Jahresbericht 2006

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Jahresbericht Attac Österreich 2006

Transcript of Jahresbericht 2006

  • Globalisierung braucht Gestaltung

    2006 das sechste Jahr

  • IMPRESSUM

    Attac sterreich Jahresbericht 2006

    Attac sterreich

    Netzwerk zur demokratischen Kontrolle der Finanzmrkte

    Margaretenstrae 166/25, A-1050 Wien

    Telefon: 01/544 00 10, Fax: 01/544 00 59

    Internet: www.attac.at, E-Mail: [email protected]

    Bankverbindnung: Kt.Nr. 92.145.148, PSK: BLZ 60.000

    Grafik: Gert Lanser, Julia Lw, Moreau, Dunja Pinta, Mattias Wright. Titel: Julia Lw

    Druck: REMAprint, Auflage: 5000 Stck

    Fr den Inhalt verantwortlich: Attac sterreich.

    Beitrge: Peter Adelmann, Attac Ried, Christian Felber, FeministAttac Vorarlberg, Franziskus Forster, Gender Mainstreaming Gremium,

    Brigitte Kratzwald, Heinz Mittermayr, Sybille Pirklbauer, sambattac, Alexandra Strickner, David Walch, Petra Ziegler.

    Fotos: Attac sterreich.

    Bildredaktion: Monika Stadler.

    Inserateakquisition: Monika Stadler.

    Redaktion: Andrea Schober, Petra Ziegler.

    Gesamtkoordination: Andrea Schober.

    Vervielfltigung erwnscht, bei Verffentlichungen bitten wir um Belegexemplare.

    Wien, Mrz 2007.

  • Rckblick auf das Jahr 2006

    02 Vorwort des Vorstandes03 Sommerakademie 200604 Unser Europa08 Attac in den Medien10 Unsere Arbeit ist wichtiger als je zuvor Interview mit Karin Kblbck

    Aussicht auf Kommendes

    12 ber die Entstehung der Finanzmrkte 14 Attac weltweit16 Attac und Gemeinden eine ungewhnliche Partnerschaft?18 Agrarattac: Landwirtschaft und darber hinaus

    Attac stellt sich vor

    19 berblick ber Gruppen und Strukturen von Attac20 Attac vor Ort20 Gallneukirchen wird Attac Gemeinde21 Geld regiert die Welt- und wer regiert das Geld?22 bersicht ber die Attac Inhaltsgruppen23 Attac und die Frage der Geschlechtergerechtigkeit 24 Unverblmt- die globalisierte Welt in der Blumenvase 24 Radio%attac - Die Radiogruppe von Attac25 If I cant dance to it, then its not my Globalisierungskritik 26 Finanzbericht 200627 Mitglied werden28 Mitgliedsorganisationen von Attac sterreich

    INHALTSVERZEICHNIS

  • Das erste Halbjahr 2006 stand ganz im Zeichen der Auseinandersetzung mit der sterreichischen EU-Prsi-dentschaft. Dass unser Kritisches EU-Buch alle Best-sellerlisten strmen wrde, bertraf unsere khnsten Trume, zahllose Buchprsentationen fanden in allen Bundeslndern statt. Kritische Parallelveranstaltungen gab es auch beim Sozialgipfel in Villach, bei den Treffen der VerteidigungsministerInnen in Innsbruck und der Au-enministerInnen in Salzburg, beim Wettbewerbsgipfel in Graz und als Hhepunkt den hochkartig besetzten und international ausgerichteten alternativen Ecofin im April in Wien. Das Finale machte eine Matinee im Wiener Volkstheater u. a. mit Marlene Streeruwitz und Michael Khlmeier.

    Im Juli folgte in bewhrter Tradition die Sommerakademie, diesmal in der Waldviertler Schuhwerkstatt in Schrems. Beim Selbstverstndnis-Seminar in Linz beschftigten wir uns mit unseren persnlichen Visionen einer bes-seren Gesellschaft und wie wir mit der vorhandenen Vielfalt an Vorstellungen, Ideen und Zielen konstruktiv und wertschtzend umgehen knnen. Den thematischen Abschluss des Attac-Jahres bildete das erste Attac-Ge-meindetreffen Ende November in Molln.

    2006 brachte auch einen groen Erfolg der europischen Zivilgesellschaft: Der so genannten Bolkesteinrichtlinie zur Liberalisierung des Dienstleistungsverkehrs in der EU wurden die schrfsten Giftzhne gezogen, und wenn das Ergebnis noch alles andere als optimal ist, ist es doch erstmals gelungen, der Konzernlobby in der europischen Gesetzgebung Paroli zu bieten. Attac sterreich war mageblich daran beteiligt.

    Das sterreichische Parlament beschloss im April ein-stimmig, sich fr die Einfhrung einer Besteuerung von Finanztransaktionen auf EU-Ebene einzusetzen, die Vor-arbeit dazu leisteten Attac und andere NGOs. Zu unserer berraschung fanden wir auch einen wesentlichen Teil unserer Steuergerechtigkeits-Forderungen in den Wahl-programmen der Parteien links der Mitte im Nationalrats-wahlkampf wieder. Leider blieb im Rotschwarzen Regie-rungsbereinkommen nichts davon ber. In wesentlichen Bereichen wie Wirtschaft, Steuern und Budget kndigt sich eine Fortsetzung der Politik der letzten Jahre an. Da wird uns die Arbeit nicht ausgehen.

    Im Mrz 2007, zum 50. Jahrestag der Unterzeichnung der Rmischen Vertrge prsentierten wir gemeinsam mit anderen europischen Attac-Gruppen unsere Zehn Prinzipien fr einen demokratischen und sozialen Ver-fassungs-Vertrag. Unser Geburtstagsgeschenk an die Europische Union. Anfang Juni beteiligen wir uns an den Protestveranstaltung zum G8-Gipfel in Rostock. Weitere Themenschwerpunkte werden Finanzmrkte unser Grndungsthema - und Landwirtschaft sein. Letzteres eignet sich besonders, um globale Wirtschafts-prozesse auf lokaler und privater Kchen-Ebene sichtbar zu machen. All das geht nur mit Ihrer / Eurer Untersttzung, sei es als AktivistInnen oder als Mitglieder und SpenderInnen. Wir mchten uns fr die Zusammenarbeit im Jahr 2006 sehr herzlich bedanken und freuen uns auf viele weitere erfolgreiche Jahre!

    Der Vorstand von Attac sterreich

    02

    VORWORT DES VORSTANDES

    SECHS JAHRE IST ATTAC STERREICH 2006 GEWORDEN. FR MENSCHEN FNGT DA DER ERNST DES LEBENS ANGEBLICH ERST AN

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    Brigitte Kratzwald

    Heinz Mittermayr

    Franziskus Forster

    Petra Ziegler

    Peter Adelmann Erna Dittelbach

    Astrid Konrad

    Pia Lichtblau

  • 03

    SOMMERAKADEMIE 2006

    Die Attac- Sommerakademie 2006 fand vom 19.7. bis 23. 7. 2006 in Schrems/N statt und stand unter dem Motto: Global- Regional- Lokal. GeMACHTe Rume- Konkurrieren verbindet? Regionale Integration zwischen Solidaritt und Wettbewerb. Rund 300 Menschen aus unterschiedlichsten Zusammenhngen nahmen daran teil und gestalteten die Sommerakademie durch ihre Beitrge aktiv mit. Thematischer Schwerpunkt dieser Sommeraka-demie war die Frage, wie Staaten und Regionen agieren, um im Standortwettbewerb bestehen zu knnen, wie sie versuchen, durch wirtschaftliche Zusammenschlsse ihre Wirtschaftsmacht zu strken, neue Absatzmrkte zu er-schlieen oder gnstige Produktionssttten zu erobern. Zusammengefasst werden derlei Bestrebungen unter dem Begriff Regionale Integration. Diese spielt nicht nur im globalisierungskritischen Diskurs der letzten Jahre eine zunehmend wichtige Rolle, sondern wird von vielen Seiten thematisiert. So betont etwa auch die Europische Kommission in ihrer Darstellung des Ttigkeitsbereichs Entwicklungspolitik die Bedeutung von Regionaler In-tegration, mit deren Hilfe die Einbindung in die Welt-wirtschaft, die Beilegung von Konflikten und die Lsung grenzberschreitender Probleme, beispielsweise im Um-weltbereich, erleichtert werden. In welcher Form regionale Integrationsprozesse gegen-wrtig ablaufen und wie die dadurch geschaffenen Ru-me letztendlich aussehen, kann an zahlreichen Beispie-len beobachtet werden: EU, Mercosur, NAFTA Was

    SOMMERAKADEMIE 2007

    Im Juli 2007 jhrt sich zum 10.Mal der Beginn der Asienkrise ein Sinnbild fr die realwirtschaftlichen Folgen von ungebremstem

    Renditestreben auf den globalen Finanzmrkten und neoliberalen Wirtschaftsstrukturen. Als Reaktion darauf wurde Attac gegrndet.

    Somit feiert Attac heuer sein 9-jhriges Jubilum und mit der Sommerakademie 2007 begeben wir uns gewissermaen zurck zu den

    Ursprngen unserer Bewegung. Das Thema der diesjhrigen Sommerakademie lautet:

    Crash statt Cash Traum und Wirklichkeit der globalen Finanzmrkte

    Termin: 11. 15. Juli 2007

    Ort: Schwaz in Tirol

    Es wird wie immer zahlreiche Workshops, sowie zwei Podien geben, die sich mit den Gefahren und Fehlentwicklungen der globalen

    Finanzmrkte beziehungsweise der alternativen Gestaltung von Finanzmrkten beschftigen werden. Zudem gibt es das kulturelle

    Rahmenprogramm mit Stadtfest, Konzerten und Kreativaktivitten, das uns Zeit zum Kennen lernen und Projekte entwickeln geben soll.

    Wir freuen uns schon auf eure rege Beteiligung und natrlich auf die Sommerakademie 2007 in Schwaz in Tirol!

    DIE SOMMERAKADEMIE 2006 FAND VOM 19.7 23.7 IN SCHREMS/N STATT--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

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    sich hinter dem Begriff Regionale Integration verbirgt, was unter Region und unter Integration verstanden werden kann, welche Probleme sich aus Genderperspek-tive und fr Entwicklungslnder ergeben wurde ebenso diskutiert, wie warum diese Prozesse gerade so und nicht anders vorangetrieben werden, welche Interessen, Machtverhltnisse und Strukturen dahinter stehen, wel-che Auswirkungen damit einhergehen und wie alternative Formen regionaler Integration aussehen knnten.Neben dem Erwerb von neuen inhaltlichen Kenntnissen und Austausch von Wissen war die Sommerakademie aber auch wie immer auch ein Ort, um die Synergien der TeilnehmerInnen zu bndeln und Ideen und Dynamiken fr das nchste Arbeitsjahr zu sammeln. Bei Orgelkonzert, Filmvorfhrung, Fuballspiel mit den GemeindertInnen der Gemeinde Schrems oder Sambakonzert gab es fr die TeilnehmerInnen viele Mglichkeiten zum Kennen lernen, Vernetzen und Ideen spinnen. Beim Fuballspiel und dem anschlieenden Fest nahmen nicht nur die of-fiziellen VertreterInnen des Gemeinderats, sondern vor allem auch viele Schremserinnen und Schremser teil, was uns besonders gefreut hat, da ja die Gemeindearbeit in den letzten Jahren zunehmend ein Schwerpunkt unserer Arbeit geworden ist. Durch all diese Kontakte konnte wieder eine Vielzahl von Ideen und Themen, die bei der Sommerakademie entstanden sind, genutzt werden, um daraus konkrete Projekte fr das Jahr 2007 zu entwickeln.

  • Auftaktpressekonferenz zur EU-Kampagne, 3. Jnner 2006

    Nach dem franzsischen und niederlndischen Nein zum EU-Verfassungsvertrag stand das offizielle Europa unter Schock. Eine einjhrige Nachdenkpause sollte helfen, die Krise zu berwinden. Unter sterreichs Vorsitzfhrung endete die Pause, bei Mozart und Gugelhupf, von einem berdenken der alten Rezepte, gar von Neuausrichtung keine Spur.Unverdrossen setzt die Europische Union auf Deregulie-rung und Entfesselung der Konkurrenz, gefordert werden einmal mehr Reformen der Renten- und Krankenversiche-rungen und noch ehrgeizigere Ziele bei der Defizitbekmp-fung. Soziale Ziele haben keinen Platz. Politik nur noch fr den Standort?

    Standorte im Wettkampf Lngst wurde die Wettbewerbsfhigkeit zum zentralen Leitwert Europas erkoren. Das gilt nicht nur nach auen (das Lissabonziel strebt den Sieg in der globalen Standort-konkurrenz an) sondern immer strker auch innerhalb der Union. Zu erreichen gilt es dabei nicht etwa ein Mehr an sozialer Sicherheit und eine Verbesserung der Standards im Bereich Umwelt oder ArbeitnehmerInnen. Im Gegenteil erweisen sich selbe nur allzu oft als Kostenfaktor und damit Hindernis, wenn es darum geht, den Standort gegenber den Nachbarn zu verteidigen.

    Das Rennen um die EU-weit geringsten Unternehmens-steuern bringt am Ende nur VerliererInnen. In den alten EU-15 sind alleine zwischen 1995 und 2004 die Steu-erstze auf Gewinne von Kapitalgesellschaften von 38 auf 31% gesunken. Noch rasanter war die Talfahrt in den neuen Mitgliedsstaaten. hnlich bergab ging es mit den Steuerstzen auf Spitzeneinkommen und Vermgen. Der Gesamtverlust an Steuereinnahmen entspricht mittlerweile dem zweifachen EU-Etat. Die daraus resultierende Politik der leeren Kassen macht immer weitere Sparmanahmen und Einschnitte auf gemeinwirtschaftlichem oder sozialem Gebiet notwendig. Das als Teil der europischen Identitt hochgepriesene europische Gesellschaftsmodell samt solidarischer Abfederung individueller Risiken (Krankheit, Alter, Arbeitslosigkeit) wird entgegen den politischen Sonntagsreden in der politischen Realitt konsequent kaputt gespart.

    04

    UNSER EUROPA?

    bergang vom Steuerwettbewerb zu einer europaweit

    einheitlichen Unternehmensbesteuerung

    Einheitliche hohe Arbeits- und Sozialstandards

    inklusive Mindestlohnkorridore

    Europische Leitstrategie zur Selbstversorgung mit

    erneuerbarer Energie und die Reduzierung des

    Ressourcenverbrauchs um mindestens zwei Drittel.

    (Derzeit verbrauchen jene 7 Prozent der Menschheit, die in

    Europa leben, 20 Prozent aller globalen Ressourcen und

    rauben weltweit zuknftigen Generationen Existenzchancen)

    und Demokratisierung

    Aufwertung des europischen Parlaments

    Direktwahl eines neuen Verfassungskonvents:

    Demokratisch legitimierte Mitglieder sollen das Regelspiel

    festlegen, ohne dabei den Neoliberalismus und militrische

    Aufrstung in Stein zu meieln.

    Verbindliche und transparente Regeln zur Lobbying-Kontrolle.

    Ende des privilegierten Zugangs fr Lobbyisten von

    Grounternehmen zu den Institutionen und Prozessen der

    EU-Gremien.

    ATTAC FORDERUNGEN FR EIN ANDERES EUROPAKOOPERATION STATT WETTBEWERB

    Die Europische Union ist kein Opfer der neoliberalen Globalisierung. Sie ist im Gegenteil einer ihrer wichtigsten Akteure. Die fortschreitende Marktffnung mit forciertem Wettbewerb nach innen wie auen,

    Liberalisierung und Deregulierung und nicht zuletzt die massiven Steuererleicht erungen fr Gewinne und Vermgen tragen nicht unwesentlich zu den heutigen Sachzwngen bei.

  • Katerfrhstck als Presseauftakt

    Alternativgipfel zu fast allen in sterreich tagenden

    EU-MinisterInnnetreffen

    reges Publikumsinteresse bei allen Veranstaltungen

    Unser Kritisches EU-Buch - Warum wir ein anderes

    Europa brauchen fand sich ber Monate in den

    Bestsellerlisten

    Alternativer Ecofin - ExpertInnen aus mehreren

    europischen Lndern und ber 300 TeilnehmerInnen

    fanden sich bei der dreitgigen Konferenz im Wiener

    Rathaus ein

    Alternativengipfel EU-Lateinamerika Enlazando

    Alternativas 2 in Wien

    Matinee im Wiener Volkstheater u.a. mit Marlene

    Streeruwitz, Daniela Strigl, Michael Khlmeier,

    Doron Rabinovici

    Konstruktive EU-Kritik statt Brssel-Bashing

    Unser Europa wird zum Modellfall Attac Deutschland

    setzt die alternative PrsidentInnenschaft im ersten

    Halbjahr 2007 fort

    EINIGE HIGHLIGHTS DES ATTAC -SCHWERPUNKTES UNSER EUROPA

    Beim Steuerwettlauf verlieren alle

    Das geht ebenso auf Kosten der alten wie der neuen Mit-gliedsstaaten. Schon jetzt bleibt in Tschechien, Polen oder der Slowakei zu wenig Geld fr den Aufbau der dringend bentigten Infrastruktur. Ein nicht unwesentlicher Faktor fr den Standort und ganz nebenbei die Lebensqualitt.Ein Ende des europaweiten Steuerdumpings und einheit-liche Unternehmensgewinnsteuern innerhalb der Union wrden die Einnahmenverluste fr die nationalen Budgets stoppen und hhere Transferzahlungen in die neuen Mit-gliedslnder ermglichen. Die Wettbewerbslogik zwischen den Mitgliedslndern zu durchbrechen wre eine wahrhaft europische Manahme. Die zustzlichen Mittel wrden gezielt eingesetzt Spielraum fr eine Investitionsoffen-sive in den dringend ntigen kologischen Strukturwandel und in die regionale Wirtschaft schaffen.Wenn am Ende alle profitieren, darf es uns (die Nettozah-lerInnen) auch durchaus etwas kosten.

    Dem Binnenmarkt als derzeit zentralem Ziel der euro-pischen Integration muss eine Steuer-, Sozial- und Menschenrechtsunion folgen. Nicht weniger Integration - Europa braucht im Gegenteil mehr davon, ein mehr an Kooperation und Solidaritt der mittlerweile 27 Mitglieder untereinander, wie auch nach auen.

    Globales Gegeneinander

    Auerhalb der eigenen Grenzen vertritt die Union vorran-gig die Expansionsinteressen ihrer Konzerne und treibt damit die Schaffung weltweiter Konkurrenzmrkte im Be-reich Landwirtschaft, Dienstleistungen und Industriegter voran.Das Freihandelsregime auf globaler Ebene muss durch faire Handelsbeziehungen auf Basis der konomischen, sozialen und kulturellen Menschenrechte abgelst werden. Die Verbindlichkeit der UN-Abkommen in diesen Bereichen und ihr Vorrang gegenber einseitigen Freihandelsvertr-gen sollten Zielsetzung der EU-Auenbeziehungen sein.Der lngst fllige Exportfrderungsstopp fr landwirt-schaftliche Gter und eine zunehmende Koppelung der Im-

    05

    ATTAC FORDERUNGEN FR EIN ANDERES EUROPAKOOPERATION STATT WETTBEWERB

    Die Europische Union ist kein Opfer der neoliberalen Globalisierung. Sie ist im Gegenteil einer ihrer wichtigsten Akteure. Die fortschreitende Marktffnung mit forciertem Wettbewerb nach innen wie auen,

    Liberalisierung und Deregulierung und nicht zuletzt die massiven Steuererleicht erungen fr Gewinne und Vermgen tragen nicht unwesentlich zu den heutigen Sachzwngen bei.

    porte an Fair-Trade-Kriterien wren ein erster Beitrag dazu.Auch hindert niemand die EU an der Einfhrung einer Tobin-steuer zur Finanzierung der Millenniumsziele der UNO. Auf eine entsprechende Initiative etwa seitens der sterreichi-schen Bundesregierung - warten wir bislang vergeblich.So gerne PolitikerInnen hierzulande unpopulre Entschei-dungen einem anonymen Brssel in die Schuhe schieben, geht es um Umweltpolitik, eine einheitliche Zinsenbesteue-rung oder die Lockerung des Wachstums- und Stabilitts-pakts, dann zhlt sterreich nur allzu oft zu den Bremsern. Alleine im Steuerwettlauf, da preschen wir gerne voran...

    Petra Ziegler

  • 06

    Zum Hintergrund

    Die derzeitige Wirtschaftspolitik der EU wird weder in ih-rer Form noch in den Inhalten einem demokratischen und sozialen Europa gerecht. Da die EU vorwiegend eine Wirt-schaftsunion ist, ist der ECOFIN der mchtigste Ministerrat. Er ntzt seine Macht jedoch nicht, um Vollbeschftigung, soziale Sicherheit oder ffentliche Investitionen zu frdern, sondern verordnet immer schrferen Wettbewerb und Sparpakete. Ergebnis sind Massenarbeitslosigkeit, stei-gende Armut und Rekordunternehmensgewinne. Den Auftakt der Konferenz im Wiener Rathaus machte eine groe ffentliche Abendveranstaltung mit dem US-kono-men Jeremy Rifkin. In Vortrgen, Podiumsdiskussionen und zahlreichen Workshops zeigte der Alternative ECOFIN zwei Tage lang auf, dass es eine wissenschaftliche und zivilge-sellschaftliche Basis sowie zahlreiche Alternativen fr eine demokratischere Wirtschaftspolitik gibt. Als Ergebnis der Konferenz wurde von den veranstaltenden Organisationen eine Abschlussdeklaration, die Wiener Deklaration unter-zeichnet. Die darin enthaltenen Hauptforderungen lauten:

    1) Prioritt fr existenzsichernde Vollbeschftigung 2) Soziale Sicherheit ausbauen 3) Soziale Gerechtigkeit, regionale und soziale Kohsion strken 4) kologische Nachhaltigkeit umsetzen5) Globalisierung aktiv gestalten

    Leider haben wir im Gegensatz zu den Konzernchefs von Nestle und VW - keinen Termin beim Rat der Wirtschafts- und FinanzministerInnen bekommen, um die Deklaration zu bergeben. Sie wurde daher am 6. April 2006, nach einem Umzug vom Rathaus zum Tagungsort der EU-MinisterInnen, symbolisch an die Tore der Wiener Hofburg genagelt.

    Maastricht-Kritierien, Stablitts- und Wachstumspakt,

    Zinssatzentscheidungen der Europischen Zentralbank:

    Der Kern der Europischen Union ist die Wirtschaftsge-

    meinschaft. Eine serise und kritische Auseinandersetzung

    mit der EU muss daher immer auch eine mit der konkreten

    Wirtschafts- und Finanzpolitik sein, welche im ECOFIN, im Rat

    der Wirtschafts- und FinanzministerInnen abgestimmt wird.

    Die Entscheidungen, die im ECOFIN getroffen werden,

    erfolgen fernab von ffentlicher Diskussion und Information

    ber Inhalte und Konsequenzen der wirtschafts- und finanz-

    politischen Manahmen. Dies ist angesichts der Betroffen-

    heit aller BrgerInnen demokratiepolitisch nicht akzeptabel.

    Im Rahmen der EU-Prsidentschaft war sterreich Gasteber

    des informellen ECOFIN. Die MinisterInnen tagten von 7.-9.

    April in der Wiener Hofburg.

    ECOFIN

    Mit Hilfe der internationalen Verankerung von Attac und

    anderen MitveranstalterInnen wollten wir auch erreichen,

    dass in den kommenden Vorsitzlndern die kritische Be-

    gleitung der Prsidentschaft fortgesetzt wird und somit der

    alternative ECOFIN kein Einzelereignis bleibt, sondern Teil

    eines Prozesses ist, der den kritischen EU-Diskurs frdert

    und in der Folge auch politikwirksam werden soll. Mit Erfolg

    Attac Deutschland hat die Nachfolge bereits angetreten.

    Inhaltlich soll der Alternative ECOFIN die wesentlichen

    Grundpfeiler Europischer Wirtschafts- und Finanzpolitik

    adressieren.

    Zielsetzung:

    Herstellung einer breiteren ffentlichkeit fr die Wirtschafts-

    politik der EU und die konkreten Verhandlungen im ECOFIN

    Sensibilisierung der ffentlichkeit fr die Problematik

    EU-Wirtschaftspolitik

    Prsentation von alternativer Expertise und Konfrontation

    mit dem EU-Mainstream

    ALTERNATIVER ECOFIN WANDERT WEITER

    ALTERNATIVER ECOFIN WIRTSCHAFTSPOLITIK FR EIN ANDERES EUROPAVom 4. - 6. April 2006 fand im Wiener Rathaus der erste, von Attac mit namhaften Partnerorganisationen

    (AK Wien, BEIGEWUM, EuroMemorandum Gruppe, GBW, IPF, GB, Renner Institut) veranstaltete Alter-

    native ECOFIN in der Geschichte der Europischen Union statt.

    50 hochkartige ReferentInnen aus ganz Europa kamen nach Wien - 300 Menschen nahmen teil.

  • Nur zu gern htten die Regierungen ihren BrgerInnen ein Geburtstagsgeschenk verabreicht: einen Verfassungsver-trag (der in wesentlichen Teilen die bestehenden Vertrge zusammenfasst und einrahmt). Doch undankbar, wie BrgerInnen in Demokratien sein knnen, wurde daraus nichts. Der franzsische Souvern, ebenso wie der holln-dische verschmhten das edle Dokument und schickten die hohe Politik zurck an den Start. Attac spielte dabei vor allem in Frankreich eine entscheidende Rolle, wir dr-fen getrost damit angeben, dass die Non-Fraktion ohne Attac nicht ber die 50% gekommen wre.

    Mit der Ablehnung des neoliberalen und undemokra-tischen Vertrages war es aber keineswegs getan. Erstens sind da noch die um nichts besseren Vertragswerke von Maastricht bis Nizza; zum anderen gibt es keine neue Vertragsgrundlage, auf der ein anderes sozialeres, kologischeres, gendergerechteres, friedlicheres und vielfltigeres Europa gedeihen knnte. Aus diesen Grnden ist nach Non und Nee der Verfassungsprozess innerhalb der europischen Attacs erst so richtig losge-gangen. Bei einem Treffen in Brssel im Dezember 2005 wurden die unterschiedlichen Positionen innerhalb der europischen Attacgruppen gesammelt es sind sehr unterschiedliche und erst einmal systematisiert. Ungefhr zeitgleich ergab sich aus dem sterreichischen EU-Schwerpunkt, der unsere Prsidentschaft begleitete, ein 10-Punkte-Papier zur EU-Verfassung, das mageblich von den Erkenntnissen des wissenschaftlichen Beirats von Attac Deutschland und franzsischen DenkerInnen befruchtet war. Die wohlwollende Aufnahme der Attac-sterreich-Kampagne bei der Sommerakademie von Attac Deutschland fhrte neben anderen Infektionen zur Neubelebung des Verfassungsdiskussionsprozesses auf europischer Ebene. Beim Attac-Europa-Treffen Ende 2006 in Catania wurde beschlossen, die Ergebnisse in Form eines 10-Prinzipien-Papiers im Mrz 2007 rund um die offizielle Geburtstagsfeier zu verffentlichen.

    Das Papier kritisiert zunchst Form und Inhalt des Ver-fassungsvertrages: Der Konvent wurde (von den Re-gierungschefInnen) eingesetzt und nicht demokratisch gewhlt. Der Frauenanteil der Konventsmitglieder lag bei nur 16%. Die Verbesserung der institutionellen Demo-kratie fiel erbrmlich schwach aus: Das Parlament htte weder ein Initiativrecht fr Gesetze noch ein Budgetrecht erhalten und nicht einmal ein Mitbestimmungsrecht bei allen politischen Materien. Der direkten Demokratie wre immerhin das Instrument eines (schwachen) Volksbe-gehrens gegeben worden, verweigert wurde hingegen der ebenso wichtige Volksentscheid (ber die eigenen Begehren). Grundrechte sind eingebaut worden, aber sie sind nicht einklagbar. Fragt sich, warum es dann Grund-rechte sind? Sehr wohl einklagbar sind dagegen die Wirtschaftsfreiheiten, das neoliberale Marktmodell wre in Stein gemeielt worden, was das Verfassungsprinzip der Zukunftsoffenheit oder der Neutralitt gegenber bestimmten Wirtschaftsformen schwer verletzt.

    Die Militarisierung wre ebenso festgeschrieben worden (europische Rstungsagentur, Auslandseinstze ohne UN-Mandat, Aufrstungsverpflichtung, ) wie die weitere Industrialisierung der Landwirtschaft und die Gleichset-zung von Mobilitt mit Autobahnen. Diesen zahlreichen Schwchen und inakzeptablen Fehlern setzen wir unsere 10 Prinzipien fr einen demokratischen und sozialen Vertrag entgegen: von Demokratie und Transparenz ber Grundrechte und Friedenspflicht bis hin zum Ende des Standortwettbewerbs und mehr an direkter Partizipati-on. Mit diesem Text leistet Attac einen Beitrag zu einer konstruktiven EU-Debatte und liefert einen mglichen Grundstein fr ein anderes Europa. In weiterer Folge ist ein Bchlein der Attac-Positionen zu Europa geplant, die Vorarbeiten haben schon begonnen. Fazit: Attac Europa gibt es nicht, aber es beginnt zu funktionieren.

    Christian Felber

    NON UND NEE ALS STARTSCHUSS FR EIN ANDERES EUROPA

    07

    Attac Europa gibt es nicht, aber es wchst langsam zusammen. Formal gibt es an die 20 autonome Landesor-

    ganisationen. Der Rest ist Kooperation und Koordination. Das macht den Auftritt nach auen nicht leichter, umso

    erfreulicher ist es, wenn doch gemeinsame Projekte entstehen. Ein solches ergab sich fr die 50-Jahr-Feier der

    EG, genauer, der Vertrge von Rom.

  • Nicht nur der Erfolg des Buches verdeutlicht: Attac hat es 2006 geschafft, fr die Medien ein wichtiger Ansprech-partner in Sachen EU-Kritik zu werden. Darber hinaus haben wir uns auch 2006 zu all jenen Themen zu Wort gemeldet, die schon in der Vergangenheit unsere Arbeit bestimmten. Sei es Kritik an der WTO, das Eintreten fr Tobinsteuer, Steuergerechtigkeit - Attac bleibt eine wichtige Stimme im Einsatz fr eine demokratischere Gestaltung der globalen Wirtschaft.

    Doch schn der Reihe nach

    Das Medienjahr 2006 begann fr Attac mit einem Presse-frhstck am 3. Jnner uerst erfreulich: Die Prsentati-on unserer EU-Kampagne Unser Europa war nicht nur bestens besucht - Presse, Kurier, Wiener Zeitung und der Falter berichteten auch ausfhrlich darber. Die zahlreichen Parallelveranstaltungen zu den offiziellen EU-Gipfeln in Graz, Salzburg, Klagenfurt und Wien wa-ren ebenfalls medial erfolgreich. Zum Hhepunkt der EU-Kampagne gab es in Kurier, Standard, Salzburger Nachrichten, ORF Wien Heute, sogar in der deutschen TAZ und Frankfurter Allgemeinen Berichte zum von Attac mageblich veranstalteten alternativen ECOFIN im Wie-ner Rathaus. Attacies wurden so in Sachen EU gefragte Interview- und DiskussionspartnerInnen in Print- und elektronischen Medien. Beim ORF-Fernsehen gab man sich eher ungern allzu EU-kritisch. Einzige Ausnahme:

    Eine kurze Stellungnahme zur Dienstleistungsrichtlinie in der ZIB 2. Umfassende Berichterstattung gab es jedoch zum Alternativgipfel des EU-Lateinamerikatreffen in Wien - Attac war mit einem Interview in der ZIB 3 vertreten.

    Dauerbrenner EU-Buch und jede Menge Groauftritte

    Schon die Prsentation des kritischen EU-Buches im Februar war dem Kurier ein groer Bericht auf Seite drei wert. Von Februar bis Juni machte es sich das Buch in den Bestsellerlisten der groen sterreichischen Tages- und Wochenzeitungen bequem. Zahllose regionale und lokale Berichte ber Buchprsentation und Diskussionsveran-staltungen zur EU trugen zum Erfolg des Buches bei. Bis Jahresende wurden 12.000 Stck verkauft. Rezensionen erschienen nahezu flchendeckend in sterreichischen (vereinzelt auch in deutschen) Tages-, Wochen und Mo-natsmedien und eine Buchvorstellung in der 1 Sendung Von Tag zu Tag gab es auch. Besonders berraschend fr uns - der eineinhalbseitige Abdruck von Auszgen des Buches in einer Samstags-Ausgabe der Kronen Zeitung auf den Seiten 4 und 5. Attac und Krone - wer htte das gedacht! Es blieb ein einmaliges Ereignis.Zustzlich zu vielen eigenen Aktivitten zur EU-Prsident-schaft traten im ersten Halbjahr wichtige landesweite Me-dien mit Interviewanfragen und Diskussionseinladungen an uns heran: Auftritt im ORF bei Zur Sache, groe ganzseitige Interviews mit VertreterInnen von Attac in Ku-

    0908

    ZUM JAHRESENDE FHRT TV-MEDIA DAS KRITISCHE EU-BUCH VON ATTAC AUF PLATZ 6 DER JAHRESBESTSELLERLISTE

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    WIR WAREN PRSIDENTINNEN!ATTAC IN DEN MEDIEN 2006

  • 0908

    rier, Presse, SN den Tiroler Tageszeitung und den ON - Attac war gefragt! Ein Highlight im April: Ein Streitge-sprch mit Wirtschaftsminister Martin Bartenstein ber die EU und Globalisierung auf Doppelseite zwei und drei der Kleinen Zeitung. Im Herbst folgte ein groes Interview in der Furche zur Attac-Kritik an der WTO.Bei allem EU-Trubel ging fast unter: Das sterreichische Parlament brachte im April einen Antrag fr die Einfh-rung der Tobinsteuer auf EU-Ebene ein. Dieses erfreu-liche Ereignis bescherte Attac printmediale Prsenz in Standard, Wirtschaftsblatt und Furche. Ein zentrales Element der Medienarbeit von Attac blieben Gastkom-mentare. 25 Kommentare von Christan Felber in Presse, Kurier, Salzburger Nachrichten, Falter, Wiener Zeitung und Wirtschaftsblatt sorgten auch 2006 dafr, dass Attac-Positionen explizit und pointiert ihren Weg in die ffentlichkeit fanden.

    Erfolg fr Attac-GemeindenErfolgsfaktor Regionalgruppe

    Die Ernennung von Molln und Gallneukirchen zu Attac-Gemeiden bescherten uns im Oktober 2006 ein sehr freundliches 1-Journal-Panorama, das zeigte, wie stark die Globalisierungskritik auch auf Gemeindeebene ange-kommen ist. Bei aller Konzentration auf die landesweiten Medien darf die Bedeutung reichweitenstarker Lokalme-dien nicht vergessen werden. Ob Buchprsentationen, Diskussionsveranstaltung oder Gruppengrndungen wie Osttirol oder Tulln: Der wertvollen Arbeit der Re-gionalgruppen verdankt Attac viel Prsenz in nicht zu unterschtzenden Regionalmedien. Ein Erfolg, der ohne das Netzwerk Attac nicht mglich wre!

    Der Wahlherbst 2006: Hartes Pflaster Steuerpolitik

    Der Herbst war geprgt von Innenpolitik. Rund um die Nationalratswahl positionierte Attac seine zentralen For-derungen nach Einfhrung einer Vermgenssteuer und fr mehr Steuergerechtigkeit - kein leichtes Unterfangen, begab man sich doch dabei in mediale Konkurrenz zu (falschen) Parteiversprechen und (unrichtigen) Wahla-nalysen. Erfolge unserer Bemhungen waren in Wiener Zeitung und Krntner Tageszeitung zu verzeichnen, eine Pressekonferenz zum Thema konnte mit dem Erfolg der EU-Veranstaltungen nicht mithalten. Aber auch hier gilt: Das Thema will medial konsequent erarbeitet werden.

    Keine Macht fr G8! Ein Ausblick auf 2007

    Ein zentrales mediales Ereignis fr Attac im Jahr 2007 wird der G8-Gipfel im Juni in Deutschland. Unser Ziel muss es sein, als Partner und Moderator der Proteste fr die sterreichischen Medien aufzutreten. Bei aller Rcksicht auf die Medienlogik ist es wichtig, die Balance zwischen den beiden Polen Massenprotest und der sachlichen Vermittlung inhaltlicher Kritik an G8 in den Medien zu erreichen. Zustzlich gilt es neue Themen-felder wie Landwirtschaft und Ernhrung aber auch die Rckbesinnung auf unser Kernthema Finanzmrkte medial zu verankern. Daneben geht die inhaltliche Arbeit bei Stammthemen weiter: Ob zur EU, zur WTO, zur Tobinsteuer oder beim Thema Steuergerechtigkeit: Wir bleiben dran!

    Der vollstndige Attac-Pressepiegel 2006 ist wie auch das Pressearchiv online abrufbar: http://www.attac.at/pressearchiv

    David Walch ist seit Februar 2006 Pressesprecher von Attac sterreich.

  • Karin Kblbck, eine der InitiatorInnen und langjhrige Obfrau von Attac sterreich, schied 2006 auf eigenen Wunsch aus dem Vorstand aus. Im Gesprch zieht sie eine persnliche Bilanz ber die letzten sechs Jahre und schildert, welche Herausforderungen sie in Zukunft auf Attac zukommen sieht.

    Du warst im Jahr 2000 mageblich an der Entstehung von Attac beteiligt. Worin bestand deine persnliche Motivation?

    Da war einerseits die politische Konjunktur der 90er Jahre: Nach dem Ende des Realsozialismus schien ne-oliberale Politik, argumentiert ber so genannte Sach-zwnge wie Standortwettbewerb-unhinterfragbar. Bei vielen fortschrittlich denkenden Menschen entstand das Bedrfnis, sich fr eine andere Politik zu engagieren. Die Grndung von Attac Frankreich im Jahr 1998 haben viele von uns mit Interesse verfolgt. Bei diversen Gesprchen kristallisierte sich dann immer mehr die Idee heraus, in sterreich ebenfalls eine Bewegung zu initiieren, die gegen diese Form der Globalisierung auftritt und Alternativen vorschlgt. Da sterreich keine wirkliche Tradition hat, was soziale Bewegungen anbelangt, war es zu Beginn schon ein Versuchsballon, aber bereits die Grndungssitzung im Mai 2000, zu der 30 Personen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen kamen, war sehr motivierend.

    Der Erfolg kam schnell. berraschend?

    Eigentlich schon. In den ersten Planungen war es unser Ziel, dass man beim Thema Globalisierung nicht an Attac vorbeikommt. Dass das so intensiv und schnell gelungen ist, war fr uns berraschend. Die Mitgliederanzahl stieg sehr schnell an, und auch die Regionalgruppen und Ak-tivistInnen sprossen frmlich aus dem Boden. Auch die mediale Aufmerksamkeit war da. Bei vielen Vortrgen in

    ganz sterreich haben wir erfahren, wie stark der Bedarf nach mehr Wissen und konkretem Engagement war. Was waren rckblickend die schwierigsten bzw. schns-ten Momente fr dich?

    Am Anfang waren die parteipolitische Unabhngigkeit und das Verhltnis zu anderen Organisationen sehr ent-scheidend. Wichtig war, sich zu behaupten und nicht von auen aufdrngen zu lassen, was zu tun oder zu lassen sei. Andererseits galt es gegen Versuche anzukmpfen, Attac zu delegitimieren, etwa uns in ein aggressives Eck zu drngen. Am Schnsten waren die sehr motivierende Entwicklung und die positiven Rckmeldungen von so vielen Seiten, sowie die ganz tolle Zusammenarbeit mit den anderen Menschen. Es gab eine Kerngruppe, die ganz eng zusammenarbeitete und deren Fhigkeiten sich sehr gut ergnzten. So entstand eine sehr gute Dynamik. Das hat sehr viel Spa gemacht und alle haben dabei sehr viel gelernt. Dazu kommen natrlich die Erfolge. Attac hat dazu beigetragen, den politischen Diskurs zu verndern. Wir sind als seriser und konstruktiver Akteur etabliert.

    Bist du mit Dreifachbelastung Familie Beruf Ehren-amt nicht oft an deine Grenzen gestoen?

    Doch. Der Preis war natrlich, dass Hobbys oder Freun-dInnen auerhalb von Attac zu kurz gekommen sind. Praktisch alle freien Abendtermine waren mit Attac be-setzt. Auf Dauer muss man berlegen, wie viel Privatleben und persnliche Interessen man fr ein ehrenamtliches Engagement aufgeben kann. Andererseits waren und wurden viele AttactivistInnen persnliche FreundInnen, und es ist wunderschn, so viele tolle Menschen kennen und schtzen gelernt zu haben.

    Warum bist du aus dem Vorstand ausgeschieden?

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    UNSERE ARBEIT IST WICHTIGER ALS JE ZUVOR

  • 1110

    Die sechs Jahre waren wunderbare, lehrreiche und auch sehr arbeitsintensive Jahre. Es war an der Zeit, sich auch wieder auf andere Dinge mehr zu konzentrieren. Auer-dem gibt es bei Attac viele tolle und kompetente Aktivis-tInnen, denen man die Weiterentwicklung von Attac mit guten Gewissens bertragen kann.

    Was waren fr dich die wichtigsten inhaltlichen Projekte der letzten Jahre?

    In politischer Hinsicht sicherlich die Kampagnen. Ange-fangen hat es mit der STOP-GATS Kampagne im Jahr 2002. Die Kampagne war fr unsere Vernetzung sehr wichtig, wir waren dabei ein wichtiger Motor. Bei der Etablierung des Themas Steuergerechtigkeit haben wir eine Vorreiterrolle gespielt. Die EU-Kampagne im letzten Jahr war mit unserem Buch und den vielen Veranstaltun-gen auch ein toller Erfolg. Ganz wesentlich sehe ich auch unsere Arbeit zum Thema Welthandelsorganisation und die Vernetzung mit der internationalen globalisierungs-kritischen Bewegung.

    Wie hat sich Attac in den letzten 6 Jahren verndert?

    Attac ist viel arbeitsteiliger geworden. Am Anfang gab es eine Handynummer und eine Emailadresse. Das Handy war bei mir, die e-mail beim Christian (Felber, Anm.) - das wars. Alle Anfragen, von inhaltlichen Vorschlgen bis zu Mitarbeitsangeboten, sind ber uns gelaufen. Dement-sprechend hat das Telefon von frh bis spt jederzeit luten knnen. Von der Planung von Veranstaltungen bis zum Einkauf von notwendigen Sachen war alles auf einige Personen konzentriert. Daraus hat sich bis heute eine arbeitsteilige Organisation, mit vielen verschiedenen Zustndigkeiten, sowie mit einem Bro und drei Ange-stellten entwickelt. Die AktivistInnen sind in vielen Berei-chen entlastet worden, wodurch das ganze nun auch sehr viel besser funktioniert. Andererseits ist heute da die pure Existenz von Attac nun keinen Neuigkeitswert mehr hat die Notwendigkeit grer, in den verschiedensten Bereichen sehr professionell zu arbeiten, sowie sich auf bestimmte Kernthemen zu spezialisieren, was auch die ehrenamtlichen AktivistInnen vor grere Herausforde-rungen stellt.

    Wie siehst du deine Rolle bei Attac fr die Zukunft?

    Wichtig sind mir weiterhin das Mitdenken und die Mitar-beit an der strategischen Weiterentwicklung von Attac. Soweit es meine Zeitplanung zulsst, werde ich auch

    weiterhin bei meinen Themen mitarbeiten, sowie Vortrge oder Medienauftritte wahrnehmen.

    Wie ist deine Zukunftsvision fr Attac?

    Attac muss weiter wachsen und wichtiger werden. Die Organisation muss finanziell auf noch stabilere Beine gestellt werden. Anfangseuphorie und Neuigkeitswert sind das eine, kontinuierliche Arbeit und Prsenz das andere. Vieles bei Attac ist harte Arbeit. Wir mssen sicherstellen, dass die Energie nicht ausschlielich von ehrenamtlichem Engagement abhngig ist. Wichtig ist es deshalb, dass die Mitglieder Attac auch in dieser Konso-lidierungsetappe untersttzen. Unsere Themen mssen daher die Menschen auch direkt ansprechen. Landwirt-schaft ist da ein gutes Beispiel mit groem Potential. Ich finde es auch sehr positiv, dass nun unser ursprngliches Kernthema Finanzmrkte wieder verstrkt aufgegriffen wird. Dort sind Entwicklungen weitergelaufen und die Regulierungsdebatte ist leider verstummt. Groes Potential liegt auch in der Arbeit mit anderen politischen AkteurInnen. Attac muss versuchen, auf Po-sitionen dieser AkteurInnen und die Art, wie bestimmte Themen diskutiert werden, einzuwirken. Dabei mssen wir radikal genug zu sein, um uns nicht ins brave politische System einzufgen. Die Alternativendebatte zu neoli-beralen Vorstellungen muss immer wieder eingebracht werden, damit sie gehrt wird.

    Bist du optimistisch, dass die Forderungen von Attac in Zukunft realpolitisch strkeren Widerhall finden?

    Wenn ich nicht optimistisch wre, wrde ich mich nicht engagieren! Ich sehe aber schon groe Herausforde-rungen. Wie man an der Debatte um die Autoindustrie und CO2 Emissionen sieht, gibt es gegen eine Politikn-derung im Interesse von Umwelt und Menschen groen Widerstand. Dabei spielt die Europische Union eine entscheidende Rolle. Sie stellt ein groer Potential fr mehr Politikkoordination dar, bewegt sich aber derzeit - und gemeint sind hier die Positionen, die Mitgliedstaaten wie etwa sterreich in Brssel vertreten - zB. beim Thema Standortwettbewerb in die falsche Richtung. Daher ist die europaweite Zusammenarbeit mit anderen Attac-Gruppen und Bewegungen so wichtig. Diese Arbeit haben wir be-gonnen, wir mssen sie weiter fortsetzten und ausbauen unsere Arbeit ist wichtiger als je zuvor.

    Das Interview fhrte David Walch

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    Es geht losGesagt und nach der Sommerpause - schlielich drfen auch Ehrenamtliche einmal Urlaub machen - war es dann auf der AktivistInnen-Versammlung am 8. Oktober in Linz so weit: Die Inhaltsgruppe Finanzmrkte stellte sich vor. Und stellte fest, dass es dringenden Bedarf nach ihr gibt. Die AktivistInnen besttigten die Gruppe nicht nur sogleich, sondern deponierten auch den expliziten Wunsch nach ganz viel Information. Material fr Kritik an den Finanz-mrkten gibt es mehr als genug. Von der ursprnglichen Aufgabe, erfolgreichen Unternehmen gnstiges Kapital zur Verfgung zu stellen, haben sich die Finanzmrkte weit entfernt. Dafr hat ihr Einfluss auf demokratische Strukturen und Entscheidungsprozesse ein bedenkliches Ausma erreicht. Statt demokratisch gewhlten Regie-rungen entscheidet oftmals der Sachzwang des freien Kapitalverkehrs und jene Akteure (zumeist mnnlich), die davon profitieren. Kein Wunder also, dass Finanzmrkte zu einer Umverteilungsmaschine geworden sind, die zum Vorteil jener funktioniert, die das meiste Kapital zum Ein-satz bringen knnen. Sptestens seit der explosionsartigen Zunahme der so genannten Derivate, die oft nur mehr den Spielcharakter von Wetten haben, befinden wir uns im Kasi-no-Kapitalismus. Das Fatale daran: die oft hchst riskanten, virtuellen Spekulationen knnen ganz reale Krisen auslsen mit allen frchterlichen Folgen wie Bankencrashs, Massen-konkursen von Unternehmen, Arbeitslosigkeit und sprung-haftes Ansteigen von Armut. Die Kosten der Krise tragen

    ber die Entstehung der Finanzmrkte -und warum es dazu bei Attac eine Inhaltsgruppe gibt

    Da soll noch eineR sagen, sich in Klausur zu begeben bringt keine Erkenntnisse. Es war im Juni 2006, als sich der Attac-Vor-stand im burgenlndischen Kaisersdorf traf, um die inhaltlichen Schwerpunkte fr das kommende Jahr zu diskutieren. Bei der Bestandsaufnahme zu den Themen gab es eine verblffende Erkenntnis. Finanzmrkte bilden zweifellos ein Kernthema von Attac. Ihre demokratische Kontrolle ist sogar programmatisch im Namen von Attac verankert. Es gibt auch viel Expertise dazu. Aber eine Inhaltsgruppe gibt es nicht. Und auch kein Positionspapier. Nicht, dass Attac mangels Papier keine Position zu Finanzmrkten htte. Schon in der Grndungsdeklaration sind zahlreiche Manahmen aufgezhlt. Die Kernforderung der Tobin-Tax hat es tatschlich zu einem eigenen Vier-Seiter gebracht. Aber eine genauere Beschreibung der weiteren Forderungen wre die Sache doch wert. Zudem schwirrt zwar jede Menge Expertise in unserem Netzwerk herum. Aber Attacies sind ja nicht nur inhaltlich, sondern auch weltweit mobil und kommen bedauerlicherweise immer wieder zumindest zeitweise abhanden. Daher braucht es eine Inhaltsgruppe, die das Wissen bndeln kann und deren Mitglieder zu Vortrgen und Podiumsdiskussionen gehen und kompetente Untersttzung bei der Pressearbeit leisten. Auerdem muss ein innerhalb von Attac diskutiertes und abgestimmtes Positionspapier her. Daher der nahe liegende Schluss: wir grnden die FM-Gruppe. Erster Arbeitsauftrag: ein Positionspapier.

    nicht die Spekulanten, sondern die breite Bevlkerung. Frauen sind auf Grund ihrer schlechteren wirtschaftlichen Position davon besonders stark betroffen. Vor allem, wenn die Krisen in scharfen staatlichen Einsparungsprogrammen mnden, in denen Sozialleistungen gekrzt und ffentliche Infrastruktur gestrichen werden, trifft es vorwiegend Frauen, die die zustzliche unbezahlte Betreuungs- und Versor-gungsarbeit bernehmen mssen, die nun nicht mehr in den Kindergrten, Krankenhusern und Pflegeheimen erbracht wird. Und sptestens mit der Verlagerung der Pensionsvor-sorge ins so genannte Private, die nichts anderes als eine Verlagerung auf die Finanzmrkte bedeutet, ist auch der so genannte Mittelstand vor negativen Auswirkungen der Finanzmrkte auf das eigene Leben nicht mehr gefeit.

    Handlungsspielrume und AlternativenGrund genug also, die Menschen ber die Risiken und Ne-benwirkungen von Finanzmrkten aufzuklren. Aber es war noch nie der Zugang von Attac, bei dsteren Zukunftsszena-rien stehen zu bleiben. Vielmehr geht es darum Handlungs-spielrume und Alternativen, die es sehr wohl gibt, sichtbar machen. Kleine Erfolgserlebnisse, wie der gemeinsame Beschluss aller sterreichischen Parlamentsparteien, bei einer EU-weiten Einfhrung der Tobin-Steuer mitzumachen, zeigen, dass auch die etablierte Politik zusehendes hellhrig fr die von Attac vorgeschlagenen Alternativen wird. Das groe Bedrfnis der Attacies nach Information zu dem Thema, das auf der AktivistInnen-Versammlung so sichtbar

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    wurde, hat vielfltiges Potential aufgezeigt. Ein Thema, das alle interessiert, trgt wesentlich zu dem Gefhl bei, sich fr die gleiche Sache stark zu machen. Zudem haben Fi-nanzmrkte viele Schnittstellen zu anderen Attac-Themen wie Verteilung, Pensionen, Steuergerechtigkeit und bietet damit fr die meisten Attacies konkrete Anknpfungspunkte. Nach auen hin gibt es die Chance, Attac in der ffent-lichkeit als kritische Expertin zu positionieren, denn derzeit wird das Thema in den Medien fast ausschlielich von Be-frworterInnen des freien Kapitalverkehrs beherrscht. Dass diese kritische Expertise dringend bentigt wird, zeigt sich nicht nur daran, dass Finanzmrkte mittlerweile ein weithin prsentes Thema in den Medien sind, sondern auch da-ran, dass es sehr schnell im wahrsten Sinne des Wortes brandaktuell werden knnte. ExpertInnen unterschiedli-cher Anschauung sind sich nmlich zumindest in diesem Punkt einig: die nchste Finanzkrise kommt bestimmt. Nun geht es um den Aufbau und Bndelung von Expertise, um die so wichtige bersetzungsarbeit leisten zu knnen. Die komplexen Zusammenhnge verstndlich zu erklren, ist eine wichtige Voraussetzung um Menschen fr das Thema zu sensibilisieren und ber Positionen und Forderungen diskutieren zu knnen. In den Regionen sollen ExpertInnen aufgebaut werden, die dazu referieren, auf Veranstaltungen diskutieren und Anfragen beantworten knnen - die also, kurz gesagt, als lokale Ansprechstelle in Sachen Finanzmrkte fungieren knnen. Mit einem flchendeckenden Netz an Finanzmarktwissenden Attacies kann sich Attac als eine

    Infoquelle zu dem brisanten Thema positionieren, die an-ders als viele AkteurInnen auf dem Feld nicht von eigenen Interessen geleitet ist.

    So gehts weiter Seit der AktivistInnenversammlung im Herbst 2006 hat sich einiges getan. So hat sich ein aktives Kerntrppchen als Inhaltsgruppe konsolidiert. Dort wird eifrig an einem Positi-onspapier gearbeitet, dass mglichst im April 2007 bei der Generalversammlung zur Diskussion gestellt werden soll. Damit wre einmal eine wichtige Basis dafr geschaffen, offensiv die Forderungen von Attac an die ffentlichkeit zu bringen. Der groer Schritt wird auf der Sommerakademie 2007 folgen, die diesmal unter dem Titel Crash statt Cash - Traum und Wirklichkeit der globalen Finanzmrkte stehen wird. Es wird spannende Podiumsdiskussionen und Work-shops zum Thema geben, auerdem soll dort die Referen-tInnen-Schulung starten, mit welcher der sterreichweite ExpertInnen-Pool aufgebaut wird. 11. bis 15 Juli 2007 in Schwaz in Tirol - Termin gleich vormerken! Im dritten Schritt, der auch ein Stck parallel stattfinden wird, geht es darum, aktiv die ffentliche Diskussion mitzugestalten. Damit soll das Bewusstsein in der Bevlkerung um die Gefahren der Finanzmrkte und mgliche Handlungsoptionen gestrkt werden. Und gezeigt werden, dass diese Optionen mit entsprechendem politischen Wille auch umgesetzt wer-den knnen. Denn auch bei den Finanzmrkten gilt: eine andere Welt ist mglich.

    Sybille Pirklbauer

    Mitarbeit in der Gruppe Finanzmrkte ist noch mglich:

    [email protected] oder [email protected]

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    Attac weltweit

    Auch wenn es nicht immer so sichtbar ist, aber die internationale und insbesondere die europische Vernetzung und Zusam-menarbeit der Attac Gruppen und die Entwicklung gemeinsamer Arbeitsschwerpunkte wird immer wichtiger. Denn Politik in Europa zu beeinflussen ist eine Herausforderung, die mit nationaler Mobilisierungs- und Kampagnenarbeit alleine nicht oder nur eingeschrnkt machbar ist. Attac sterreich hat sich von Beginn an konsequent dieser Herausforderung gestellt.

    beitung von Alternativen vorangetrieben werden. Denn es ist klar, dass in einem Europa von nunmehr 27 Mitgliedern mit hchst unterschiedlichen ffentlichen Dienstleistungen die Verteidigung des Status Quo zu wenig ist. Fr Herbst 2007 ist ein Europisches Sozialforum zu ffentlichen Dienstleistungen geplant.

    Der zivilgesellschaftliche Alternativgipfel Enlazando Al-ternativas 2 war ein voller Erfolg fr die globalisierungs-kritische Bewegung. Mehr als 3000 VertreteterInnen von lateinamerikanischen und europischen zivilgesellschaft-lichen Organisationen kamen nach Wien. Im Rahmen eines Tribunals der Vlker berichteten Betroffene aus Lateinamerika von den Menschenrechtsverletzungen so-wie der Unterwanderung von kologischen und sozialen Standards europischer Konzerne. In mehr als 30 selbst organisierten Workshops und Seminaren wurde ber die Auswirkungen neoliberaler Politik und von Freihandelsab-kommen berichtet, sowie Alternativen vorgestellt. Gerade Lateinamerika ist derzeit einer der dynamischsten Kontinen-te im Hinblick auf die Entwicklung neuer Politikvorschlge. Whrend die Berichterstattung ber den offiziellen Gipfel sich in Beitrgen ber Galadiners in Schnbrunn und Co. erschpfte, konnte man in sterreichischen und internati-onalen Medien ber die Kmpfe der Menschen in Latein-amerika sowie die Alternativen, die dort diskutiert werden, lesen. Den Abschluss des Gipfels bildete ein Dialog mit dem venezolanischen Prsidenten Hugo Chavez und dem

    Rckblick Dementsprechend war auch 2006 ein weiteres Jahr, in dem die Vernetzung der Attac Gruppen untereinander und im Rahmen breiterer Netzwerke vorangeschritten ist. Neben zwei Treffen der Attac Gruppen - eines in Madrid im Mrz 2006, eines in Catania im Dezember 2006 - gab es zwei weitere wichtige internationale Mobilisierungen, an denen Attac nicht nur teilgenommen hat, sondern auch aktiv mit-gestaltet hat: das 4. Europische Sozialforum in Athen, im Mai 2006, und der zivilgesellschaftliche Alternativgipfel Enlazando Alternativas 2, der in der zweiten Maiwoche - parallel zum Treffen der Staatschefs der EU, Lateinamerikas und der Karibik - in Wien abgehalten wurde.

    Beim 4. Europischen Sozialforum haben die europi-schen Attac Gruppen koordiniert Veranstaltungen u.a. zu den Kernthemen Steuern/Steuergerechtigkeit, ffentliche Dienstleistungen und Welthandel durchgefhrt. Eines der wichtigen Ergebnisse des 4. Europischen Sozialforums ist die Grndung des Europischen Netzwerkes fr ffentli-che Dienstleistungen. Mehrere Attac Gruppen - auch Attac sterreich - haben sich aktiv an der Etablierung dieses Netzwerkes beteiligt. Neben Attac Gruppen sind eine Reihe von Gewerkschaften, aber auch anderen NGOs Mitglieder des Netzwerkes. Ziel des Netzwerkes ist es, zum einen auch in Zukunft europisch koordinierte Mobilisierung ge-gen Liberalisierungs- und Privatisierungsvorhaben der EU durchzufhren, zum anderen soll die Diskussion und Erar-

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    bolivianischen Prsidenten Evo Morales. Ein weiterer Erfolg des Alternativgipfels ist auch die Etablierung eines breiten bi-regionalen Netzwerkes von europischen, lateinameri-kanischen und karibischen sozialen Bewegungen, globali-sierungskritischen Gruppen, Gewerkschaften und anderen NGOs zu etablieren. Attac sterreich war nicht nur intensiv in die Vorbereitung des Gipfels involviert. Whrend des Gipfels wurde das Attac Bro kurzfristig zum operativen Hauptsitz der lateinamerikanischen und europischen OrganisatorInnen.

    Wohin geht die Reise 2007?Im ersten Halbjahr 2007 bieten der G8 Gipfel in Heiligen-damm, Deutschland und die Feiern anlsslich des 50igsten Jahrestages der Unterzeichnung der rmischen Vertrge, die die EU begrndet haben, Anlass fr gemeinsame Ak-tionen. Im Allgemeinen erwarten alle Attac Gruppen, dass nach den franzsischen Prsidentschaftswahlen, die am Ende der deutschen EU- Ratsprsidentschaft geschlagen sein werden, das Thema EU-Verfassung wieder auf die Agenda der EU kommen wird. Die europischen Attac Gruppen erarbeiteten ein Positionspapier, in dem zehn Prinzipien fr ein soziales, kologisches und solidarisches Europa formuliert wurden. Dieses Papier soll einerseits fr die zeitgleichen Aktionen rund um den 50. Jahrestag Mitte Mrz verfgbar sein, und uns zugleich fr die nchste Phase der EU-Verfassungsdebatte rsten.

    G8 Gipfel Anfang Juni gibt es den zweiten Hhepunkt gemeinsamer und koordinierter Aktionen. Zu diesem Zeitpunkt findet der G8 Gipfel in Heiligendamm statt. Einmal mehr werden dort die StaatschefInnen der acht reichsten Lnder hinter verschlossenen Tren ber die Zukunft der Welt beraten. Einmal mehr werden sie keine nachhaltigen Vorschlge zur Lsung der dringendsten Probleme - Armut, Umwelt-zerstrung, Klimawandel etc. vorlegen, sondern weiterhin dieselben Rezepte Liberalisierung, Privatisierung und mehr

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    Freihandel anpreisen. Ein breites Bndnis von Gewerk-schaften, kirchlichen Organisationen, Umweltorganisatio-nen, globalisierungskritischen und entwicklungspolitischen Organisationen in Deutschland ruft zur internationalen Mo-bilisierung nach Heiligendamm auf. Neben einer grossen Demonstration am Samstag den 2. Juni wird es auch eine Alternativenkonferenz geben, die massgeblich von Attac Deutschland mitorganisiert und gestaltet wird. Zentrale Themen der Mobilisierung sind Migration, Landwirtschaft und Militarismus, aber auch Armut, Prekrisierung der Ar-beit und Klimaschutz. Attac sterreich wird sich aktiv an dieser Mobilisierung beteiligen.

    1. Europische Sommerakademie 2008Innerhalb des europischen Attac-Netzwerkes zhlt zu den Arbeitsschwerpunkten die Vorbereitung der ersten europischen Attac-Sommerakademie. Diese soll im Au-gust 2008 in Saarbrcken, Deutschland, stattfinden. Ziel ist es, fr Attac AktivistInnen in den verschiedenen Lndern einen Ort der Begegnung, des Austausches, der gemein-samen Diskussion, dem Teilen von Ideen und Erfahrungen zu ermglichen. Rund 1000 Attac-AktivistInnen werden an diesem Treffen teilnehmen knnen. Zur inhaltlichen Vorbereitung des Treffens wurde ein europisches Koor-dinationsteam eingerichtet. Attac sterreich ist Teil dieses Teams. InteressentInnen sollten sich also schon jetzt die erste Augustwoche 2008 freihalten.

    Weiters wurde beim letzten Attac-Europa Treffen Mitte Dezember 2006 eine neue Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich mit dem Thema Migration beschftigen wird. Ziel der Gruppe ist es, die Zusammenhnge zwischen neoliberaler Aussenwirtschaftspolitik der EU (u.a. das Vorantreiben von Freihandelsvertrgen), Sicherheitspolitik der EU und den zunehmenden Migrationstrme aufzuzeigen. Es wird auch angestrebt, eine intensivere Vernetzung jener Personen in-nerhalb der europischen Attac-Gruppen voranzutreiben, die zu den Themen globale Steuern und neue Formen der Entwicklungsfinanzierung arbeiten.

    Alexandra Strickner

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    finanziell ausgehungert werden, ist letztlich auch auf diese verfehlte Steuerpolitik zurck zu fhren, so ein Vertreter einer Attac-Gemeinde.

    Attac-Gemeindetreffen in Molln Am 24. und 25. Nov. 2006 fand das erste sterreichische Attac-Gemeindetreffen in Molln statt. Etwa 20 Politike-rInnen aus den drei Attac Gemeinden und anderen inte-ressierten Gemeinden aus 5 Bundeslndern trafen mit VertreterInnen von Attac zusammen, um die weiteren Ko-operationsmglichkeiten zwischen Attac und Gemeinden auszuloten. Beim Abendessen am Freitag wurden erste Kontakte geknpft. Am Samstag fanden zwei Vortrge ber das Modell von Gemeindegenossenschaften und eine Diskussion ber das Konzept der Attac Gemeinden statt. Es gab groe Zustimmung zu diesem Konzept, die TeilnehmerInnen sahen die Kooperation zwischen Attac und Gemeinden durchwegs positiv und ermunterten uns zum Weitermachen. Wir sehen das als Auftrag fr das Jahr 2007 und werden uns bemhen, den interessierten Gemeinden Informationen zur Verfgung zu stellen, den Austausch zwi-schen ihnen zu forcieren und wieder ein sterreichisches Attac-Gemeindetreffen zu organisieren.

    KEG oder Genossenschaft?Kleineren Gemeinden wird als Mglichkeit zur Auslagerung ffentlicher Einrichtungen das Modell der KEG (Komman-diterwerbsgesellschaft, eine private, gewinnorientierte

    Attac und Gemeinden - eine ungewhnliche Partnerschaft?

    Neoliberale Politik begnstigt Investoren und transnationale Konzerne. Steuergeschenke an sie leeren die ffentlichen Kas-sen, Liberalisierung und Privatisierung von ffentlichen Dienstleistungen sind die - durchaus gewnschte - Konsequenz. Die Orte, an denen diese Politik am unmittelbarsten fr Brgerinnen und Brger sprbar wird, sind die Gemeinden. ffentliches Eigentum, ffentliche Dienstleistungen, regionales Wirtschaften und solidarische Gesellschaftsformen - alles Ziele von Attac - knnen sich am ehesten dort manifestieren. Deutsche und sterreichische GemeindevertreterInnen klagen ber den Druck auf ffentliches Eigentum durch das EU-Vergaberecht. Der Beschluss des EU-Parlaments missachtet das Recht der Stdte und Gemeinden, im Interesse der Brgerinnen und Brger die ffentlichen Dienstleistungsaufgaben eigenstndig zu organisieren und durchzufhren sagt Mag. Nicolaus Drimmel vom sterreichischen Gemeindebund. Attac untersttzt die diesbezglichen Stellungnahmen und Forderungen der Gemeinden und sieht sich als deren Partner im Einsatz fr ausreichende Finanzierung und Strkung ffentlichen Eigentums und eine entsprechende rechtliche Absicherung. Daher erscheint es uns sinnvoll, Kooperationen auf diesem Gebiet einzugehen und zur Vernetzung beizutragen.

    Die AnfngeDie Zusammenarbeit zwischen Attac und Gemeinden be-gann whrend der Stopp-GATS-Kampagne 2003. ber 300 Gemeinden in ganz sterreich haben die Stopp-GATS- Resolution unterschrieben. Die Steuergerechtig-keitskampagne war dann speziell auf die Zielgruppen Ge-meindepolitikerInnen und aktive BrgerInnen ausgerichtet. Das Video Kassenkampf - Steuergerechtigkeit statt leere Gemeindetpfe stie auf groe Zustimmung und wurde in viele Gemeinden gezeigt und diskutiert.

    Um die Zusammenarbeit auszubauen und zu konkretisieren wurde das Konzept der Attac-Gemeinden entwickelt. Im Juli 2005 war es dann soweit - Ebensee wurde die erste Attac-Gemeinde. 2006 sind zwei weitere obersterreichi-sche Gemeinden dazu gekommen: Gallneukirchen im Mai und Molln im Juli. Attac-Gemeinden sprechen sich fr eine demokratischere und gerechtere Globalisierung und gegen den Standortwettbewerb und weitere erzwungene Einspa-rungen im Bereich ffentlicher Leistungen aus. Sie bem-hen sich im Rahmen ihrer Einflussmglichkeiten um einen Erhalt der ffentlichen Infrastruktur, um aktive Frderung der Nahversorgung und beteiligen sich z.B. an gentechnik-freien Regionen. Wir mssen uns gegen die internationalen Konzerne zur Wehr setzen, die riesige Gewinne schreiben, kaum noch Steuern zahlen, lokale Infrastrukturen vernichten und insgesamt die Schere zwischen arm und reich stndig grer werden lassen. Dass die Gemeinden immer mehr

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    Unternehmensform) - als beste und einzige Mglichkeit - angepriesen. Das Unternehmen bleibt dabei im Eigen-tum der Gemeinde, wird aber aus rechtlicher Sicht aus dem ffentlichen ins Privatrecht bergefhrt. Oft ist der Erhalt von Landesmitteln an eine solche Form der Aus-gliederung gebunden. Ziel ist einerseits Steuerersparnis, weil die KEG vorsteuerabzugsberechtigt ist, andererseits gehen Kredite, welche die gemeindeeigene KEG auf-nimmt, nicht ins Maastricht-Defizit ein. Die Schulden, bzw. die Zinslast bleibt natrlich trotzdem bei den Gemeinden. KritikerInnen sprechen deshalb vom Verschleiern ffent-licher Verschuldung. Auerdem knnen Entscheidungen auerhalb demokratisch legitimierter Gremien getroffen werden. Das Hauptziel einer KEG ist es zudem Gewinn zu machen, gemeinntzige Ziele knnen - im Rahmen der finanziellen Mglichkeiten - freiwillig bernommen werden. Dieser Vorgang kommt einer schleichenden Privatisierung und Entdemokratisierung gleich, und wird daher von uns mit groer Skepsis betrachtet.

    Wir haben uns also umgeschaut, welche Alternativen es gibt und sind fndig geworden: Die Gemeindegenossen-schaft ist zwar auch ein privates Unternehmen, auch sie belastet das Maastricht-Budget nicht und bietet die Mglichkeit zum Vorsteuerabzug. Das Ziel einer Genos-senschaft ist jedoch nicht Profit, sondern der Nutzen ihrer Mitglieder. Das bedeutet, dass sie von der Rechtsform her fr die Erfllung von Gemeinwohlaufgaben ideal geeignet ist, die Mitsprache der BrgerInnen durch Beteiligung ge-whrleistet und sicher stellt, dass regionale Unternehmen eingebunden werden knnen.

    Wir sehen Genossenschaften als eine Mglichkeit, ffent-liches Eigentum nicht dem globalen Markt auszuliefern, wenn eine Ausgliederung unumgnglich ist. Die beste

    Lsung stellen fr uns jedoch nach wie vor ffentliche Dienstleistungen dar. Die ffentliche Hand soll nicht aus der Verantwortung fr die Dienstleistungen der Daseins-vorsorge entlassen werden, Gemeinden sollen ausreichend Mittel und Entscheidungskompetenzen in diesem Bereich erhalten - daran wollen wir gemeinsam mit den Gemeinden auch in Zukunft arbeiten. Uns ist es aber auch wichtig, der Kampagne fr die Errichtung von Gemeinde-KEGs etwas entgegenzusetzen, um den GemeindepolitikerInnen auch Gegenargumente und Entscheidungshilfen in die Hand zu geben. Der Prsident des deutschen Genossenschafts-verbandes, Dr. Andreas Eisen, erklrte das Modell einer Gemeindegenossenschaft. Brgermeister Frank Priebe aus Nrten Hardenberg in Norddeutschland stellte sein Hallenbad vor, das als Genossenschaft gefhrt wird. Auch Schulen, Krankenhuser, Wasserwerke oder die Tourismuswerbung werden bereits von deutschen und schweizer Kommunen als Genossenschaften gefhrt und das mit gutem Erfolg.

    Internationaler Konvent der KommunenAuch in anderen europischen Lndern vernetzen sich Gemeinden mit der sozialen Bewegung zum Erhalt f-fentlicher Dienstleistungen. Zwei Verterterinnen von Attac sterreich nahmen an einem Treffen von Gemeindepoliti-kerInnen und VertreterInnen der sozialen Bewegung am 27. und 28. Oktober 2006 in Genf teil. Noch beteiligen sich daran hauptschlich Gemeinden aus dem franzsischen Sprachraum, eine Ausweitung ist jedoch gewnscht. Ein gemeinsamer Aufruf, der in Genf verfasst wurde, ist unter www.agcs-gats.org abzurufen - auch in deutsch - und Ein-zelpersonen und Gemeinden haben die Mglichkeit, ihn zu unterschreiben. Attac sterreich wird sich weiter an dieser internationalen Vernetzung beteiligen und versuchen den Kontakt mit sterreichischen Gemeinden herzustellen.

    Brigitte Kratzwald

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    Agrarattac: Landwirtschaft & darber hinaus

    Bis vor kurzem waren die sozialen Bewegungen in unseren Breitengraden im Bereich der Landwirtschaft so gut wie gar nicht aktiv. Das Thema galt lange Zeit als out. Jedoch haben Entwicklungen in der Landwirtschaft vielf ltige Auswirkungen auf unser aller Leben. Das ist sptestens auch seit dem Erfolg des Filmes We feed the World klar geworden. Fakt ist, dass es in diesem Bereich entlang des Leitbilds der Ernhrungssouvernitt eine starke, attraktive und zukunftsweisende Richtungsforderung gibt. Die Frage ist nun fr uns, wie sich dies in die politischen Debatten einbringen lsst und wie wir verndernd wirken knnen. Hierzu haben wir uns einiges vorgenommen. Eine groe Strke dieses Themas sind die konkreten Anknp-fungspunkte fr jede und jeden von uns. Dies spiegelt sich sowohl inhaltlich im Zugang, als auch in den Aktivitten von Agrarattac wieder. Wir versuchen, uns ausgehend von der unmittelbaren, konkreten Erfahrung mit globalen Zusammenhngen zu befassen.

    Von der inhaltlichen BreiteInhaltlich haben wir einen breiten, ganzheitlichen und globa-len Zugang zur Landwirtschaft. Dies ist notwendiger denn je. Entwicklungen in der Landwirtschaft haben unmittelbare Aus-wirkungen auf unsere Lebensmittel, auf unsere Gesundheit, auf die Arbeits- und Lebensbedingungen, auf die Umwelt, auf Fragen des Hungers und der Armut, auf das Erscheinungsbild der Landschaften, auf Menschenrechte, auf Migration und auf Kultur. Ein brandaktuelles Thema ist natrlich auch die Gentechnik. In der ffentlichen Debatte wird diesen Zusam-menhngen nicht Rechnung getragen, meist wird das Thema auf einige wenige Aspekte reduziert. Als KonsumentInnen, als Bauern und Buerinnen und/oder als ArbeiterInnen haben wir alle weltweit ein Interesse an ausreichenden, gesunden, kologisch produzierten, gerecht gehandelten und leistba-ren Lebensmittel. Dieses breite Interesse steht im Zentrum vieler berlegungen und wird den gegenwrtig bevorzugten

    Konzerninteressen entgegengehalten. Ein zweiter wichtiger Anknpfungspunkt ist die sogenannte globale Konfliktlinie: Zentral ist hier die Erkenntnis, dass die globale Konfliktlinie in der Landwirtschaft nicht in erster Linie zwischen Nord und Sd verluft, sondern zwischen industrialisierter, expor-torientierter, konzerndominierter, umweltzerstrender Land-wirtschaft einerseits und (klein)buerlicher und kologisch nachhaltiger Landwirtschaft andererseits, und das in Nord und Sd. Diese globale Solidaritt, die hieraus entstehen kann, ist eine Grundlage fr die Vernderung der bestehen-den Form der globalen Landwirtschaft. Globale Solidaritt ist notwendiger denn je - auch in der Landwirtschaft.

    bis zu sinnlicher TiefeDer Relevanz dieser Themen gehen wir aber auch sinnlich nach. Dies spiegelt sich zum Beispiel im Kochen als revo-lutionren Akt wieder. Wir versuchen hier, ein politisiertes, lustvolles, geschmackvolles und auch einfaches Kochen (wieder-) zuentdecken. So blicken wir im wahrsten Sinne des Wortes weit ber unseren eigenen Tellerrand hinaus - und das bei jedem Treffen. Ein Zukunftsprojekt fr uns ist hier auch ein Kochbuch, das bereits im Entstehen ist.

    Was alles geplant istBei der letzten AktivistInnenversammlung wurde das The-ma Landwirtschaft als einer der zuknftigen Schwerpunkte festgelegt. Hhepunkt wird dabei im Mai 2007 ein Agrar-seminar sein, wo wir versuchen, eine kritische Debatte zu und in der Landwirtschaft zu starten. Weiters wird auch viel Vernetzungsarbeit anfallen, die auf eine mgliche Kampag-ne zur Reform der gemeinsamen Agrarpolitik der EU 2008 ausgerichtet sein wird. Einer hochmotivierten Gruppe wird so auch im kommenden Jahr nicht fad werdenWer Interesse hat, bei diesem spannenden Thema in der Inhaltsgruppe mitzuarbeiten oder uns anderweitig zu untersttzen, ist dazu natrlich jederzeit herzlich eingeladen!

    Franziskus Forster, Agrarattac

    Das Jahr 2006 hat eine neue Inhaltsgruppe gebracht. Das

    Thema Landwirtschaft bietet dabei viele neue Zugnge und

    Perspektiven. Von inhaltlicher Breite bis zu sinnlicher Tiefe

    tut sich bei Agrarattac einiges.

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    Zentrale inhaltliche Bereiche der Arbeit von Attac sind:Kontrolle der Finanzmrkte, Entschrfung des Standortwett-bewerbs, Entschuldung armer Lnder, Steuergerechtigkeit,eine gerechte Welthandelsordnung, pro-europische EU-Kritik. Kampagnen und Aktionen bringen die Themen an einebreite ffentlichkeit denn alle Menschen knnen (und sol-len) Globalisierung verstehen und mitgestalten.

    Aber wie arbeitet Attac berhaupt? Die koordinierende Stellevon Attac sterreich ist der ehrenamtliche Vorstand. Zu denAufgaben des Vorstandes zhlt die rechtliche, finanzielleund politische Verantwortung fr die Gesamtorganisation,sowie Gesamtkoordination und berblick ber mglichstalle Aktivitten. Der Vorstand versucht zur Erfllung seinerAufgaben in einem permanenten Kommunikations- und Aus-tauschprozess mit allen Gruppen zu stehen. Zudem vertrittder Vorstand die Organisation nach auen. ffentliche Auf-tritte und politische Vernetzungsarbeit werden daher in derRegel von Vorstandsmitgliedern wahrgenommen. Statutengem hlt Attac einmal jhrlich eine General-versammlung ab, in deren Rahmen die Mitglieder des Ver-einsvorstandes und des Gender-Mainstreaming-Gremiumssowie die RechnungsprferInnen gewhlt werden. Wahl-berechtigt sind alle Mitglieder von Attac sterreich. Getragen wird Attac von den Regional-, Inhalts- und Quer-schnittsgruppen. Die Inhaltsgruppen sind wichtige Andock-mglichkeiten fr Interessierte: Sie bieten einen Raum frDiskussionen, ermchtigen zum selbststndigen politischenHandeln und decken den interner Bildungsauftrag ab. Die Regionalgruppen verkrpern Attac vor Ort. Sie habeneine vergleichsweise hohe Autonomie, beteiligen sich aberauch bei gemeinsamen, sterreichweiten Kampagnen undsind durch vielfltige Veranstaltungen vor allem ein wichtigerBeitrag zum Informationsaustausch vor Ort. Zudem gibt es noch Querschnittsgruppen, die deutlich berInhaltsgruppen hinausgehen. Sie beschftigen sich nichtmit einem thematischen Teilbereich, sondern haben die Auf-gabe, wichtige Grundprinzipien der Arbeit von Attac inhalt-lich weiterzuentwickeln, ffentlich zu transportieren und

    andere Teilgruppen von Attac bei der Integration in derenArbeit zu untersttzen. Zurzeit stellen feministATTAC, sowiedas Gender Mainstreaming Gremium eine Querschnitts-gruppe dar.Weiters gibt es noch Supportteams, die fr die Orga-nisation notwendige Aufgaben abdecken. Sie sind verant-wortlich fr die organisatorische Infrastruktur und sollenandere Teilgruppen in ihrer Arbeit untersttzen und metho-disches Know-How weitergeben. So gibt es zurzeit dasSommerakademie-Team, das Webteam, ein Medienteam,die ATTACtionen- Gruppe etc. Fr die organisatorische und inhaltliche Weiterentwicklungvon Attac sterreich gibt es zwei wichtige Instrumente: DenSelbstverstndnisprozess und die AktivistInnenversamm-lung. Der Selbstverstndnisprozess dient in erster Linie da-zu, Strategien bezglich der Organisation zu entwickeln, amSelbst- und Auenbild von Attac zu arbeiten. Sich der Her-ausforderung zu stellen, die da heit, eine Organisation mitstark ausgeprgtem ehrenamtlichen Anteil zu sein und trotz-dem Professionalitt zu garantieren. Und wie es mglich ist,sich so wenig organisatorische Struktur wie mglich, abereben auch so viel wie ntig zu geben. Die AktivistInnenversammlung ist ein Forum all jener Men-schen, die sich bei Attac engagieren. Dort werden neueInhaltgruppen anerkannt, Positionen, die Attac offiziell ein-nimmt, diskutiert, und zuknftige thematische Schwer-punkte und Kampagnen beschlossen. Die Treffen gebenaber auch einen berblick ber die vielfltigen Aktivittender Regional- und Inhaltsgruppen und dienen der Ver-netzung der AktivistInnen. Es ist also ein ganzes Geflecht von Strukturen, Gruppen,Prozessen, die das Wesen von Attac ausmachen. Wir nen-nen uns eben nicht umsonst Netzwerk!

    Die nchste Generalversammlung 2007 findet am 22. April 2006in Linz statt. Alle Mitglieder von Attac sterreich sind herz-lich willkommen! Nhere Informationen unter Telefon 01/544.00.10 oder perE-Mail unter: [email protected]

    BERBLICK BER GRUPPEN UND STRUKTUREN VON ATTAC GLOBALISIERUNG SOLL ALLEN MENSCHEN NTZEN, NICHT NUR WENIGEN KONZERNEN.DESHALB SETZT SICH ATTAC FR EINE DEMOKRATISCHE UND SOZIAL GERECHTE GESTALTUNG DER GLOBALEN WIRTSCHAFT EIN.

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    Vieles luft weltweit verkehrt doch was hilft es, wenn iches wei was kann ich da machen? Als einzelne/r bin ichsowieso machtlos? Aber ich will da doch nicht einfach zu-schauen! Von der Parteipolitik bin ich frustriert, doch irgend-wie mchte ich mich einbringen. Vielfach waren es solcheEmpfindungen, die Leute dazu bewegt haben bei einerAttac-Regionalgruppe mitzumachen. Auf so was wie Attachabe ich schon lange gewartet, war eine Aussage, die oft-mals zu hren war.Vor allem in O hat das Konzept der Regionalgruppen sehrgut gegriffen 9 Gruppen breit verteilt auf O treffen sichca. monatlich und diskutieren, erarbeiten Inhalte und orga-nisieren diverse Veranstaltungen. Die Gruppen setzen sichaus den unterschiedlichsten Menschen zusammen und ar-beiten auch sehr verschieden, je nach Anspruch und Mg-lichkeiten.

    Allen gemeinsam ist, dass sie es schtzen, vor Ort politischttig sein zu knnen, um somit die Ohnmacht ein Stck auf-zubrechen. Die Gruppen arbeiten jedoch nicht nur fr sichallein, sondern vernetzten sich auch und tragen gemeinsa-me Schwerpunkte und Kampagnen von Attac mit, bzw. bre-chen sie die Inhalte auf die regionale Ebene herunter. Als ein wichtiger Faktor fr die Bestndigkeit einer Regio-nalgruppe hat sich die Qualitt der persnlichen Bezie-hungen herausgestellt. Der respektvolle Umgang miteinan-der und der Spa am gemeinsamen Tun bieten die Basisfr politisches Handeln und damit fr Vernderung vonunten.Zur besseren Einbindung in die Arbeit von Attac und zumAustausch der Regionalgruppen untereinander gibt es ca.3 Regionalgruppentreffen jhrlich auf sterreichebene. Beiden Schwerpunktthemen von Attac versuchen wir auch aufdie Umsetzung fr Regionalgruppen zu achten. Im Vorstandsind Brigitte Kratzwald und ich fr die Zusammenarbeit mitden Regionalgruppen zustndig. Wir bemhen uns um denKontakt und bieten Untersttzung beim Aufbau von Attac-Regionalgruppen. Heinz Mittermayr

    Im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung zum ThemaRegionale Mglichkeiten in der EU wurde die MhlviertlerGemeinde Gallneukirchen am 11. Mai 2006 zur Attac-Ge-meinde erhoben. Gallneukirchen, eine Stadt mit ca. 6000EinwohnerInnen, ist damit die 1. VP-dominierte Attac-Gemeinde. Schon in den vergangen Jahren gab es in Gallneukircheneine gute Zusammenarbeit zwischen politischer Gemeinde,Kirche, Gewerkschaft und Attac bei verschiedenen sozial-politischen Themen. So wurde auch der SchwerpunktSteuergerechtigkeit statt leere Gemeindetpfe von allenFraktionen der Gemeinde sehr positiv aufgenommen undAttac als Bndnispartner wahrgenommen.Indem wir als Gemeinde Gallneukirchen Attac unterstt-zen, setzen wir ein Zeichen, dass eine Zusammenarbeit frdie Sicherung der ffentlichen Leistungen notwendig ist,begrndet Brgermeister Walter Bck den Schritt zur Attac-Gemeinde. Attac-Gemeinden bekennen sich zum Erhalt und zur Ver-besserung ffentlicher Dienstleistungen. Dies beinhaltetauch, dass die dafr notwenigen finanziellen Mitteln nichtweiter beschnitten werden drfen was durch eine Ab-senkung der Staatsquote klar der Fall wre. Der Wettbe-werb zwischen Staaten, aber auch Regionen und Gemein-den um niedrige Steuern, Umwelt- und Sozialstandards wirdklar verurteilt. Stattdessen soll die regionale Wirtschaft aktiv durch Inves-titionen in die Infrastruktur und kologische Kostenwahrheitim Transport gefrdert werden. Damit wrden einerseitsArbeitspltze und Wertschpfung in die Regionen zurk-kkehren und andererseits die Umwelt- und Gesundheits-belastungen durch den Transit sinken.Wir, von der Regionalgruppe Attac-Unteres Mhlviertel, sindnicht nur in Kontakt mit dieser Gemeinde, ebenso laufenschon Vorbereitungen fr eine Veranstaltung mit der Ge-meinde Ried, die ebenfalls an der Ernennung zur Attac-Gemeinde interessiert ist.So hoffen wir, dass unsere Anliegen von immer mehr Men-schen mitgetragen werden und Attac-Gemeinde als Zei-chen fr eine regionale Alternative zur derzeitigen Globali-sierung steht. Fr Attac-Unteres Mhlviertel: Heinz Mittermayr

    ATTAC VOR ORT

    GALLNEUKIRCHEN WIRD ATTAC-GEMEINDE

    ATTAC-REGIONALGRUPPEN ALS REGIONALE ANTWORT AUF DIE GLOBALISIERUNG

    ATTAC-REGIONALGRUPPEN ALS REGIONALE ANTWORT AUF DIE GLOBALISIERUNG

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    Da sich ein paar von uns mit dem Thema Geld und Zinsbeschftigt hatten, beschlossen wir 2005, Fachleute dazunach Ried einzuladen. Eine Serie sollte es werden, weildiese leichter subventionierbar war, und wir die Nase vollhatten vom wilden thematischen Herumhpfen. Die Reihewurde vorrangig vom BZ St. Franziskus getragen. Es kamenberdurchschnittlich viele BesucherInnen, wobei wir sehrviel Werbung betrieben hatten: Wir fhrten mehrmals eineigenes Straentheater zum Thema auf (eine teils frustrie-rende Erfahrung, aber wir hatten viel Spa). Auerdem hat-ten wir ber 2.000 Stck eines aufwndigen 12-seitigenFolder unter die Leute gebracht. Im Vorwort des Foldershie es:

    Wir wollen mit dieser Veranstaltungsreihe, bestehend aus5 Vortrgen und 3 ergnzenden Workshops einen thema-tisch breiten, aber auch kritischen Zugang zum Geld- undFinanzsystem anbieten. Wir wollen vom Verstehenlernen derderzeitigen Strukturen ausgehen (Ferdinand Lacina Finanz-Macht-Global Wie funktioniert und wer reguliert das inter-nationale Finanzsystem). Dann sollen Mglichkeiten derSteuerung thematisiert werden auf Ebene der Politik(Herwig Bchele Das Geld als Zauberstab und die Machtder int. Finanzmrkte) und der AnlegerInnenseite (MarkusSchlagnitweit). Darber hinaus wollen wir auch fundamen-tale Kritik am Zins- und Geldsystem und Alternativen vor-stellen. Diese zielen einerseits auf nderungen des derzei-tigen Systems zur Durchbrechung der Bereicherungs- undVerschuldungsspirale durch den Zinseszinseffekt (HelmutCreutz Unser Geld zerstrt die Welt Warum?), anderer-seits auf die Einfhrung so genannter Regionalwhrungen,die Regionen wirtschaftlich strken und sich miteinander zueinem Alternativ-System neben den berregionalen Geld-systemen vernetzen knnen (Margit Kennedy Komplemen-tre Whrungen Neue Wege zu nachhaltigem Wohl-stand).

    Einige der wissenschaftlich fundiert aufgezeigten Problemewaren: Schulden und Geldvermgen wuchern exponentiell ins

    Unermessliche.

    Die Zinslast bersteigt mittlerweile die Kosten fr dieSozialsysteme um ein Vielfaches.

    Das Geld zieht sich aus der Realwirtschaft in die Sphrender Spekulation zurck berspekulation, Brsenwahnund Instabilitten sind die Folge.

    Zinsen bewirken eine starke Umverteilung der Vermgenvon Arm zu Reich, einen starken Zeit- und Konkurrenz-druck und den Zwang zu stndigem Wirtschaftswachs-tum.

    Daraufhin hat sich in Ried eine Arbeitsgruppe gebildet, diedie Mglichkeiten einer Regionalwhrung zur Strkung derWirtschaft im Innviertel analysiert hat. Dabei ergab sich,dass diese nur einen kleinen Teil der Probleme lsen kann.Durch die Rieder Aktivitten angeregt, hat sich nun aucheine grere Attac-Arbeitsgruppe in Linz zum Thema Geldgebildet, welche ebenfalls Veranstaltungen plant.

    Im Herbst 2006 wurde die Reihe Initiative zur Projektierungalternativer Wirtschaftskreislufe beidseits des Inn veran-staltet. Diese wurde untersttzt von InnBrcke21 (Regio-nalentwicklung), Generationennetzwerk, Attac Ried, Be-triebsseelsorge Bistum Passau und anderen bayrischenPartnerInnen.Der Talente-Tauschkreis Vorarlberg stellte ein professionel-les und umfangreiches System vor, das seit 1998 bestehtund stndig weiterentwickelt wird. Die 2 Workshops erga-ben, dass die Finanzierung und Deckung der Pflege dasdringendste Problem ist.

    Eine neue Arbeitsgruppe beginnt nun, das Vorarlberger Pfle-geansparmodell (eine sog. Zeitbank) bei uns und in Bayerneinzufhren. Das Generationennetzwerk erweitert das Sys-tem um organisierte Nachbarschaftshilfe. Im 2. Schritt sollein Barter-Ring (Tauschkreis fr Firmen) ergnzt werden, umKleinbetrieben zinsfreie Kredite in einer Z(w)eitwhrung zuermglichen, und die Abhngigkeit zum Euro zu verringern.In der 3. Phase sollen Regionalwhrungen eingefhrt wer-den, um regionale und nachhaltige Wirtschaftskreislufe zufrdern (Kontakt: Tobias Plettenbacher, [email protected] ).

    Attac Ried

    GELD REGIERT DIE WELT UND WER REGIERT DAS GELD?VERANSTALTUNGSREIHE 05/06 DER REGIONALGRUPPE RIED UND AUSBLICK AUF 2007

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    AgrarAttacBeschftigt sich mit den Auswirkungen der neoliberalenGlobalisierung auf die Landwirtschaft in Sd und Nord einigeSchlagwrter sind Ernhrungssouvernitt, Biodiversitt undIndustrialisierung der Landwirtschaft.Kontakt: [email protected]

    AttactionenErregt Aufmerksamkeit durch meist ironisierende und gewaltfreieAktionen und die Menschen auf der Strae zu Kritik an wichtigenund gefhrlichen Vorgngen in der Welt an.Kontakt: Agnes Peterseil, [email protected]

    EntschuldungArbeitet zum Thema Entschuldung von armen Lndern und den dafr ntigen Begleitmanahmen.Kontakt: Alexander Niernsee, [email protected]

    FeministAttacBetreibt eine feministische Kritik der neoliberalen Globalisierung und arbeitet zum Thema "Gender-Aspekte und Wirtschaft".Kontakt: Elisabeth Klatzer, [email protected]

    FinanzmrkteBeschftigt sich mit dem breiten Feld der Auswirkungen der Liberalisierung der Finanzmrkte auf die Weltwirtschaft.Kontakt: Sybille Pirklbauer, [email protected]

    GrundeinkommenAttacArbeitet fr ein Bedingungsloses Grundeinkommen, das sich in einer Marktwirtschaft aus dem unveruerlichem Recht jedesMenschen auf Leben ableiten lsst.Kontakt: [email protected]

    PdagogikAttacArbeitet in Schulen (Unterrichtsmaterialien, Vortrge, Projekt-arbeiten, Abschlussarbeiten) und in der LehrerInnen-Aus- undWeiterbildung, um eine gesellschaftliche Bewusstseinsbildung und Diskussion ber den Prozess der Globalisierung, die welt-weiten Zusammenhnge, die Auswirkungen, die Machtinteressenund die Alternativen zu erreichen.Kontakt: [email protected]

    Radio%attacProduziert eine wchentliche Radiosendung zu Attac-Themen, die mittlerweile bundesweit und sogar ber die Landesgrenzengesendet wird.Kontakt: Linda Fhrung, [email protected]

    SambAttacIst lautstark unterwegs, um mit heien Rhythmen aus den Straen Brasiliens Batucada, Samba-Reggae und Maracatu die ffentlichkeit zu erobern, um Lust zu machen auf Ausein-andersetzung und kritisches Denken und um ein Stck Welt zuschaffen, in der wir leben wollen.Kontakt: [email protected]

    SocialAttacBeschftigt sich damit, wie sich die Globalisierung und eine neoliberale Politik auf die sozialen Sicherungssysteme aus-wirken und betrachtet dabei die Auswirkungen auf Betroffene,Institutionen und NGOs im Sozialbereich. Kontakt: [email protected]

    SocialAttac-GesundheitBeschftigt sich mit dem Erhalt und der Verbesserung des sozialen Gesundheitswesens und den Zusammenhngen desselben mit der Globalisierung, der Liberalisierung von Handel und Finanzmrkten und dem internationalen Steuer-wettbewerb.Kontakt: Claudia Naumann, [email protected]

    SteuergerechtigkeitBeschftigt sich mit den globalen Zusammenhngen vonSteuerwettlauf, Steueroasen, automatischem Informations-austausch, Belastung einzelner Faktoren (Arbeit, Kapital,Ressourcen, Konsum) und unterschiedlicher Bevlkerungs-gruppen und diskutiert Verteilung, Gerechtigkeit und SteuerpolitikKontakt: [email protected]

    WTOattacDiskutiert, reflektiert und kritisiert die WTO und den weltweitenFreihandel, die durch die zunehmende Globalisierung einen immergreren Einfluss auf unser aller Leben haben.Kontakt: Franziskus Forster, [email protected]

    BERSICHT BER DIE ATTAC INHALTSGRUPPEN

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    Seit der Grndung von Attac sterreich hat sich das GenderMainstreaming Gremium bemht, einen Beitrag zur Be-wusstseinsbildung innerhalb von Attac zu leisten. Der ko-nomischen Alphabetisierung als zentrale Attac-Strategie imBereich der ffentlichkeitsarbeit stellen wir Bemhungenzu einem gelungenen, demokratisch inspirierten Umgangmit der Geschlechterdifferenz innerhalb und auerhalb derBewegung/Organisation an die Seite. Der Erfolg dieserBemhungen ist strker als jener der Alphabetisierung amkonkreten Handeln festzumachen und bis zu einem gewis-sen Grad schlgt sich Gender Mainstreaming als ein Weg,sich dem ambitionierten Ziel der Geschlechtergerechtigkeitanzunhern, heute tatschlich im Tagesgeschft von Attacnieder.

    Dies war nicht immer so: In einer Gesellschaft, die durchgn-gig durch eine Geschlechterhierarchie geprgt ist, ergibtsich eine Erfolgsbilanz keineswegs von selbst. Nach drei-jhrigem Bestehen von Attac sterreich fiel diese entspre-chend ernchternd aus. Obwohl Gender Mainstreaming vonAttac sterreich auf internationalen Zusammenknften be-reits offensiv vermarktet wurde, war es ein Randthemageblieben und wird als solches getrennt vom Tagesge-schft (das als dringlicher und wichtiger erachtet wird)wahrgenommen Die Arbeit an der Gleichstellung wirdden Frauen berlassen bzw. hauptschlich von diesen auf-gegriffen (z. B. von feministAttac). Hier entspricht die Struk-tur von Attac den gesamtgesellschaftlichen Verhltnissen,war noch 2004 im Jahresbericht von Attac sterreich zulesen.

    Ausgehend vom Aufzeigen von Versumnissen und dem imNachhinein erfolgenden Einmahnen von Gleichstellungs-prinzipien, ist das Gender Mainstreaming Gremium in denletzten Jahren dazu bergegangen, im gesamten Spektrumder Aktivitten von Attac darauf zu drngen, dass dieGeschlechterproblematrik bereits im Vorfeld mglichstfrhzeitig und jedenfalls noch im Planungsprozess Be-rcksichtigung findet. Ein Angebot des Gender Mainstrea-ming Gremiums, das erste berlegungen untersttzen soll,ist unser Gender-Coaching, das allen AktivistInnen dieMglichkeit bietet, bei uns nachzufragen und sich mit unsgemeinsam damit auseinanderzusetzen, wie sich dieGenderfrage in konkreten Projekten (dar)stellt. Gleichzeitigwurden konkrete Schritte unternommen, um Aktivitten, dieunter dem Aspekt der Geschlechtergerechtigkeit als weg-

    weisend anzusehen sind, innerhalb von Attac Sichtbarkeitund Anerkennung zu verleihen: etwa mit dem Gender Main-streaming Award, der 2006 zum zweiten Mal Jahr bei derGeneralversammlung verliehen wurde, sowie mit der redak-tionellen Begleitung der offiziellen Publikationen von Attac.

    Eine vielversprechende Entwicklung zur Verbreitung unsererZielsetzung zeichnete sich 2006 infolge einer Einladung inden Rat von Attac Deutschland ab. Dort berichteten wir imersten Halbjahr ber die EU-Kampagne von Attac ster-reich, wobei wir es nicht versumten, an konkreten Bei-spielen die vorbildliche Bercksichtigung von Gender-bezgen in dieser Kampagne hervorzuheben. Dieser erstenEinladung folgte sogleich eine zweite: Im zweiten Halbjahrkonnten wir die Struktur und Arbeit des Gremiums vorstel-len. Der Diskussion dieses Modells und der Frage der ber-tragbarkeit auf Attac Deutschland war ein ganzer Taggewidmet. Inzwischen hat Attac Deutschland ein eigenesGremium eingerichtet, das sich am sterreichischenModell anlehnt und auch mit einer Reihe von Kompetenzenausgestattet ist. Zudem wurde ein E-Mail-Verteiler einge-richtet, ber den wir uns zu den Fragen und Umset-zungsschritten, die in Deutschland diskutiert werden, ein-bringen und austauschen knnen. Auch in Attac Frankreichscheint das Klima gnstig, um unserer Zielsetzung etwasnher zu kommen, die wir nun abschlieend in einem Satzfesthalten wollen:

    Wo Attac drauf steht, ist etwas mehr Geschlechtergerechtigkeit drin

    als dies allgemein blich ist zumal im konomischen Dis-kurs. Ursula Koller, Astrid Konrad,

    Pier-Paolo Pasqualoni und Bettina Urbanek

    Gender Mainstreaming Gremium unsere Website:http://www.attac.at/3591.html

    ATTAC UND DIE FRAGE DER GESCHLECHTERGERECHTIGKEIT EINE FORTWHRENDE ZWISCHENBILANZ

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  • UNVERBLMT DIE GLOBALISIERTE WELT IN UNSERER BLUMENVASEGLOBALISIERUNG VON UNTEN DURCH DEN KAUF EINES BLUMENSTRAUES

    FLP hinter diesen drei Buchstaben, die fr Flower LabelProgram stehen, verbergen sich die Chancen von Blumen-arbeiterInnen in Afrika und Lateinamerika auf menschenwr-dige, sozialvertrgliche, kologischere Arbeitsbedingungen.Nachdem in den 60iger und 70iger Jahren der Aufbau derSchnittblumenproduktion in Lndern der dritten Welt voninternationalen Organisationen intensiv gefrdert wurde,drangen ab den 1980iger Jahren immer mehr Meldungenber ausbeuterische, unwrdige, krankheitserregende bistodbringende Arbeitsbedingungen auf den Blumenfarmennach Europa.In sterreich gibt es derzeit rund 100 Blumenfachgeschf-te, die solch sozialvertrglich produzierte Blumen im Sorti-ment haben. Allerdings war es bis vor ein paar Monatennicht mglich, in Vorarlberg solche Blumen zu kaufen.Anlass fr FeministAttacVorarlberg untersttzt von FIAN,der Sdwind Agentur und den Weltlden eine Informa-tionskampagne zu starten, mit dem Ziel auch die Vorarl-berger FloristInnen dafr zu gewinnen, bei Importschnitt-blumen aus bersee auf die sozialvertrglichen FLP-Blumenzu setzen.Nach einer Aktion zum Valentinstag 2006 in Dornbirn undeiner mehrwchigen Unterschriftenaktion fand am 17.7.06,ebenfalls in Dornbirn, eine Informationsveranstaltung statt,zu der FeministAttac Vorarlberg, VertreterInnen des Vorarl-berger Blumengrohandels, der Vorarlberger FloristInnenund GrtnerInnen einluden, zu einer Diskussion mit der flp-Sprecherin sterreich, Michaela Knigshofer. Das Mottoder Veranstaltung war Regional und saisonal s