notabene 5/2014

download notabene 5/2014

of 16

  • date post

    01-Apr-2016
  • Category

    Documents

  • view

    225
  • download

    4

Embed Size (px)

description

Nach der Abstimmung: Sorge tragen geht weiter

Transcript of notabene 5/2014

  • 11

    Seite 8

    Verdingkinder und die Rolle der KirchenLicht bringen in ein dunkles Kapitel: Auch die Kirchen sind gefordert

    Gestrkt durch Abstimmungsresultat:

    Sorge tragen geht weiterSeite 10

    Von Skepsis bis zurLust am UmbauDie Pfarrschaft bezieht Position zu KirchGemeindePlus

    notabeneNr 5 / Juni 2014Zeitschrift fr die Mitarbeitenden der Zrcher Landeskirche

  • notabene 5 / 20142

    Liebe Leserin, lieber Leser

    Als die Jungfreisinnigen ihre Initiative einreichten, empfanden das viele als de-mokratische Zwngerei, hatte doch das Zrcher Volk erst grad der Neuregelung des Verhltnisses zwischen Staat und Kirchen in Verfassung und Kirchenge-setz zugestimmt. Das erreichte Resultat besttigt diese Einschtzung. Das neu errichtete transparente und faire Ver-hltnis kann nun umgesetzt werden.

    Trotzdem mussten wir die Herausfor-derung annehmen, einen Abstimmungs-kampf zu fhren. Es galt, ihn als Chance zu nutzen, die Ttigkeiten der Kirchen

    sichtbar zu machen. Ein Abstimmungs-kampf gibt ja naturgemss das Recht, Propaganda zu machen. In unserem Fall sollte es nicht darum gehen, das Blaue vom Himmel herunter zu versprechen, sondern die verborgenen guten Taten der Kirchen ins Licht der ffentlichkeit zu stellen. Das Licht unter dem Scheffel hervorholen, mit einem umgekehrten bi-blischen Bild formuliert.

    Diese Chance haben die Kirchgemein-den und Pfarreien mit ihren Mitarbei-tenden und Freiwilligen genutzt. Sie ha-ben das Kampagnenmaterial mit dem hervorragend passenden Thema Sorge tragen unter die Leute gebracht. Da-rum gebhrt der Dank den Vielen, die Leserbriefe geschrieben, Flyers verteilt,

    Papierscke herumgetragen und Plakate in die Grten gestellt haben, und die sich im Bekanntenkreis und auf Podien im Gesprch eingesetzt haben. Das ein-drckliche Ergebnis zeigt auch, dass die Verbindung zwischen Volk und Kirchen lebt.

    Natrlich sind Steuererleichterungen im Kanton Zrich egal fr welche Gruppe nicht beliebt. Das Volk lehnt seit lngerem solche ab. Es ist trotzdem ein starker Vertrauensbeweis, dass das Zrcher Stimmvolk den Kirchen zu-traut, das Geld der juristischen Perso-nen sinnvoll einzusetzen. Die Kirchen sind kredit- bzw. glaubwrdig, gerade

    auch weil sie transparent Aus-kunft geben knnen, wie und wo-fr das Geld verwendet wird.

    Das ist zugleich auch der grosse Auftrag, der uns mitgegeben wird. Wir bleiben Kirche, die of-fen fr die Menschen ist, die

    grosszgig und menschenfreundlich den Zusammenhalt in der Gesellschaft strkt. Das tun wir nicht primr, weil uns das Zrcher Stimmvolk den Auftrag gibt, sondern weil wir aus dem Evange-lium heraus fr die Menschen da sind. Gott begegnet uns gerade im Hungri-gen, Kranken, Gefangenen und Frem-den, wie es Mt. 25 formuliert. Christli-che Gemeinschaften, die sich nur um sich selbst drehen, verpassen ihren Herrn. So gesehen, danken wir der Stimmbevlkerung doppelt: fr die grosse Untersttzung und die Erinne-rung an unseren evangelischen Auftrag!

    Michel MllerKirchenratsprsident

    Aktuell

    Nachrichten3 6

    Kolumne Frauensache

    Ist Gender ein Unwort?5

    Schwerpunkte

    Neuer Prsident beim Stadtverband Zrich

    6

    Kommentar: Streckt die Kpfe aus den Medien!

    7

    Heim- und Verdingkinder: Das Schweigen brechen

    8 9

    Pfarrkonferenzen: Perspektiven aus der Sicht der Pfarrschaft

    10 12

    Rubriken

    Themen und Termine12 14

    Stellenmarkt14

    kreuz & quer: Adliswil feiert seine Geburtstagskinder

    15

    Impressum / Cartoon16

    Editorial / Inhaltsverzeichnis

    Wir haben das Licht unter dem Scheffel hervorgeholt.

  • notabene 5 / 2014 3

    kom / sch. Mit 71,8 Prozent Nein-Stim-men haben die Stimmbrgerinnen und Stimmbrger des Kantons Zrich die Kirchensteuer-Initiative verworfen. In smtlichen Bezirken und Gemeinden scheiterte die von den Jungfreisinnigen lancierte Vorlage, die unter dem Titel Weniger Steuern frs Gewerbe die ju-ristischen Personen von der Kirchen-steuer-Pflicht befreien wollte.

    Die deutlichste Abfuhr erteilte die Ge-meinde Henggart mit ber 80 Prozent Nein-Stimmen. Mehr als ein Drittel Ja-Stimmen erzielte die Vorlage nur in we-nigen Gemeinden. Neerach mit 36,24 und Hofstetten bei Elgg mit 39,51 Pro-zent Ja-Anteil zhlten zu den Gemein-den mit den grssten Befrworter-An-teilen. Hohe Absagen gab es in den Stdten Zrich (72 Prozent) und Win-terthur (74.98 Prozent). Die Stimmbe-teiligung lag bei 55,4 Prozent.

    Konfessionslose stimmen Nein

    Mit ihrem Nein am 18. Mai bekrftigten die Abstimmenden, dass die Unterneh-men im Kanton Zrich weiterhin in die gesellschaftliche Verantwortung einge-bunden sind und dass mit dem 2010 ein-gefhrten Finanzierungsmodell der Kir-chen eine tragfhige Lsung gefunden worden ist. Die Steuern der juristischen Personen drfen von den Kirchen aus-schliesslich fr nicht-kultische Zwecke verwendet werden. Die Gelder fliessen also in die Bereiche Bildung, Soziales und Kultur und kommen der gesamten Gesellschaft zugute. Diese Regelung berzeugte offenbar weite Teile der Be-

    vlkerung und nicht nur die Mitglieder der reformierten, rmisch-katholischen und der christkatholischen Kirchen im Kanton. Noch 60 Prozent gehren zu einer dieser drei ffentlich-rechtlich an-erkannten Kirchen.

    Dank an die Kirchgemeinden

    Der Kirchenrat zeigte sich nach dem deutlichen Erfolg erfreut und dankte al-len Stimmbrgerinnen und Stimmbr-gern, die mit ihrem Nein an der Urne dazu beigetragen haben, dass die Kir-chen ihr Engagement im Dienste der Allgemeinheit im bisherigen Umfang weiterfhren knnen. Den Dank richtet der Kirchenrat auch an das Nein-Komi-tee, und er wrdigte den grossen Einsatz der Kirchgemeinden im Abstimmungs-kampf.

    Transparenz und Sorgfalt

    Gegenber den Medien sagte Kirchen-ratsprsident Michel Mller, es sei ge-lungen, die Leistungen, die die Kirchen zugunsten der Gesellschaft erbringen, auf berzeugende Weise sichtbar zu ma-chen. Er werte das Abstimmungsergeb-nis deshalb als Anerkennung der Bevl-kerung fr die guten Dienste der Kirche und als Auftrag, ihre Angebote weiter-zuentwickeln und an die sich wandeln-den gesellschaftlichen Herausforderun-gen anzupassen. Mit diesem Auftrag verbunden sei auch der sorgfltige und verantwortungsbewusste Umgang mit den anvertrauten Steuermitteln und de-ren transparente Verwendung.

    Pressestimmen: Die Zeitungskommentatoren zeigten sich berrascht von der Deutlichkeit des Abstimmungsresultats. Umso mehr, als SVP, FDP und EDU die Ja-Parolen gefasst hatten. Die Resulta-te in den entsprechenden Partei-hochburgen zeigten, dass sich die Basis nicht daran gehalten htte, schrieb der Landbote: Weder im Weinland, wo die SVP dominiert, noch an der Goldkste, wo die FDP stark prsent ist, berstieg die Zu-stimmung die Marke von 36 Pro-zent. Das Nein zur Initiative sei Indiz dafr, dass das Zrchervolk das Ver-hltnis zwischen Kirche und Staat nicht weiter lockern will: Selbst Konfessionslose scheinen zu wn-schen, dass die Kirchen eine Rolle spielen in der Gesellschaft.

    Den hohen Nein-Stimmenanteil deu-teten die Kommentatoren aber nicht nur als Votum fr die Kirchen. Die Stimmbevlkerung habe nicht nur Ja zu den Kirchen gesagt, hiess es im Tages-Anzeiger. Die Bevlkerung htte sich vor allem fr ein solidari-sches und soziales Zusammenleben ausgesprochen. Gleichwohl hlt der Tages-Anzeiger fest: Trotz teils leerer Kirchen sind die Krperschaf-ten ein wichtiger Teil unserer Kultur, selbst wenn viele von uns davon we-nig konsumieren. Auch das Boden- und Hilfspersonal der Kirchen ge-niesst viel Goodwill.

    Auch die NZZ wies auf den Kont-rast zwischen Mitgliederverlust der Kirchen und der hohen Zustimmung zu ihrem gesellschaftlichen Engage-ment hin. Die ffentlichkeit schtzt zwar kirchliche Dienstleistungen, doch immer weniger Menschen fh-len sich den Kirchen tatschlich ver-bunden. Das Nein zur Kirchensteuer-Initiative ist ein Ja zu einer Kirche, die fr alle da ist, fr die man sich selber aber nicht engagieren will.

    Nein zur Kirchensteuer-Initiative / 71,8 Prozent strken den Kirchen den Rcken

    Luftballone vor der Augustinerkirche signalisieren Hochstimmung bei den

    Abstimmungssiegern (Bild unten).

    Foto

    : Dan

    iela

    Bre

    tsch

    er

  • notabene 5 / 20144

    Jahresrechnung 2013 / 5,16 Millionen im Plus und weiter sparen

    sch. Die Landeskirche schliesst die Jah-resrechnung 2013 mit einem berra-schend positiven Ergebnis ab. 5 161 530 Franken Ertragsberschuss stehen zu Buche und sollen dem Eigenkapital gut-geschrieben werden. Budgetiert waren nur gut 600 000 Franken. Zum guten Rechnungsabschluss haben verschie-dene Faktoren beigetragen: Rund 2,5 Millionen Franken konnten gespart werden, weil der Sanierungsbeitrag fr die BVK kleiner ausfiel, als man erwar-ten durfte. Die Pensionskasse konnte Ende 2012 einen besseren Deckungs-grad vermelden. Damit verringerten sich die Beitrge fr die Arbeitgeber.

    Gute Zahlen lieferte einmal mehr das Kloster Kappel. Das Bildungshaus der Landeskirche erzielte im abgelaufenen Jahr erstmals einen Unternehmensge-winn von 122 301 Franken und wirt-schaftete gesamthaft noch weit besser als erwartet (1,7 Millionen Franken). Auch der Sachaufwand der Landeskir-che lag im vergangenen Jahr um eine Million unter Budget. Dieter Zaugg, Leiter der Abteilung Finanzen, windet in diesem Punkt auch den Gesamtkirch-lichen Diensten ein Krnzchen: Alle Abteilungen gehen sehr kostenbewusst vor. Auch bei der Wiederbesetzung von Stellen sei man derzeit zurckhaltend

    und schone das Budget beim Personal-aufwand, sagt Zaugg.

    Die Jahresrechnung wird am 10. Juni der Kirchensynode zur Genehmigung vorgelegt. Dass die Finanzverantwortli-chen nach dem guten Abschluss den Fuss von der Sparbremse nehmen, ist nicht zu erwarten. Es ist erklrtes Ziel des Kirchenrates, das Eigenkapital der Zentralkasse weiter zu strken, stellt D