Systematisches Modell individualisierter Berufsorientierung

Click here to load reader

  • date post

    22-Mar-2016
  • Category

    Documents

  • view

    214
  • download

    1

Embed Size (px)

description

Dieses Handbuch enthält Empfehlungen für eine systematische Berufsorientierung. Die beschriebenen Praxisbeispiele und Ansätze sind im Projekt "Fit für die Industrie" über 3 Jahre an Schulen Sachsen-Anhalts erprobt worden. Das Projekt wurde gefördert aus Mitteln des Landes Sachsen-Anhalt und des Europäischen Sozialfonds.

Transcript of Systematisches Modell individualisierter Berufsorientierung

  • qfc.deqfc-news.com

    aufbereitet und kommentiert von Helmut Krodel und Peter Schmitt

    TRAININGS- UND BERATUNGS-

    MODUL

    BESCHREIBUNG SYSTEMATISCHES MODELL INDIVIDUALISIERTER

    BERUFSORIENTIERUNG

    FREIWILLIGE VERTIEFUNGS-

    PRAKTIKA

    INDIVIDUELLE BIOGRAFISCHE BEGLEITUNG

    KOOPERATIONEN AKTIONSPLNE

    Das Projekt wurde aus Mitteln des Landes Sachsen-Anhalt und des Europischen Sozialfonds gefrdert

    Qualifi zierungs-frderwerkChemie GmbH

    Fit fr die Industrie. Unternehmen und Schule orientieren auf Zukunft.

  • Die frhzeitige Orientierung Jugendlicher auf die Anforderungen, die Vielfalt und die Entwicklungschancen in den Beru-fen der Industrie und den angrenzenden Dienstleistern ist zwingende Voraussetzung zur Sicherung des knftigen Fachkrftebedarfes der Industriestandorte.

    2

    Schlerinnen und Schler lernen bei der BAL in Leuna kennen, welche Fertigkeiten und Leistungen in einem Chemielabor gefragt sind.Foto: BAL

  • Fr die Unternehmen Sachsen-Anhalts wird es zunehmend schwieriger geeignete Bewerbe-rinnen und Bewerber fr ihre Ausbildungspltze zu finden. So konnten in den Verbandsunterneh-men der chemischen Industrie im Ausbildungsjahr 2008/2009 etwa 6% der betrieblichen Ausbil-dungspltze aus Mangel an geeigneten Bewerber-/innen nicht besetzt werden. Zum einen hat sich die Zahl der Schulabgnger-/innen und folglich die Anzahl der Bewerbungen auf Ausbildungs-pltze in den letzten 5 Jahren etwa halbiert. Zum anderen liegt in Sachsen-Anhalt der Anteil der Beschftigten fr qualifizierte Ttigkeiten mit 85% vergleichsweise hoch. Die Industrie in Sachsen-Anhalt und insbesonde-re die chemische Industrie als eine der modernsten Branchen und die Kunststoffindustrie stellen hohe Anforderungen an die Qualifikation der Beschf-tigten.

    Darauf muss die Berufswahlvorbereitung verstrkt abstellen.

    Noch immer orientieren sich Schlerinnen und Schler der Abgangs- und Vorab-gangsklassen auf die so genannte Hitliste der Klassiker, selbst dann, wenn sie als leistungsstr-ker und leistungsbereiter einzuschtzen sind. Dies liegt an fehlenden Kenntnissen ber die Entwick-lungen der regionalen Wirtschaftsstruktur und die sich hieraus ergebenden beruflichen Perspektiven insbesondere in naturwissenschaftlich-technischen sowie technologieorientierten Berufen. Die frhzeitige Orientierung Jugendlicher auf die Anforderungen, die Vielfalt und die Entwick-lungschancen in den Berufen der Industrie und den angrenzenden Dienstleistern ist zwingende Voraussetzung zur Sicherung des knftigen Fach-krftebedarfes der Industriestandorte.

    Das Land Sachsen-Anhalt frderte mit dem Projekt Fit fr die Industrie die Entwicklung und Erprobung eines Systematischen Modells individualisierter Berufsorientierung. Dieses Modell umfasst und bndelt verschiedene Instrumente des Projektes, die im Projekt-verlauf an drei Schulen exemplarisch erprobt und dokumentiert sind.

    Diese Dokumentation berichtet darber und stellt das Modell vor.

    EINLEITUNG

    2 3

  • J.G. Borlach Sekundarschule Bad DrrenbergDie Sekundarschule liegt im Saalekreis am Rande des Chemiestandortes Leuna und hat Kooperationsvertrge mit der Bildungsakademie Leuna (BAL) und der InfraLeuna. Die Sekundarschule liegt zirka 8 km vom Chemiestandort entfernt. Die Sekundarschule ist mit dem Berufswahl- SIEGEL Sachsen Anhalt Schule mit vorbildlicher Berufs-wahlorientierung zertifiziert.

    Sekundarschule ElsteraueDie Sekundarschule mit Ganztagsschulangebot liegt im Burgenlandkreis in der Nhe des Mitteldeutschen Braun-kohlengebietes. Neben anderen Unternehmen hat sie mit der Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft mbH (MIBRAG) einen Kooperationsvertag.

    Sekundarschule Bad BibraDie Sekundarschule Bad Bibra liegt im Burgenlandkreis und in eher lndlich geprgter Region. Die Schule hat keinen vergleichbaren groen Industriestandort in der Nhe. Mit Lafarge Zement Werk Karsdorf hat die Schule einen Koo-perationsvertrag. Die Sekundarschule ist mit dem Berufs-wahl-SIEGEL Sachsen Anhalt Schule mit vorbildlicher Berufswahlorientierung zertifiziert.

    Fr die Entwicklung und Erprobung eines Systematischen Modells individualisierter Be-rufsorientierung wurde mit drei Schulen und mehreren Unternehmen besonders intensiv kooperiert.

    BETEILIGTE

    Unternehmen:

    Mitteldeutsche Braunkohlenge-sellschaft mbH (MIBRAG) Theien

    InfraLeuna GmbH, Leuna

    Bildungsakademie Leuna (BAL), Leuna

    Mansfeld Kupfer Messing GmbH (MKM), Hettstedt

    Bildungszentrum Energie GmbH (bze), Halle

    Ausbildungsver-bung Olefinpartner (AVO), Schkopau

    4

  • Schlerinnen und Schler machen sich auf zur Befahrung des Tagebaus. Hier sehen sie, wo ihre Arbeit einmal gebraucht wird.Foto: MIBRAG

    4 5

  • Das Programm BRAFO setzt im Sekun-darschulbereich wichtige Impulse, dass Jugendliche in der Orientierungsphase ihre Neigungen, Fhigkeiten und Fertigkeiten grundstzlich besser kennen. Es schafft eine gute Basis fr eine weitere vertiefende Berufso-rientierung, die fr wichtige betriebspraktische Erfahrungen und eine angemessene Individua-lisierung genutzt werden sollte. Bei der Wahl der verpflichtenden Schlerbe-triebspraktika in den Klassenstufen 8 und 9 zeigt sich oftmals eine einseitige Orientierung vieler Jugendlicher. Daher sollten Mglich-keiten, die Arbeitswelt zu erleben und dadurch Berufsziele zu entwickeln, verstrkt angebo-ten und durch die Schler-/innen intensiver genutzt werden. Nicht zu unterschtzende Hrden sind dabei das Alter der Jugendlichen

    und die objektiv fehlende Mobilitt. Mit dem Blick auf die sich anbahnende angespannte Fachkrftesituation steigt in den Unternehmen die Bereitschaft fr ein strkeres Engagement in der Berufswahlorientierung. Hier setzt Fit fr die Industrie an und untersttzte Unter-nehmen in ihren Aktivitten zielorientierter Berufsorientierung zur Fachkrftegewinnung. Ziel ist, frhzeitig das Interesse an Industriebe-rufen und die Motivation fr einen bestmg-lichen Schulabschluss zu wecken. Neue Formen vertiefender Berufswahlorientie-rung wurden entwickelt und erprobt sowie gute Anstze weiterentwickelt. In den drei Jahren des Projektverlaufes haben wir unterschiedliche Instrumente, die systematisch aufeinander aufbauen zu einem Modell entwickelt, dass im Folgenden kurz dargestellt werden soll.

    FAZIT:

    Vielfltige Instrumente fr eine gute Berufswahlorientierung stehen sowohl Schulen als auch Unternehmen zur Verfgung.

    Das von Fit fr die Industrie in der Praxis erprobte Modell zeigt, dass dort wo Schu-len diese Instrumente systematisch nutzen, sich an individuellen Neigungen und Fh-gigkeiten der Schler-/innen orientieren und zielgerichtet mit Unternehmen konkret kooperieren Berufsorientierung erfolgreich ist.

    6

    EIN WORT VORWEG

  • TRAININGS- UND BERATUNGS-

    MODUL

    BESCHREIBUNG SYSTEMATISCHES MODELL INDIVIDUALISIERTER

    BERUFSORIENTIERUNG

    FREIWILLIGE VERTIEFUNGS-

    PRAKTIKA

    INDIVIDUELLE BIOGRAFISCHE BEGLEITUNG

    KOOPERATIONEN AKTIONSPLNE

    6 7

  • Die erste Informationsveranstaltung war ent- weder nach Ablauf des BRAFO-Projektes oder nach dem ersten Schlerbetriebspraktikum, zeitlich Ende des 8. oder zu Beginn des 9. Schul-jahres. Dabei standen folgende Fragen: In welchem Betrieb hast du dein erstes Sch-

    lerbetriebspraktikum absolviert? Welches ist dein Berufsziel? Stehen Berufsziel und Schlerbetriebsprakti-

    kum in einem Zusammenhang? Ist das Berufsziel in der Industrie?Als Methode wurde meist die Metaplanmethode angewendet. Diese war vielen Schler-/innen nicht bekannt und machte diese Informations-veranstaltung lebendig, da alle aktiv eingebunden waren. Die Schler-/innen gingen an die Meta-planwand, nannten ihr Berufsziel und berichteten kurz, wo das Schlerbetriebspraktikum absolviert wurde und gaben eine ganz kurze Einschtzung. Danach wurden die Berufsziele den Bereichen

    Handwerk Industrie und Dienstleistungen zugeordnet. Schler-/innen, die sich bereits in dieser Phase fr einen Industrieberuf interessier-ten bzw. noch schwankten wurden bereits auf die Mglichkeit eines freiwilligen Vertiefungsprak-tikums in den Sommerferien nach der 8. oder 9. Klasse hingewiesen. (Vergleiche Freiwillige Vertiefungspraktika)In einer weiteren Informationsveranstaltung wurden Hinweise zur Bewerbung gegeben. In Kleingruppen mit gleichen oder beinahe glei-chen Berufszielen wurden individuell Hinweise zu Standorten, Entwicklungsmglichkeiten u.. errtert und im Besonderen auf konkrete Fra-gen eingegangen. Schler-/innen, bei denen ein Industrieberuf als Berufsziel erkennbar war und die schulischen Leistungen dafr Voraussetzungen boten, wurden auf eine individuelle biografische Begleitung angesprochen.

    AUSGANGSPUNKTE:

    Wichtige Anstze fr eine individualisierte Berufswahlorientierung lieferten die dokumentierten Erfahrungen aus dem Programm BRAFO und den Schler - betriebspraktika.

    Voraussetzungen sind: akribische Dokumentation und Zielvereinbarungen.

    Informationsveranstaltungen

    TRAININGS- UND BERATUNGS-

    MODUL

    8

  • TRAININGS- UND BERATUNGS-

    MODUL

    FREIWILLIGE VERTIEFUNGS-

    PRAKTIKA

    INDIVIDUELLE BIOGRAFISCHE BEGLEITUNG

    KOOPERATIONEN AKTIONSPLNE

    Klassenstufe

    INFORMATION/AUSTAUSCH IN DREI PHASEN:

    Reflexion der bisherigen praktischen Erfahrungen

    individuelles Ausbildungsziel als Ausgangspunkt nehmen

    Dokumentationen aus BRAFO mit den Schler-/innen auswerten

    Selbst- und Fremdeinschtzungen aus den Schlerpraktika einschlieen

    Herangehensweise an Auswahl des Schlerbetriebspraktikums hinterfragen

    7/8

    8/9

    9

    Ausbildungsziel definieren

    Ausbildungsberuf genau bezeichnen

    Branchencheck in der die Ausbildung angestrebt wird

    regionale Bedingungen und persnliche V