MITTENDRIN Juni-Juli-August-Ausgabe 2014

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Magazin für Kultur und Bildung in Prenzlauer Berg

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    Kulturverein Prenzlauer Berg e.V. Juni/Juli/August 2014 kostenlose Ausgabe

    DENKEN

  • IN MITTENDRINThema

    Denken 3-5Ein unkmpftes Feld

    Shortstories

    Neue Open-Air-Bhnenlocation 6Theatersommer im ZENTRUM danziger50

    Auf der Suche nach dem Glck 7Mit Lola und Pola in der Berliner Halbwelt

    Lange Nacht der Familien 7Mrchen-Abenteuer-Kunst-Spaziergang

    Allein mit Kind? 8Betreutes Wohnen in der Kollwitzstrae

    Arbeiten und nicht verzweifeln 91. Mai im ZENTRUM danziger50

    In eigener Sache 9Vermischtes

    Bcher

    Wer werde ich gewesen sein? 10Harald Welzer: Selbst denken

    Erlesenes fr Kinder 11Viele Bcher machen klcher

    Zeitgeschehen

    Gemeinsam anpacken 12-13Kommunale Umweltkooperation in Zeiten der Ukraine-Krise

    (Kiez-)Kultur

    Von Diebesbanden und Borderlinern 14-15Ein Interview mit Ruberhauptmann Henryk Gericke,

    Staatsgalerie Prenzlauer Berg

    Vorgestellt: Abgeordnete aus dem Kiez 16-17Heute: Katrin Mller, Die Linke, Wahlkreis 8

    Kolumne: Der springende Punkt 18....macht sich Gedanken

    Menschenbildung in einer globalisierten Welt 19Ein Kommentar von Stefan Bhme

    Herausgeber:Kulturverein Prenzlauer Berg e.V. Danziger Str. 50, 10435 Berlin

    Redaktion:Barbara Schwarz (bs), Frauke Niemann (fn)[email protected]/43202067

    Verantwortlich ViSdP:Der Vorstand

    Grundlayout:Edmund Cekanavicius

    Gestaltung: Frauke Niemann, Barbara Schwarz

    Satz: Thilo Schwarz-Schller

    Druck: Jugendmedienwerkstatt MedienpointNorbert Winkelmann Gleimstr. 49, 10437 Berlin

    EDITORIALWussten Sie schon, dass alle deutschen Goldhamster aneinandergereiht von der Erde bis zum Mond reichen wrden, wenn sie nur nicht so

    dumm wren?(Loriot)

    Was Vicco von Blow uns hier durch die Hamster-Blume sagen will? Vieles. Dass er die kleinen possierlichen Tierchen nicht fr die Krone der Schpfung hlt, z.B. Vielleicht auch dies: Wer denken kann, ist klar im Vorteil. Dem

    Denken haben wir diese Ausgabe gewidmet. Auf den nchsten drei Seiten denkt unser Gastautor Stefan Bhme in seinem Essay Ein unkmpftes Feld ber das Denken nach mal leise, mal etwas lauter. Und nimmt uns mit auf eine philosphische Reise beleuchtet die Potenziale des Denkens ebenso wie seine Banalisierung. Sie sind eingeladen: Denken Sie mit! Auch Harald Welzer mchte uns fr Selbiges begeistern: Selbst denken heit sein neues Buch, das wir auf Seite 10 besprechen. Der Soziloge formuliert

    Eine Anleitung zum Widerstand und zeigt auf, was wir der herrschenden Kultur des ALLES IMMER entgegen setzen knnen.

    Und sonst? Wie gewohnt stellen wir Ihnen kulturelle Kiezschmankerl vor. Was Diebesbanden und Borderliner in einer Galerie zu suchen haben? Erklrt Henryk Gericke, Inhaber der Staatsgalerie Prenzlauer Berg, im Interview. In der Reihe Vorgestellt portraitieren wir Politiker verschiedener Parteien unseres Wahlkreises. Dazu gibt es Interessantes aus unserem Vereinsleben, unseren pdagogischen und sozialen Einrichtungen und von Kunstveranstaltungen und -aktionen zu berichten. Und ber Engagement ber die Stadtgrenzen hinaus: Was kommunale Umweltkooperation in Zeiten der Ukraine-Krise bewirken kann, erfahren Sie auf Seite 12 und 13.

    Viel Spa beim Lesen wnschen

    Barbara Schwarz und Frauke Niemann(Redaktion MITTENDRIN ein Magazin des Kulturverein Prenzlauer Berg)

    Wir freuen uns ber jede Wortmeldung ob Alltgliches oder Kurioses, kleine oder grere Aufreger, Lob oder Kritik. Ganze Artikel sind genauso willkommen wie Themenvorschlge, Leserbriefe, Hinweise auf inspirierende Lektre oder spannende Veranstaltungen im Prenzlauer Berg. Ihre Beitrge senden Sie bitte an: [email protected] Der Redaktionsschluss fr die nchste Ausgabe ist der 10. August 2014.

    Impressum

    Das Letzte

    Wat? Wo steht denn ditte? 20Bilderrtsel

    Wohin im Juni/Juli/August? 20Veranstaltungen im ZENTRUM danziger50

  • 3Thema

    Denken

    Der Mensch steht erst am Anfang seiner Entwicklung. Das Denken ist gegenber dem gedankenlosen Zustand als plastischer Gestal-tungsvorgang aus dem Nichts in unserer Zeit der entscheidende Schritt zur Freiheit, an dem jeder teilhaben kann. Darauf hat Joseph Beuys mit seinem erweiterten Kunstbegriff und seiner plastischen Theorie immer wieder hingewiesen. Das Denken hat dabei eine besondere Bedeutung, ist selbst schon Plastik, weil es Ideenmaterial formt und Gedankengebilde gestaltet.

    Wer nicht denken will, fliegt raus (Joseph Beuys) Wir knnen also unter Umstnden ein weiteres Mal aufwachen. Das kann zunchst unangenehm sein. Natrlich. Aber auch der Morgenmuffel will nicht ewig schlafen. Insofern sind heute alle alten esoterischen Schulen, die von einer Erleuchtung durch Unterlassung des Denkens trumen, rckwrts gewandte Schulen der Zerstrung jeglicher Evolution, die nur noch durch die Kraft der Individualitt vorwrts geht.

    Wer sich nicht gestaltet, wird gestaltet

    Alles andere ist Selbstzerstrung und Selbstauflsung des Menschen. Dass sie mglich ist, ist Ausweis unserer Freiheit. Sie wird auf vielen Ebe-nen betrieben. Ja, ich wei, wir sind in einer apokalyptischen Situation, stehen am Abgrund und viele fragen sich zurecht, was diese abendlndi-sche Kultur in der Welt angerichtet hat. Aber es hilft nichts: Wer sich nicht gestaltet, wird gestaltet. Das ist der eigentlich Sinn des Wortes Bildung. Es kommt auf uns an, sonst werden die zerstrerischen Krfte fortwirken! Das ist die richtige Form der Selbstliebe.

    Aber wie oft halten wir fr Denken, was tatschlich nur meine Position im sozialen Ganzen widerspiegelt. Insofern ist es ja allzu oft wahr: Das Sein prgt das Bewusstsein. Ich fand es z.B. immer eigentmlich, wenn jemand, solange er arm und jung ist, sich selbstverstndlich als Linker versteht und wenn er es dann im Laufe des Lebens zu etwas gebracht hat, langsam zum Konservativen mutiert, der selbstverstndlich nicht mehr umver-teilen will.

    Das hat hier wie dort mit Denken eben nichts zu tun. Solche Einstellungen sind in Worte ausgedrckte Befindlichkeiten. Oder schlichtweg: Egoismus. Noch krasser zeigt sich dieses Phnomen auf nationaler Ebene an der ge-genwrtigen Krise in der Ukraine. Wer kommt hier zu einem einigermaen

    sachgerechten Urteil? Ja, mglicherweise jenseits der uns fix und fer-tig vorgelegten Schlussfolgerungen durch die meisten Medien? Eine wirkliche Herausforderung.

    Ein umkmpftes FeldText: Stefan Bhme

    Dass der schlafende Mensch nicht frei sein kann, da ihm jede Mglichkeit fehlt, seine Umwelt zu erkennen und zu gestalten, mag jedem klar sein. Auch wenn in der Psychologie viel vom Unbewussten die Rede ist, wird im Alltag allerdings wenig realisiert, dass wir tatschlich in groen Anteilen unserer Gesamtwesenheit weiterschlafen, wenn wir uns des Morgens aus dem Bett erhoben haben.

    Coverfoto: Frauke Niemann, Artikelfotos: Barbara Schwarz

  • 4Thema

    DenkenDenken und (Aus-)Bildung

    Das Denken steht aber nicht nur durch unsere Bedingtheit in der jewei-ligen sozialen Situation, d.h. in erster Linie durch unseren Kontostand, in Gefahr korrumpiert zu werden, sondern auch durch die Art und Weise, wie heute akademische Wissenschaft betrieben wird. Und zwar in zweifacher Weise: durch die Form und durch den Inhalt.

    Durch die Form, weil uns das Denken in den bestehenden Schul- und Stu-dieneinrichtungen dadurch entfremdet wird, dass wir von Kindesbeinen daran gewhnt werden, vorgegebene, meist uns irrelevante Aufgaben unter Androhung von Strafen abzuarbeiten. Das fngt in der Schule u.a. mit den sogenannten Hausaufgaben an. Abgesehen davon, dass auf diese Weise der angepasste Brger fr den Staat und der willige Konsument fr die Wirtschaft erzogen wird, erleben wir dadurch Denken am Ende nur als zweckdienliches Mittel, den Broterwerb zu bewerkstelligen.

    Denken = zweckdienliches Mittel, den Broterwerb zu bewerkstelligen

    Sobald ich diesen erreicht habe, ist als Ausgleich Unterhaltung angesagt, denn solcherart entfremdetes Denken kann mich als Mensch seelisch nicht ernhren noch befriedigen. Da wir ja in unseren Bildungseinrichtungen fast ausschlielich von staatlich angestellten Brotgelehrten umgeben sind, prgt deren Verfassung auch die unsere, die wir diese Einrichtungen fr Jahre Tag fr Tag durchlaufen haben. Was das heit, hat Friedrich Schil-ler in seiner Akademischen Antrittsrede deutlich gemacht:

    Anders ist der Studierplan, den sich der Brotgelehrte, anders derjenige, den der philosophische Kopf sich vorzeichnet. Jener, dem es bei seinem Flei einzig und allein darum zu tun ist, die Bedingungen zu erfllen, unter denen er zu einem Amte fhig und der Vorteile desselben teilhaf-tig werden kann, der nur darum die Krfte seines Geistes in Bewegung setzt, um dadurch seinen sinnlichen Zustand zu verbessern und eine kleinliche Ruhmsucht zu befriedigen, ein solcher wird beim Eintritt in seine akademische Laufbahn keine wichtigere Angelegenheit haben, als die Wissenschaften, die er Brotstudien nennt, von allen brigen, die den Geist nur als Geist vergngen, auf das sorgfltigste abzusondern. (...) Jede Erweiterung seiner Brotwissenschaft beunruhigt ihn, weil sie ihm neue Arbeit zusendet, oder die vergangene unntz macht; jede wichtige Neu-erung schreckt ihn auf, denn sie zerbricht die alte Schulform, die er sich so mhsam zu eigen machte, sie setzt ihn in Gefahr, die ganze Arbeit sei-nes vorigen Lebens zu verlieren. (...) Je weniger seine Kenntnisse durch sich selbst ihn belohnen, desto grere Vergeltung heischt er von auen;

    fr das Verdienst der Handarbeiter und das Verdienst der Geister hat er nur einen Mastab, die Mhe. Darum hrt man niemand ber Undank mehr klagen, als den Brotgelehrten; nicht bei seinen Gedankenschtzen sucht er seinen Lohn, seine