notabene 8/2014

download notabene 8/2014

of 16

  • date post

    06-Apr-2016
  • Category

    Documents

  • view

    213
  • download

    0

Embed Size (px)

description

Kirchenaustritt und die Kunst der Verabschiedung

Transcript of notabene 8/2014

  • 1Seite 10

    Frischer Wind in der Kirchensynode Das Kirchenparlament sucht junge Mitglieder

    Mitgliedschaft aufgelstKirchenaustritt und die Kunst der Verabschiedung

    Seite 7

    Ziele schaffen MotivationEin kleiner Ratgeber fr das Arbeiten mit Legislaturzielen

    notabeneNr 8 / Oktober 2014Zeitschrift fr die Mitarbeitenden der Zrcher Landeskirche

  • notabene 8 / 20142

    Liebe Leserin, lieber Leser

    Katja Vogel, Mitglied der Kirchensyn-ode, ist es manchmal etwas seltsam zu Mute. Wenn die 22-Jhrige mit ihren Kolleginnen und Kollegen ins Zrcher Rathaus marschiert, fllt sie ziemlich aus dem Rahmen: Der Grossteil derer, die mit ihr in den nchsten Stunden im altehrwrdigen Ratssaal sitzen und ber die Fahrtrichtung der Zrcher Landes-kirche debattieren werden, ist locker doppelt oder dreimal so alt wie sie.

    Der Altersdurchschnitt der 120 Kir-chenparlamentarierinnen und -parla-mentarier liegt bei 58 Jahren. Und dass

    er nicht noch hher liegt, dafr sorgen Kollege Manuel Amstutz (Jahrgnger von Katja Vogel) und gerade mal fnf weitere U-40-Jhrige im Kreis der Syno-dalen.

    Das ist nicht dramatisch, hat weder biblische noch vatikanische Dimensio-nen (das Papstwahlgremium bringt es auf durchschnittlich 71 Lenze), aber die Altersstruktur der Synode liegt doch deutlich ber jener von hiesigen Bundes- oder Kantonsparlamenten (50 bis 55 Jahre).

    Dass nun das Grppchen der jngeren und mittleren Generation in der Kir-chensynode etwas wachsen mge, das regte Katja Vogel mit einer Anfrage an

    den Kirchenrat an. Nicht weil sie ein Problem htte mit ihren Kolleginnen und Kollegen, die sie an Lebenserfah-rung so weit bertrumpfen. Das sei fr sie durchaus spannend (Lesen Sie das Interview auf Seite 10). Aber sie wisse auch, dass sich in den Kirchgemeinden viele Menschen der jngeren Generation engagieren und dass deren Stimme doch ebenfalls gefragt sei in der Legislative der Landeskirche.

    Das Anliegen ist berechtigt, und der Vorstoss in Form einer Anfrage so sanft formuliert und so weit weg von einer

    schroffen Forderung nach Quo-tenregelung oder Seniorenli-mite, dass sich niemand betupft fhlen muss. Die Frage stellt sich also nur, wie man knftig junge Synodale gewinnen kann.

    Das geht nur ber vermehrte ffentlichkeitsarbeit (wozu dieses no-tabene ein klein wenig beitragen mchte) und vor allem dadurch, dass man die Zielgruppe direkt anspricht, sie motiviert und berhaupt erst bekannt macht mit dem Gremium, das fr das gesamte Kirchenleben wegweisende Entscheide trifft. Die Kandidatensuche fr die nchste Amtszeit luft noch bis Ende Jahr. Erzhlen und empfehlen Sies weiter! Auf dass Katja Vogel den Titel der jngsten Synodalen nicht noch ein-mal vier Jahre tragen muss.

    Christian SchenkRedaktor notabene (und ja, auch -40)

    Aktuell

    Nachrichten3 6

    Kolumne Mnnersache

    Zurck in die Zukunft5

    Kleines Abc der Theologie

    B wie Beten6

    Schwerpunkte

    Legislaturziele schaffen Motivation

    7

    Kirchenaustritt und die Kunst der

    Verabschiedung8 9

    Kirchensynode braucht auch junge Kandidaten

    10 11

    Luther trifft Zwingli11

    Rubriken

    Themen und Termine12 14

    Stellenmarkt14

    Portrt: Kantor und Winzer

    15

    Impressum / Cartoon16

    Editorial / Inhaltsverzeichnis

    Wo man mit 40 noch zu den Jungen gehrt.

  • notabene 8 / 2014 3

    sch. 2012 stellte die Kirchensynode die Lichter auf Grn fr den Prozess Kirch-GemeindePlus. Seither ist die Diskus-sion und die Planung der grossen Re-form der Zrcher Landeskirche das dominierende Thema, wenn es um die Zukunftsgestaltung der Kirchgemein-den und der Zrcher Landeskirche als Ganzes geht. Zusammenwachsen und zusammen wachsen ist das Leitmotiv des Prozesses, der unter anderem zum Ziel hat, die Zusammenarbeit zwischen den Kirchgemeinden zu strken und ihre Handlungsfhigkeit in grsseren Einheiten zu strken und zu profilieren.

    Mit einer Interpellation haben im Mrz 2014 ber sechzig Mitglieder der Kirchensynode vom Kirchenrat eine Standortbestimmung zu KirchGemein-dePlus gefordert. Jetzt liegt die Antwort des Kirchenrates vor. Sie ist fr die Sit-zung vom 25. November traktandiert und gibt Antworten auf neun Fragen, die die Interpellanten dem Kirchenrat gestellt haben.

    Der Kirchenrat hlt fest, dass Kirch-GemeindePlus als Prozess notwendig ist und zum richtigen Zeitpunkt lanciert wurde. Dies sei auch von den Kirchge-meinden so erkannt worden. Die Stand-ortbestimmung, die der Kirchenrat mit seiner Antwort anbietet, versteht er als Momentaufnahme. Gerade der inhaltli-che Prozess, der mit den Pfarrkonferen-zen verstrkt bearbeitet werde, liefere erst im Sommer 2015 konkrete Ergeb-nisse. Wie der Kirchenrat den Prozess-verlauf bewertet, wird in den einzelnen Fragen und Antworten deutlich. nota-bene zeigt sie auszugsweise:

    Wie beurteilt der Kirchenrat die Gefahr, dass strukturelle Diskussionen von in-haltlichen Fragestellungen ablenken?Strukturelle und inhaltliche Fragen sind nicht gegeneinander auszuspielen. Viel-mehr soll die strukturell notwendige An-passung die inhaltlichen Reformen er-mglichen und umgekehrt (...). Es ist aber ernst zu nehmen, dass die struktu-rellen Massnahmen viele Mittel und viel Energie bentigen, obwohl nicht mehr Mittel und Personal zur Verfgung ste-

    hen, weder auf gemeindlicher noch auf landeskirchlicher Ebene. Um Landes-kirche und Kirchgemeinden nicht auf lngere Zeit mit rein strukturellen Fra-gestellungen zu beschftigen, hlt der Kirchenrat an der Vision grosser Schritte fest. Das Ziel ist, die notwendigen struk-turellen Massnahmen rechtzeitig zu rea-lisieren, sodass fr die Jahre 20192024 Kapazitten fr die Reformationsfeier-lichkeiten frei werden.

    Drngen sich Anpassungen auf?Die Prognose sinkender Steuereinnah-men ist mittlerweile Tatsache geworden. Der Mangel an qualifizierten Mitarbei-tenden in allen kirchlichen Berufsfeldern beginnt sich zu zeigen und wird in den nchsten Jahren teils dramatische Zge annehmen. Diese beiden strukturellen Zwnge akzentuieren die notwendige Geschwindigkeit des Reformprozesses.

    Was sind die Projektkosten?Dank erster Erfahrungen von Kirchge-meinden, die den Reformprozess bereits intensiv angestossen oder einen Zusam-menschluss durchlaufen haben, ist eine

    rudimentre Kostenschtzung mglich. Zurzeit ist davon auszugehen, dass verteilt auf drei Jahre mit jhrlichen Kosten von sieben Franken pro Mitglied der Landeskirche zu rechnen ist. () Viele Reformfragen stellen sich den Kirchgemeinden sowieso und sind nicht direkt dem Prozess KirchGemeindePlus anzurechnen.

    Pfarrstellen: Erfolgen Anstellungen schon jetzt mit Vorbehalt? Die Kirchgemeinden haben das Recht und die Pflicht, nach geltendem Recht zu handeln. In der Beratung, insbeson-dere im Zusammenhang der Wiederbe-setzung von Stellen, werden sie aber auf mgliche Schwierigkeiten hingewiesen. Bei der Bemessung der Pfarrstellen geht der Kirchenrat von den geltenden Quo-rums-Bestimmungen aus. Der Kirchen-rat ermglicht Fristerstreckungen.

    Interpellationsantwort im Volltext: www.zh.ref.ch/kirchensynode Weitere Materialien: www.kirchgemeindeplus.ch

    Kirchenrat / Wo stehen wir mit KirchGemeindePlus?

    In sechs Pfarrkonferenzen hat sich die Zrcher Pfarrschaft diesen Frhsom-mer mit der knftigen Gestalt und Aus-richtung der Landeskirche auseinander-gesetzt. Die an den Konferenzen ernannten Arbeitsgruppen sind nun da-ran, die Ergebnisse der Tagungen zu sichten, zu vertiefen und in klaren The-sen zu Papier zu bringen. Mitte Dezem-ber gehen die ausgearbeiteten Positio-nen zur Vernehmlassung zurck in die Pfarrschaft: In ausserordentlichen Ver-sammlungen (Januar bis Mrz 2015) be-ziehen die zwlf Pfarrkapitel zu den vor-gelegten Entwrfen Stellung und ussern sich zu zentralen Querschnitts-themen. Sie errtern auch, in welcher Form die Zrcher Pfarrerinnen und

    Pfarrkonferenzen / Die Arbeit geht weiter

    Pfarrer in Zukunft miteinander im Ge-sprch sein sollen, um lngerfristig und verbindlich zusammenzuarbeiten. Den Schlusspunkt bildet die Pfarrkonferenz, die am 26. Juni 2015 in Horgen stattfin-det. An dieser Grossveranstaltung wer-den die Ergebnisse der Konferenzen 2014 zusammen mit den Positionen der Pfarrkapitel der ffentlichkeit prsen-tiert und dem Kirchenrat bergeben, der inhaltlich Stellung nimmt. Das theologi-sche und liturgische Programm sowie der gesellige Teil der Tagung sind in Pla-nung. Esther Straub

    Kontakt: Pfrn. Esther Straub, Tel. 044 321 01 75, esther.straub@zh.ref.ch

  • notabene 8 / 20144

    10 Jahre Interreligiser Runder Tisch / Das Gemeinsame im Blick

    kom. Regierungsrat Martin Graf und Stadtprsidentin Corine Mauch wrdig-ten bei der Jubilumsfeier am 23. Sep-tember im Haus zum Rechberg das zehnjhrige Bestehen des Interreligisen Runden Tisches im Kanton Zrich. Ver-treter aus Judentum, Christentum, Is-lam, Buddhismus und Alevitentum be-krftigten in ihren Ansprachen den Willen, in gegenseitigem Respekt und freundschaftlicher Verbundenheit auch in Zukunft einen Beitrag zum religisen Frieden im Kanton Zrich zu leisten.

    In seiner Ansprache sagte Martin Graf, dass es in einer von Technokratie und Konflikten geprgten Zeit wichtig sei, dass die Menschen Zufluchtsorte und Geborgenheit finden. Graf ist ber-zeugt, dass die Religionsgemeinschaften wesentlich dazu beitragen, dass Rei-sende und Entwurzelte an neuen Orten wieder Fuss fassen knnen. Dabei er-mutigte er die Religionsgemeinschaften, das Gemeinsame und nicht das Tren-nende in den Vordergrund zu stellen.

    Stadtprsidentin Corine Mauch be-tonte, es sei ihr und dem ganzen Stadtrat ein zentrales Anliegen, dass die in unse-

    rer Gesellschaft gelebten kulturellen und religisen Traditionen sichtbar sein kn-nen und Wertschtzung erfahren. Der religise Frieden sei ein hohes Gut, das aber auch gefhrdet sein knne. Vor al-lem die muslimischen und jdischen Be-vlker