationen, die dem sicht-baren Bereich fremdartig oder inexistenterscheinen, mit inadquaten Termini ge-recht zu werden. (V/II, S. 85). Nur eineneue Sprache aber ist den neuen Inhal-ten angemessen. Jean Gebser unter-nimmt es nun, im Kampf mit einer denneuen Aussagen noch nicht angepasstenSprache (III, S. 490) sich eine neue Spra-che zu erwerben.

    Prof. Peter Gottwald, Oldenburg

    Alfred Korzybskis Allgemein-semantik als ein Keimdes integralen Bewusstseins

    Der polnische Wissenschaftler und Mi-litrexperte in russischen Diensten Al-fred Graf Korzybski lebte seit 1917 inden USA und schrieb dort 1921 dasBuch Manhood of Humanity, in demer den Menschen als die ZeitbindendeKlasse der Lebewesen bezeichnete; da-mit ist die Fhigkeit gemeint, seine Er-fahrungen durch Symbolsysteme wie dieSprache tradieren zu knnen. In seinemHauptwerk Science and Sanity von1933 formulierte Korzybski auf derGrundlage einer fundamentalen Sprach-kritik Anstze einer Nicht-Aristoteli-schen Logik, aus denen die Bewegungder Allgemeinsemantik sich ent-wickelte. Deren Analysen und bungen,z. B. auch das Strukturelle Differential(Abstraktionsleiter) wurden bahnbre-chend fr zahlreiche Innovationen auchim psychotherapeutischen Sektor. Kor-zybskis Satz Die Landkarte ist nicht dasLand wurde durch Gregory Bateson be-rhmt gemacht. Im Vortrag werden dieAuswirkungen der Allgemeinsemantikuntersucht und die Beziehungen zuGebsers Wortschpfungen und Formu-lierungen hergestellt.

    VORTRGE

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  • Prof. Otmar Preuss undDr. Stephanie Bergold, Bremen

    Kommunikationstraining:Sprach-(spielend) leben.Jean Gebser und das Kato-Prinzip.

    Das Kato-Prinzip ist ein Kommunikations-und Achtsamkeitstraining, das direkt imAlltag anwendbar ist. Es ist auf den Ge-brauch der Sprache gerichtet. Wenn Sie dasKato-Prinzip anwenden, sagen Sie z. B.nicht mehr: ich muss, was aussengeleitetist, sondern: ich tue, was innengeleitetund selbstverantwortet ist. In diesem Vor-trag wird dargelegt, wie die GedankenGebsers in diesem Spiel verwirklicht undsomit in unserem Leben wirksam wer-den. Im anschliessenden Gesprch bestehtdie Mglichkeit der direkten Erprobungdieser neuen Kommunikationsform.

    Prof. Gert Sautermeister, BremenModerne Lyrik undintegrales Bewusstsein

    Es scheint, dass sich moderne Gedichte vor-zugsweise dem Selbstverlust und der Selbst-entfremdung des Individuums verschrei-ben. Einem intensiveren Blick zeigt sichjedoch, dass auch gegenlufige Erfahrun-gen zur Sprache kommen: Erfahrungen, dieeine Nhe zum integralen Bewusstseinbezeugen. Es fragt sich, wie dies in der The-matik und sthetischen Struktur der Ge-dichte zum Ausdruck kommt.

    Anna Yeginer, OldenburgSprachformen bei Gebser und Wilber.Ein Vergleich.

    Dennis Wittrock, KielTrue but partial. Sprache unddie Manifestation des GEISTigenim Werk von Ken Wilber

    In meinem Beitrag wird aufgezeigt, inwelchen Facetten das Thema Spracheim Gesamtwerk des zeitgenssischen,amerikanischen Philosophen Ken Wilberdurchschimmert: wie der Autor Sprachethematisiert und wie er sich ihrer bedient,um den geistigen Kern in seiner Arbeitzu durchscheinender Wirksamkeit zu ver-helfen. Es wird geklrt, was Wilber alsintegralen Ansatz versteht und inwie-fern diese Sicht auf das weite Feld derSprache angewandt werden kann. Fernerwird anhand des Leitthemas Sprachedargelegt, was Wilber mit dem AusdruckFlachland als Mangel an Innerlichkeitund wirklicher Tiefe, also blosser intel-lektueller Seichtigkeit, beschreibt undweshalb es wichtig ist, die Aufmerk-samkeit auf dieses Phnomen zu lenken.Auch Wilbers eigener Umgang mit Spra-che, seine vielschichtigen Stilvariationenund ihre Funktionen sollen ein Themasein. Parallel dazu sollen einzelne Unter-schiede und Gemeinsamkeiten zwischendem Werk von Gebser und Wilber ange-sprochen werden. Trotz aller theoreti-schen Differenzen sei vorweg gesagt: Bei-de legen Fundamente fr die Manifesta-tion des Geistigen, also fr die grosse Auf-gabe, die jeder einzelne von uns immerschon vollendet hat und aus dieser Flleheraus stets gegenwrtig auf seine Weisenoch grossartiger vollenden kann.

    XXVIII. Jean Gebser Tagung

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  • GESPRCHS- UND ARBEITSGRUPPEN

    Dr. Stephanie BergoldSprache schreibend entdecken

    In dieser Schreibwerkstatt spielen wir mitSprache. Haben Sie schon mal berlegt,wie sich ein Stuhl fhlt, auf dem tagein,tagaus gesessen wird? Oder was OmasKaffeetasse zur berichten hat? Mit demWechsel der Perspektive verlassen wir fest-gefahrene Muster und ffnen uns fr dasGegenwrtig-Sein. Im Spiel knnen wiruns unverkrampft den Mglichkeiten, diein uns schlummern, ffnen. SpielendesSchreiben heisst, sich auf Situationen ein-zulassen, sie neu zu entdecken und dabeidem eigenen Potential zu begegnen.

    Barbara Hampel, ZrichSpirituelle Erfahrung undsprachliche Form

    Transparenzen empfinden und Worte fin-den, die sich aus begrifflichen Fixierun-gen lsen, Bewegung und Erregung derZeit ins (Sprach-)Spiel bringen, einenKlang in den Zusammenhang des Erken-nens und Benennens: wie immer das Fin-den einer Sprache dem integralen Be-wusstsein zu entsprechen versucht, obphilosophisch, poetisch, essayistisch odertheologisch, psychologisch, geistes- undnaturwissenschaftlich, der Sprachgestusndert sich und verndert auch unserWahrnehmen und Wahrgeben von Infor-mationen. Denn die Annherung an spi-rituelle Inhalte vollzieht sich in einerWelt ohne Gegenber (wie Gebser sienennt) und braucht entsprechende undverbindende Formen.

    Dr. Rudolf HmmerliFreier Austauschzu Gebsers Gedichten

    Wir lesen Gebser Gedichte, hren aufihren Klang, erzhlen uns Geschichten,die sich fr uns mit diesen Gedichtenergeben oder sich aus der Erfahrung mitihnen verbinden, lassen unser Denkenanregen und wahren die Wahrheit, dieuns in diesen Gedichten anspricht. Esgeht dabei auch darum, den unbekann-teren Gebser kennen zu lernen.

    XXVIII. Jean Gebser Tagung

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  • Persnlicher Rckblick

    Gebser Tagung in Luzern 2001 Beseeltes UniversumKein leichtes Unterfangen, ein halbes Jahr nach der Gebser Tagung Beseeltes Uni-versum im Oktober 2002 einen Text darber zu schreiben. Was ist mir von diesemAnlass im Gedchtnis geblieben hat er berhaupt Spuren hinterlassen? Versucheich mich zu erinnern, tauchen zuerst einmal Stimmungen auf: Luzern Stadt, Seeund Berge unter einem warmen Oktoberlicht; am Freitagabend der Besuch einesKonzertes im grossen Saal des neuen Kongresshauses: Ich bin fasziniert von den vie-len Eindrcken fr Ohr, Auge und Gleichgewichtssinn. Berhrend auch die Gebser-Vitrine im Hans-Erni-Museum des Verkehrshauses, wo die Tagung stattfindet. Nureinige Briefe, Photos und Bcher sind da ausgestellt, marginal und unbedeutend imKosmos der Grossformate des Erni-Museums, im Universum der gesammelten Techno-logiegeschichte der Neuzeit. Und doch ist sie fr mich irgendwie das bescheidene, imVerborgenen wirkende Zentrum, das den ganzen Anlass zusammenhlt, die Teilneh-menden Austausch suchen lsst und auch auseinanderstrebenden Meinungen An-und Verknpfungspunkte bietet. (Gedanken zu einigen Vortrgen

    auf der nchsten Seite)

    Gedichte schreiben

    Nicht weil ich meineetwas sagen zu mssenschreib ich Gedichte.Auch psycho-hygienischtherapeutischbesteht ich gestehe kein Anlass.

    Ich schreibe Gedichteweil Denken und Schreibenbillig istund hier die Krftedes freien Marktesnoch spielen.Noch gibt esWrterdie niemand braucht.

    Franz Dodel

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  • Eines der rtselhaftesten Phnomene in der Natur sind die Kornkreise, deren Erfor-schung sich Werner Anderhub verschrieben hat. In zahlreichen Vortrgen und Publika-tionen macht er die ffentlichkeit auf diese wunderbar geometrischen Figuren auf-merksam, die pltzlich, oft ber Nacht, in wachsenden Getreidefeldern entstehen.Nach komplizierten, beraus regelmssigen Mustern liegen die Halme da, hufig ab-geknickt an einem Wachstumsknoten wer hat da nur Regie gefhrt?

    Eine Antwort gibt Anderhub nicht vielleicht liesse sie sich finden, wenn mansich vertieft mit den Gedanken von Jochen Kirchhoff auseinandersetzen wrde, einemTiefenkologie-Professor aus Berlin, der in seinem Vortrag Der andere Kosmos. Im-pulse fr eine lebendige Kosmologie und eine Neuorientierung der Naturwissenschaf-ten hart mit dem herkmmlichen naturwissenschaftlichen Denken abrechnet.

    Ein Umdenken ist auch verlangt im Vortrag von Christoph Bornewasser, einemPsychologen aus Oldenburg. Im gewhnlichen Denken (auch der Astrologie) wird dieSonne ja meistens als Symbol des Mnnlichen, der Mond als Symbol des Weiblichen

    angeschaut, obwohl gerade in der deutschen Sprache die Artikel ei-gentlich dagegen sprechen. Bornewasser ist nun in der alt-

    islndischen Edda, aber auch in der germanischen Mytholo-gie auf Spuren der Sonnenbraut und ihres Mondheldengestossen: Der Held erblickt eine ihm unerreichbare Frau, erkann nicht zu ihr gelangen, wird krank und verzehrt sich vorSehnsucht, schickt schliesslich einen andern hin, um sie zu

    werben, was diesem mit List und Gewalt schliesslich auch ge-lingt. Der Held schpft Hoffnung, aber nur fr kurze Zeit; die

    Verabredung zerschlgt sich, im Augenblick der grssten Hoffnungist sie fr ihn am unerreichbarsten. Und so beginnt wiederum der Zy-klus des Schwindens, Vergehens und neuen Wachstums: Ist es nicht das,was wir Monat fr Monat am Himmel beobachten knnen? Die Sonneals Frau, als konstant leuchtendes Zentrum, als immerbleibende Hte-

    rin von Haus und Herd, das Gemeinschaftliche, Soziale symbolisierend; der Mond alsmnnlicher Liebhaber, als ein zwischen Hoffnung und Hingabe, zwischen Ferne undNhe oszillierendes nchtliches Individuum?

    Die Idee des Zentrums als Sonne, als gttlicher Nullpunkt in der Mitte desRadialfeldes, wie Kirchhoff es formuliert, als unscheinbare Vitrine im Erni-Museum:Ich merke, wie diese Vorstellung in meinem Text immer wieder auftaucht. Irgendwieschien mir an der diesjhrigen Tagung der Gebser-Gesellschaft diese Zentrums-Funk-tion sprbarer zu werden. Lag es an der warmen, offenen Atmosphre? Wre es viel-leicht mglich, dass die Gesellschaft so zu einer Plattform fr suchende Menschenwird, wo neben ideellen Gemeinsamkeiten oder Anliegen auch emotionale und sozia-le Ankerstellen fhlbar werden?

    Eva Johner Brtschi

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  • Stephanie BergoldDas west-stliche Lebensprinzipin Hermann Hesses Werk.Eine Antwort auf existenzielle Fragen.

    Die Hauptthese der Arbeit ist: Wer dieVerantwortung fr sein Leben von sichschiebt, schiebt sein Leben von sich. Wirverantworten alles, was wir tun, lassenund was uns widerfhrt. In HermannHesses wie in Jean Gebsers Werk gehtes im Kern um die gleiche Erkenntnis.Diese geistige Verbindung beider wirdhier zum ersten Mal aufgezeigt. Im er-sten Teil der Arbeit werden die Vorstel-lungen von Bewusstsein, wie sie west-lichemund stlichem Denken zuGrunde liegen, geklrt. Anhand derBewusstseinstheorie Jean Gebsers wirddargelegt, wie heute, mit der Heraus-bildung des integralen Bewusstseins, dieberwindung dieser Polaritt mglichist. Im zweiten Teil wird dargelegt, wiesich das integrale Bewusstsein in Herr-

    Bcher

    Ich bin nicht ich.Ich bin jener,der an meiner Seite geht, ohne dass ich ihn erblicke,den ich manchmal besuche,und den ich manchmal vergesse.Jener, der ruhig schweigt, wenn ich spreche,der sanftmtig verzeiht, wenn ich hasse,der umherschweift, wo ich nicht bin,der aufrecht bleiben wird, wenn ich sterbe.

    Juan Ramn Jimnez

    mann Hesses Werk dichterisch zum Aus-druck bringt. Gebsers Theorie der Be-wusstseinsmutation wird auf Hesses Werkangewandt. Im dritten Teil wird ein neu-es Literatur-Curriculum dargestellt, dasSynairetisch-Diaphane Literatur-Curricu-lum, das auf Freiwilligkeit und der ber-nahme der vollen Verantwortung fr daseigene Leben basiert. Basis dieses Litera-tur-Curriculums sind Gebsers Gedanken,die hier in Spielregeln umgesetzt werden.Sie ermglichen es Menschen, die mitein-ander mit Literatur arbeiten denn Sch-ler und Lehrer gibt es nicht mehr , sichin Liebe und Vertrauen zu begleiten.Ausserdem geht es um eine neue Sicht desLesens und Schreibens.

    Dissertation Universitt Bremen 2001DM 62.80; Euro 32; CHF 62.80ISBN 3-932274-69-5Zu bestellen in jeder Buchhandlung undbei: TENEA Verlag, Postfach 450205,Kurfrstenstrasse 13, 12172 Berlin

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  • Otmar PreussSchule halten

    Pdagogik wird bei uns wie selbstver-stndlich mit Erziehung gleichgesetzt.Erziehung aber ist immer ein Mit-an-deren-etwas-Machen-Wollen. Pdagogikjedoch ist die Begleitung anderer beimErwachsenwerden. Damit wird der imErziehungs-Gedanken enthaltene Macht-Aspekt im Sinne der BewusstseinstheorieJean Gebsers (Ursprung und Gegen-wart) berwunden. Damit ist es mg-lich, auch in der (oder einer neuen)Schule Miteinander zu praktizieren. DasBuch richtet sich vor allem an Lehrerund die, die es werden wollen. Es zeigt,dass die Erziehungswissenschaft nichthalten kann, was sie verspricht, dass esaber ein wirklich geisteswissenschaftli-ches Verstndnis vom Lehrerberuf gibt,das eine fundierte pdagogische Profes-sionalitt ermglicht, die weder Praxis-schock noch burnout kennt. Im Zen-trum dieser Professionalitt steht das ho-mopathische Prinzip als die Basis mit-menschlichen Lebens.Rainer Hampp Verlag Mnchen 2001ISBN 3-87988-553-2

    Elmar SchblJean Gebser und die Frage der Astrologie Eine philosophisch-geistesgeschichtlicheStudieDissertation Universitt Graz 2001Weitere Informationen bei: Elmar SchblLandkai 73/14 A-8030 Graz

    Kai Hellbusch:Das integrale Bewusstsein: Jean GebsersKonzeption der Bewusstseinsentfaltungals mgliche prima philosphia unsererZeitDissertation Universitt Dresden 1998Zu beziehen beim Autor: Kai HellbuschSchillerstrasse 7, D-01465 Langebrck

    Bcher

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  • Arbeitsgruppen, Veranstaltungen, Angebote im Zeichen Gebsers

    Wie im letzten Rundbrief sollen einige Aktivitten, die im Zusammenhang mit Gebserstehen, oder Menschen, die sich auf sein Werk berufen, vorgestellt werden. Es wre schn,wenn diese Tradition im Rundbrief weiter gefhrt wrde. So knnen Querverbindungenentstehen und es kann sich das Bewusstsein entwickeln einer gemeinsamen Arbeit an derZukunft.

    Arbeitsgemeinschaft zur Frderung der Allgemeinen kologie AGFAan der Universitt Bern

    Sie setzt sich mit Fragen der wissenschaftlichen Transformation und Reflexion derModerne auseinander. Neben Veranstaltungen sind seit Jahren auch Lesegruppen einfester Bestandteil unserer Ttigkeit. Mitglieder dieser Lesegruppen setzen sich in in-teraktiv gefhrten Diskussionen intensiv mit Bchern auseinander, welche fr dieThematik Allgemeine kologie wesentlich erscheinen. Teile aus dem Werk vonJean Gebser waren schon mehrmals Thema solcher Gruppen. Eine Gruppe bestehtseit Jahren und hat sich auch an die beiden Teile von Ursprung und Gegenwartherangewagt. Dabei stellt sich insbesondere beim zweiten Teil immer wieder dieFrage: Wie sind seither eingetretene Entwicklungen und Vernderungen zu inter-pretieren?Es waren nicht zuletzt verschiedene Hinweise in Bchern von Ken Wilber, die einigevon uns zu dieser vertieften Lektre des Werks Jean Gebsers motivierten. Zur Zeitliest ein neue Gruppe Wilbers etwas andersartige Buch: DAS Tagebuch eines ereig-nisreichen Jahres (Ken Wilber, Fischer Taschenbuch, 2001). Durch Aussagen in die-sem Buch stellt sich uns auch die Frage, ob Jean Gebser die Bedeutung von mysti-scher Wahrnehmung noch zuwenig als Kern des integralen Bewusstseins erkannte,oder ob Ken Wilber die Mglichkeiten anderer Zugnge zum integralem Bewusstseinunterschtzt.Es wrde uns sehr freuen, dazu Meinungen und Ideen zu bekommen. Wer sich dazuGedanken gamacht hat oder auf konkrete Texte verweisen kann sei damit gebetensich mit uns in Kontakt setzen.

    Andreas KlyMitglied von Lesegruppen und des Vorstandes der [email protected], oder:AGFA, Postfach 501, 3000 Bern 9

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  • Im Zeichen Gebsers

    Kunst- und Klanghaus fr Energie Form Ausdruck in Walkringen, Schweiz

    Die kosmische Lebens-Energie ihren Gesetzen und ihrer Form gemssim Alltag mit allen Sinnen zum Ausdruck bringen.

    1. Energie (Impuls)Vor drei Jahren ist mir ein geniales Gert zugefallen: Der Chromoson. Mit diesemGert wird es mglich, die energetische Essenz von Farbe, Klang und Schwingung zubndeln, zu mischen und zu verstrken und sie im Energiefeld, in der Aura des Men-schen, wirksam werden zu lassen eine integrale, energetische Therapie der vierdimen-sionalen Zukunft.Eine archetypische sthetik und Ordnung ist gegeben: Mutter, Vater und in derMitte das Kind (Trias). Erinnerungen an Urformen steigen auf: die Hhle, der Qua-der mit aufgesetzter Pyramide (Quaternitt und Trinitt), die sieben farbigen Doppel-pyramiden und die sieben obertonreichen Klangscheiben. Das Material ist goldenstrahlendes Messing.Wenn der feinstoffliche Energiekrper, die Aura, sich harmo-nisch einschwingt, reagieren die Psyche und der physische Krper mit Wohlbefindenauf das neu gefundene Gleichgewicht.An diesem Punkt thematisiere ich Jean Gebser. Aperspektivische und integrale Denk-weisen sind in der Chromoson-Therapie bereits eine Selbstverstndlichkeit. Der Dua-lismus der modernen Medizin ist berwunden, der Mensch fgt sich im Weltbild desChromoson wieder zur LeibSeeleGeist-Einheit. Das bersinnliche und Feinstofflicheals vierte Dimension ist integriert, die Wahrung des Ganzen, von Jean Gebser imSymbol der Kugel trefflich dargestellt, ist realisiert. Das Geistige wchst mit un-serem Bewusstsein zusammen (Jean Gebser, Ursprung und Gegenwart).

    2. Form (Gesetz)Die Gesetze von Kosmos und Schicksal sind mir anfangs der Achtzigerjahre in Formeiner modernen, anspruchsvollen Astrologie zugefallen. Nach dem Tod meines Part-ners an Multipler Sklerose fhlte ich mich wie ein trockener Schwamm und wolltenichts weniger als Erkenntnis der bergeordneten Gesetze erlangen. Eine energe-tische Astrologie, wie sie Bruno und Louise Huber anbieten, kam mir sehr gelegen:Auch da werden Farbe und Form archetypisch und energetisch erlebt und interpretiert.Bruno Huber ist es auch gelungen, eine innerseelische Raum-Zeit zu definieren.Alles ist Schwingung: in diesem Punkt sind sich Hermes Trismegistos und die mo-derne Naturwissenschaft einig. Und ich schwinge gerne mit und lasse andere Men-schen in meinen Beratungsgesprchen und Seminaren Schwingung erleben. Die her-metischen Gesetze verwende ich in modernem Sprachgebrauch als Grundlage.

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  • 3. Ausdruck (Leben)Mit Kunst und Klang versuche ich der Schwingung Gestalt und Ausdruck zu ver-leihen. Ein Zitat aus dem Kybalion, einer Studie ber die hermetische Philosophie,ist mir wichtig geworden: Geist kann verwandelt werden von Zustand zu Zustand,von Grad zu Grad, von Lage zu Lage, von Pol zu Pol, von Schwingung zu Schwin-gung. Ich war eine Vatertochter. Alles, was ich seit frher Kindheit mitbekommenhabe Gemlde, Mrchen, Mythologie, Lieder und Musik will ich ins Ureigensteverwandeln und alles in meine Raum-Zeit hineinziehen, von Zustand zu Zustand,von Grad zu Grad... Konkret: Ich unterrichte seit Jahren Querflte (ohne Musikerin-nendiplom!): Musik ist mein Lebenselixier. Die Kunsttherapie ist das ideale Aus-drucksmittel fr Traumarbeit. Mit Gongklngen und Klangschalen wecke ich verlo-rene Lebensenergie in magischen Seelentiefen. Leben heisst fr mich, zum Aus-druck bringen, was in uns als Anlage schlummert, oder auf gut SchweizerdeutschUse muess es! Von Stufe zu Stufe spiegeln uns Umfeld und Mitmenschen, was zumErwecken gerade angesagt ist, denn das Aussen ist nur der Spiegel und die Heraus-forderung fr unseren inneren Auftrag.Abschliessend noch ein Wort zum Namen meines Hauses: escal. Der Name hat mitmeinen Impulsen zur Eskalation des lngst flligen neuen Bewusstseins zu tun. Fai-re escale heisst aber auch, einen Zwischenhalt einlegen. Viele Menschen haben dielndliche Ruhe von escal in den fruchtbaren Hgeln des Emmentals schtzen ge-lernt, und viele wissen, dass fast alles zwischen Ursprung und Gegenwart seinen Platzhat im Hause escal.

    Tilda Hrry3512 Wikartswil-Walkringen

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  • Unser Krper weiss mehr von den Sternen als unsere Gedanken.Jean Gebser

    DORON-Tanz-Seminare im Bereich Kunst Bildung Gesundheit

    Krper- und Bewegungserfahrung Elementarer Tanz Tanzimprovisation

    Doron, dieses griechische Wort fr Gabe, Geschenk whlten wir als Namen fr unse-re sich seit dreissig Jahren bewhrende Methode, Bewegung und Tanz zu vermitteln.Sich bewegen, bewegt sein, tanzen sind Gaben. Worte wie Aufgabe und Hingabeschwingen mit.Die rhythmisch-organische Bewegungsbildung unserer Doron-Methode mit Atem-,Haltungs- und Rckenschulung auf anatomischer Grundlage fgt sich gemeinsammit den Gestaltungskrften des Tanzes zu einem ganzheitlichen Geschehen.Bezogen auf die ursprngliche Bedeutung von Bildung im Sinne von schpfen undgestalten sind fr uns Bewegung und Tanz ein weiter Wahrnehmungsraum fr un-sere Reifeprozesse und Sinnfindungen. Zusammenhnge von krperlicher Befind-lichkeit, seelischem Erleben und geistiger Ausrichtung werden bewusst. Unsere Bega-bungen knnen wir durch befreite Bewegung klarer erfassen und in unseren Lebens-rhythmus einordnen. Wir entwickeln unser Vermgen, uns immer wieder zu zentrie-ren und bereit und offen fr Begegnungen zu sein. Unser Raum- und Zeitgefhlkann sich wandeln und zu unserem leib-seelischen Gleichgewicht und unserer Trag-fhigkeit beitragen. Durch das Anregen der Phantasie und der Spielfreude werdenLsungen fr das verantwortliche Gestalten des eigenen Lebens gefunden. In allemist die Herzensbildung der Kern der Doron-Seminare.Wie wir mit unserem Leibeumgehen, davon hngt letztlich die Qualitt all unseres Tuns, ja unseres Seins ab(Dore Jacobs).

    Katja Wyder und Hedda-Maria Hofmann, dipl. Tanzpdagoginnen undBewegungstherapeutinnen SBTG, Belpbergstrasse 25, 3115 Gerzensee, SchweizTel. 031 781 22 19. Doron-Tanz-Raum: Mauerrain 5, 3012 Bern

    Im Zeichen Gebsers

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  • Mitteilungen

    Gebser Tagung 2003Sie wird voraussichtlich einmal ganz anders sein. Im Zentrum sollen die Begegnunguntereinander und die Rckbesinnung auf unsere Arbeit als Gebser Gesellschaft ste-hen, also das, was sonst meistens am Rande mitgelaufen ist. Es soll als eine ArtZwischenhalt in der Form eines Retreat stattfinden. Anregungen zu inhaltlichen Aspek-ten sind bitte zu richten an: Rudolf Hmmerli oder Christian Brtschi (Adressen aufSeite 28). Als Ort ist das schne Tagungszentrum Schloss Mnchenwiler im BernerSeeland vorgesehen. Aber auch hierzu sind alle Mglichkeiten noch offen.

    StatutenrevisionDem Prsidenten ist vom Vorstand der Auftrag erteilt worden, die Statuten der Ge-sellschaft zu revidieren. Eine neue Fassung ist entstanden und wird zur Zeit noch voneinem Juristen in die ntige Form gebracht. Dann werden wir den Vorschlag in dieVernehmlassung geben, so dass alle, die wollen, ihre Meinung dazu sagen knnen.

    Teedose, Wassergefsss und Teeschale von Ueda Naokata

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  • Gebser Rundbrief

    Informationsblatt der IJGGNr. 25Juni 2002

    Herausgeber und Redakteur:

    Dr. Rudolf HmmerliHangweg 39CH-3097 Liebefeld-BernTel. +41 31 97 28035e-Mail [email protected]

    Layout:

    Hans Peter [email protected]

    Internationale Jean Gebser Gesellschaft (IJGG)

    Prsident und Vorsitzender der Sektion Schweiz:

    Dr. Rudolf Hmmerli

    Vizeprsident und Vorsitzender der Sektion Deutschland:

    Theo RttgersLichtenbergstrasse 58D-64289 Darmstadt

    Vorstand:

    Ch. Brtschi, H. Gastpar, B. Hampel, Dr. M. Rapold,Dipl. Arch. O. Schrli (Schweiz)

    Dr. H. Atmanspacher, Prof. P. Gottwald,Dr. Kai Hellbusch, Prof. O. Preuss, (Deutschland)

    Dr. H. Leopold (sterreich);

    Prof. N. Barstad, Dr. G. Feuerstein (USA)

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