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Wo steht die Kirche 2019?

Transcript of notabene 6/2011

  • notabeneZeitschrift fr die Mitarbeitenden

    der Zrcher Landeskirche

    Nummer 6Juli / August 2011

    Wo steht die Kirche 2019?Visionen fr das 500-Jahr-Jubilum der Zrcher Reformation

  • notabene 6/20112

    Liebe Leserin, lieber Leser

    Wohin nur mit diesem Zwingli? Seit 1885 steht er, tonnenschwer auf sein Schwert gesttzt, bei der Wasserkirche. Nur einmal war er kurz weg. Den Som-mer 1999 verbrachte er im Kreis 5 und wagte gar einen Abstecher in den Kreis 4. Nicht freiwillig, natrlich. Knstler haben ihn dazu gezwungen. Und so liess er sich halt verfrachten und mach-te bse Miene zum guten Spiel, bis er dann endlich wieder auf seinem Sockel stand. Wenn er gedacht hat, man liesse ihn dafr die nchsten 100 Jahre wieder in Ru-he, so hat er sich ge-tuscht.

    Schon 2019 knnte wieder jemand an sei-nem Sockel rtteln wol-len. Bei der Planung zu den Feierlichkeiten zum 500-Jahr-Jubilum der Zrcher Reformation wird im Kirchen-rat und in der Kirchensynode disku-tiert, den patinierten Bronzekoloss endgltig abzuservieren und in einem Museumskeller zu versenken. An seiner Stelle wre dann so schlgt der Kir-chenrat vor ein neues Monument ge-fragt, eines, das dem Zeitgeist und Geschichtsbild des 21. Jahrhunderts entspricht. Und es soll ein Denkmal sein, das die gegenwrtige Gesell-schaft auf reformierte Weise inspiriert.

    Wenn es jemanden gibt, der fr den Sockelsturz Verstndnis htte, dann w-re das der Zrcher Reformator selbst. Er, hchstpersnlich, machte den Heili-gen und Glaubenshelden seiner Epoche

    ja auch den Garaus, damit sie den Blick auf das Wesentliche, die Frohe Bot-schaft der Bibel, nicht strten.

    Eines gilt es aber zu bedenken: Ein Denkmal ist schnell weggerumt. Zwei-felhaft aber die Annahme, dass dadurch automatisch der Blick frei wrde auf das Wesentliche, das die reformierte Kirche ausmacht, und was sie zu ver-kndigen hat. Dafr braucht es mehr als eine Neuauflage eines Bildersturms. Aber was dann? Kirchenparlament und

    Exekutive machen sich auch darber, ber eine vertiefte Auseinander-setzung mit den Fragen von Glaube, Auftrag und Rolle in der Gesell-schaft, acht Jahre vor dem Reformationsjubi-lum, intensiv Gedan-ken. Ein Postulat hat

    den Prozess dazu bereits vor zwei Jah-ren angestossen (Bericht ab Seite 8).

    Was verstellt uns heute den Blick fr das Wesentliche? Was heben wir auf den Sockel, das die gegenwrtige Gesell-schaft auf reformierte Weise inspiriert? Fr solch grosse Fragen hilft kein Mar-keting-Trick, kein Kunst-Gag. Sie lsst sich auch nicht an Pfarrerinnen und Pfarrer, an Kirchenrte oder Synodale delegieren. Wenn etwas reformiert ist, dann dies: selber visionr zu denken und zu handeln.

    Christian SchenkRedaktor notabene

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    A K T U E L L

    Wie weiter mit Boldern?Weiterbauen in Kappel

    Energiesparen am BettagNach der Wahl ist vor der Wahl

    Startschuss fr Erscheinungsbild3 5

    F E N S T E R Z U M D I A L O G

    Muslime und Christen im Gesprch: Mit Arend Hoyer

    5

    D A M I T D E R K A R R E N L U F T

    Was tut eigentlich eine Bezirkskirchenpflege?

    6 7

    B I B L I S C H E A H A -E R L E B N I S S E

    Kolumne7

    W I E F E I E R N W I R 5 0 0 J A H R E R E F O R M AT I O N ?

    Kirchensynode stellt Grundsatzfrage ber

    Festprogramm8 9

    T H E M E N U N D T E R M I N E

    Hinweise und Veranstaltungen11 14

    M O N AT S A G E N D A

    15

    D E N K Z E T T E L

    Illustration, Impressum16

    Ein Denkmal ist schnell weggerumt.

    Aber was heben wir dann auf den

    Sockel?

    DoppelnummerIm August erscheint kein notabene. Die nchste Nummer ist Mitte September wie-der in Ihrem Briefkasten.

    KorrigendumDas Kirchenpflege-Forum fr Gemein-deaufbau und Leitung findet am 6. Okto-ber statt (nicht am 8. Okt., wie flschli-cherweise vermerkt).

  • notabene 6/2011 3

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    kid. Im Rahmen der Debatte zum Jah-resbericht und aufgrund einer Anfrage aus der Synode informierte Kirchenr-tin Jeanne Pestalozzi am 14. Juni in der Kirchensynode ber die Situation Bol-derns. Auf Grund der schwierigen fi-nanziellen Lage des Tagungszentrums hat die Boldern-Versammlung am 28. Mai die Rentabilisierung der Liegen-schaften und die Grndung eines Fr-dervereins fr den Bildungsbereich fa-vorisiert. Kirchenrtin Pestalozzi ortete vor dem Hintergrund dieses Richtungs-entscheids dringenden Gesprchsbe-darf mit Boldern. Die Landeskirche, die Boldern jhrlich mit rund einer halben Million Franken mittrgt, knne nicht einen neuen Frderverein im Bildungs-bereich untersttzen und gleichzeitig die eigene Bildungsarbeit vorantreiben.

    In diesem Zusammenhang informier-te Kirchenrat Daniel Reuter ber die Planungsarbeiten zur Grndung einer reformierten Stadtakademie. Dennoch wollte Kirchenrtin Pestalozzi Boldern nicht einfach abschreiben, dafr sei der Leistungsausweis des Tagungszentrums in den vergangenen Jahrzehnten viel zu

    gross und die Marke Boldern zu wert-voll. Es bruchte zurzeit aber rund 12 Millionen Franken, um das Zentrum wieder ins Lot zu bringen. Ntig sei da-rum rasch ein klare Strategie. Pestaloz-zi appellierte auch an die 166 Kirchge-meinden, die Mitglied des Trgervereins sind, dass sie in dieser Situation nicht austreten, sondern die Verantwortung gegenber ihrem Tagungszentrum wahrnehmen.

    Bereits im November des letzten Jah-res hatte der Trgerverein wegen den

    Bettag 2011

    Energie sparen

    Kirchensynode

    Wie weiter mit Boldern?

    kid. Wie viel Energie knnen wir an ei-nem Sonntag sparen? Der Kirchenrat regt dazu an, den diesjhrigen Bettag zum Energiespartag zu machen. Und das ganz praktisch und kreativ: Es gelte, lustvolle Wege zum Verzicht zu finden und auszuprobieren, wie es sich anfh-le, ohne Computer und ohne Haus-haltgerte ber die Runden zu kommen.

    Das Atomunglck in Japan rufe nach Vernderung und Umkehr. Vielen Men-schen werde wieder bewusst, dass wir ein gefhrliches Spiel spielen. Atom-kraftwerke verlockten dazu, anzuneh-men, Energie im berfluss zu haben. Es sei Zeit zu handeln, schreibt der Kir-chenrat. Auch wenn neue Mglichkei-ten zur Energiegewinnung gefunden wrden, komme man nicht darum her-um, alte Werte, wie Sparen und Verzich-ten, wieder aufs Tapet zu bringen.

    Der definitive Text der Bettagsbot-schaft wird den Prsidien und den Pfarrmtern zugeschickt.

    kid. Mit grossem Mehr genehmigte die Kirchensynode am 28. Juni die Schluss-abrechnung zum Projekt Spiritualitt und Gastlichkeit im Kloster Kappel. Sie

    Kloster Kappel

    Weiterbauen an der Gastlichkeit

    finanziellen Schwierigkeiten beschlos-sen, einen Pchter fr den Hotelbetrieb zu suchen. Ohne Erfolg. Wie Andreas Feurer, Prsident des Trgervereins, in der Neuen Zrcher Zeitung vom 31. Mai sagte, habe niemand eine Mglich-keit gesehen, auf Boldern relativ schnell einen Gewinn zu erarbeiten.

    In den nchsten Monaten will der Vereinsvorstand einen detaillierten Vor-schlag ausarbeiten, ber den die Mit-glieder Ende Jahr abstimmen knnen.

    schliesst mit rund 8,73 Mio. Franken knapp 110 000 Fr. unter dem gewhr-ten Kredit ab. Die Ziele des Umbau-Projekts wurden erreicht. Neben bauli-chen Sanierungen standen insbesondere Massnahmen zur Dmpfung von Lrm-immissionen durch den betrieblichen Verkehr im Vordergrund. Neu erstellt wurden ein Lift und ein Meditations-kursraum. Erfreulicherweise erzielte das 2008 unter dem neuen Namen Kloster Kappel wiedererffnete Bil-dungshaus der Landeskirche trotz ein-geschrnktem Betrieb auch in den Um-baujahren Rekordumstze.

    Gleichzeitig sprach die Kirchensyno-de einen neuen Kredit ber 2,88 Mio. Franken fr den Ersatz der Hotelkche im Kloster Kappel. Die heutige Kche ist fast 30 Jahre alt. Sie und daran ange-schlossene Rumlichkeiten entspre-chen den Vorschriften fr Brandschutz, Hygiene und Arbeitssicherheit nicht mehr.

    Das Tagungszentrum Boldern: Wertvolle Marke in finanziellen Schwierigkeiten.

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  • notabene 6/20114

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    LKirchensynodewahl

    Nach der Wahl ist vor der Wahl

    sch. Die HEKS-Standaktion tourte auch 2011 wieder durch Schweizer Stdte. In Zrich machte sie diesmal am 24. Mai an der Bahnhofstrasse halt und prsen-tierte den Standbesuchern nebst den Informationen zur Kampagne des Hilfs-werks bewegte Kunst: Eine drei Meter hohe Maschine zeigte symbolisch, wie die Aktion Gib e Geiss funktioniert und was eine 30-Franken-Spende als lokale Starthilfe in Lndern des Sdens auslsen kann. Als Gast bei der Standak-tion war Kirchenratsprsident Michel Mller geladen. Er zeigte sich beein-druckt von der Konstruktion, die viel Anziehungskraft fr Passanten darstell-te. Entwicklungshilfe sei, wie diese Ma-schine, komplizierter, als man auf den ersten Blick meine. Die Prozesse, die eine Spende auslsten, seien spannend und sorgten fr nachhaltige Freude.

    sch. Jeanne Pestalozzi-Racine, Vize-Prsidentin des Kirchenrats, steht fr eine weitere Amtsdauer im Kirchenrat nicht mehr zur Verfgung. Die Vorste-herin des Ressorts Werke und Beitrge und amtierende Vize-Prsidentin war whrend 16 Jahren Mitglied des Kir-chenrates. Sie habe dieses Amt gerne wahrgenommen, jetzt sei aber die Zeit fr einen Wechsel gekommen, schreibt die 59-Jhrige in ihrem Rcktritts-schreiben. Ihre Nachfolgerin oder ih-ren Nachfolger whlt die Kirchensyno-de am 20. September 2011. Im nchsten notabene blickt Jeanne Pestalozzi in ei-nem Interview zurck auf ihr Wirken in der Landeskirche. Ebenfalls auf Ende Amtsdauer scheidet Kirchenrtin Helen Gucker-Vontober aus ihrem Leitungs-amt. Sie hat ihren Rcktritt bereits vor einem Jahr angekndigt.

    Jeanne Pestalozzi-Racine

    Tritt zurck

    SEK-Prsident in Kirchensynode

    Loche