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Für ältere Menschen da sein - Besuchsprojekt va bene

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  • Nr 2 / Mrz 2012Zeitschrift fr die Mitarbeitenden der Zrcher Landeskirche

    Seite 6

    Fnf nach 12 bei Glauben12Warum der Glaubenskurs keine Fortsetzung findet

    Fr ltere Menschen da seinVa bene: Wie Besuche fr Lebensqualitt sorgen

    Seite 11

    Evangelisieren mit FeuereiferEine Tagung sorgt schon im Vorfeld fr rauchende Kpfe

  • notabene 2 / 20122

    Alle duzten ihn, den Josef. Er wollte es so. Dabei war der Mann alt, fr uns Kinder sogar uralt: gebckt, vollbrtig, mit tiefen Furchen im Gesicht. Wenn ihn jemand mit Herr Konrad an-sprach, dann fuhr Josef ihm bers Maul: Den Herrn kannst du dir sparen, der ist im Himmel.

    Der Josef wohnte in einer Einzimmer-wohnung, besser gesagt hauste er dort,

    allein und nicht ganz so ordentlich. Aber der Mann hatte es im Rcken und in den Gelenken, und seine Rente war beschei-den. Ausser zwei Zechkollegen im Hir-schen, gab es niemanden, mit dem er verkehrte, und schon gar niemanden, der sich um den immer kauziger und ge-brechlicher werdenden Alten kmmerte. Wir rmpften also jeweils die Nase, wenn wir ihn trafen, und viele im Dorf hielten es so. Zum Glck nicht alle. Da gab es den Pstler, der sich die Zeit nahm, mit den selten gewordenen Brie-fen fr Josef immer auch ein paar Worte zu wechseln, und zu fragen, ob er zu-rechtkme. Und da gab es die Nachba-rin, die nicht nur an Weihnachten einen Kuchen vorbeibrachte, sondern auch

    durchs Jahr hindurch immer wieder an-klopfte, zum Kaffee mit Seitenwagen einlud und den Mann spren liess, dass da noch jemand ist, der nach ihm fragt.

    Das tnt ich geb es zu ein wenig nach rhrseliger Dorfidylle. Ich bin mir allerdings sicher, dass Josef es kaum als Sozialkitsch empfunden hat, wenn sich ein Besucher bei ihm an den Stubentisch gesetzt und zugehrt hat, wenn er von seinen Bresten erzhlt hat und von der Einkaufstasche, die er jetzt dann bald nicht mehr nach Hause tragen knne.

    In diesem Heft ist von Besuchen bei alten Menschen die Rede (ab Seite 8). va bene besser leben zuhause heisst das Projekt in der Altersarbeit, das Kirchgemeinden in Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Zrcher Stadtarzt und dem Institut Neumnster derzeit auf die Beine bringen. Die Idee ist beste-

    chend simpel: Der Besuchs-dienst bei alten Menschen, den unzhlige Freiwillige in den Kirchgemeinden seit jeher leis-ten, soll ausgebaut und in sei-ner Qualitt verbessert wer-den. Er soll dazu beitragen, dass Betagte in einer anony-

    mer werdenden Gesellschaft nicht ver-gessen gehen und die Mglichkeit ha-ben, ber ihre Sorgen und Wnsche zu sprechen. Die Besucherinnen und Besu-cher ihrerseits haben das Fachwissen, das es braucht, um ein echtes und ein-fhlsames Gegenber zu sein und eines, das bei Bedarf fr Untersttzung sorgen kann. Besuchen, nachfragen und helfen ein einfaches Konzept, gleichwohl eine anspruchsvolle Aufgabe, die direkt beim Menschen ankommt. Eine Aufgabe also geradezu massgeschneidert fr eine Kir-che, die dafr sorgt, dass der Herr dann doch nicht nur im Himmel bleibt.

    Christian SchenkRedaktor notabene

    Aktuell

    Kurznachrichten3 5

    Kolumne Wers glaubt5

    Brennpunkte

    Fnf nach zwlf bei Glauben12 Der

    Glaubenskurs auf dem Abstellgleis

    6 7

    Besuche erhalten die Gesundheit Das Projekt

    va bene setzt neue Massstbe in der

    Altersarbeit8 10

    Evangelisieren mit Feuereifer

    11

    Rubriken

    Themen und Termine12 14

    Stellenmarkt14

    kreuz & quer: Anhalten in Schlieren

    15

    Denkzettel / Impressum16

    Da ist noch jemand, der nach einem fragt

    Editorial / Inhaltsverzeichnis

  • notabene 2 / 2012 3

    Kirchensynode / Boldern-Bildungspower soll nach Zrich

    Personalrecht in Kraft / Verfgung statt Arbeitsvertrag

    sch. Die Kirchensynode stimmt am 13. Mrz (nach Redaktionsschluss) ber die knftige Form der Zusammenarbeit der Landeskirche mit dem Evangelischen Tagungs- und Studienzentrum Boldern ab. Bereits auf Juni 2011 hatte der Kir-chenrat die Kooperationsvereinbarung vorsorglich gekndigt. Hintergrund war die unklare Zukunft von Boldern.

    Der Kirchenrat beantragte deshalb die Integration des Studienbereichs von Bol-dern in die Gesamtkirchlichen Dienste. Das betrifft die Stellen der drei Studien-leitenden (260 Stellenprozent) und des Sekretariats (60 %). Kostenpunkt: jhr-lich 520 000 Franken. Mehrkosten ent-stehen allerding nur im Rahmen von 20 000 Franken, weil die weggefallenen Beitragszahlungen die Finanzierung na-hezu wettmachen. Geht es nach den Vorstellungen des Kirchenrates, wird damit das Profil der Abteilung Bildung

    Seit 1. Januar 2012 sind die Personalver-ordnung und die dazugehrige Vollzugs-verordnung der Landeskirche in Kraft. Die neuen Bestimmungen gelten fr alle Pfarrerinnen, Pfarrer und Angestellten von Kirchgemeinden, Kirchgemeinde-verbnden und Landeskirche. Das Perso-nalrecht gilt integral, mit folgenden Aus-nahmen: Bestehende Arbeitsvertrge mssen bis Ende dieses Jahres durch An-stellungsverfgungen und -beschlsse er-setzt werden. Binnen derselben Frist gilt es, die Lhne in das landeskirchliche

    gestrkt und neu gegliedert. Die Fach-stelle Spiritualitt & Lebensstil, wird knftig auch die Arbeitsfelder Alltagsre-ligion und Lebensstil bearbeiten, die Fachstelle Geschlechter & Generatio-nen wird um die Arbeitsfelder Alters-bildung und Generationenfragen sowie Behinderung erweitert, und die Fach-stelle Gesellschaft & Ethik beackert die Arbeitsfelder Politik, Zivilgesellschaft, Nachhaltige Entwicklung und Europa. Der Kirchenrat kennzeichnet diese Kon-zentration in der Bildungsarbeit auch als Vorleistung im Hinblick auf eine Stadt-akademie. Der Parlamentsbeschluss zum Antrag des Kirchenrats unterliegt dem fakultativen Referendum. Das letzte Wort htten wenn gewnscht die Zrcher Kirchenmitglieder.

    Infos zur Synodesitzung vom 13. Mrz

    auf: www.zh.ref.ch

    Lohnsystem zu berfhren. Die Pr-sidien der Kirchenpflegen, die Mitglie-der der Bezirkskirchenpflegen, Pfarre-rinnen und Pfarrer sowie die Angestellten der Landeskirche haben die beiden Er-lasse (Sammelband Rechtsquellen 2) zu-gestellt erhalten. Weitere Exemplare knnen beim Juristischen Sekretariat des Kirchenrates (doris.helm@zh.ref.ch, Tel. 044 258 92 52) bezogen werden. Seit Mitte Januar findet sich ein Stichwort-verzeichnis zu den beiden Erlassen unter www.zh.ref.ch (Handlungsfelder/Ge-

    meindeaufbau und Leitung/Behrden/ Downloads/Personalfhrung und Auf-sicht). Im Weiteren wurde die Vollzugs-verordnung zur Finanzverordnung per 1. Januar 2012 einer Teilrevision unter-zogen. Der Kirchenrat kann neu in be-grndeten Einzelfllen bergangsrecht-lich die Abschreibungsdauer auf bis zu 20 Jahre verlngern, wenn die Abschrei-bung eine bermssige Belastung fr eine Kirchgemeinde oder fr den Fi-nanzausgleichsfonds ergibt. Barbara Mathis

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    Wie weiter auf Boldern?Der Vorstand des Trgervereins von Boldern hat entschieden, den Bereich Beherbergung in den nchsten Jahren vorerst autonom weiterzufhren. Name und Label boldern! bleiben beim Trgerver-ein. Um Unterhaltskosten zu spa-ren, wird die Kapazitt des Semi-narbetriebs auf 120 Personen reduziert. Das Angebot Jugend-haus ist gestrichen, der Pavillon geschlossen und das Atelierhaus wird stillgelegt. Geplant sind Preisanpassungen. Vergnstigun-gen fr Jugendgruppen und Grup-pen aus dem kirchlichen Bereich knnen ohne die Subventionen der Landeskirche nicht mehr gewhrt werden. Dafr stellt man Mengen-rabatte in Aussicht. Hans Egli sieht die Reorganisation auch als Chan-ce, neue Gstesegmente im Bereich Hotellerie anzusprechen. Dazu sol-len Dienstleistungen fr Hotelgste ausgebaut werden.

  • notabene 2 / 20124

    Elternbriefe neu aufgelegt /

    Ganz nahe am Familienalltag

    Filmrechte / Was kostet eine Filmnacht?

    kom. Die Elternbriefe der Kirchen sind frisch berarbeitet. Nach 15 Jahren ist die beliebte kumenische Briefreihe un-ter dem Titel Wegzeichen in neuem Layout und mit neuen Inhalten erhlt-lich. Die zwlf Elternbriefe folgen der Entwicklung des Kindes von der Geburt bis zum sechsten Lebensjahr. Sie geben Mttern und Vtern Anregungen zur re-ligisen Begleitung ihrer Kinder. Um diesem Anliegen gerecht zu werden, wurden die Wegzeichen von der Lan-deskirche und der katholischen Kirche im Kanton Zrich konzipiert. Jeder halbjhrlich an die Eltern gerichtete Brief hat ein anderes Thema. Wir wol-len mit den Themen ganz nahe am Le-bensalltag von heute sein, und den El-

    tern mglichst konkrete Impulse fr Rituale und Werte-Erziehung geben, sagt Projektleiter Peter Wilhelm. Die Themen heissen: Familie werden, Vern-derungen, Loslassen, Mit allen Sinnen, Ich - will - nicht!, Wir und die Welt, Al-les hat seine Zeit, Liebe und Sexualitt, Tod und Leben, Essen und Genuss, Vor-bild und Werte, Erwartungen. Zahlrei-che Kirchgemeinden haben die Eltern-

    sch. Die Kirchgemeinde ldt zum Film-abend, die Katechetin zeigt einen Doku-mentarfilmt: Wie steht es dann mit den Publikationsrechten? Und muss die Kir-che zahlen, wenn sie Die Zehn Gebote oder den Luther-Film vorfhren will?

    Die Fragen tauchten in letzter Zeit vermehrt auf, weil eine private Filmver-leihfirma (MPLC Switzerland GmbH) verschiedenen Kirchgemeinden Schirm-lizenzen angeboten hat. Der Kirchen-bund hat daraufhin eine Stellungnahme verffentlicht, die die Fragen bezglich Filmvorfhrungen in der Kirche klrt: ffentliche Filmvorfhrungen (ausge-nommen im Unterricht) bedrfen dem-nach der Einwilligung des Rechteinha-bers. Anders als bei den Musikrechten, die pauschal abgegolten sind, sind die Filmvorfhrungen teilweise kosten-pflichtig. Filme, die man bei kirchlichen Medienstellen ausleiht, sind zum Teil

    briefe bisher an junge Eltern verschenkt. Die Macher erhoffen sich eine Fortset-zung der Erfolgsgeschichte.

    Die Elternbriefe sind beim Kind und