kompakt Juli / August 2011

of 62/62
Das Mitgliedermagazin der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie kompakt VOR ORT Betriebsräte und IG BCE sichern beim Papierproduzenten Felix Schoeller Arbeitsplätze TENDENZEN Erst Fax, dann Sex – die Arbeitswelt ist eine gut geölte Kuppelmaschine TIPPS Endlich Ferien! Aber darf ich im Urlaub das Firmenhandy wirklich zu Hause lassen? Nr. 07/08 I JULI/AUGUST 2011 www.igbce.de Ein Fluch? Ein Segen? Wie das Internet die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben verwischt
  • date post

    29-Mar-2016
  • Category

    Documents

  • view

    262
  • download

    14

Embed Size (px)

description

kompakt - das Mitgliedermagazin der IG BCE. Die Titelgeschichte behandelt diesmal die immer mehr verwischende Grenze zwischen analog und digital, zwischen privat und dienstlich. Außerdem haben wir einen Schichtarbeiter einen Tag lang begleitet und seine Familie kennengelernt. Darüber hinaus beschäftigen wir uns erneut mit der Energiewende, es bleiben bisher noch zahlreiche Fragen unbeantwortet. Auch im Heft: Eine Reportage über ein Unternehmen, das Atomkraftwerke zurückbaut sowie ein Interview mit dem Betriebsrat eines Energieversorgers. Dann haben wir noch einige Tipps für einen sorgenfreien Urlaub sowie eine Geschichte über Liebe im Büro. In diesem Sinne: Viel Vergnügen bei der Lektüre!

Transcript of kompakt Juli / August 2011

  • Das Mitgliedermagazin der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie

    kompakt

    vor ort Betriebsrte und IG BCE sichern beim Papierproduzenten Felix Schoeller Arbeitspltze

    tendenzen Erst Fax, dann Sex die Arbeitswelt ist eine gut gelte Kuppelmaschine

    tipps Endlich Ferien! Aber darf ich im Urlaub das Firmenhandy wirklich zu Hause lassen?

    Nr. 07/08 I JulI/August 2011 www.igbce.de

    ein Fluch? ein segen?Wie das Internet die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben verwischt

    01_titel_07_08.indd 1 17.06.2011 14:49:38

  • 3kompakt | Juli/August 2011 |

    >unter uns

    och, es gibt auch noch andere Themen als die Energiewende. Und allmhlich wird das unserem Land wieder bewusst. Zumal die Debatte um Atom und Strom mit den Entscheidungen im Bundes-

    tag und im Bundesrat einem vorlufigen Ende entgegengeht. Zumindest bis zum Redaktionsschluss dieser Sommerausgabe von kompakt deutete vieles darauf hin, dass die Parteien zu einem neuen Energiekonsens finden, der eine tragfhige Grundlage fr die nchsten Jahre schaffen knnte. Dann htte sich die Politik zweifellos Anerkennung und wieder mehr Vertrauen verdient auch wenn das Gemeinschaftswerk Energiewende noch Jahre der gemeinsamen Gestaltung brauchen wird, ehe es als abge-schlossen gelten kann.

    Im rIchtIgen leben ist anderes hufig wichtiger. Die Liebe auf jeden Fall. Wenn sie uns packt, und genauso wenn es nichts zu packen gibt. Das Schlimmste aber sind die merkwrdigen Zwischenstadien, wo man nicht wei, woran man ist mit sich selbst und vor allem mit der anderen Person. Diese begeisternd aufgeregten Zustnde des (Selbst-)Zweifels mit dem profanen Arbeitsalltag zu vereinen, das fordert. Vor allem dann, wenn das Bro oder die Werkhalle zum Schauplatz der Liebelei wird. Oder wenn

    Schichtarbeit den Rhythmus der Begegnungen klopfender Herzen vorgibt. Oder wenn die Chef-Mail just in die erste Verabredung platzt. Was tun? In dieser kompakt findet sich einiges an hoffentlich sehr ntzlichen Informationen zu solchen alltg-

    lichen Fragen der Arbeits- und Lebenswirklichkeit unserer Leserinnen und Leser.

    vor der sommerpause mchten wir noch einmal Dankeschn sagen. Allen, die bei der Leserbefragung mitgemacht haben. ber die Ergebnisse werden wir zeitnah berichten und natrlich das Erfahrene beherzigen, um kompakt fr Sie noch attraktiver zu machen.

    Zurck zum richtigen leben

    chrIstIan hlsmeIer Chefredakteur

    [email protected]

    d

    Foto: ddp

    Foto: D

    ennis Brsch

    03_editorial_07_08.indd 3 21.06.2011 17:09:01

  • 4| kompakt | Juli/August 2011

    Der Kern der Wende

    Atomkraftwerke abzubauen ist eine Herkulesaufgabe, die gut organisiert sein sollte. Die Spezialisten dafr sitzen in Lubmin bei Greifswald und warten schon auf Auftrge.

    Arbeitgeber stur und unbeweglichDie Tarifeinheit ist berfllig, die Ost-West-Lcke muss geschlossen werden.

    Infos an der SchmelzwanneDer Interkulturelle Arbeitskreis traf sich in Hamburg und besuchte im Zeichen der Energiewende einen Produk-tionsbetrieb.

    Niemals den Kopf hngen lassenEin IG-BCE-Zielgruppenprojekt hilft Beschftigten nach der Kndigung.

    Kreativitt verhindert KahlschlagBetriebsrte und IG BCE sichern in zhen Verhandlungen Arbeitspltze bei Felix Schoeller.

    VOR ORT 2129

    IMMER IM HEFT03 Unter uns06 Aktuelles08 Heims Homepage20 Leserforum/Impressum30 Einer von uns*40 Rtsel41 Glck & Glosse42 Mein Arbeitsplatz*DerLandesbezirkNordrheinberichtetaufdieserSeiteberJubilarehrungen,dieLandesbezirkeBaden-Wrttemberg,Rheinland-Pfalz/SaarlandundWestfalenberichtenaufdieserSeiteberdieSommerwerbeaktion.

    Titelbild:MartinSchlter

    12 Mit dem Web lebenDas Internet verwischt die Grenze zwischen Arbeitswelt und Privatleben. Es gibt Herausforderungen aber auch viele neue Chancen.

    16 Strom auf neuen Wegen Die Bundesregierung will raus aus dem Atom und rein in die Energiewende. Es bleiben dennoch Fragen offen.

    18 Wir drfen nicht resignierenEnergiekonzerne werden immer heftiger kritisiert fr die Mitarbeiter ist das keine einfache Situation. kompakt sprach mit einem Vattenfall-Betriebsrat.

    31 Schichtweise zufriedenSchichtarbeit belastet den Krper, die Familie und Freundschaften. Aber sie hat auch Vorteile. kompakt hat einen Schichtarbeiter einen Tag lang begleitet.

    34 Arbeit macht LiebeDie Arbeitswelt ist eine gut gelte Kuppelmaschine. Beziehungen zwischen Kantine und Kopierer sind hufig aber steigern sie wirklich die Arbeitsleistung?

    36 Per Klick zur KarriereDie klassische Bewerbungsmappe hat ausgedient. Immer mehr Unternehmen bevorzugen virtuelle Unterlagen. Wie aber muss eine gute Online-Bewerbung aussehen?

    38 Endlich Ferien Fr viele sind es die schnsten Wochen im Jahr. Umso wichtiger ist es, gut informiert in den Urlaub zu fahren. kompakt erklrt, woran Sie denken sollten.

    TITEL

    THEMEN

    TENDENZEN

    TIPPS

    11 StandpunktMichael Vassiliadis ber die Rettung Griechenlands.

    Foto:J

    rge

    nSeide

    lFoto:J

    ensKh

    ler

    04_05_FotoInhalt_07_08.indd 4 22.06.2011 11:19:37

  • 5kompakt | Juli/August 2011 |

    >INHALTJuLI/AuguST2011

    36 Ratgeber Online-Bewerbung Mit dem Web leben 12

    38 Tipps fr den Urlaub Fotomedienlaborantin 42

    So lebt es sich mit Schichtarbeit 31

    Fotos:Carsten

    Bll,DirkKirchbe

    rg,M

    artinSchlter,Philip

    pBae

    r/Fotolia.com

    ,Den

    nisBrsch

    04_05_FotoInhalt_07_08.indd 5 22.06.2011 11:19:48

  • 6| kompakt | Juli/August 2011

    3,77 Euro pro Stunde Praktikanten werden schlecht bezahlt und das, obwohl sie in den meisten Fllen vollwertige Arbeit leisten. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des DGB und der Hans-Bckler-Stiftung: Generation Praktikum 2011. Im Fokus der Untersuchung standen Praktika nach Studienabschluss. Die Studie belegt: Drei von vier Praktikanten sind fest in die Arbeitsablufe eingeplant in der Bezahlung wirkt sich das nicht aus. Zwar sind die unbezahlten Beschftigungen im Vergleich zum Jahr 2007 zurckgegangen, dafr be- trgt der Stundenlohn im Schnitt aber nur 3,77 Euro. Viele Studenten mssen sich whrend des Praktikums noch anderweitig finanzieren, wobei ber die Hlfte sich an die Eltern wendet. Besonders alarmierend ist: 22 Prozent der Befragten sind auf Sozialleistungen angewiesen. Auch der erhoffte Klebeeffekt, also die bernahme nach einem Praktikum, erfllt sich nur bei rund einem Fnftel der Berufsanwrter.

    BILD DES MONATS

    Hart trainiert hat sie nun will sie um den Titel kmpfen. Genoveva Anonma spielt Fuball fr den FF USV Jena und ist Nationalspielerin von quatorialguinea. Die 22-Jhrige und ihre Mitspielerinnen aus dem kleinen westafrikanischen Land streiten mit 15 anderen Teams um den Sieg bei der Frauenweltmeister-

    schaft 2011 in Deutschland. Das Turnier luft noch bis zum 17. Juli, wenn in Frankfurt das Finale steigt. Und wer wei, vielleicht treffen Genoveva und ihre Kolleginnen dort auf den Favoriten die deutsche Frauennationalmannschaft.

    Mehr Fakten zur WM gibt es auf: www.11freundinnen.de

    AUFREGER DES MONATS

    Foto: Tho

    mas Frey/picture alliance/dp

    aFoto: N

    oel H

    endrickson

    06_07_aktuelles_07_08.indd 6 21.06.2011 14:25:38

  • 7kompakt | Juli/August 2011 |

    >AKTUELLES

    kampf der Bcherein Duell der Worte war der erste berlin buch battle. IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis und RWE-Vorstandsmitglied Alwin Fitting diskutierten im Grnen Salon der Berliner Volksbhne, wie eine fortschrittliche Energiepoltik aussehen knnte. Beide hatten eigene Bcher im Gepck und stellten ab-wechselnd ihre Thesen vor. Ringrichter dieses verbalen Zwei-kampfes war SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier, der ohne zeitliches Limit einschreiten und nachfragen durfte. Er wertete die Argumente des Gewerkschafters und des Managers als Denkansto fr Parteien, aber auch fr Unternehmen, Ge-werkschaften sowie die ganze Gesellschaft: Wir mssen er-neut ber die Notwendigkeit einer Industriepolitik oder die Potenziale fr Innovationsfhigkeit streiten auch darber, welche Rolle dabei den jeweiligen Akteuren zukommt.

    ZITAT DES MONATS

    139BergBau-Waisen werden von der Gewerkschaft nicht im Stich gelassen. 139 von ihnen hat die August-Schmidt-Stiftung 2010 mit insgesamt 284 452 Euro untersttzt sie erhalten vom vollendeten 12. bis 27. Lebensjahr Beihilfen zu ihrer Aus- und Fortbildung. Die Stiftung wurde 1962 anlsslich des Grubenunglcks von Luisenthal, bei dem 299 Bergleute star-ben, gegrndet. Sie untersttzt Waisen von Beschftigten, die im Organisationsbereich der IG Bergbau, Chemie, Energie in Ausbung ihrer beruflichen Ttigkeit tdlich verunglcken oder an den Folgen sowie an Silikose, Siliko-Tuberkulose, Asbestose, Asbestose mit Lungenkrebs oder Mesotheliom (Asbest) versterben. www.august-schmidt-stiftung.de

    ZAHL DES MONATS

    Foto: D

    irk Bleicker

    alwin Fitting, Frank-Walter steinmeier und Michael Vassiliadis (von links).

    Verantwortung auch in Krisenzeiten zu bernehmen, funktioniert nur, wenn man mit der Sozialpartnerschaft nicht erst in der Krise beginnt. Auf einer Veranstaltung der Internationalen Arbeiterorganisation pldierte Bundeskanzlerin angela Merkel dafr, das Modell der deutschen Sozialpartnerschaft in der Welt zu strken.

    Foto: RUBEN SPRICH/REUTERS

    06_07_aktuelles_07_08.indd 7 21.06.2011 14:25:41

  • 8| kompakt | Juli/August 2011

    > Heims Homepage

    energiewende schmutzige Fe

    sparwende Fr einen apfel und ein ei

    VernunFtwende rat und tat

    VernunFtende wahrheit!?

    ich habe kurzzeitig ein schlechtes gewissen bekommen: wrden alle menschen auf der erde so leben wie ich, msste es unseren planeten gleich zweieinhalb mal geben. Beim kolo-gischen Fuabdruck habe ich ganz schn schmutzige spuren hinterlassen. machen sie doch auch mal den selbsttest!

    footprint-deutschland.de/

    nach so viel schlechtem Vorbild will ich mein gewissen entlasten: Fr die modernen smartphones gibt es eine reihe kostenloser apps, die konkrete energiesparvorschlge machen oder ausrechnen, ob sich eine solaranlage lohnt. einfach energie in die suche des app-store eingeben.

    App-Store: Dena Heizcheck

    energiesparen kann sich nicht nur frs Klima, sondern auch fr den eigenen geldbeutel positiv auswirken. die angebote im netz sind vielfltig, oft sollen aber auch nur produkte clever vermarktet werden. wer eine neutrale Beratung will, ist bei den Verbraucher-zentralen gut aufgehoben.

    http://bit.ly/BHjCa

    sind energiesparer und Klimabewahrer revoluzzer? die Co2-sekte ist im detail viel gefhrlicher, als es auf den ersten Blick erscheint. sie ist das tor zum Faschismus, zu einer weltdiktatur heit es bei wahrheiten.org. wenn es nach dem Verfasser geht, besteht die welt nahezu nur aus Lgen. diese seite auch?

    www.wahrheiten.org

    RuDolf HeimIG-BCE-Online-Redakteur | www.igbce.de prsentiert interessante, manchmal auch rgerliche Seiten aus dem WebE-Mail: [email protected]

    Foto: m

    icha

    el Cintula

    08_heims_homepage_07_08.indd 8 17.06.2011 15:22:26

  • 9kompakt | Juli/August 2011 |

    >AKTUELLES

    Wechsel beim BAVC

    Jugend protestiertMAdrid, Athen, StuttgArt in ganz Europa gehen junge Menschen auf die Strae. Sie protestieren laut- stark, sie wollen gehrt werden von einer politischen Klasse, die in der Vergangenheit allzu oft weghrte. Mit diesem gesellschaftlichen Phnomen beschftigen sich auch Ren Rudolf, Bundesjugendsekretr des DGB, Ringo

    Bischoff, Bundesjugend-sekretr bei ver.di, und Eric Leiderer, Bundes- jugendsekretr der IG Metall. Sie sind Heraus-geber des gerade erschie-nenen Buches Protest, Bewegung, Umbruch, in dem junge Autoren aus ganz Europa von ih-

    ren Erfahrungen als Aktivisten berichten. Sei es der Bil-dungsstreik oder Stuttgart 21 die Jugend nimmt politische Entscheidungen nicht lnger stoisch hin, sie steht fr ihre berzeugungen ein. Das war nicht immer so. Ein Wandel hat sich in den letzten Jahren vollzogen, weg von einer rei-nen Reprsentationsdemokratie, hin zu mehr aktiver Betei-ligung. Das Buch gewhrt einen spannenden Einblick in die Seele einer Generation, die etwas bewegen will.

    nACh 16 JAhren an der Spitze des Bundesarbeitgeber-verbands Chemie (BAVC) ist Hans Paul Frey jetzt in den Ruhestand getreten. Neuer Haupt-geschftsfhrer ist Wolfgang Goos. BAVC-Prsident Eggert Voscherau wurde in seinem Amt besttigt. Frey gilt als ein berzeugter Ver-treter der Sozialpartnerschaft, den Wittenberg-Prozess hat er mitini-tiiert. Der 65-Jhrige ist ein ausge-wiesener Tarifpolitiker, in seiner ra haben BAVC und IG BCE Mei-lensteine gesetzt. Der IG-BCE-Vor-sitzende Michael Vassiliadis wr-digte Frey als eine Persnlichkeit, die ihren Werten und Grundstzen auch im alltglichen Handeln verpflichtet ist. Dazu gehrt, dass auch wirtschaftliches Handeln wertgebunden bleiben muss, dass Unternehmen nicht nur dem Wettbewerb, sondern auch dem Gemeinwohl verpflichtet sind.

    hans Paul Frey

    nicht lnger still: junge Spanier.Der Markt regelt alles von allein Sozialpartnerschaft ist berholt, wirkt kontraproduktiv und gehrt deshalb ins Museum. Deckt sich das Argument der Neoliberalen mit der Wirklichkeit?Kooperation in Unternehmen ist produktiv. In Europa ist die Mitbestimmung schon lange Teil einer weiten Koopera-tionskultur, die die US-Amerikaner so nicht kennen. Aber: Neuerdings wird verstrkt auf teamproduction gesetzt. Man lernt, dass gute Kooperation in Unternehmen Arbeit-nehmer bindet, ihre Selbstachtung erhht und eine andere Leistungsmotivation erbringen kann.

    Die Mitbestimmung wurde von fhrenden Arbeitgebern noch vor Kurzem als ein Irrtum der Geschichte bezeichnet. Sie behaupten dagegen, Mitbestimmung steigert die Wettbewerbsfhigkeit. Wie das?Wir haben in der betrieblichen Mitbestimmung ein Instrument, das die Organisationskultur mit sichert. In der aufsichtsrtlichen Mitbestimmung haben wir ein Instrument der Balancierung unterschiedlicher Interessen.

    Also ist Mitbestimmung im Kern ein Geschft zur Regelung des wechselseitigen Nutzens?Das ist wohl wahr. Beide, Firmen wie Arbeitnehmer, profitieren von der Anerkennung der Leistungsmotivation. Es geht letztlich um eine neue Wertschtzung der Arbeit-nehmer. Letzthin heit Organisation: Zusammenarbeit.

    Mehr zur Sozialpartnerschaft lesen Sie auf Seite 24.

    Mailen Sie uns Ihre Meinung: [email protected]

    www.protest-bewegung-umbruch.de

    www.bavc.de

    Der Wittener Wirtschaftswissenschaftler

    zur konomischen Bedeutung der

    Sozialpartnerschaft

    Fragen an Birger P. Priddat3

    Foto: Gustavo Cuevas/dp

    a

    Foto: Micha

    el Cintula

    09_meldungen_07_08.indd 9 21.06.2011 15:16:17

  • 10| kompakt | Juli/August 2011

    > AKTUELLES>

    Was Kinder lernen

    Amnesty feiert Geburtstag

    Mehr WirtschAft in die Schule, fordert ein Klner Wirtschaftsinstitut auf seiner Internetseite und ist damit kein Einzelfall. Immer hufiger versuchen Ar-beitgeberverbnde, Konzerne und wirt-schaftsnahe Stiftungen, Einfluss zu neh-men auf Bildungsinhalte in den Schulen. Bereitwillig werden hierfr Unterrichts-materialien zur Verfgung gestellt, die in Zeiten klammer Bildungskassen auch gern von Lehrern angenommen werden.

    Doch was in diesen Bchern gelehrt wird, hat mit seriser Wirtschaftsdidaktik nicht viel zu tun. Laut einer Studie der Bielefelder Wissenschaftler Luca Mller und Reinhold Hedtke trage hier vielmehr ein Netzwerk aus wirtschaftsliberal-konservativen Einrich-tungen seine Interessen in die Schulklassen. Gewerkschaften, Betriebsrte und Sozial-staat werden in den Lehrbchern oft als Last dargestellt im Vordergrund stehen nur die Vorteile des freien Marktes. Edeltraud Glnzer, Mitglied im Hauptvorstand der IG BCE, sieht diese Tendenz kritisch: konomische Bildung darf nicht auf Unter- nehmerinteressen verkrzt werden! Dieser bedenkliche Trend wurde auch Anfang April auf der IG-BCE-Tagung Was unsere Kinder ber Wirtschaft denken diskutiert. Mehr zu Wirtschaft in der Schule unter: www.schule.dgb.de

    Alles beGAnn 1961. Damals machte der Londoner Anwalt Peter Benenson in der Zeitung The Observer auf das Schick-sal zweier portugiesischer Gefangener aufmerksam sie waren verhaftet wor-den, weil sie auf die Freiheit angestoen hatten. Benensons Bericht lste weltweit Entrstung aus die Portugiesen wurden freigelassen. 50 Jahre spter ist der Verein, den Benenson daraufhin grndete Am-nesty International , ein Markenzeichen. Wenn Menschen aufgrund von Reli- gion oder politischer Weltanschauung verfolgt, inhaftiert und gefoltert werden, schreiben ehrenamtliche Untersttzer Protestbriefe an die verantwortlichen Staaten und haben nicht selten Erfolg damit. Mittlerweile hat die Organisation drei Millionen Frderer in ber 150 Ln-dern der Welt, die fr Menschenrechte und das hohe Gut der Freiheit einstehen. Das werden sie auch in Zukunft tun mssen: Im Amnesty-Report fr das Jahr 2010 wurden 157 Lnder aufgefhrt, in denen Grundrechte verletzt wurden.

    nicht alles, was in bchern steht, stimmt.

    Mensch gegen Panzer: ein Amnesty-Aktivist protestiert gegen die chinesische regierung.

    > eine bewusste Provokation Am 21. Mai 1951 trat das Gesetz zur Montan-Mitbestimmung in Kraft, das die parittische Besetzung der Aufsichtsrte in den Unternehmen der Bergbau-, Stahl- und Eisenindustrie festschrieb (kompakt berichtete in der Juni-Ausgabe 2011). Nur vier Jahre spter kam es zum

    ersten schweren Angriff auf die Mitbestimmung. Hermann Reusch, Vorstandsvorsitzender der Gutehoff-nungshtte AG, bezeichnete das Gesetz Anfang 1955 als Ergebnis einer brutalen Erpressung durch die Gewerkschaften. Fr die IG Bergbau war diese Aussage ein Skandal. Wir Bergleute sind eine raue Sprache gewohnt, heit es im Januar in Die Bergbauindustrie. In diesem Fall handelt es sich aber um eine bewusste Provokation, schreiben die Redak-teure der IG-Bergbau-Zeitschrift. Und so konnte es nur eine richtige

    Reaktion geben: Streik. Am 22. Ja- nuar standen in 132 Bergwerken und 35 Werken der Stahl- und Eisenindus-trie die Rder still. Rund 800 000 Be- schftigte beteiligten sich am 24-stn-digen Warnstreik und erschienen nicht zur Arbeit. Die Bergleute und Stahlarbeiter gaben Reusch damit eine klare Antwort. Das alte Wort Alle Rder stehen still, wenn dein langer Arm es will erhielt neue Be- deutung, schrieben die Autoren der Gewerkschaftszeitung begeistert.

    Vo r 5 6 JA h r e n

    Foto: p

    ressmaster/Fotolia

    Foto: L

    eon Nea

    l/AFP

    /Getty Im

    ages

    Ein schnes Geburtstags-Special mit Videos und Texten gibt es auf: www.50jahre.amnesty.de

    10_meldungen_07_08.indd 10 21.06.2011 12:19:36

  • 11kompakt | Juli/August 2011 |

    Wir brauchen einen starken Euro

    Deutschland hat die Krise im Rekord-tempo berwunden, alle wichtigen Kennziffern zeigen nach oben. Der Aufschwung rollt in voller Breite, hat nahe- zu alle Branchen erfasst. Im internationalen Wettbewerb steht unser Land heute sogar besser da als vor der Krise. Der Aufschwung grndet sich zu einem wesentlichen Teil

    auf den Export. Deutsche Unterneh-men sind weltweit ttig, besonders wichtig ist allerdings nach wie vor Europa. ber 60 Prozent der Aus-fuhren gehen in die EU-Lnder, allein 43 Prozent in die Euro-Zone. Deutschland profitiert in einem besonderen Mae vom Euro. Denn die Wechsel-kursschwankungen frherer Jahrzehnte sind Vergangen-heit. Immer wieder musste die D-Mark aufgewertet werden, das bremste den Export und sorgte so fr ein geringeres Wirt-schaftswachstum.

    StabilE WhrungSvErhltniSSE sind fr Deutschland besonders wichtig. Auch und gerade im Interesse der Arbeitspltze. Die Schuldenkrise in einigen sdeuropischen Staaten kann nur in einer gemeinsamen Kraft-anstrengung gelst werden. Griechenland und

    andere Lnder mssen die Chance erhalten, wieder festen Boden unter die Fe zu be-kommen. Das ist von heute auf morgen nicht zu machen, dazu brauchen sie Zeit. Die strkeren Euro-Lnder stehen vor allem auch aus Eigeninteresse in der Pflicht, diese Zeit zu kaufen. Selbstverstndlich drfen jene nicht auen vor bleiben, die die Finanzkrise ver- ursacht haben. Die Banken mssen angemes-sen beteiligt werden.

    DiE Sttzung iSt notWEnDig, auch um eine Kettenreaktion zu vermeiden. Europa ist stark genug, um mit dieser enormen Heraus-forderung fertig zu werden. Eins darf darber allerdings nicht in Vergessenheit geraten: Die Strukturprobleme auf den internationalen Finanzmrkten sind noch immer ungelst, sie mssen endlich mit voller Kraft angegangen werden.Es kann doch nicht sein, dass beispielsweise

    irgendwelche private Rating-Agenturen ber das Wohl und Weh ganzer Volkswirtschaften entscheiden. Die Mrkte brauchen klare Re-geln, das Monster wie es der frhere Bundes-prsident Horst Khler formuliert muss an die Kette gelegt werden.

    >STANDPUNKT

    Die Strukturprobleme auf den internationalen Finanzmrkten sind noch immer ungelst.

    Foto: M

    artin Schlter

    MichaEl vaSSiliaDiS Vorsitzender der IG [email protected]

    11_standpunkt_07_08.indd 11 21.06.2011 11:41:32

  • 12| kompakt | Juli/August 2011

    > TITEL ArbEITswELT

    Mit dem Web leben

    Wie viele Menschen nutzen das Internet? Seit 1997 immer mehr, wie die Grafik zeigt.

    D ie letzte Mail traf um 23:05 Uhr ein. Bis dahin hatte Susanne Klein bereits drei SMS ihres Chefs erhalten. Eigentlich ist er gerade im Urlaub, sagt die Sekretrin. Doch bei dringenden Fllen ist ihr Vorgesetzter dank seines Smartphones immer er-reichbar. Normalerweise arbeitet die 38-Jhrige nur bis 17:00 Uhr, doch oft fhlt sie sich veranlasst, lnger zu blei-ben oder spte Anfragen ihres Chefs zu beantworten. Den klassischen Feier-abend wie frher gibt es nicht mehr, hat Susanne beobachtet, und das gilt nicht nur fr ihren Betrieb. Es ist nicht selten so, dass mein Mann beim Fern-sehen mit dem Laptop auf den Knien neben mir sitzt und dienstliche E-Mails liest. In den vergangenen Jahrzehnten

    hat sich die Arbeitswelt rasant verndert. Es ist noch gar nicht so lange her, da stand auf einem Broschreibtisch ledig-lich ein Telefon mit Whlscheibe. Anrufe vom Chef nach Dienstschluss gab es nur im absoluten Notfall. Heute arbeiten die meisten Menschen sowohl in Bros als auch in Produktionshallen mit Compu-tern, die die Arbeit zum Teil enorm er-leichtert haben.

    MIt Den neuen technoloGIen kann mittlerweile berall und zu jeder Zeit gearbeitet und kommuniziert wer-den. Das hat die Arbeit unglaublich flexibel gemacht: Die Stechuhr hat aus-gedient, die Grenzen von Arbeit und Freizeit verschwimmen, stellte der Hightechverband Bitkom nach einer

    eIn GroSSteIl DeutSchlanDS ISt onlIne. Das web und soziale Netzwerke verndern unser Leben, beruflich wie privat. Informationen sind immer und berall verfgbar. Es gibt viele neue Herausforderungen und viele neue Chancen.

    Foto & Illustration: Martin schlter

    Grafik: And

    reas beichler/Quelle: A

    rD/ZDF-Onlinestudie 2010

    A u s Z u b I L D E N D E

    b E r u F s T T I G E

    199715,1 %

    19979,1 %

    200391,6 %

    200369,6 %

    2010100 %

    201082,4 %

    12_15_titel_07_08.indd 12 21.06.2011 12:24:35

  • 13kompakt | Juli/August 2011 |

    Reihe von Umfragen unlngst fest. Da-nach sind zwei Drittel der Berufsttigen auch nach Broschluss per Mobiltelefon oder Smartphone erreichbar.

    StnDIGe erreIchbarkeIt ist ein Massenphnomen geworden, ebenso wie die stndige Prsenz im Internet durch Facebook und andere soziale Netzwerke: Halb Deutschland ist in so-zialen Netzwerken aktiv titelte Bitkom im April dieses Jahres. Die jngeren Nut-zer sind danach jedoch deutlich kon-taktfreudiger als die lteren, fast jeder Dritte unter 30 hat ber 200 Personen in seiner Kontaktliste. Das Phnomen Face-book ist also eines der jngeren Genera-tion, fr die es zum Leben dazugehrt, sich ber Mobiltelefone und Internet zu

    mich wichtige Informationen auch nach Feierabend. In der Verwaltung sowie dem Ein- und Verkauf der Kartonfabrik ist das Surfen im Internet whrend der Arbeitszeit nicht durch eine Betriebsver-einbarung geregelt. Es ist gestattet, im Internet zu surfen, wenn es wichtig ist. Das soll aber, wenn mglich, in den Pausenzeiten geschehen.

    VIele FIrMen haben mittlerweile eige-ne Richtlinien zur Nutzung des Internets aufgestellt. In den meisten Fllen ist der Zugang zum Internet whrend der Ar-beitszeit ber eine Betriebsvereinbarung geregelt. Dabei haben die Unternehmen vor allem die Produktivitt ihrer Mitar-beiter im Blick, die nicht darunter leiden soll, dass private Interessen berhand

    Die Grenze zwischen realer und virtueller Welt verwischt, wie unsere Illustration zeigt.

    verstndigen. Und die diese Entwicklung durchaus positiv bewertet.So wie der 26-jhrige Betriebsrat Sven

    Zimmermann, der bei einer Karton- fabrik in Annweiler arbeitet. Unser Be-triebsrat hat seit Kurzem einen eigenen Auftritt bei Facebook. Von unseren ins-gesamt 310 Mitarbeitern sind 40 regis-triert und es werden immer mehr, sagt Zimmermann, der in der Produktion der Kartonfabrik arbeitet. Das ist sinn-voll, weil wir die Leute, die hier im Schichtbetrieb arbeiten, so auch auer-halb des Betriebes erreichen. Auerdem knnen wir uns positiv darstellen und zeigen, was wir machen. Der 26-Jhrige schtzt den Umgang mit Mobiltelefonen und Smartphones. Das kann fr den Arbeitsplatz hilfreich sein. So erreichen

    12_15_titel_07_08.indd 13 21.06.2011 12:24:43

  • 14| kompakt | Juli/August 2011

    > TITEL ArbEITswELT

    formationen zum Beispiel ber absol-vierte Praktika. Wir mssen an diese Gruppen herankommen, auch um in den kommenden Jahren qualifiziertes Personal fr die Conti zu bekommen. Gleichzeitig ist es Hell ein Anliegen, sei-ne Kollegen im Umgang mit den sozia-len Netzwerken zu schulen. Wir stehen da noch am Anfang, aber wir wollen klare Regeln aufstellen, damit nichts im Netz landet, was den Arbeitnehmern oder dem Betrieb schadet. Schon seit vielen Jahren knnen Be-

    triebsrte und Arbeitnehmer bei der IG-BCE-Bildungsgesellschaft BWS Seminare zu Computern und Internet belegen. Ab

    Herbst 2011 wird es zudem Seminare fr die Nutzung des Web 2.0, insbeson-dere der sozialen Netzwerke, geben. Wie schnell der Einzelne in Schwierigkeiten geraten kann, erfuhren erst krzlich Beschftigte des Daimler-Konzerns. Mit-arbeiter hatten eine Facebook-Gruppe Daimler-Kollegen gegen Stuttgart 21 ins Leben gerufen, die unter anderem Firmenchef Dieter Zetsche beleidigte. Fnf Angestellte drckten den Gefllt-mir-Button und mussten sich umge-hend in der Personalabteilung melden. Zwar zog der Vorfall keine Konsequen-zen nach sich, die Angestellten wurden jedoch darauf hingewiesen, dass Kolle-gen und Mitarbeiter weder im Betrieb noch in der ffentlichkeit oder im Inter-net beleidigt werden drfen.

    unberleGte beMerkunGen im Internet knnen auch schon bei der Job-suche negativ auffallen. So soll mehr als ein Viertel der Unternehmen ihre Be-werber im Internet berprfen. Gerade Netzwerke wie Facebook knnen fr die Personalabteilungen sehr aufschluss-reich sein: Dort gettigte negative ue-rungen ber Arbeit oder Arbeitsumfeld kommen bei Firmenchefs nicht gut an. Auch allzu private Angaben oder Party-fotos machen keinen guten Eindruck.Durch die technischen Innovationen

    hat die Entgrenzung von Arbeit und Pri-vatleben immer mehr zugenommen, sagt IG BCE-Experte Stefan Soltmann, der die Entwicklung in Betrieben genau beobachtet. Das stellt an den Einzelnen immer hhere Anforderungen, eben auch an das eigene Verhalten im Um-gang mit den neuen Medien. Problema-tisch findet Soltmann aber nicht unbe-dingt die sozialen Netzwerke, sondern die Vernderungen am Arbeitsplatz all-gemein. An die Menschen werden im-mer hhere, eben auch technische An-forderungen gestellt, die eine stndige Weiterbildung erfordern. Darber hin-aus sollen sie immer mehr Arbeit erle-digen sowie flexibel und mobil sein, sagt

    WaS ISt WaS IM netz Der unbeGrenzten MGlIchkeIten?

    ein Smartphone ist ein Mobiltelefon mit erweiterter computerfunktionalitt. Mit applikationen (apps) kann man das Gert um vielfltige Programme erweitern. Dazu zhlen office- und kommunikationsan-wendungen sowie Programme zum Foto- grafieren, Spielen, navigieren, Musikhren und so weiter. Darber hinaus verfgen Smartphones in der regel ber einen berhrungsempfindlichen bildschirm, der das bedienen der Gerte erleichtert. laut Gartner.com wurden 2010 weltweit 1,6 Milliarden handys verkauft, 19 Prozent davon waren Smartphones, tendenz steigend: Der Markt wuchs 2010 um 72 Prozent.

    Facebook ist das weltweit grte soziale netzwerk. Die Website wurde 2004 entwickelt und hatte nach angaben des unternehmens im april 2011 bereits 664,6 Millionen Mitglieder, in Deutsch-land gibt es laut heise-online derzeit 20 Millionen aktive nutzer. Jedes Face- book-Mitglied hat eine Profil-Seite, auf der es sich vorstellt. Dort knnen neben dem namen auch beruf, hobbys, Vor-lieben sowie Fotos und Videos ver- ffentlicht werden. Jedes Profil verfgt zudem ber eine Pinnwand, auf der andere nutzer nachrichten hinterlassen knnen. auch ist es mglich, dort bemerkungen und Webseitenverweise zu publizieren.

    nehmen. Gleichzeitig rumen viele Fir-men der Meinungs- und Stimmungsbil-dung in sozialen Netzwerken eine wach-sende Bedeutung fr ihr eigenes Geschft ein und prsentieren sich dort.

    Den SozIalen netzWerken rumt auch der Betriebsratsvorsitzende der Hauptverwaltung der Continental AG, Frank Michael Hell, einen hohen Stel-lenwert ein. Da mssen wir mitgehen, sagt Hell, das ist nicht mehr zu stop-pen. In seiner Arbeit hat er beobachtet, dass die unter 40-Jhrigen ihre Kontakte vorwiegend ber soziale Netzwerke pfle-gen, ebenso wie den Austausch von In-

    Die Vorteile berwiegen deutlich

    Foto: O

    rang

    e smartpho

    ne

    Foto: A

    rno burgi/dpa

    12_15_titel_07_08.indd 14 21.06.2011 12:24:44

  • 15kompakt | Juli/August 2011 |

    Soltmann. Dadurch erhht sich der Druck und psychische Belastungen neh-men zu. Auch das Gefhl, ber E-Mail, SMS oder Telefon stndig verfgbar sein zu mssen, macht vielen Beschftigen schwer zu schaffen. Natrlich kommt es auf das eigene Verhalten im Umgang mit den Gerten an, ob ich es anlasse oder ausschalte, den Anruf annehme oder eben nicht, sagt Soltmann. Anders sei die Lage allerdings, wenn im Betrieb ein sozialer Druck entstehe. Einer Un-ternehmenskultur, in der stndige Er-reichbarkeit erwartet wird und der sich der Einzelne nicht mehr zu entziehen wagt, muss entschieden entgegengewirkt werden. Da seien letztlich auch die Fh-

    rungskrfte gefragt, mit ihren Mitarbei-tern vertrgliche Regeln zu schaffen.Denn dass das Internet Teil des Lebens vieler Menschen ist, ist keine Zukunfts-vision mehr, sondern Wirklichkeit. Laut der aktuellen ARD/ZDF-Onlinestudie von 2010 waren im Jahr 2000 durch-schnittlich 28,6 Prozent der Deutschen gelegentlich online. In nur zehn Jahren schnellte der Anteil

    auf 69,4 Prozent. Einen dramatischen Klickknick gibt nur noch jenseits von 60 Lebensjahren. Nicht einmal jeder Dritte (28,4 Prozent) ging 2010 online, 2000 noch waren die meisten lteren Se-mester offline. Nur 4,4 Prozent der mitt-lerweile sogenannten Silver Surfer grif-fen damals auf Onlinedienste zu. Auch heute noch sinkt der Nutzungsgrad mit dem Alter der Anwender, aber immer mehr ltere Menschen entdecken das Web fr sich. Bei den 50- bis 59-Jhrigen sind heute immerhin 68,9 Prozent gele-gentlich online. Vor elf Jahren waren nur

    22,1 Prozent dieser Altersgruppe virtuell unterwegs. Im Leben junger Menschen ist das Internet lngst integraler Bestand-teil: Waren 2000 lediglich 48,5 Prozent der 14- bis 19-Jhrigen online, sind es heute 100 Prozent. Auch bei den 20- bis 29-Jhrigen (98,4), den 30- bis 39-Jh-rigen (89,9) sowie den 40- bis 49-Jhrigen (81,9) ist das Internet in die Arbeitswelt, aber auch in das Privatleben vorge- drungen. Es hat Arbeitsablufe und un-sere tgliche Kommunikation nachhal-tig verndert. Ralf Feldhaus, der mit anderen Nutzern auf der IG-BCE- Gruppenseite bei Facebook die Vor- und Nachteile des Internets diskutiert, schreibt, dass Computer und Internet fr

    die Arbeit im Be-triebsratsbro der Westfalen AG lngst unverzichtbar seien: Uns Betriebsrten hat es geholfen, sich untereinander super zu vernetzen und sich gut zu infor-

    mieren. Auch Axel Krien findet die Entwicklung grundstzlich positiv, etwa die Speicherung und Verfgbarkeit von Wissen. Computer, Smartphone und Ta-blet-PC seien seine stndigen Begleiter. Aber er warnt auch: Schlecht ist die stndige Erreichbarkeit per SMS oder Mail. Reiner Eckel, der fr das Quali- fizierungsfrderwerk Chemie GmbH ar-beitet, ist mittlerweile Blogger aus Lei-denschaft.

    SocIal MeDIa helFe sehr beim Mei-nungs- und Informationsaustausch, wo-bei fr ihn der Austausch am wichtigsten sei. Dienstlich steckt die Nutzung der sozialen Netzwerke noch in den Kinder-schuhen, fgt er hinzu. Es msse noch viel berzeugungsarbeit geleistet wer-den. Aber fr ihn steht fest: Die Vorteile berwiegen. Deutlich! AnetteSchrder/dkb

    Die IG bCE bei Facebook:http://j.mp/igbcefb

    Ist es erlaubt, whrend der Arbeitszeit private E-Mails zu lesen beziehungsweise fr private Zwecke im Internet zu surfen?Grundstzlich nein, weil der Arbeit-nehmer dann privaten Vorlieben nachgeht und nicht arbeitet. Hlt sich der Arbeitnehmer nicht daran, kann das Konsequenzen bis hin zu einer Abmahnung haben. Anders sieht es aus, wenn eine explizite Erlaubnis vorliegt. Also besser nach-fragen und nicht einfach lossurfen.

    Darf man bei Facebook ber den Arbeitgeber schreiben?Allgemeine bemerkungen ber einen schlechten Tag im bro sind kein Problem. wird jedoch der Ar-beitgeber im Internet beim Namen genannt und zum beispiel kritisiert oder beleidigt, wird eine Grenze berschritten. und das kann zu einer Kndigung fhren.

    Wenn ich krankgeschrieben bin darf ich dann trotzdem auf Face-book Eintrge verfassen?Der Arbeitnehmer ist nicht ge- halten bei einer Krankmeldung auf der Couch oder im bett liegen zu mssen. Er darf ber private sachen auch im Internet kommunizieren. Problematisch wird es, wenn man mit einer schweren Erkltung krank geschrieben ist und dann auf Facebook einen besuch im Freibad ankndigt. Das sollte man bleiben lassen. schlielich ist man ver-pflichtet, alles fr seine Genesung zu tun.

    Fragen an Dr. Jan Wriedt

    Der Fachanwalt fr Arbeitsrecht in der Kanzlei Domscheit & Partner zu Grenzen zwischen Privatleben und Arbeitswelt.

    3

    Von 310 Mitarbeitern sind inzwischen 40 bei Facebook mit uns als betriebsrat befreundet. so erreichen wir Leute, die im schichtbetrieb arbeiten, besser.

    Sven zimmermannbetriebsrat bei einer Kartonfabrik

    Die Vorteile berwiegen deutlich

    12_15_titel_07_08.indd 15 21.06.2011 12:24:46

  • 16| kompakt | Juli/August 2011

    > Themen energiewende>

    Strom auf neuen WegenFr manche ist es ein gesellschaftliches Pionierprojekt, fr andere eine beispiellose Kehrtwende: Am 6. Juni beschloss die Bundesregierung als Konsequenz aus der Fukushima-Katastrophe den Ausstieg aus der Kernenergie und den einstieg in die energiewende.

    Auf dem Kabinettstisch von Bun-deskanzlerin Angela Merkel liegt ein dickes Paket mit Gesetzes-nderungen, das am 8. Juli die letzte Hrde im Bundesrat nehmen soll. Das erklrte Ziel dieses Papiers: Bis zum Jahr 2022 sollen schrittweise alle deut-schen Kernkraftwerke vom Netz genom-men und der kostromanteil im Land bis 2020 auf mindestens 35 Prozent verdoppelt werden. Die Regierungschefin lsst keinen

    Zweifel daran, dass sie trotz mancher

    Kritik von der eigenen Basis diese Riesenaufgabe mit mglichst breiter Zu-stimmung ber die Parteigrenzen hin-weg ber die Bhne bringen will. SPD und Grnen-Vorstand haben mittler-weile prinzipielle Zustimmung signa- lisiert, wollen aber nderungen in De-tails. Offen ist, was ein Parteitag der Grnen Ende Juni beschliet.Die IG BCE untersttzt das Ziel, inner-

    halb von einem Jahrzehnt aus der Kern-energie auszusteigen. Michael Vassi- liadis, Gewerkschaftsvorsitzender und

    Mitglied der Ethikkommission Sichere Energieversorgung, ist berzeugt von der Richtigkeit des Vorhabens: Das ist wnschenswert und notwendig vor allem aber auch machbar. Allerdings sei die Energiewende ein Prozess, der wirt-schaftlich vernnftig und sozial gerecht gestaltet werden msse.

    Allein per Gesetz ein so weitrei-chendes Ziel festzulegen, reicht aber nicht aus. Die Ethikkommission hatte in ihrem Bericht einen Monitoring-Pro-

    Foto: C

    hoi+Shine

    Architects

    Ginge es nach den Architekten Jin Choi und thomas shine, knnten strommasten spannender aussehen.

    16_17_so_machen_wir_das_07_08.indd 16 21.06.2011 16:22:26

  • zess sowie einen parlamentarischen Be-auftragten fr die Energiewende vorge-schlagen. Auf diese Weise soll regelmig berprft werden, ob die von der Politik gesetzten Ziele auch erreicht werden und um gegebenenfalls steuernd einzugrei-fen. Auerdem bleibt manches unklar.

    Zwar werden die Offshorewindparks vor der Kste knftig deutlich strker gefr-dert als die Windrder an Land, doch wie schnell die notwendigen Stromtras-sen fertig sind, die den regenerativen Strom nach Sddeutschland bringen sollen, steht noch nicht fest. Hier wollen sich Land und Bund noch ber Zustn-digkeiten und Beschleunigungsverfah-ren einigen. Auch die Kosten der Energiewende be-

    reiten weiterhin Kopfzerbrechen. Mieter sorgen sich, dass nach einer energe- tischen Sanierung ihre Miete sprbar steigen knnte. Das ist mit ein Grund, warum die IG BCE die Frderung der ko-Sanierung von 1,5 Milliarden Euro jhrlich fr zu niedrig hlt und stattdes-sen eine Aufstockung auf 5 Milliarden fordert.

    Fr einen privAten HAusHAlt liegen nach ersten Schtzungen die Mehrkosten fr den ko-Strom zwi-schen 25 und 40 Euro im Jahr. Doch fr die energieintensiven Industrien werden aus Cents schnell Milliardenbe-trge. Das Institut der deutschen Wirt-schaft (IW) rechnet mit Mehrkosten fr die Industrie in Hhe von 1,9 Milliar-den Euro im Jahr. Ein Cent klingt nicht viel. Aber viele Millionen kleine Cents knnen die Wirtschaftlichkeit ganzer Unternehmen gefhrden, befrchtet das IW.

    AuCH Fr die iG BCe ist klAr: Die Industrie braucht eine sichere Rund-um-die-Uhr-Versorgung mit Strom zu wett-bewerbsfhigen Preisen. Daher lautet der Vorschlag der Gewerkschaft: Fr die energieintensive Wirtschaft sollte eine Sparte Industriestrom eingefhrt wer-

    Strom auf neuen Wegen

    17kompakt | Juli/August 2011 |

    Auf diese Fragen mssen noch Antworten gefunden werden:

    Monitoring-Beauftragter des BundestagsWer berprft den Stand der Energiewende und welche Mittel bekommt er, um sie voranzutreiben?

    Klage der Stromversorger Die Energiekonzerne klagen gegen das Abschalten der Kernkraftwerke und die Brennelementesteuer. Ist die Energie-wende verfassungskonform?

    Netzausbau Wie kommt der Trassenausbau zwischen Kste und Sddeutschland voran?

    Speichermglichkeiten Die Superbatterie, die groe Mengen regenerativen Strom zwischenspeichern kann, ist noch nicht erfunden. Wird die Forschung intensiv gefrdert?

    Energieintensive Industrien Chemie-, Glas-, Kunststoff- und Aluminiumindustrie brauchen rund um die Uhr Strom zu international wettbewerbsfhigen Preisen.

    Atomare Endlager Wo bleibt unser Atommll? In Gorleben oder anderswo? Bisher ist keine Entscheidung in Sicht.

    den. Und um ungerechte Belastungen gerade der unteren und mittleren Ein-kommen durch steigende Energiekosten zu vermeiden, hlt die IG BCE eine Fi-nanzierung der Energiewende durch Ab-gaben und Steuern fr erforderlich.Zudem soll die Energiewende nicht

    zulasten der Beschftigten der Energie-wirtschaft gehen. Vassiliadis: Ob Kraft- werke, ob Solarindustrie oder Windkraft, die Beschftigten haben berall An-spruch auf eine ordentliche Bezahlung und gute Arbeitsbedingungen.

    RudolfHeim

    diese Gesetzemssen noCHGendert Werden

    Atomgesetz erneuerbare-energien-Gesetz netzausbaubeschleunigungsgesetz kraft-Wrme-koppelungsgesetz energie- und klimafondsgesetz Baugesetzbuch energieeinsparverordnung

    ?

    16_17_so_machen_wir_das_07_08.indd 17 21.06.2011 16:22:26

  • 18| kompakt | Juli/August 2011

    > INTERVIEW>

    Wir drfen nicht resignieren.

    EnErgiEkonzErnE werden immer heftiger kritisiert fr die Mitarbeiter ist das keine einfache Situation. kompakt sprach darber mit einem Vattenfall-Betriebsrat.

    Die Bundesregierung hat den Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen. Ist das fr Vattenfall eine gute oder eine schlechte Entscheidung?Fr Vattenfall ist das eigentlich eine schlechte Entscheidung. Das bedeu- tet nmlich, dass die Kernkraftwerke Brunsbttel und Krmmel dauerhaft vom Netz gehen. Die Kolleginnen und Kollegen an diesen Standorten sind ver-unsichert und sehr enttuscht, zumal es erst Hoffnung auf eine zeitweilige weitere Nutzung der klimaneutralen Kernkraft gab und dann kurze Zeit spter die gegenteilige Entscheidung fr einen baldigen Ausstieg. Der Ausstieg bringt auch gravierende betriebswirt-schaftliche Nachteile.

    Welche Rolle spielt knftig die Braunkohle in der Energie- versorgung und im Konzern?Wir hoffen, dass die Braunkohle eine zunehmend wichtigere Rolle spielen wird. Sie kann die Brcke verlsslicher Energie sein, die gebraucht wird, um grere Mengen fluktuierender regene-rativer Energie einspeisen zu knnen. Wir sind uns aber auch bewusst, dass groe Teile der Bundesregierung das anders sehen.

    Braunkohle ist ein preiswerter Energietrger, hat aber ein CO2-Problem. Wie geht Vattenfall damit um?Deswegen hat Vattenfall bereits frh-zeitig die CCS-Technologie entwickelt. Unsere Pilotanlage in Schwarze Pumpe in der Lausitz (kompakt berich-

    tete im Juni ber die Anlage) belegt, dass die Technologie funktioniert. Die Speicherung ist aber weiterhin ein Pro-blem, denn die derzeitige Gesetzeslage behindert die unterirdische Lagerung. Die jetzige Gesetzesvorlage mit der Mg-lichkeit, dass einzelne Bundeslnder aus der Speicherung aussteigen knnen, stellt eher ein Verhinderungsgesetz dar. Brandenburg steht nach wie vor zu CCS, wird sich aber allein wohl nicht dafr entscheiden.

    Die groen Energieversorger sind in der Kritik. Spren das auch die Beschftigten?Natrlich spren die Beschftigten in der Energiewirtschaft diese Kritik, das geht in manchen Fllen sogar bis ins Persn-liche. Ich bin aber der Meinung, dass wir nicht resignieren drfen, sondern fr un-sere Positionen auf allen Ebenen streiten sollten. Wir sind sehr zuversichtlich, dass Kohle auch weiterhin fr die Energiever-sorgung absolut notwendig sein wird, wenn Deutschland Industrie- und Inno-vationsstandort bleiben soll. Es geht letzt-lich auch um unseren Wohlstand und die Stabilitt unserer Demokratie.

    Zunehmend geraten auch die Gewinne der klassischen Energie-wirtschaft unter Druck. Wie reagiert Vattenfall darauf?Das kann man im Moment noch nicht endgltig sagen, denn wir sehen uns ge-rade mit dramatisch vernderten Rah-menbedingungen konfrontiert. Die Ent-wicklung knnte aber dazu fhren, dass die Region Lausitz langfristig Schaden nimmt, weil Investitionen nach Schwe-den, zu Offshoreprojekten oder in aus-lndische Kernkraft verlagert werden.

    Zum Schluss: Was bringt die Energiewende mehr Nachteile oder mehr Chancen? Kurzfristig wird es eher Nachteile geben. Langfristig ergeben sich eventuell Chan-cen, wenn die Energiewende politisch seris und sachlich angegangen wird. Es darf weder fr die Wirtschaft noch fr die Gesellschaft in Deutschland zu Mangelerscheinungen kommen. Auch so was muss die Politik voraussehen.

    Interview: Dirk Kirchberg

    Foto: M

    icha

    el CintulaWilfried Schreck (55) ist gelernter

    Maschinist sowie Diplomingenieur fr Energie- und Kraftwerks- technik. Heute ist er Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates der Vattenfall Europe Generation AG sowie Mitglied des ehrenamtlichen Hauptvorstandes der IG BCE.

    zur PErSon

    18_Einseiten-Interview_07_08.indd 18 22.06.2011 11:30:57

  • 19kompakt | Juli/August 2011 |

  • >20| kompakt | Juli/August 2011

    leserforum

    > Wir machen das!von Alexander Nortrup (6/2011, Seite 1215)

    Mehr Solidaritt

    @ Die Katastrophe in Ja-pan ist schlimm fr das Land und die Menschen. Al-lerdings wird meiner Meinung nach aus rein ideologischen Grnden eine ganze Indus-trie in Deutschland kurzfristig enteignet und zerschlagen. ber den Verlust von rund 30 000 Arbeitspltzen in der Kernenergiebranche spricht niemand. Auch nicht die Ge-werkschaften. Viele Kollegin-nen und Kollegen dort fhlen sich im Stich gelassen und als Buhmnner/-frauen der Na-tion. Mir als IG-BCE-Mitglied fehlt die Solidaritt der Ge-werkschaften fr die betrof-fenen Arbeitnehmer in der Kerntechnik. martin Krull, per e-mail

    > Jede ZweiteAktuelles (6/2011, Seite 9)

    Nicht nur Frauen

    @ Hat das Bundesfami-lienministerium auch serise Zahlen ber sexuelle bergriffe an Mnnern er-

    Das Mitgliedermagazin der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie

    kompakt

    vor ort Bayer BS will bis zu 700 Stellen auslagern die IG BCE protestiert

    tendenzen 60 Jahre Montan-Mitbestimmung ein starkes Stck Gewerkschaft

    tipps Der Sommer naht was bei Ferienjobs fr Jugendliche zu beachten ist

    Nr. 06 I JuNI 2011 www.igbce.de

    Wir machen das!Das neue Energie-Zeitalter ist schon in Arbeit. berall in unseren Branchen.

    01_titel_06.indd 1 20.05.2011 13:19:13

    Schreiben Sie uns! Wir freuen uns ber Lob, Kritik und Anregungen.

    Leserbriefe stellen die Meinung des Einsenders dar. Anonyme Zuschriften werden nicht bercksichtigt. Die Redaktion behlt sich Krzungen vor.

    IMPRESSUM

    Das mitgliedermagazin der Industriegewerkschaft

    Bergbau, Chemie, energie

    Herausgebermichael Vassiliadis

    ChefredakteurChristian Hlsmeier

    Stellvertretender Chefredakteurmichael Denecke

    Chef vom DienstAlexander Nortrup

    Redaktionsarah Heidel, marco Jelic, rudolf Heim,

    Dirk Kirchberg, Dr. ulrike Brger

    Fotoredaktionulrike Neufeld

    Redaktionsassistenzsimone michels, Tanja rssner

    GestaltungHans Borgaes

    RedaktionsanschriftKnigsworther Platz 6

    30167 HannoverTelefon: 0511 7631-329/-698

    Telefax: 0511 7000891e-mail: [email protected]: www.igbce.de

    Satz: BWH GmbHBeckstrae 10, 30457 Hannover

    Gesamtherstellung und -vertrieb:Westend Druckereibetriebe GmbHWestendstrae 1, 45143 essen

    AnzeigenverwaltungBWH GmbH Die Publishing CompanyPostfach 92 01 55, 30440 Hannover

    Telefon 0511 94670-0Telefax 0511 94670-38Gltige Anzeigenliste Nr. 10 vom 01. 01. 2011

    Verantwortlich fr den Anzeigenteil:

    Jrgen oberschilp

    Zusendungen: fr unverlangte einsendungen wird keine Gewhr bernommen.

    Bezugspreis0,90 , jhrlich 10,00 .

    fr mitglieder der IG BCe ist der Bezugspreis im mitgliedsbeitrag

    enthalten.

    Erscheinungsweise: kompakt erscheint monatlich mit acht regionalausgaben fr Bayern, Baden-Wrttemberg,

    Hessen-Thringen, Nord, Nordost, Nordrhein, rheinland-Pfalz/saarland,

    Westfalen.

    Redaktionsschluss dieser Ausgabe:22. 06. 2011

    Druckauflage: 674 236 (I/2011) Gedruckt auf chlorfreiem Papier

    kompakt

    mittelt? Die gibt es nmlich zuhauf. Nur spricht darber kaum ein Mann, das gilt wohl eher als uncool. Ganz zu schweigen, dass Mnner das gar anzeigen das gbe eine Lachnummer. Es ist momen-tan halt in Mode, Mnner in fast jeder Hinsicht ins schlechte Licht zu stellen. Hier gibt es scheinbar keine Tabus mehr. Die Frauenbewe-gung hat diesbezglich ganze Arbeit geleistet und kann wirklich stolz sein. Auf gleich-berechtigte Fairness kommt es dabei allerdings scheinbar nicht so an. Georg Paul, per e-mail

    > Hchstes Gutvon Sarah Heidel (6/2011, Seite 34/35)

    Demokratisch?

    @Was, die Wirtschaft wird demokratisch ge-fhrt? So knnte man den Artikel zum Geburtstag der Montan-Mitbestimmung ver-stehen.Das war vielleicht einmal.

    Wenn wir diese Errungen-schaft allerdings gehabt ha-ben sollten, haben wir sie uns lngst schmhlich abjagen lassen. Vieles von unseren Vtern Erstrittenes haben wir verloren!Es sieht also trotz Gewerk-

    schaften schlecht genug aus. Mag sein, dass es ohne sie noch schlechter stehen wr-de. Trotzdem: Seit 1946 bin ich in der Gewerkschaft und habe alle Entwicklungen wa-chen Auges verfolgt. Begeis-tert bin ich wahrlich nicht von allem!!!

    engelbert Weller, per e-mail

    > Zur Themenauswahl

    Rentner fehlenSie berichten ber hohe Lohnabschls-

    se und die ach so armen Familien. Von Rentnerinnen und Rentnern aber, die nur eine kleine Rente haben, sehr sparsam leben mssen und vom Staat keine Hilfe bekom-men, ist keine Rede. Eigentlich mssten wir Rentner zwei bis drei Prozent mehr bekom-men. Dass knapp 20 Millio-nen Rentner alles hier im Land mitfinanzieren kein Wort von Ihnen dazu. Sie setzen sich nicht genug fr diese Gruppe ein! Habe da mehr von Ihnen erhofft. edeltraud Herbertz, Hilden

    > Verstrahlte Wahrnehmungvon Dirk Kirchberg (6/2011, Seite 31)

    Ein Hohn

    @ Ihr Artikel in Ehren: Mag sein, dass mancher bei ausgestrahlt.de sachlich nicht korrekt argumentiert, doch ausgestrahlt.de hat in den letzten Monaten mehr Leute auf die Strae gebracht als alle DGB-Gewerkschaften in den vergangenen zehn Jahren.Ihre Art der Argumentation

    ist billige Polemik und ein Hohn angesichts jahrhunder-telanger Unbewohnbarkeit, kologischer und mensch- licher Folgeschden der Art von Energie, die nur ein paar Grokonzerne reich macht, eine Energiewende verhin-dern will und sich einen Dreck um die Interessen der Allgemeinheit schert.

    Thomas Brklin, per e-mail

    20_leserforum_07_08.indd 20 17.06.2011 10:40:43

  • VOR ORT

    Adieu AtomWie Kernkraftwerke zerlegt werden

    Kreativitt verhindert KahlschlagBetriebsrte und IG BCE sichern Arbeitspltze bei Felix Schoeller.

    Gekndigt was nun?Wie ein IG-BCE-Projekt Beschftigten half.

    Treffen an der SchmelzwanneInterkultureller Arbeitskreis trifft sich in der Aluhtte Trimet in Hamburg. 21kompakt | Juli/August 2011 |

    Foto: Jens Koehler

    21_23_vor_ort_Atomkraftwerke-Rueckbau_07_08.indd 21 17.06.2011 14:51:17

  • > vor ort EnErgiEwErKE nord

    Frher hat es hier immer gesummt, sagt Rdiger Harder und dreht sich um zur Wand voller Steuer-relais. Etwas Wehmut klingt mit, denn frher war vor der Wende. Da hat der Elek-trikermeister von hier aus die Reaktoren im Kernkraft-werk Greifswald synchroni-siert. Die Relaistechnik ist von russischer Bauart wie das ganze Atomkraftwerk. Heute ist es Teil der bundeseigenen

    Energiewerke Nord (EWN) und beinahe abgebaut. In der Relaisstation im Kontrollbe-reich liegt ein Ordner mit Zeichnungen und Plnen fr die Stilllegung der Anlagen. Meine Aufgabe ist es jetzt, die Demontagegrenzen zu setzen, erklrt Harder, das heit, wir schalten die Anla-gen elektrotechnisch frei, da-mit die Kollegen sie gefahrlos demontieren knnen. Zur-zeit werden Lftungsanlagen

    zerschnitten. Die Reaktoren sind schon im benachbarten Zwischenlager Nord, sie wur-den fernbedient abgebaut.Nebenan steht Rainer

    Scheel vor einem groen Bedienpult. Der Maschinist berwacht die Anlagen der Wasseraufbereitung, die noch in Betrieb sind. Dazu gehrt der Gullywassersumpf, der Abwsser und Schlamm aus dem Werk sammelt. Was bei der Demontage und Rei-

    nigung von Bauteilen ab-fliet, ist oft kontaminiert, erlutert der 55-Jhrige. Es wird zum Spezialgebude ge-pumpt und wiederaufberei-tet, manchmal in mehreren Verdampfungsvorgngen.

    RAdiOAKTiVe Abflle setzen sich dabei ab und werden ins Zwischenlager gebracht. Das gereinigte Wasser geht nach vielen Kontrollen in den Greifswalder Bodden. Auf

    der Kern der wendeATOmKRAFTWeRKe AbbAuen das ist eine Herkulesaufgabe, die gut organisiert sein sollte. die Spezialisten dafr sitzen in Lubmin bei greifswald und warten schon auf Auftrge.

    1

    22| kompakt | Juli/August 2011

    21_23_vor_ort_Atomkraftwerke-Rueckbau_07_08.indd 22 17.06.2011 14:51:22

  • Kernkraftwerke sollten nach Mglichkeit mit dem eigenen Personal abgebaut werden. damit sind wir am besten gefahren.

    Horst WeienbornBetriebsratsvorsitzender

    dem Bedienpult sind die ein-zelnen Anlagen angezeigt. Der Maschinist fhrt mit bei- den Armen quer ber die Anzeigen fr zwei Verdamp-fungsanlagen der Blcke 1 und 2: Alles stillgelegt.

    Rainer Scheel hat seinen Beruf noch im Kombinat Bruno Leuschner der DDR gelernt. Nach dem 1965 ver-storbenen DDR-konomen hie das Kraftwerk, das 1973 in Betrieb ging. Fnf von acht

    geplanten Blcken wurden bis 1989 gebaut. Doch nach der Wende galten die west- lichen Sicherheitsstandards. Eine Nachrstung lie sich nicht durchsetzen. Deshalb wurde der Rckbau beschlos-

    sen. Geschftsfhrer Jrgen Ramthun war damals Be-triebsrat. Mehr als 3000 von gut 5000 Beschftigten wur-den gekndigt, erinnert er sich. Heute arbeiten 831 Men-schen bei den EWN. Den

    Abbau der Anlagen haben sie selbst angepackt. Das war mglich, weil genug Kollegen aus der Instandhaltung geblie-ben sind. Andere Atomkraft-werke arbeiten oft nur mit dem Bedienpersonal.Der Betriebsratsvorsitzende

    Horst Weienborn hlt das fr ein Erfolgsrezept. Wir knnen es selbst machen, weil wir das Werk genau kennen, sagt der gelernte Elektromaschinenbauer, der heute auch dem Konzernbe-triebsrat vorsitzt. So wurden aus Schlossern, Maschinisten und Elektrikern in der Praxis des Abbaus Demonteure. Vor allem aber werden fr den Rckbau von Atomkraft-werken Ingenieure gebraucht. Bevor das erste Werkzeug an-gesetzt werden kann, verge-hen Jahre der Planung und Genehmigung. Auch darin sind die Greifswalder inzwi-schen Spezialisten. Sie haben selbst schon beim Abbau der Anlagen im Kernfor-schungszentrum Jlich und der Wiederaufarbeitungsan-lage Karlsruhe mitgedacht und Hand angelegt. Derzeit bereitet sich ein Team auf den Rckbau des Reaktors im Atomkraftwerk Obrig-heim am Neckar vor. Mit der Zerlegung von Reaktoren und ihren Einbauten per Fernbe-dienung kennen sie sich aus.

    AuF neue AuFTRGe aus dem Atomausstiegsbeschluss der Bundesregierung hofft Pressesprecherin Marlies Phi-lipp. Der Betriebsratsvorsit-zende ist zurckhaltender. Wir entsorgen die radioak-tiven Abflle des Bundes, erklrt er. Im Februar wur- den fnf Castor-Behlter aus Karlsruhe in das Zwischen-lager Nord gebracht. Weien-born setzt lieber auf die Zukunft der EWN vor Ort:

    Die meisten Arbeitspltze ent- stehen auf den gerumten Arbeitsflchen hier. Dort werden bereits Fundamente fr Windkraftanlagen gebaut und Leitungsstrnge fr die Nord Stream Pipeline verlegt, deren Gas noch in diesem Jahr hier anlanden soll. Das gibt auch wieder Arbeit fr Elektriker, freut sich Rdiger Harder, der die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat vertritt. Die EWN bilden zurzeit 30 Bro-kauffrauen und Industrie-mechaniker aus, nchstes Jahr auch Energieelektroni-ker. Whrend sich ein Viertel der Belegschaft auf die Alters-teilzeit einstellt, krempeln die Jngeren fr den Ausstieg die rmel hoch. Sigrid Thomsen

    1 | demOnTAGeSchlosser zerschneiden die Lftungsanlagen mit dem Trennschleifer.

    2 | VeRdAmpFTRainer Scheel berwacht die Aufbereitung von Wasser.

    3 | Kein ZuTRiTTim Reaktorsaal der abge-schalteten blcke 1 und 2 ist ein kontaminierter bereich gesperrt.

    3

    2

    die energiewerke nord (eWn) wurden 1990 gegrndet, um die Kernkraftwerke in Greifswald und Rheins- berg bei berlin abzubauen. Alleiniger Gesellschafter ist das bundesministerium fr Finanzen. Seit 2003 gehren die Arbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor in Jlich und die Wiederaufbereitungs- anlage Karlsruhe Rckbau- und entsorgungs-GmbH als Tochtergesellschaften dazu. die eWn-belegschaft stammt berwiegend aus den ehe- maligen Atomkraftwerken Greifswald und Rheinsberg. Gleich nach der Wende lsten sich die Kollegen aus dem ostdeutschen Gewerkschafts-bund und grndeten eine Gewerkschaft fr bergbau, energie und Wasserwirt-schaft. Sie wurde 1991 mit der damaligen iG bergbau und energie zusammengelegt.

    www.ewn-gmbh.de

    1 Fotos (4): Jen

    s Kh

    ler/bildermee

    r.com

    23kompakt | Juli/August 2011 |

    dAS untErnEHMEn

    21_23_vor_ort_Atomkraftwerke-Rueckbau_07_08.indd 23 17.06.2011 14:51:24

  • | kompakt | Juli/August 201124

    > vor ort Aktuelles

    Ganz nah dran: Der Interkulturelle Arbeitskreis informierte sich ber die Aluminiumproduktion.

    Aus ganz Deutschland ka-men die Teilnehmer des Interkulturellen Arbeitskreises der IG BCE zu ihrer Sitzung nach Hamburg. Viermal im Jahr treffen sich die Betriebs-rte und Vertrauensleute aus den verschiedensten Bran-chen innerhalb der Gewerk-schaft, um sich auszutau-schen. Neben integrationspoli-

    tischen Themen wurden dies-mal vor allem der Atomaus-stieg und die Energiewende der Bundesregierung disku-tiert. Auf dem Programm stand deshalb auch ein Be-such der Aluminiumhtte Trimet. Das Unternehmen ist wegen der energieintensiven Produktion direkt von den Auswirkungen betroffen.

    Informationen an der SchmelzwanneHAmburG | Der Interkulturelle Arbeitskreis traf sich im Norden und besuchte einen Produktionsbetrieb

    Bei der Fhrung durch den Betrieb unterstrich Ralf Rade-macher, stellvertretender IG-BCE-Bezirksleiter Hamburg, die Bedeutung einer wett- bewerbsfhigen Grundstoff-industrie. Die Energiewende muss vorbildlich gestaltet

    unternehmen mit einem ausgeprgt kooperativen Fhrungsstil sind eindeutig produktiver und erfolgreicher als Unternehmen mit einer Hire-and-Fire-Mentalitt. Das ist ein Ergebnis einer Studie von Professor Birger P. Prid-dat.In den Wirtschaftswissen-

    schaften und in der Organisa-tionsforschung, so CSSA-Ex-perte Priddat, breite sich die Erkenntnis aus, dass Koope-ration ein elementarer sozia-ler Grundtatbestand sei. Prid-dat: Fairness und Koopera-tion stehen immer hufiger gleichberechtigt neben dem Interesse, den wirtschaft- lichen Nutzen zu maximie-ren.

    mehr Erfolg durch KooperationHAnnovEr | studie zur sozialpartnerschaft vorgestellt

    Die Studie wurde Mitte Juni der ffentlichkeit vorgestellt. Der IG-BCE-Vorsitzende Mi-chael Vassiliadis wrdigte die Untersuchung als einen ein-drucksvollen Beleg fr den erfolgreichen sozialpartner-schaftlichen Weg in der che-mischen Industrie. Die So-zialpartnerschaft hat gerade erst einen echten Hrtetest berzeugend bestanden. Wir haben die schwerste Wirt-schaftskrise in der Nach-kriegszeit schnell und gut ge-meistert und schon frh die Weichen fr einen neuen Aufschwung gestellt. Sozial-partnerschaft trgt in der Krise wie in guten Zeiten.Nach Auffassung von Wolf-

    gang Goos, neuer Haupt-

    Foto: J

    oachim

    Wirtz

    ein zweiseitiges kurz-expos der studie im Internet: www.cssa-wiesbaden.de

    geschftsfhrer des Chemie- Arbeitgeberverbandes, unter-streicht die Studie die Bedeu-tung eines kooperativen Mit-einanders. Es geht darum, die Schnittmengen zu erken-nen statt Gegenstze zu ber-zeichnen.Professor Gerhard Wege-

    ner, Direktor des Sozialwis-senschaftlichen Instituts der EKD, sagte, dass sich die evangelische Kirche schon frh fr die Mitbestimmung und eine wirkliche Partner-schaft zwischen allen Betei-ligten in den Unternehmen starkgemacht habe. Gerecht ist Gesellschaft

    dann, wenn sie niemanden ausgrenzt und mglichst vie-len Menschen Anteil an den

    gesellschaftlichen Mglich-keiten verschafft. In diesem Sinne sei nur eine mensch-liche Firma eine wirklich pro-duktive Firma, so Gerhard Wegener weiter.Die Studie Leistungsfhig-

    keit der Sozialpartnerschaft in der sozialen Marktwirt-schaft hat Professor Priddat im Auftrag der Chemie-Stif-tung Sozialpartner Akademie (CSSA) erstellt. Die Studie umfasst 364 Seiten und ist im Metropolis-Verlag, Mar-burg, erschienen. md(Siehe dazu auch das Kurz-Interview auf Seite 9.)

    werden wir drfen unsere Industrie nicht berfordern. Deswegen sei ein Ausgleich unabdingbar, betonte Ralf Rademacher. Der Interkulturelle Arbeits-

    kreis habe einen guten Ein-blick in die Ablufe des Betrie-

    bes und in die Gesamtsitua-tion dieses Industriezweiges erhalten, unterstrich abschlie-end Giovanni Pollice, Leiter des Arbeitskreises und der Ab-teilung Migration/Integration der IG BCE. MarcoJelic

    24_25_vor_ort_aktuell_07_08.indd 24 21.06.2011 12:06:45

  • kompakt | Juli/August 2011 | 25

    Kreativitt verhindert KahlschlagoSnAbrcK/nEuStADt | Betriebsrte und IG BCe sichern Arbeitspltze bei Felix schoeller

    Die Ankndigung im Oktober 2010 war ein Schock: Weit mehr als 300 Arbeitspltze sollten bei Schoeller Papier wegfallen, eine Papiermaschine in Neu-stadt im Schwarzwald still- gelegt werden. Neun Monate spter ziehen Betriebsrte und IG BCE eine positive Bilanz. Mit viel Kreativitt wurde der Kahlschlag verhindert.Das Familienunternehmen

    steckte im vergangenen Jahr tief in den roten Zahlen. Der Wandel im Bereich der Foto-papiere durch den Vormarsch digitaler Speichermedien, hohe Rohstoffpreise und die Auswirkungen der Finanz- krise brachten Schoeller in Bedrngnis. Nicht zum ersten Mal. Seit dem Technologie-wandel hin zur Digitaltechnik kam der Spezialpapierherstel-

    ler trotz krftiger Investitio-nen in neue Technik immer wieder in die Klemme. Immer wurden den Beschftigten auch Opfer abverlangt. Den Schoeller-Betriebsrten

    war klar: Die neuerliche Krise wrde nicht ohne Blessuren abgehen. Doch schon ein ers-tes Treffen mit der Geschfts-fhrung machte die Marsch-richtung deutlich.

    AllE bEtrIEbSrtE saen in Polo-Shirts mit dem Auf-druck Sozial! Fair! Gerecht! in der Runde. Gesamtbe-triebsratsvorsitzender Matthi-as Grig: Wir wollten auf jeden Fall sozial vertrgliche Lsungen erreichen. Die Ak-tion machte Eindruck, Schoel-ler war gesprchsbereit.Die Hauptlast des Arbeits-

    platzabbaus von rund 300 Stel-

    len lag bei den Standorten Os-nabrck und Neustadt. In Os-nabrck sollte zustzlich die Logistik ausgelagert werden. Betriebsratsvorsitzender Gerd Eisermann: Das htte zustz-lich zu den 140 geplanten weitere 60 Arbeitspltze ge-kostet. In Neustadt standen durch die geplante Stilllegung der Papiermaschine 84 Ar-beitspltze auf dem Spiel. Fr Betriebsratsvorsitzende Mari-anne Kohls war der ganze Standort gefhrdet: Mit nur einer Papiermaschine htten wir keine Zukunft gehabt.In zhen Verhandlungen

    kam eine Lsung zustande. Christian Jungvogel, Leiter der Abteilung Tarifpolitik der IG BCE und Unternehmens-betreuer fr Schoeller: Ende Januar haben wir eine Ge-samtbetriebsvereinbarung zur Beschftigungssicherung ab-geschlossen. Damit sind alle Outsourcing-Manahmen langfristig vom Tisch. Auer-dem wurden die Altersteilzeit-regelungen erweitert.

    bIttErE PIllE fr die Be-schftigten: Befristet auf 14 Mo-nate verzichten sie auf Tarif-erhhungen. Doch dies ist gestundet. Verbessert sich die Ertragssituation, muss nach-gezahlt werden. In Neustadt

    ist den Betriebsrten ein be-sonderer Glcksgriff gelun-gen. Es fand sich ein Kufer fr die Papiermaschine 17. Ende Juni sollen die Vertrge

    unterschrieben werden. Vom 1. Juli an produzieren nun 37 Beschftigte fr die Schwarz-wald Papierwerke. Kohls: Das ist zukunftsfhig.

    Die meisten der von Kndi-gungen betroffenen Kollegin-nen und Kollegen wechselten in Transfergesellschaften. In Osnabrck 35, davon haben zwlf bereits eine neue Be-schftigung, in Neustadt wa-ren es sieben Mitarbeiter, da-von sind drei vermittelt. Der beharrliche Einsatz der Be-triebsrte habe sich gelohnt, so Matthias Grig: Die ak-tuellen Daten sind positiv, das strkt unser Vertrauen in die Zukunft. HeinrichKronlage

    mit dem leitmotiv Sozial! Fair! Gerecht! gingen die Schoeller-betriebsrte in die verhandlungen.

    Wir haben vertrauen in die Zukunft.

    matthias Grig

    uns sind gute lsungen gelungen.

    marianne Kohls

    Zukunft gesichert: 37 beschftigte produzieren in neustadt nun an der Papiermaschine 17 fr ein neues unternehmen.

    24_25_vor_ort_aktuell_07_08.indd 25 21.06.2011 12:06:47

  • | kompakt | Juli/August 201126

    > vor ort Aktuelles

    Die IG BCE macht Druck: Die Chemie-Beschftigten fordern Ein Land ein Tarif!.

    Die chemische Industrie zwischen Ostsee und Erz-gebirge ist hoch produktiv und leistungsfhig. kono-misch ist das Ost-West-Geflle nicht zu begrnden, es ver-stt zudem gegen die Geset-ze der Fairness und ist schlicht ungerecht. Doch die Chemie-Arbeitgeber mauern, verhalten sich stur und unbeweglich.Die zweite Verhandlungs-

    runde fr die 36 000 Beschf-tigten Ende Mai brachte keine Annherung. Es ist mehr als fraglich, ob am 24. Juni der Durchbruch geschafft werden kann, die Positionen liegen meilenweit auseinander. Die IG BCE erwartet allerdings, dass die Arbeitgeber in Berlin endlich ein Angebot auf den Verhandlungstisch legen. Konkret geht es um drei

    Punkte. Die Wochenarbeits-zeit in der chemischen Indus-

    Arbeitgeber stur und unbeweglichBErLIn | Die tarifeinheit ist berfllig, die ost-West-lcke muss geschlossen werden

    trie betrgt im Westen 37,5 Stun-den, im Osten wird dagegen immer noch 40 Stunden ge-arbeitet. Bei der Jahresleistung bestehen erhebliche Unter-schiede. Im Westen werden 95 Prozent, im Osten 65 Pro-zent eines Monatsentgelts be-zahlt. Und geht es um die Ent-geltstruktur in den Gruppen E 5 bis 8, klafft hier eine Lcke von bis zu acht Prozent.Der Betonkurs der Arbeitge-

    ber beeintrchtigt die Perspek-tiven der ostdeutschen Che-mie. Schon heute fehlen den Betrieben junge, gut ausgebil-dete Facharbeiterinnen und Facharbeiter. Die Arbeitsplt-ze mssen attraktiver werden.Einkommen und Arbeits-

    zeit, so IG-BCE-Verhand-lungsfhrer Peter Hausmann, mssen stimmen. Wenn im Osten schlechtere Bedingun-gen herrschen als im Westen,

    dann beeinflusst das natr-lich die Entscheidungen jun-ger Menschen.Nicht zuletzt geht es aus ge-

    werkschaftlicher Sicht darum, auch diejenigen in Arbeit zu bringen und zu qualifizieren, die bisher keine Chance hat-ten. Petra Reinbold-Knape, IG-BCE-Landesbezirksleiterin Nordost: Wir wollen, dass nicht immer weniger Beschf-tigte mehr arbeiten mssen, sondern dass mehr Menschen arbeiten knnen.Es ist klar, dass die Forde-

    rungen nicht in einem Ruck zu verwirklichen sind. Eben-so klar ist allerdings, so Peter Hausmann, dass es mit ne-bulsen Absichtserklrungen nicht getan ist: Wir wollen konkrete Angleichungsschrit-te und einen klaren Weg. Ohne Verbindlichkeit geht nichts. MichaelDenecke

    Foto: s

    usan

    ne kettelfr

    Tarifmeldungen

    Ausfhrliche Informationen unter: http://u.nu/2vw7a

    E.on | In der dritten Ver-handlungsrunde wurde im Bereich der Tarifgemein-schaft Energie ein Ergebnis erzielt. Ab 1. Juni werden die Vergtungen um 3,2 Pro- zent bei einer Laufzeit von zwlf Monaten erhht. Eine weitere Erhhung um 1,7 Pro- zent wird am 1. Juni 2012 bei einer Laufzeit von sieben Monaten wirksam.

    TArIfGruPPE GwE | Auch die zweite Verhandlungsrun-de der Tarifgruppe GwE am 20. Juni in Hannover blieb ohne Ergebnis. Die Arbeit-geber legten ein nicht akzep- tables Angebot von 2,6 Pro-zent Erhhung der Verg-tungen bei zwlf Monaten Laufzeit vor. Die Verhand-lungen wurden nach redak- tionsschluss am 22. Juni in Essen fortgesetzt.

    KAuTsCHuK | Die Bun-destarifkommission fordert fr die rund 25 000 Be-schftigten der deutschen Kautschukindustrie eine Erhhung der Entgelte und Ausbildungsvergtungen um 7 Prozent bei einer Laufzeit von zwlf Monaten. Auer-dem soll es eine verbindliche Angleichung der ost-Tarif-vertrge an das westniveau geben.

    Gewerkschaft in der region sichtbar machenBAD MnDEr | In bislang 64 Regionalforen der IG BCE sind 414 Ortsgruppen, 217 Ver-trauenskrper und 510 Be-triebsratsgremien zusammen-gefasst. Sie bilden die regiona-le Basis fr 284 000 Mitglie-

    der. Diese Zahlen nannte der stellvertretende IG-BCE-Vor-sitzende Ulrich Freese anlss-lich einer Tagung im Wihelm-Gefeller-Bildungszentrum. Er charakterisierte die Regional-foren als Sprachrohr und Seis-

    mograf vor Ort: Sie verknp-fen gewerkschaftliche Hand-lungsfelder in Betrieb und Wohnumfeld miteinander.

    VBGu | fr die Arbeitneh-mer im Verband Bergbau, Geologie und umwelt einig-ten sich die Tarifparteien auf eine Erhhung der Ver-gtungen um 2,5 Prozent ab 1. Juni bei einer Laufzeit von zwlf Monaten.

    Weitere Infos im Internet: www.igbce.de

    26_27_vor_ort_aktuell_07_08.indd26 21.06.201114:45:03

  • kompakt | Juli/August 2011 | 27

    niemals den Kopfhngen lassenBErGIsCH-GLADBACH | IG-BCe-Projekt half Beschftigten

    Gekndigt was nun? Ge-kndigt was tun! mit diesem Motto startete im Frhjahr 2009 ein Zielgrup-penprojekt bei M-real Zanders in Bergisch-Gladbach. Der Anlass: Im Werk gab es zur Standortsicherung Personal-abbau. 116 Arbeitnehmern wurde betriebsbedingt gekn-digt, einige davon arbeiteten seit Jahrzehnten im Betrieb. M-real ist ein zu 90 Prozent

    gewerkschaftlich organisierter Papierbetrieb mit starkem Be-triebsrat und engagierten Ver-trauensleuten. Ihnen war klar: Gemeinsam mit der IG BCE lassen sie die Mitglieder in dieser Lage nicht allein. Fr uns war wichtig, unseren Kol-leginnen und Kollegen unb-rokratisch, schnell und mg-lichst individuell zu helfen, sagt Helge Herrwegen vom IG-BCE-Bezirk Kln-Bonn und zieht rckblickend eine positive Bilanz.

    Johannes Schller, einer der 116 Betroffenen, berichtet: Das Wichtigste in der Zeit war fr mich, dass ich mich nicht allein und im Stich ge-lassen gefhlt habe. Mir wur-de immer geholfen. Der Be-triebsrat hat das gut organi-siert. Die haben anfangs zwar auch viel Zorn abbekommen, aber sie haben sich nicht ge-drckt und jedes Gesprch gefhrt. Schller, 27 Jahre alt, hatte mit 20 bei M-real sei-ne Ausbildung zum Papier-Technologen begonnen, mit 25 Jahren war er bereits Ma-schinenfhrer. Klar war ich geschockt und frustriert, als ich mit den anderen Kollegen Mitte April 2009 meine Kn-digung in der Hand hielt. Aber am 1. Mai war ich mit 92 anderen auch schon in un-serer Transfergesellschaft. Johannes Schller hat in-

    zwischen einen neuen Ar-beitsplatz bei einem anderen

    groen Papierhersteller in D-ren gefunden. Wesentlich dazu beigetragen davon ist er berzeugt hat die Transfer-gesellschaft, das Herzstck des Zielgruppenprojekts. Schller: Mir war sofort klar: Das will und werde ich fr mich nut-zen. Wichtig fr ihn und sei-ne 93 anderen Kollegen: Sie waren in dieser Zeit nicht ar-beitslos, sondern als Arbeit su-chend gemeldet und bekamen etwa 80 Prozent ihres bishe- rigen Grundlohns.Von den 93 Kollegen, die

    am 1. Mai 2009 zu uns ka-men, waren 17 ber 55 Jahre alt und 22 ohne Berufsaus-bildung. Mit allen haben wir 118 Einzel-Qualifizierungen gemacht etwa zum Schwei-er oder Berufskraftfahrer.

    36 der 94 Kollegen haben wir ein Praktikum vermittelt, 18 davon wurden bernommen. Bisher haben wir eine insge-samt sehr gute Vermittlungs-quote von etwa 70 Prozent, die so wieder eine neue Arbeit gefunden haben. So lautet das Fazit von Sylvia Albrecht, Projektleiterin der Transfer-gesellschaft m.o.v.e, die von der Bonner Wirtschaftsakade-mie getragen wurde. Johannes Schller: Mein

    Ziel ist jetzt, bei meinem neuen Arbeitgeber auch mg-lichst bald Maschinenfhrer zu werden. Die Zeit in der Transfergesellschaft hat mir eins gezeigt: Niemals den Kopf hngen lassen, offen auf die Situation zugehen und Mut haben! AxelSchappei

    Foto: W

    erne

    r staffen

    HAnnoVEr/GLInDE | Seit Ende Juni 2010 hat Honeywell in seinem Werk in Metropolis im US-Bundesstaat Illinois alle 228 bei den United Steelworkers organisierten Gewerkschaftsmitglieder und damit smtliche gewerblichen Be-schftigten ausgesperrt. Der Grund: Die Mitarbeiter, die dort Uranhexafluorid fr Brennelemente herstellen, hatten weit-reichende Verschlechterungen auf Kos-ten der Belegschaft abgelehnt. Honey-well will Arbeit fremdvergeben und fr die Krankenversicherung und Altersvor-sorge weniger Geld zuschieen. Die nicht ungefhrliche Arbeit wird seither von Streikbrechern erledigt.

    Auf Einladung der Abteilung Interna-tionales der IG BCE kamen jetzt John Paul Smith (29) und Stephen Lech (31), zwei ausgesperrte Honeywell-Trustees (Vertrauensleute), nach Deutschland, besuchten Gewerkschaftskollegen von Honeywell in Glinde bei Hamburg, in-formierten auf einer Veranstaltung ber die aktuelle Lage und reisten anschlie-end nach Brssel. Hier zeigte nicht nur der Euro-Betriebsrat von Honeywell Soli-daritt. In einem gemeinsamen Schrei-ben forderten die europischen Gewerk-schaftsverbnde EMCEF, EMF, IPMG und EPSU, die Aussperrung unverzg-lich zu beenden. WernerStaffen

    Gemeinsamer Protest: stephen Lech, John Paul smith und Honeywell-Konzernbetriebs-ratsvorsitzender Michael Petersen (von links).

    Amerikanische Honeywell-Arbeiter auf solidarittstour

    Foto: J

    rge

    n seide

    l

    Johannes schller hat die Zeit in der Transfergesellschaft erfolgreich fr sich genutzt: Er hat einen neuen Arbeitsplatz gefunden.

    26_27_vor_ort_aktuell_07_08.indd27 21.06.201114:45:05

  • > vor ort Baden-WrttemBerg

    28| kompakt | Juli/August 2011

    Wechsel im Betriebsratsvorsitzladenburg | Seit 1984 im Betriebs-rat des Ladenburger Chemieunter-nehmens Jungbunzlauer GmbH und 1998 zur Vorsitzenden gewhlt: Ursel Seeliger (Foto) kann auf eine erfolg-reiche Gewerkschafts- und Betriebs-ratsarbeit zurckblicken. Jetzt wurde sie in den wohlverdienten Unruhe-stand verabschiedet. Ihre Nachfolge-rin Sigrid Brademann wird mit dem Betriebsratsteam die Arbeit fortsetzen. Die IG BCE Mann-heim wnscht beiden Kolleginnen alles Gute.

    Zum abschied Symbolhaftes oberkirch | Dieter Ruh kennt die Au-gust Koehler AG wie seine Westentasche. Er war Labo-rant, Papier-machermeis-ter, Betriebsrat, Werkfhrer, Konzernbe-triebsratsvorsit-zender und Aufsichtsratsmitglied. Weil er unlngst seinen Abschied genommen hat, berraschten ihn die Betriebsrats-kollegen in einer Sitzung mit einem vieldeutigen Kunstwerk, das Betriebsrat Armin Haas gefertigt hat.

    Sommerwerbewochen startenstuttgart | Auch in diesem Jahr gibt es im Landesbezirk eine Sommerwerbeaktion fr engagierte Werberinnen und Werber. Sie um-fasst den Zeitraum vom 1. Juli bis 30. September 2011. Jede Werberin und jeder Werber erhlt pro Neu-aufnahme einen ARAL-Tankgut-schein im Wert von 20 Euro. Der Landesbezirk hofft auf starke Un-tersttzung und groes Engage-ment vor Ort und in den Betrieben. Weitere Informationen gibt es in den Bezirken oder im Landes- bezirk.

    Protest gegen abbaugrenzach-wyhlen | dSm-Belegschaft gegen Stellenabbau

    Mit dem Abbau von 140 Arbeitspltzen, begleitet von einem Sparprogramm, will DSM Nutritional Pro-ducts die Wettbe-werbsfhigkeit des Standortes Grenzach-Wyhlen sichern. Be-reits bei der ber-nahme durch die DSM muss-ten die Beschftigten rund 300 Stellenstreichungen hin-nehmen. Die Beschftigten befrchten wieder einmal, die Leidtragenden einer ver-fehlten Unternehmenspolitik zu werden, sagt Betriebsrats-vorsitzender Klaus Kener. Wir haben in den zurcklie-genden Jahren immer wieder auf zukunftsichernde Inves-

    titionen gedrngt. Jetzt sollen wir diese durch Arbeitsplatz-verlust und finanzielle Einbu-en mitfinanzieren.Bezirksleiter Wilfried Pens-

    horn: In den Interessenaus-gleich- und Sozialplanver-handlungen werden wir dar-auf dringen, betriebsbedingte Kndigungen auszuschlieen und sozialvertrgliche Lsun-gen zu vereinbaren.

    kmpfen um zuschlagbaden-baden | eaton will Leistungsprmie kippen

    Bisher erhielten die Mitarbeiter in der Produktion des inter-national ttigen Auto-mobilzulieferers durchschnittlich pro Stunde 1,50 Euro als Leistungsprmie. Doch das Unterneh-men hat im vergange-nen Jahr die Betriebsverein-barung hierzu gekndigt. Mehrere Versuche, einen

    Kompromiss zu finden, schei-terten. Darauf rief das Unter-nehmen die Einigungsstelle an. Alle Arbeitspltze sind getaktet, es gibt Vorgaben fr die Stckzahl, erklrt der stellvertretende Betriebsrats-vorsitzende Hans Hobl. Die Zahlung der Prmie ist unter diesen Bedingungen richtig.

    Ohne das Ergebnis der Ei-nigungsstelle abzuwarten, hat das Unternehmen im Mai ein-seitig die Prmie um 44,00 Eu-ro monatlich gekrzt und die Tariferhhung um 4,1 Pro-zent mit diesem Schritt gleich verrechnet. Der Betriebsrats-vorsitzende Uwe Riedinger ist verrgert: Damit hat sich der gute Chemietarifabschluss fr uns umgehend wieder relativiert.

    naMen & nachr i ch t en

    www.unternehmendesmonats.de

    abschied von den betriebsratskollegen (von links): hans-Jrg brandstetter, dieter ruh, Josef braun und thomas lampart.

    Ich bin damit einverstanden, dass die von mir gemach-ten Angaben einschlielich eventueller nderungen und Ergnzungen zur Erledigung aller im Zusammen-hang mit der Mitgliedschaft stehenden Aufgaben, insbesondere der Mitgliederverwaltung, der Mitglie-derinformation sowie des Beitragsabzugs im erforderli-chen Umfang auch durch Datentrgeraustausch mithilfe von Computern (automatisiert) verarbeitet und genutzt werden knnen.

    von meinem Konto per Lastschrift abzubuchen oder durchBetriebsabzug ber den Arbeitgeber bzw. die Arbeitgebe-rin von meinem Lohn bzw. Gehalt einzubehalten. Diese Ermchtigung gilt auch fr jedes andere, auf meinen Namen lautende Konto bei jedwedem Kreditinstitut. Einen evtl. Widerruf werde ich bei der IG BCE vollziehen. Wenn mein Konto die erforderliche Deckung nicht aufweist, besteht seitens des kontofhrenden Kreditinstituts keine Verpflichtung zur Einlsung.

    Landesbezirk Baden-Wrttemberg

    Landesbezirk Baden-Wrttemberg Sommer-werbeaktion 2011Sommer-werbeaktion 2011

    Berufsgruppe (Zutreffendes im Kreis ankreuzen)01 Angelernte

    02 Handwerker-/-innen und Facharbeiter/-innen

    03 Chemotechniker/-innen und Laboranten bzw. Laborantinnen

    04 Broangestellte/Kaufleute

    05 Meister/-innen

    06 Technische Angestellte und Ingenieure bzw. Ingenieurinnen

    07 AT-Angestellte:

    08 Angestellte im Auendienst

    07 Akademiker/-innen

    10 Leitende Angestellte

    11 Atypische Beschftigung: Leiharbeitnehmer/-innen Befristet Beschftigte

    12 Sonstige:

    Meer erleben,Meer sehen,Meer verdienen.

    Meer erleben,Meer sehen,Meer verdienen.

    Das vollstndig ausgefllte Formular bitte bei IhremBetriebsrat abgeben oder per Telefax an: 0711/22916-99

    Name:Vorname:Geburtsdatum: PLZ/Wohnort:Strae/Haus-Nr.:Nationalitt:privat E-Mail: Telefon: Mobiltelefon:dienstlich E-Mail: Telefon: Mobiltelefon:Eintrittsdatum IG BCE:Anlass des Eintritts:bertritt/Vorgewerkschaft:Monatl. Bruttoeinkommen/Eingruppierung:Personalnummer:BLZ/Konto-Nr.:Bankinstitut:

    Beschftigt bei:PLZ/Ort:Ttigkeit:Abteilung:

    Ausbildungsbeginn (Monat/Jahr):Ausbildungsjahr:Ausbildungsende (Monat/Jahr):

    Werber/-in:

    trotz regen: dsM-beschftigte demons-trieren gegen den stellenabbau.

    Fr den erhalt der Prmie demonstrieren Mitarbeiter bei eaton.

    Informationen auch im Internet: www.baden-wuerttemberg.igbce.de

    28_29_bawue_07_08.indd 28 20.06.2011 16:43:32

  • 29kompakt | Juli/August 2011 |

    Solidaritt fr Kollegen bei magna

    Markgrningen | Die Auseinandersetzungen um die Ar-beitspltze bei Magna in Markgrningen beschftigen im-mer mehr Menschen. Eine groe Medienprsenz mit vielen Plakaten in und um Markgrningen und Stuttgart hat zu einer breiten Untersttzung gefhrt. Solidarittsmails an die Betriebsrte machen Mut.

    Ig BCe ist kein kalter KaffeekornwestheiM | Um neue Betriebe fr die IG BCE zu erschlieen, infor-mierte das Bezirks-team in einem In-dustriegebiet unter dem Motto Alles andere als kalter Kaffee. Bei Kaffee und anderen Heige-trnken nutzten viele Mitarbeiter der umliegenden Firmen die Gelegenheit, mit der IG BCE ins Gesprch zu kommen.

    Hoffnung fr Papierfabriklenningen | Die Papierfabrik Scheufelen ist erneut ver-kauft worden. Besitzer ist jetzt die niederlndische BW Pa-pier Holding GmbH. Die Mitarbeiter hoffen nun auf einen Neuanfang. Immerhin wurde nach vielen Jahren der Ent-behrung bereits das Urlaubsgeld zu 100 Prozent ausgezahlt.

    tarifvertrag fr alle BeschftigtengottMadingen | Nach intensiven Beratungen hat sich die IG BCE mit dem Pharmaunternehmen ACA Mller auf einen Firmentarifvertrag verstndigt, der fr die knapp 270 Beschftigen in Gottmadingen erstmalig eine tarifliche Einkommenssicherung und eine stufenweise Anhebung der laufenden Bezge gewhrleistet. Die Betriebsratsvorsit-zende Irene Vetter: Mit dieser neuen tariflichen Absiche-rung haben wir endlich eine faire und gerechte Perspektive fr alle Beschftigten.

    alcon Pharma will wegFreiburg | Politiker machen sich fr den Standort stark

    Der Pharmakonzern Alcon plant, den Standort Freiburg mit seinen fast 270 Mitarbei-tern zu schlieen. Zurck- bleiben soll dort vorerst nur eine kleine Logistikabtei- lung. Diese Meldung hat in der Stadt die ffentlichkeit mobilisiert.Gernot Erler, Bundestags-

    abgeordneter und stellvertre-tender Fraktionsvorsitzender der SPD, kndigte seinen Be-such bei den Arbeitnehmer-vertretern an. Dr. Bernd Dallmann von

    der Freiburg Wirtschaft Tou-ristik und Messe (FWTM) seinerseits machte deutlich, dass die Nichtbercksich- tigung des Standortes nicht nachzuvollziehen sei und man als FWTM und Stadt Freiburg alles tun werde, um

    Alcon langfristig am Standort Freiburg zu halten.Und Oberbrgermeister Dr.

    Dieter Salomon griff zur Fe-der und schrieb an die Kon-zernverantwortlichen in der Schweiz und den USA. In dem Brief strich er die Vorteile des Standortes im BioValley fr das Unternehmen heraus. Wrtlich schrieb der Ober-brgermeister: Gemeinsam mit der Administration werde ich alles tun, eine ausreichen-de Infrastruktur fr Ihr Unter-nehmen zu schaffen.Oliver Hecker vom Bezirk

    Freiburg hofft jetzt: Die Mit-arbeiter haben diese Bot-schaften mit Freude und Beifall aufgenommen. Genau solche klaren Botschaften er-warten die Menschen von der Politik.

    die ziehung der . . .kornwestheiM | tickets fr Frauenfuball-Wm verlost

    Im Bezirk Kornwestheim wurden nicht die Lotto-zahlen gezogen, sondern von Glckskind Pascal Hempel die glcklichen Gewinner der Tickets fr die Frauenfuball-Welt-meisterschaft. 70 Karten wurden als krnender Abschluss der Werbe- aktion ausgelost. Nachdem sich das Ex-

    pertenteam vom ord-nungsgemen Zustand der Glckstrommel berzeugt hatte, legte Pascal los. Eine Tatsache bewahrheitete sich dabei: Je fter sich die Namen von erfolgreichen Werbern in der Trommel fanden, desto gr-

    er die Chance auf einen Ge-winn. Die Gewinner wurden umgehend per Post infor-miert.

    naMen & nachr i ch t en

    www.unternehmendesmonats.de

    aktuelle neuigkeiten bei Facebook im Internet: www.facebook.com/igbcekornwestheim

    Verlosung glcklich und korrekt ge-schafft: Pascal freut sich mit gerda Fischer (links) und birgit eisenhardt vom bezirksteam.

    28_29_bawue_07_08.indd 29 20.06.2011 16:43:34

  • Tarifrunde Kunststoff gestartetmnchen | Die Tarifrunde fr die bayerische Kunststoff-industrie hat begonnen. Am 21. Juni sollte die Forde- rung beschlossen werden (nach Redaktionsschluss dieser kompakt-Ausgabe). Verhandlungsfhrer Harald Sikor-ski: Die wirtschaftlichen Daten aus den Betrieben belegen, dass der Aufschwung dort schon lange angekommen ist. Dies wird Grundlage unserer Forderung sein. Auch fr die Kunststoffbeschftigten gilt: Dieser Aufschwung ge- hrt uns! Die erste Verhandlung findet am 7. Juli statt. IG-BCE-Mitglieder knnen sich auch per SMS informieren lassen.

    Wie EDV-Systeme spionierenadelsried | Was EDV-Systeme ber das Verhalten ihrer Nutzer so alles auswerten knnen und was professionelle IT-Sicherheit ist, darber informierten sich knapp 30 Be-triebsrte aus dem Bezirk Augsburg. Ausschlaggebend fr das Seminar waren mehrere Flle von fristlosen, verhaltens-bedingten Kndigungen im Zusammenhang mit unsachge-mer Verwendung von EDV-Systemen und EDV-Anlagen im betrieblichen Alltag. Hochkartige Experten erluterten deshalb unter ande-

    rem die rechtlichen Anforderungen zur Informationssicher-heit und wie Missbrauchsanalysen datenschutzkonform ge-staltet werden.

    Aufwind im Allguaugsburg | Unter diesem Titel kmmert sich jetzt im Bezirk Augsburg der ehe- malige Betriebsrat und IG-BCE-Funk- tionr Jrgen Mendle als Projektsekretr um die Folien- und Kunststoffindustrie im Allgu. Ziel: dort die IG BCE als zu-stndige Gewerkschaft bekannter zu ma-chen, die Wahl von Betriebsrten zu un-tersttzen und die Mitgliederanbindung an die IG BCE zu strken.Hinweise per E-Mail an: [email protected]

    Werberhitparade12 aufnahmen: Klaus Wespatat (CeramTec, Marktredwitz); 11 aufnahmen: Monika Trger (CeramTec, Marktredwitz); 10 aufnahmen: Heidi Thaler-Veh (Adidas, Uffenheim), Erol Titiz (IPG, Heilsbronn); 9 aufnahmen: Karlheinz Herzog (Glaswerke Arnold, Merkendorf).

    recht auf Zukunftselb | Tagung zur Entwicklung der Region Nordostbayern

    Mit einer gemein-samen Erklrung zur Zukunft der Region Nordost-bayern ist eine industriepolitische Tagung der IG BCE zu Ende ge-gangen. Die mehr als 80 Teilnehmer im Porzellanikum Selb Betriebsrte ebenso wie Unter-nehmer und Politiker re-agierten damit auf das Gut-achten des Zukunftsrats. Der hatte sechs bayerische Metro-polen als Leistungszentren be-nannt und empfohlen, lnd-liche Regionen nicht mehr eigenstndig zu frdern. Ist der lndliche Raum

    noch zu retten? dem Motto der Tagung setzte Joska Kulc-sar, Geschftsfhrer der Fla-beg in Furth im Wald, entge-gen, dass die Region nicht gerettet werden msse, sie habe ihre eigenen Strken beispielsweise heimatverbun-dene Mitarbeiter, die sich mit ihrer Firma identifizieren.IG-BCE-Landesbezirksleiter

    Seppel Kraus sieht dennoch Handlungsbedarf: Die Re-gion ist in einem Anpassungs-prozess und braucht noch einige Jahre Frderung. Die Staatsregierung macht zwar etwas, aber zu wenig.

    Markus Sackmann (CSU), Staatssekretr im Arbeitsmi-nisterium, machte deutlich, dass in der Regierung nie-mand daran denke, die Forde-

    rungen des Zukunftsrates um-zusetzen. Lndliche Regionen sollten als gleichberechtigte Partner der Metropolregionen weiterentwickelt werden. Jede Region sollte sich berlegen, welche Strken und Schw-chen sie habe und Schwer-punkte festlegen, die es zu entwickeln gelte.Die Erklrung der IG BCE

    wendet sich an die bayerische Staatsregierung: Gefordert werden gleichwertige Arbeits- und Lebensverhltnisse, die Grundlage seien fr die vie- len innovativen Unternehmen und gute Arbeitspltze in der Region. Dazu msse die Infra-struktur ausgebaut werden von der Bildung ber den Ver-kehr bis zur medizinischen Versorgung und einem leis-tungsfhigen Internetzugang.

    > VoR oRT BAyERN

    | kompakt | Juli/August 201128

    namen & nachr i ch T en

    ig-bce-landesbezirksleiter seppel Kraus (mit moderator andreas denk) ist berzeugt: die region braucht noch einige Jahre Frderung.

    auch sie setzen auf die Zukunft der lndlichen regionen.

    Weitere Infos im Internet: www.bayern.igbce.de

    Weitere Infos im Internet: www.augsburg.igbce.de

    markus sackmann

    28_29_bayern_07_08.indd 28 21.06.2011 12:03:39

  • Do it yourself

    marKelFingen | Selbermachen, das galt bei vielen Aktio-nen fr rund 220 junge Leute aus Bayern, Baden-Wrttem-berg, Hessen und Thringen. Sie zeigten Engagement beim gemeinsamen Landesbezirksjugendtreffen vom 17. bis 19. Juni am Bodensee. Bei Diskussionen mit Politikern stan-den die Themen bernahme nach der Ausbildung und Gegen Befristung und Leiharbeit im Mittelpunkt. Strategien fr eine Umsetzung der Forderungen in den

    Betrieben und in der ffentlichkeit wurden ausgetftelt. So das bernahme-spiel des Bezirks-jugendausschusses Kelheim-Zwiesel mit menschlichen Spielfiguren. Zuvor war es bereits als Brettspiel an Poli-tiker versandt wor-den. Gekrt wur-den auch die Sieger des Aktionen-Wett-bewerbs, den der Landesbezirk im vergangenen Jahr unter den bayerischen Bezirksjugendausschssen ausgelobt hatte: ber den Wan-derpokal freuten sich die Augsburger. Sie hatten mit ihrer Panzerknacker-Aktion fr Gesprchsstoff gesorgt. Hhepunkt des Landesbezirksjugendtreffens war am Sams-

    tagabend das Feuerwerk bernahme Licht ins Dunkel. Zusammen mit der Band no buddy wurde bis in den Morgen gefeiert. 2012 wird es vom 17. bis 20. Mai wie-der ein Jugend-treffen geben, dann bundes-weit.

    Wir machen das!augsburg/burgKirchen | Mit und fr Feuerwehrleute

    Wir haben unseren Traum-job. Nikolaus Maier und Jrgen Vollhardt, Werkfeuer-wehrmnner bei der Indus-triepark Gersthofen Service-gesellschaft, geben sich selbst-bewusst. Doch sie fragen sich, ob sie angesichts der krper-lichen Belastung mit 65 noch voll einsetzbar sein werden: Erfahrungen zeigen, dass man wohl keinen Atemschutz mehr tragen kann. Und dann? Wir bringen hoffentlich was auf den Weg, um einiger- maen abgesichert frher in Rente gehen zu knnen. Tarif-lich haben wir mit Langzeit-konten und