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  • Die Anforderungen an die Erstellung von Sanierungskonzeptennach dem neuen IDW S 6

    Dr. Utz Brmmekamp / Bozidar Radner*

    * Dr. Utz Brmmekamp, Rechtsanwalt, Partner der bb [soziett] BuchalikBrmmekamp Rechtsanwlte und Steuerberater und geschftsfhrenderGesellschafter der mbb [consult] GmbH; Dipl. Betriebswirt Bozidar Radner,geschftsfhrender Gesellschafter der mbb [consult] GmbH.

    I. EinleitungUnternehmenskrisen sind kein neues Phnomen. Es gibt sie,seitdem es Unternehmen gibt. Aber die Zeiten, in denenUnternehmenskrisen noch stigmatisiert, Konkurse ehrenrh-rig waren und in der Regel mit Liquidation und Marktaustrittendeten, sind lange vorbei. In den letzten Jahren ist einezunehmende Sensibilisierung fr Sanierungs-, Restrukturie-rungs- und Insolvenzthemen bei allen von der Wirtschafts-krise Betroffenen, in Fachliteratur, Medien und Politik sowiein der Banken- und Beraterwelt zu beobachten.

    Die Notwendigkeit strukturierter Sanierungskonzepte unddamit der Ruf nach einer Standardisierung von Sanierungs-prozessen wurde insbesondere im Zuge der deutschen Wie-dervereinigung laut. Seinerzeit fielen eine groe Anzahl plan-wirtschaftlich gefhrter, maroder Staatsbetriebe in das Eigen-tum der Treuhandanstalt, die ber deren Liquidation oderFortfhrung zu befinden hatte. Die Stunde der Beratungs-standards war gekommen.

    Aus dieser Zeit stammen die vom Institut der Wirtschaftspr-fer (IDW) noch etwas schchtern als bloe Stellungnahmebezeichneten Anforderungen an Sanierungskonzepte (IDWFAR 1/1991).1

    1 FN-IDW 1991, S.319ff.

    Seinerzeit gab es weder in der Rechtsprechungnoch in der Literatur entsprechende Rahmenbedingungen frganzheitliche Sanierungskonzepte.

    Im Jahre 2000 lie das IDW nach dem zwischenzeitlichenInkrafttreten der Insolvenzordnung den IDW S 2 Anforde-rungen an Insolvenzplne2

    2 FN-IDW 3/2000, 81ff.; WPg 2000, 285ff.

    folgen.

    Der Bund Deutscher Unternehmensberater (BDU) verf-fentlichte im Jahr 2007 die Grundstze ordnungsgemerPlanung (GoP).3

    3 Nachzulesen unter www.bdu.de/GoP.

    Das Institut fr die Standardisierung von Unternehmenssa-nierungen (ISU) wartete mit Grundstzen ordnungsgem-er Sanierungskonzepte (GoS)4

    4 Finanz Colloquium Heidelberg Standard fr das Erstellen, Umsetzen undPrfen von Sanierungskonzepten, 2007.

    sowie den Mindestanforde-rungen an Sanierungskonzepte (MaS)5

    5 Finanz Colloquium Heidelberg Mindestanforderungen an Sanierungskon-zepte, 2007.

    auf.

    Im vergangenen Jahr schlielich wurden die in Fortfhrungder FAR 1/1991 vom IDW entwickelten Anforderungen andie Erstellung von Sanierungskonzepten (IDW S 6)6

    6 FN-IDW, 578ff.

    verab-schiedet, die bereits im Entwurfsstadium ungeahnt groe Pra-xisrelevanz besaen. Die globale Wirtschaftskrise lie die Zahlvon in Not geratenen Unternehmen sprunghaft ansteigen.Zudem verlangte die Bundesanstalt fr Finanzdienstleis-tungsaufsicht (BaFin) von Kreditinstituten in den Mindest-anforderungen an das Risikomanagement (MaRisk)7

    7 Nachzulesen unter www.bafin.de bei Rechtliche Grundlagen/Rundschreiben.

    belast-bare Sanierungskonzepte fr die Gewhrung oder Prolonga-tion von Problemkrediten.

    Dem folgend fordern involvierte Banken von Krisenunter-nehmen vermehrt standardisierte Sanierungsgutachten ein,wobei in der Regel der IDW-Standard bevorzugt wird.

    Dieser Beitrag stellt die Neuregelungen des IDW S 6 in Fort-setzung und Erweiterung von FAR 1/1991 dar, befasst sichmit deren rechtlichen Vorgaben und Haftungsrisiken undbehandelt deren Tragweite und Praxisrelevanz.

    II. Vergleich IDW S 6 mit IDW FAR 1/1991In den Vorbemerkungen zu IDW S 68

    8 FN-IDW 2009, 578 (579).

    heit es, dass die Anfor-derungen an die Erstellung von Sanierungskonzepten vordem Hintergrund der in Theorie, Praxis und Rechtspre-chung vertretenen Auffassungen entwickelt worden seien.Damit wird bereits deutlich, dass die betagten Standards FAR1/1991 im Lichte der Sanierungspraxis der letzten Jahre wei-terentwickelt und aktualisiert worden sind. Nach Rn. 6 derVorbemerkungen9

    9 FN-IDW 2009, 578 (579).

    ersetzt der IDW S 6 die IDW Stellung-nahme FAR 1/1991.

    Begngte sich FAR 1/1991 noch mit einigen wenigen Gliede-rungspunkten, bestehend aus der Beschreibung und Analysedes Unternehmens unter besonderer Bercksichtigung derKrisenursachen, der Entwicklung eines Leitbildes fr dassanierte Unternehmen, den zur Krisenbeseitigung geeigneterscheinenden Manahmen sowie deren Verprobung, ist derPrfungskatalog des IDW S 6 wesentlich detaillierter undumfassender.

    FAR 1/1991 machte den Krisenfall, in den Vorbemerkungendefiniert als die Strung des finanziellen Gleichgewichtseines Unternehmens oder die nachhaltige Beeintrchtigungseiner Ertragskraft, am Vorliegen drohender oder eingetrete-ner Zahlungsunfhigkeit und/oder berschuldung fest.10

    10 S. Vorbemerkungen FN-IDW 1991, 319ff.

    IDWS 6 hingegen differenziert ausdrcklich zwischen Konzepten zurBeseitigungder Insolvenzreifeaufdereinenundzurbetriebswirt-schaftlichen Neuausrichtung eines Unternehmens auf der ande-ren Seite. Hierin liegt die inhaltlich bedeutendste Neuerung desStandards. Anders als FAR 1/1991 verlangt IDW S 6 nicht zwin-gend ein Vollkonzept, das sich neben Liquidittssicherung undVermgensstabilisierung auch ber die in einer Planung11

    11 Entgegen Gro WpG 2009, 231 spricht FAR 1/1991 noch nicht von der Er-forderlichkeit einer integrierten Planung; vgl. Ziff. 5. Planverprobungsrech-nung FN-IDW 1991, 319ff.

    abge-bildete Neuausrichtung des Unternehmens verhalten muss. Der

    gedruckt am: Fr 26.03.2010 z:/wk/InsVZ/ts/InsVZ-10-04 Nr. 36

    Sanierungs- und Insolvenzberatung Die Anforderungen an die Erstellung von Sanierungskonzepten

    InsVZ 4 2010152

  • neue Standard erffnet vielmehr ein stufenweises Vorgehen inForm aufeinander abgestimmter Teilkonzepte. Dies wiederumsetzt folgerichtig die Definition von Krisenstadien voraus, umabhngig von deren Feststellung mageschneiderte (Teil-)Konzeptemit stadiengerechtenSanierungsmanahmenerstellenzu knnen. Diese Neuerung in IDW S 6 trgt dem UmstandRechnung, dass Unternehmenskrisen trotz mittlerweile ge-schrftem Risikobewusstsein auf Stakeholderseite meist erst inderakutenLiquidittskrisemanifestwerden.Konsequenterweiseverlangen die neuen Standards auch ausdrcklich eine Aussagezum Vorliegen von Insolvenzgrnden und eine jedenfalls fr dasVorliegeneineretwaigenberschuldungmageblichenFortfh-rungsprognose.

    Bei einem Vollkonzept, wie es FAR 1/1991 regelmig ver-langte, ergab sich der Auftragsgegenstand und Auftragsinhaltvon selbst. Die nach IDW S 6 vorgesehene stadiengerechte Vor-gehensweise mit der Mglichkeit einer Aufteilung in Teilkon-zepte verlangt hingegen vom Konzeptersteller eine klare Festle-gung des Auftragsumfangs und der Verantwortlichkeiten.

    III. Anforderungen und Inhalte von IDW S 6Im Folgenden werden die mageblichen Regelungsinhaltevon IDW S 612

    12 FN-IDW 2009, 578ff.

    entsprechend der vorgegebenen Gliederungs-struktur zusammengefasst dargestellt.

    [1. Vorbemerkungen]

    2. Grundlagen13

    13 FN-IDW 2009, 578 (579582).

    2.1. Kernanforderungen an Sanierungskonzepte

    2.2. Abhngigkeit des Sanierungskonzeptes vomKrisenstadium

    2.3. Festlegung des Auftragsinhalts und derVerantwortung

    Die Kernbestandteile eines Sanierungskonzeptes im Sinne desIDW S 6 bleiben in Anlehnung an FAR 1/1991

    die Beschreibung von Auftragsgegenstand und -umfang die Darstellung der wirtschaftlichen Ausgangslage die Analyse von Krisenstadium und -ursachen die Darstellung des Leitbildes des sanierten Unternehmens die Manahmen zur Bewltigung der Unternehmenskrise der Unternehmensplan.

    Die stadiengerechte und von der jeweiligen Art der Kriseabhngige Vorgehensweise, die eine abgestufte Erstellung vonTeilkonzepten ermglicht, ndert nichts daran, dass eine Aus-sage zur Sanierungsfhigkeit des in die Krise geratenen Unter-nehmens nur auf der Grundlage eines Vollkonzeptes getroffenwerden kann, in dem die Probleme aller bereits durchlaufenenKrisenstadien aufgearbeitet werden. Folgerichtig ist bei beauf-tragten Teilkonzepten in der gutachterlichen Stellungnahmeausdrcklich auf entsprechende Beschrnkungen hinzuweisen.

    Sanierungsfhigkeit nach IDW S 6 setzt in einem erstenSchritt voraus, dass eine positive Fortfhrungsprognose imSinne des 252 Abs.1 Nr.2 HGB besteht. Insoweit gehen dieAnforderungen ber die rein liquidittsorientierte Feststel-lung einer positiven Fortbestehensprognose hinaus und ver-

    langen eine Aussage dazu, ob rechtliche oder tatschlicheGegebenheiten der Fortfhrung der Unternehmensttigkeitentgegenstehen.

    Die Annahme der Sanierungsfhigkeit verlangt in einem wei-teren Schritt, dass in einem verlngerten Prognosezeitraumsowohl Wettbewerbsfhigkeit als auch Renditefhigkeit wie-dererlangt werden knnen (nachhaltige Fortfhrungsfhig-keit).

    Die Notwendigkeit dieses zweistufigen Vorgehens betontIDW S 6 ausdrcklich fr den in der Praxis hufigen Fall einerbereits vorliegenden Insolvenzgefahr. Diese gilt es im Rahmender Feststellung einer positiven Fortfhrungsprognose imoben beschriebenen Sinne zunchst kurzfristig durch geeig-nete Manahmen auf Liquiditts- und ggf. Vermgensseiteabzuwenden, und zwar prognostisch mindestens fr den Zeit-raum des laufenden und folgenden Jahres.

    Die gerade von Bankenseite neben der Frage der Sanierungs-fhigkeit hufig verlangte Aussage zur Sanierungswrdigkeitspielt bei IDW S 6 keine Rolle mehr. Denn bei der Erstellungeines Sanierungskonzeptes knnen nur objektive oder zumin-dest objektivierbare Kriterien zugrunde gelegt werden. Sub-jektive und an die individuelle Interessenlage einzelner Stake-holder geknpfte Kriterien drfen nach IDW S 6 dabei keineRolle spielen, sodass fr die Frage der Sanierungswrdigkeitkein Platz mehr ist.

    3. Darstellung und Analyse des Unternehmens14

    14 FN-IDW 2009, 578 (582588).

    3.1. Anforderung an die Qualitt der I