Postmodernes Erz¤hlen in der US-Serie LOST

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HausarbeitErstellt von: Sebastian Häger (360108) Studiengang: Gesellschafts- Wirtschaftskommunikation[„lost in a postmodern world“]Postmodernes Erzählen in der US-Serie LOST.1|SeiteSeminar: 05s AV-Konzeption und Dramaturgie Lost in a Postmodern World. Postmodernes Erzählen in der US-Serie LOST.Dozent: Michael Dörfler Student: Sebastian Häger (360108)_Gliederung1. Einleitung 2. Postmoderne und Film 3. Merkmale postmoderner Serien 3.1. Intertextualität 3.2. Multiperspektivisches Erzäh

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HausarbeitErstellt von: Sebastian Hger (360108) Studiengang: Gesellschafts- Wirtschaftskommunikation

[lost in a postmodern world]Postmodernes Erzhlen in der US-Serie LOST.1|Seite

Seminar: 05s AV-Konzeption und Dramaturgie Lost in a Postmodern World. Postmodernes Erzhlen in der US-Serie LOST.

Dozent: Michael Drfler Student: Sebastian Hger (360108)

_Gliederung1. Einleitung 2. Postmoderne und Film 3. Merkmale postmoderner Serien 3.1. Intertextualitt 3.2. Multiperspektivisches Erzhlen 3.3. Dekonstruktion 3.4. Selbstreferentialitt 4. Die US-Serie LOST 4.1. Kurzbeschreibung der Serie 4.2. Dramaturgische Spezifika der Serie Lost 4.2.1. Intertextualitt in LOST 4.2.2. Lineare Diskontinuitt in LOST 5. Fazit 6. Literatur

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_1. EinleitungDie Struktur der Fernsehlandschaft hat sich aufgrund von stndigem Wettbewerb um Einschaltquoten in den vergangenen Jahren verndert, und zwar in Richtung eines Programms, das einerseits scheinbar stets Neues bietet, andererseits aber auch konstante Zuschauererwartungen bedient. Die Prinzipien der Wiederholung, der Regelmigkeit, der Dauer und Gewhnung sind wesentliche Elemente einer Serialitt des Programms. Das Strukturprinzip des Programms wird zum Strukturprinzip der Produkte. (Hickethier 1991, S.12, zit. nach Ehrenspeck 2003, S.178) Auffallend ist dabei, dass es auf dem expandierenden Serienmarkt immer mehr Formate gibt, die sich als postmodern bezeichnen lassen. Ich interessiere mich in der vorliegenden Arbeit fr das postmoderne, serielle Erzhlen. Deshalb mchte ich anhand einer der erfolgreichsten Fernsehserien, LOST, bestimmte Spezifika postmodernen Erzhlens nher untersuchen und berprfen, ob und wie weit diese sich auch dort wiederfinden lassen. Dabei werde ich mich aus Grnden des Umfangs dieser Arbeit einmal auf den Aspekt der Intertextualitt, als einem der dominantesten Merkmale im postmodernen Erzhlen konzentrieren und zum anderen, der Auflsung der linear-kausalen Erzhlweise. Wird im einleitenden Teil vom Verstndnis und den Ausformungen von Postmodernem Film gesprochen, lassen sich diese Merkmale bezogen auf den Fokus der vorliegenden Arbeit, der nicht auf dem strukturellen Aufbau von Serien liegt, sondern diesem bergeordnet, der Narration im Hinblick auf die Vermittlung von Welt, unproblematisch bertragen.

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_2. Postmoderne und FilmWas genau ist unter postmodernem Film zu verstehen und was macht einen Film postmodern? Die Postmoderne ist ein diffuser und heterogener Sammelbegriff, der

Postmoderne als Stilrichtung oder Epoche, als philosophisches, sthetisches oder als Zeitgeistphnomen umfasst. Die philosophische Ebene kann in den Worten Jean Francois Lyotards zusammengefasst werden: 'Postmoderne'1

[] definiere sich nun vor allem durch das Ende

[der] 'Meta-

Erzhlungen' und philosophischen Leitideen der Moderne. Dieses konstatierte Ende der Meta-Erzhlungen bedeute aber nicht nur die Abkehr von den Inhalten bestimmter philosophischer oder politischer Ideen, sondern letztlich auch eine Absage an die grundlegende Bedeutung einheitlicher Werte und Ganzheitsvorstellungen berhaupt und stattdessen die Bejahung und Akzeptanz eines radikalen Pluralismus von Werten. (Bhler 2002, 37) Was bedeutet dieser festgestellte Pluralismus an Werten fr das Kino? Welche sind die Charakteristika dieser- im philosophischen Kontext dargestellten-, die sich auf Film bertragen lassen? Bleicher zufolge beschreibt der Begriff Postmoderne fr das Kino vor allem Vernderungen stilistischer Darstellungselemente und spezifischer Narrationsformen. (Bleicher 2002, S.113) Hierzu zhlt sie intertextuelle Selbstreferenz, die zuweilen einen spielerisch-ironischen Charakter annehmen (ebd.). Weitere Charakteristika nennt Jens Eder. Das postmoderne Kino kennzeichne sich durch Intertextualitt, Spektularitt und sthetisierung, Selbstreferentialitt, Antikonventionalitt und dekonstruktive Erzhlverfahren. (Eder 2002, S.11) Weiterhin knne die schwerpunktmige Beschftigung mit Themen wie der Verunsicherung der Identitt, hinzugerechnet werden- das Aufgreifen von Diskursen, die fr die Epoche kennzeichnend seien. (vgl. Eder 2002, S.24)

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Gemeint sind Leitideen oder die Groen Erzhlungen, die die Moderne prgten und die das kenzeichnende Charakteristikum jeder Moderne darstellten. Die Herrschaft dieser Meta-Erzhlungen [] bestand in der Konzentration und Fokussierung aller Wissens- und Erkenntnisbemhungen sowie die Ausrichtung des praktischen Alltags dieser Zeit auf bestimmte festumrissene Ziele und Ideale wie: 'Die Emanzipation der Menschen in der Aufklrung, [] die Beglckung aller Menschen durch Reichtum im Kapitalismus, die Befreiung der Menschen zur Autonomie im Marxismus' oder fr das 20. Jahrhundert die Lsung der Probleme der Menschen im globalen Mastab durch den technischen Fortschritt. (Gehr, Herbert in: Schobert, Walter (Hrsg.), zit. n. Bhler 2002, 37)

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(vgl. Eder 2002, S.25) Schlielich kann eine Tendenz postmodernen Kinos zur Verwendung von Ersatzstcken verschiedener traditioneller Erzhlformen erwhnt werden. Dementsprechend nimmt Felix folgende Beschreibung postmodernen Kinos vor: Ein Kino der Zitate, als ironisierendes Spiel mit tradierten Genrekonventionen und medialen Versatzstcken oder als die Wahrnehmung berwltigendes audiovisuelles Spektakel, als eklektizistisches 'Formenflimmern' oder homogenisierende 'Patchworkdramaturgie' (Felix 1996, S.408, zit. nach Bleicher 2002, S.113) Ungeachtet der Tatsache, dass es keine bereinstimmung, keinen Konsens bezglich der Existenz bzw. der Charakteristika postmodernen Kinos gibt, bleibt festzustellen, dass sich der Begriff trotz seiner Heterogenitt und Widersprchlichkeit fest im Filmdiskurs etabliert hat- was vermuten lsst dass es sich tatschlich um ein neues Genre handelt, denn wo sich [] ein neuer Begriff so hartnckig hlt, da ist meist auch ein neues Phnomen. (Eder 2002, S.10) Entsprechende Imperative oder Richtlinien fhrt der New Yorker Knstler Andrew Boyd fr das Verhalten in der Postmoderne an:

Expose depth as another surface. Pose reality as an interesting hypothesis. Be profoundly superficial.5|Seite

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Look at, not into.Collect world views. (Boyd 1996, zit. n. Eder 2002, S. 41)

_3. Merkmale postmoderner Serien _3.1. IntertextualittDas Konzept der Intertextualitt entstammt der Literaturwissenschaft und es gibt zahlreiche begriffliche Definitionen und Theoreme. Grundstzlich geht es dabei um das Verhltnis verschiedener Texte untereinander und deren Bezge sowie Kontextualisierung.

In der Begriffsgeschichte von Intertextualitt geht es immer darum, dass sich ein aktueller Text im Verhltnis zu anderen Texten positioniert. Dadurch schafft er einen Intertext, einen Raum zwischen Texten, der damit neben dem eigentlichen Text einen zweiten semantischen Raum schafft, (Mikos 2003, S.261) Fr den Gegenstand meiner Arbeit ist das Intertextualittskonzept Julia Kristevas, die den Begriff in den spten sechziger Jahren prgte, von Bedeutung. Sie erweiterte darin das Dialogizittsmodell Michail Bachtins, das an dieser Stelle nur benannt bleiben soll. Wesentlich fr ihr erweitertes globales Verstndnis von Intertextualitt ist, dass sie den Text als Bild versteht, welches aus vielen Mosaikstcken, den Zitaten besteht. Indem sie Text dadurch auerhalb seiner in Sprache oder Schrift manifestierten Form versteht, knnen bei ihr auch kulturelle Phnomene wie bspw. Geschichte oder Gesellschaft als Texte gelten. Somit verliert der Inhalt seine Form und kann frei interpretiert werden. Indem sie dem Text eine bedeutungsproduzierende Eigenstndigkeit zuspricht, lst sie den Autor als alleinigen Sinn- und Gestaltgeber heraus und verabschiedet sich von der monologistischen bzw. dialogistischen Vorstellung eines abgeschlossenen Werkes. Kristeva benutzt Bachtins Emphase der Dialogizitt von Sprache, um den Wunsch des6|Seite

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Lesers nach Einheit beim Lesevorgang anzugreifen, den sie in Verbindung setzt mit dem Streben nach Autoritt, unbezweifelbarer Wahrheit, problemloser Kommunikation und dem Hang von Gesellschaften, Pluralitt zu unterdrcken. (Hartz 2007, S.8ff.) Bedeutung wird also nicht mehr von einem Autor in den Text hineingelegt, sondern sie wird durch Interpretation hervorgebracht. So knnen Texte, so sagt Sabine Holthuis, zwar intertextuelle Qualitten motivieren, vollzogen werden diese aber in der Interaktion zwischen Text und Leser, seinen Kenntnismengen und Rezeptionserwartungen (vgl. Holthuis 1993, S.31). Wird hier im Kern der Akt des Intertextualisierungsvollzuges beschrieben, so fhrt Mikos diesen weiter, indem er gleichen Texten die Potentialitt, einer divergierenden Lesart durch die Rezipienten zuspricht und sagt: In Rezeption und Aneignung vollzieht sich der Prozess der Intertextualitt zwischen intertextuell gelenktem Textverstehen und intertextueller Disposition der Rezipienten. Das bedeutet, dass die tatschliche Realisation von intertextuellen Bezgen anhand des gleichen Textes unterschiedlich ausfallen kann, entsprechend dem