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Der Spirit der streetchurch und die Lebenswelten der Reformierten

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  • Nummer 10Dezember 2011/Januar 2012

    notabeneZeitschrift fr die Mitarbeitenden

    der Zrcher Landeskirche

    Der Spirit der streetchurchund die Lebens- und Glaubenswelten der Reformierten

  • notabene 10/20112

    Liebe Leserin, lieber Leser

    Zeig mir dein Wohnzimmer, und ich sa-ge dir, welche Ferien du planst. Verrate mir deine Karriereplne, und ich sage dir, wo dein politisches Herz schlgt. Erzhl mir, worauf es fr dich im Leben ankommt, und ich weiss etwas von dem, was fr dich Religion und Glaube bedeuten.

    Trauen Sie diesen Formeln? Halten Sie Menschen fr so leicht durchschau-bar? Gut mglich, dass Sie jetzt abwin-ken. Sie sind ja schliesslich einzigartig. Finde ich auch, wenn ich an mich und mein Leben denke. Und sowieso: Ich lasse mich ungern in eine Schublade ste-cken. Fehlte grad noch, dass mir einer mein Gottesbild pro-phezeit, nur weil er gesehen hat, dass die Bcherwand in unserer Stube gross und mit einigen Literaturklassikern be-stckt ist, dass der Fernseher unauffl-lig in einer Ecke platziert ist und dass auf dem Klavier ein Adventskranz mit Kerzen thront, denen man ansieht, dass sie von Kinderhand gezogen sind.

    Und doch das mssen Sie zugeben sind das Anhaltspunkte, aus denen Sie Schlsse ziehen, wie der Schreiber dieses Editorials so tickt: Aha, einer, der gern zeigt, wie belesen er ist. Einer, der seinen Fernseher ein Schattenda-sein fristen lsst und wohl auch noch behauptet, ihn nur fr Dokumentarfil-me auf Arte einzuschalten. Ein brgerli-cher Familienvater, der stolz ist auf die Kreativitt seiner Kinder und mit ihnen ganz traditionell einem der Hhepunk-te des Kirchenjahres entgegenfiebert. Da haben Sies! Und ich muss gestehen: Sie liegen nicht gnzlich daneben, wenn sie so kombinieren und mich in ein Le-bensmilieu einreihen, in dem ich eben doch nicht ganz so einzigartig lebe.

    Was wir hier in Anstzen und verein-facht durchgespielt haben, ist Teil einer grossen Studie, die die Zrcher Landes-kirche zusammen mit dem Zrcher Stadtverband durchfhren liess. Sie ha-

    ben ein Forschungsinstitut damit beauf-tragt, die Lebens- und Glaubenswelten der reformierten Bevlkerung im Kan-ton Zrich zu erforschen (Bericht ab Seite 8). Dazu wurden 100 Personen besucht und befragt. Die Soziologen setzen dabei voraus, dass Menschen, bei all ihrer Individualitt, Gemeinsam-keiten in ihrem Lebensstil haben und je nach gesellschaftlichem Milieu hnli-che Wertvorstellungen teilen. Ver-gleichbare Vorstellungen punkto Religi-on, Spiritualitt und Kirchenbild sind den einzelnen Milieugruppen ebenfalls

    eigen. Warum beschftigt

    sich die Kirche mit so etwas? Landeskirche und Stadtverband wol-len wissen, wie ihre Mitglieder leben, den-

    ken und glauben und was sie von ihrer Kirche eigentlich erwarten. Sie wollen wissen, warum Menschen bestimmter Milieus den Fuss nie ber die Kirchen-schwelle setzen, auch wenn ihnen die Tre offensteht. Es geht um die Wie-derentdeckung der Mitglieder, sagt Matthias Krieg, Leiter Bildung und Ge-sellschaft der Landeskirche. Und zwar auch jener, die man aus den Augen ver-loren hat, weil sie in ganz anderen Le-benswelten zu Hause sind, als diejeni-gen, die heute noch kirchlich engagiert sind.

    Das Grundlagenmaterial fr diesen Erkenntnisprozess liegt jetzt vor. Die Auswertung und die Prfung mglicher Handlungsstrategien stehen erst an. Erst wenn man die Menschen in ihrer Lebensart kennt, kann man sich fragen, welche Formen von Kirche ntig und mglich sind. Ein Rezeptbuch ist die Studie nicht sie ist erst die Brille, die den Blick schrft, um die Menschen so wahrzunehmen, wie sie sind. Es lohnt sich, diese Brille aufzusetzen.

    Christian SchenkRedaktor notabene

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    LT

    A K T U E L L

    Gedenken an die AbsturzopferBesucher mit Aufsichtspflichten

    Khe unter dem WeihnachtsbaumKirchenferien: Sonne, Meer und

    Mehr 3 5

    B I B L I S C H E A H A -E R L E B N I S S E

    Warten5

    H I P H O P U N D H O F F N U N G A U F E I N E

    G E R E C H T E W E LT

    So tickt die streetchurch6 7

    S O L E B E N U N D G L A U B E N D I E Z R C H E R

    R E F O R M I E RT E N

    Sinus-Milieu-Studie8 11

    K I R C H E N L E B E N I M 1 7 . J A H R H U N D E RT

    Stillstandsprotokolle online12

    M E H R W E RT R P G

    Wie der Unti die Erwachsenen einbezieht

    13

    T H E M E N U N D T E R M I N E

    Hinweise und Veranstaltungen14 17

    K R E U Z U N D Q U E R

    Was hinter Htten liegt18

    M O N AT S A G E N D A

    Pfarrstellen und -wahlen19

    D E N K Z E T T E L

    Illustration, Impressum20

    Es geht um die Wiederentdeckung der

    Mitglieder.

  • notabene 10/2011 3

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    kid. Nach der Rumung des Zeltlagers auf dem Lindenhof haben sich die Akti-visten der Bewegung Occupy Parade-platz bei der City-Kirche Offener St. Jakob am Stauffacher niedergelassen. Die Kirchgemeinde Aussersihl gewhrt ihnen dort voraussichtlich bis zum 5. Januar ein Bleiberecht. Die Unterstt-zung durch die Kirchgemeinde hat zu kontroversen Diskussionen in den Me-dien gefhrt und die Telefone auch bei den Gesamtkirchlichen Diensten und beim Kirchenratsprsidenten luten lassen. Vor der Kirchensynode hielt Kir-

    chenratsprsident Michel Mller am 22. November fest, dass es in der Viel-falt der Landeskirche Platz haben muss, dass eine Kirchgemeinde einmal etwas Einseitiges wagt. Die Kirche lebe da-von, dass miteinander debattiert werde und dass verschiedene Meinungen ver-treten wrden. Obwohl es aus seiner Sicht gewagt sei, sich auf diese Bewe-gung einzulassen und ihr ein Bleibe-recht zu gewhren, sollte dies Anlass zu Diskussionen sein und nicht mit der Drohung von Kirchenaustritten bestraft werden. Michel Mller gab ausserdem

    Occupy-Bewegung Thema in der Kirchensynode

    Was Occupy anmahnt, beschftigt die Kirchen schon seit Jahrzehnten

    vernderte Sicht des Staates auf die Kir-chen zum Ausdruck komme, es werde nicht mehr die in Jahrhunderten ge-wachsene Partnerschaft gewrdigt, sondern mehr ein Auftragsverhltnis gepflegt. Andere Votanten wollten das Geld lieber fr gestrichene Beitrge an soziale Institutionen verwenden als dem Staat abzuliefern. Am Ende der De-batte berzeugte aber die Haltung, wie sie der Synodale Roland Diethelm, Z-rich-Wipkingen, zum Ausdruck brach-te: Mit der Prsenz im Rathaus setzen wir ein symbolisches Zeichen: dass wir als Kirche in diesem Kanton und fr diesen Kanton wirken.

    kid. Ab 2012 entrichtet die Landeskir-che einen jhrlichen Mietzins von 72 000 Franken fr die Benutzung des Rathauses in Zrich, wo Kirchensynode und Kirchenrat jeweils ihre Sitzungen abhalten. Das reformierte Kirchenpar-lament wollte ein Zeichen setzen und bewilligte den Kredit an der Sitzung vom 22. November.

    Neben dem Kanton, dem das Rathaus gehrt, nutzen es auch die Stadt Zrich sowie die reformierte und die katholi-sche Kirche. Bislang war das unentgelt-lich. Neu verlangt der Kanton einen Mietzins, auch von der Stadt Zrich. Trotz dieser Neuregelung und finanziel-len Belastung mchte die Landeskirche

    Kirchensynode bewilligt Mietzins fr Rathaus

    Zahlen statt zgeln

    das Rathaus weiterhin nutzen: einer-seits aus praktischen berlegungen, weil Alternativen eher die teurere L-sung wren, anderseits auch aus der berzeugung heraus, dass sich die Landeskirche als Krperschaft des f-fentlichen Rechts in ihrem Handeln der ffentlichkeit zu stellen hat, wie der Kirchenrat in seinem Bericht schrieb.

    Die Kirchensynode stimmte dem Kre-dit mit grossem Mehr zu. Sie folgte da-mit dem Motto Zahlen statt zgeln von Kirchenrat Fritz Oesch, der als neu-er Ressortleiter Finanzen fr das Ge-schft zustndig ist. Der Synodale Willi Honegger, Bauma, wies allerdings dar-auf hin, dass in dieser Neuregelung die

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    Landeskirchliche Prsenz im Rathaus: Ein symbolisches Zeichen.

    im Hinblick auf die Arbeit des kirchli-chen Hilfswerks Brot fr alle zu beden-ken, dass das Thema, welches die Oc-cupy-Bewegung anmahnt, die Kirche schon seit Jahrzehnten beschftigt: Brot fr alle heisst weltweiten Einsatz fr Gerechtigkeit und sozialen Frie-den. Bfa feiert dieses Jahr seinen 50. Geburtstag und war aus diesem Anlass auch an der Synodesitzung vom 22. No-vember zu Gast.

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    LGedenkgottesdienst zum 10. Jahrestag des Absturzes bei Bassersdorf

    24 Kerzen fr die Opfer von Flug LX 3597

    Pfarrweiterbildung

    Neue Kraft bei a+w

    kid. Jacques-Antoine von Allmen heisst der neue Weiterbildungsbeauftragte der Arbeitsstelle fr die Aus- und Wei-terbildung der reformierten Pfarrerin-nen und Pfarrer (a+w) in Zrich. Der Theologe, der bisher beim Schweizeri-schen Evangelischen Kirchenbund (SEK) angestellt war, wird seine 80%-Ttigkeit am 1. Januar 2012 auf-nehmen.

    Nach dem Theologiestudium in Basel und der Dissertation bei Walter Neid-hart sammelte Jacques-Antoine von All-men Erfahrungen im Gemeindepfarr-amt in Maur. Daneben leitete er Theologiekurse fr Erwachsene.

    Anschliessend war von Allmen als Be-auftragter fr Erwachsenenbildung fr die St. Galler Kirche ttig. Danach ar-beitete er whrend vier Jahren als Be-auftragter fr Theologie beim Kirchen-bund, wo er unter anderem fr Grundsatzarbeiten zum Thema Taufe und Bekenntnis verantwortlich war. Bei a+w wird von Allmen den Fachbereich Weiterbildung Pfarrerinnen und Pfar-rer betreuen und im Auftrag der Zr-cher Kirche mit den Fachstellen Bern und Neuenburg Bildungsangebote kon-zipieren und durchfhren.

    Sonne und Mehr so heisst das Fe-rienangebot fr Familien, Paare, Sing-les und Senioren, das die reformierte Landeskirche Zrich erstmalig im Herbst 2012 lanciert. Die Reise wird organisiert von Andreas Manig, Fach-stelle Religionspdagogik Vorschulzeit, und fhrt ab dem 8. Oktober ins Strandresort Olympia Oa